Das DDR-Imperium schlägt zurück

Zur Entlassung von Uwe Steimle / von Stephan Paetow

30 Jahre nach dem Untergang der DDR feuern alte Osteliten, die im besten Deutschland, das wir je hatten, Karriere gemacht haben, einen Ost-Kabarettisten, der ernsthaft glaubte, in der BRD könne man ungestraft seine Meinung sagen. Wäre eine schöne Satiresendung, ist aber leider wahr.

Hätte die BRD der DDR beitreten müssen und nicht umgekehrt – auf die Unken, die jetzt sagen, man habe den Eindruck, genauso sei es gekommen, wollen wir hier nicht eingehen –, dann hätten wir Wessis unter der Knute von strengen Sozialisten wie Karola Wille nichts zu lachen gehabt. Die mit allen Wassern des totalen Sozialismus gewaschene Juristin – an ihrer Seite als Gatte damals ein Militärstaatsanwalt der DDR – hätte wohl selbst spezialdemokratischen Traumtänzern vom Schlage Malu Dreyer, Maas oder Stegner bei kleinsten Verfehlungen die Hammelbeine langgezogen. Annalena und Robert wären in der Produktion und Schäuble klebte Tüten in Bautzen.

Unsereiner hat bis heute Bammel, Karola Willes Aufsatz „Im politischen und ideologischen Arsenal der aggressivsten und reaktionärsten Kräfte des Monopolkapitals nimmt der Revanchismus einen gewichtigen Platz ein …“ zu lesen, den sie mit einem Geheimdienstoffizier „im besonderen Dienst“ verfasst hat.

Aber es kam ja irgendwie anders, und Karola sattelte schnell noch ein paar juristische Kurse an der Fernuniversität Hagen drauf, und schon sitzt sie als Intendantin beim MDR (tja, so ist das, wenn man kein Wiederbetätigungsverbot erlässt). Als zeitweise Vorsitzende der ARD steht sie übrigens Patin für das Agitations- und Propaganda-Papier (neudeutsch „Framing“), mit dem der Staatsfunker beigebracht bekam, wie er dem depperten Zuschauer weismachen kann, dass der Staatsfunk kein Staatsfunk und die Zwangsgebühren keine Zwangsgebühren sind.

Wolf-Dieter Jacobi, der im sogenannten Roten Kloster, an der „Sektion Journalistik“ der Universität Leipzig von 1986 bis 1990 studierte – die Sektion Journalistik stand bis 1989 unter der direkten Aufsicht der Abteilung „Agitation und Propaganda“ des Ministeriums für Staatssicherheit – ist inzwischen Programmdirektor bei Karola Willes MDR und überbrachte dem Kabarettisten Uwe Steimle die Kündigung per Twitter: „Eine weitere Zusammenarbeit“ sei „unmöglich gemacht“. „Gemacht“. Also von Steimle natürlich.

Wir haben die „Anklagepunkte“ mal zusammengetragen. Steimle hat…
… sich in einem „Kraft durch Freunde“-Shirt fotografieren lassen. („Kraft durch Freunde“, der ist wirklich gut, ärgerlich, dass wir da nicht drauf gekommen sind!)
… der „Jungen Freiheit“ ein Interview gegeben. (Teufel aber auch!)
… die „Gemeinsame Erklärung 2018“ unterzeichnet. (Gottogott, das wird ja immer schlimmer!)
… in seinen legendären Parodien auf Honecker „zwar Kritik mitschwingen lassen, aber deutlich mehr Zuneigung als für dessen Landsmann Heiko Maas gezeigt“. (Zeuge: Die westdeutsche allgemeine SPD-Zeitung/WAZ)
… die Abgeordneten des Bundestages als „arbeitsscheues Gesindel bezeichnet, das wegmüsse“. (Und zwar „nicht ironisch“, führte der Zeuge WAZ aus)
… „sich als Unterstützer“ von Pegida präsentiert. (Brüder und Schwestern! Schlagt das Kreuz! Holt das Weihwasser – und bringt Karldinal Marx gleich mit!)

Angeklagter, was hamse zu Ihrer Verteidschung zu sochn? Dass Sie Kabarettist sind? Im Zweifel links? Warum sind Sie dann nicht bei der Heute Show?

Uwe Steimle, der mit dem ostalgischen Hausmeister Günther Zieschong eine sächsische Kultfigur schuf, hätte wissen können, dass der alte Geist noch lebt. Zu Beginn einer Show testete Zieschong, „wie viel noch da ist“ beim Publikum.

Zieschong: „Für Frieden und Sozialismus seid bereit…“
Publikum: „…Immer bereit!“
Zieschong: „Guck, alles noch da!“

Das war Satire, Kabarett vom Feinsten. (Hier das Video) Seine Entlassung ist hingegen Realität bei Parteien- und Staatsfunk im real existierenden Sozialismus, der sich keine echten Kabarettisten leisten kann.

Wer hat denn nun den Egon Erwin „Kitsch“-Preis, den ersten „Reporterpreis“ nach Claas Relotius bekommen? Hauptsächlich die Süddeutsche. Und die Zeit. Der Spiegel ist noch im Verschiss. Nur eine Auszeichnung hat hat man ihm gegeben, und die muss er sich auch noch mit den Prantlern teilen.

Kannste mal sehen

Auch wenn es schwerfällt, aber wir wollen es dem Alexander Gauland mal glauben, wenn er über die Benimm-Flegel im Deutschen Bundestag sagt: „Jürgen Trittin ist immer sehr höflich, das gilt auch für Robert Habeck.“

Quelle

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