Berliner „Exzellenz“-Uni blamiert sich

Causa Dr. Franziska Giffey Von Josef Kraus

Bild von Björn Eichenauer auf Pixabay

Symptomatisch für den „failed state“ Berlin: Die Freie Universität rügt die Dissertation von Familienministerin Giffey, ohne zu begründen warum – und streicht dem Zweitgutachter postum den Titelzusatz.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD, 41) hat zwischen 2005 und 2009 am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin (FU) den „Doktor gebaut“. Den Titel erhielt sie für eine 266 Seiten starke Dissertation zum Thema „Europas Weg zum Bürger – Die Politik der Europäischen Kommission zur Beteiligung der Zivilgesellschaft“. 

Diese Arbeit kam Anfang 2019 auf den Prüfstand. Zwar nicht dafür, dass die Arbeit kaum etwas anderes war als ein Ego-Erfahrungsbricht: Denn Giffey schrieb vor allem über ihre eigene Arbeit als Europabeauftragte von Berlin-Neukölln. Aber: Es gab Plagiate, insgesamt 119 Textpassagen sollen künftig nicht mehr zitiert werden dürfen. Am 30. Oktober 2019 verkündete die FU: „Mit der Rüge missbilligt das Präsidium, dass Frau Dr. Giffey in ihrer Dissertation die Standards wissenschaftlichen Arbeitens nicht durchgängig beachtet hat. Die Freie Universität Berlin wird die Rüge in der veröffentlichten Fassung ihrer Dissertation kenntlich machen.“ 

Ist damit alles in Butter, wenn Giffey ihren Dr.-Titel und Ministerposten behält? Für Giffey ja, für die FU nicht, denn sie blamierte sich erneut. Am 18. November 2019 wurde nämlich in die Papierversion der in der Uni-Bibliothek vorliegenden Arbeit handschriftlich und ohne entzifferbare Unterschrift eingefügt: „Rüge erteilt durch das Präsidium der Freien Universität Berlin am 30.10.2019, 18.11.2019“, gefolgt von einem nicht lesbaren Namenskürzel. Eine Begründung fehlt. Siehe hier

Posse Nr. 2 ist, dass die FU Giffeys 2011 verstorbenem Zweitgutachter den Titelzusatz strich – nämlich dem Soziologen Hartmut Häußermann, der nun nur noch „Dr.“, aber nicht mehr „Dr. rer. pol.“ ist. Das wiederum hätte man eigentlich bei der Erstgutachterin Prof. Dr. Tanja Anita Börzel machen müssen, denn diese hatte keinen „Dr. rer. pol.“ erworben, als sie beim Europäischen Hochschulinstitut in Florenz promoviert wurde. 

Die FU Berlin nennt sich derweil weiterhin „Exzellenz-Universität“. Aber was sagt das schon? Auch an der FU wird der Dr.-Titel wie in der „Bildungsnation Deutschland“ insgesamt inflationär vergeben: An der FU waren es im Jahr 2018 exakt 299, davon 234 mit den beiden Bestnoten „summa cum laude“ und „magna cum laude“. Deutschlandweit gab es 2018 rund 30.000 Promotionen, in einzelnen Fachbereichen mit bis zu 70 Prozent Bestnote „summa cum laude“. Siehe hier.

Immerhin Zeugnisse ausstellen kann also der „failed state“ Berlin, wenn es schon mit dem Flughafenbau, dem Wohnungsmarkt, dem Straßenverkehr, der Clanbekämpfung und den Senatoren usw. usw. nicht funktioniert. Siehe hier.

Quelle

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