Als Margaret Thatcher das Scheitern des Euro vorhersagte

Bild Pixa

Im Jahr des Maastricht-Vertrages sagte die frühere britische
Premierministerin voraus, was wir heute erleben: das Scheitern der
Währungsunion und den Aufstieg extremer Parteien. Thatchers prophetische
CNN-Rede liest sich streckenweise wie eine Beschreibung unserer
Gegenwart.

Von Redaktion Tichys Einblick

Im Nachhinein kann man Margaret Thatchers Prognose nur als zutreffend
bewerten. Was sie am 19. September 1992, zwei Jahre nach ihrem
Machtverlust und wenige Monate nach Unterzeichnung des
Maastricht-Vertrages, auf der CNN World Economic Development Conference
in Washington der EU und der damals beschlossenen Währungsunion prophezeite, ist eingetreten:  

„Wenn die Divergenz zwischen verschiedenen europäischen
Volkswirtschaften so groß ist, dass sogar der ERM (European Exchange
Rate Mechanism) sie nicht eindämmen konnte, wie würden dann diese
Volkswirtschaften auf eine einzige europäische Währung reagieren? Die
Antwort ist, dass es Chaos gäbe in einer Weise, vor der die
Schwierigkeiten der jüngeren Zeit verblassen würden.“

„Riesige Summen,“ so prophezeite Thatcher weiter, „müssten
transferiert werden von den reicheren zu den ärmeren Ländern und
Regionen, um ihnen zu ermöglichen die Spannungen auszuhalten. Auch dann
würden Arbeitslosigkeit und Massenwanderung über die nun offenen Grenzen
die Folge sein. Und eine vollständig gemeinsame Währung würde keinen
Notausstieg ermöglichen.

Die politischen Folgen sind schon erkennbar: das Wachsen
extremistischer Parteien, gemästet durch die Furcht vor Zuwanderung und
Arbeitslosigkeit, die eine wirkliche – allerdings völlig unwillkommene –
Alternative zum euro-zentristischen politischen Establishment bieten.

Was für ein Unterschied zu Deutschland
Wenn dazu noch eine übernationale europäische Föderation geschaffen
würde, wodurch die Leute ihre nationalen Parlamente nicht mehr zur
Verantwortung ziehen könnten, könnte der Extremismus noch mehr wachsen. 

Es ist Zeit für die europäischen Politiker aufzustehen und dies zur
Kenntnis zu nehmen. Zeit, ihre endlosen Gipfeltreffen zu beenden – diese
Gipfelei wird bald zu einem Ersatz für Entscheidungen – und die
Wirklichkeit um sie herum zu beobachten.“

Der rhetorische Höhepunkt ist ein unübersetzbarer Satz, mit dem sie –
auch hier prophetisch – das „wachsende Gefühl der Entfernung, der
Entfremdung der Menschen von ihren Verwaltungseinrichtungen und
politischen Führern“ beschreibt: „There is a fear that the European
train will thunder forward, laden with its customary cargo of gravy,
towards a destination neither wished nor understood by electorates.“
Fans der Rock-Band Pink Floyd werden vielleicht aus deren Lied „Have a
Cigar“ die englische Redensart „riding the gravy train“ (wörtlich: „auf
dem Soßen-Zug mitfahren“), was so etwas wie „absahnen“ (auf Kosten
anderer) bedeutet. Thatcher kritisiert also indirekt eine absahnende
Euro-Elite, die ein Ziel ansteuert, das „von den Wählern weder gewünscht
noch verstanden wird“. Und sie warnt: „Aber der Zug kann gestoppt
werden.“

Thatcher hielt ihre Rede wenige Tage vor dem französischen
Maastricht-Referendum. Ihre Ablehnung des Vertrages spricht sie nicht
direkt aus. Aber sie sagt: „Wie
auch immer das Ergebnis sein wird, Frankreich wird weiterhin Europa
errichten, weil Europa nicht ohne Frankreich errichtet werden kann. Aber
wird es ein Europa der Bürokratie sein oder ein Europa der Vaterländer?
Das Europa von Delors? Oder das Europa von de Gaulle? Wenn ich
Französin wäre, würde ich zur Fahne des Generals stehen und rufen: Vive
l’Europe libre!“
Die Position, die Thatcher 1992 vertrat (und vor ihr de Gaulle), ist
also eine, die heute in Brüssel und Berlin als mindestens
populistisch bezeichnet würde. Etwa, wenn sie weiter sagt: „Jede Politik
oder jedes Programm, dass versäumt die Macht der nationalen
Zugehörigkeit anzuerkennen, ist letztlich zum Scheitern verurteilt.“ Und fordert: „Statt
einer zentralisierten Bürokratie, die identische Regeln festlegt,
sollten die nationalen Regierungen verschiedene Mischungen von Steuern
und Regulierungen anbieten, die miteinander im Wettbewerb stehen und
ausländische Investitionen, Top-Manager und Großverdiener. Solch ein
Markt würde die Regierungen zu fiskalischer Disziplin zwingen, da sie
Experten und Unternehmen nicht vertreiben wollen.“

Das britische Volk und Thatchers Nach-nach-nach-nach-nach-Nachfolger
Boris Johnson, haben nun, indem das Vereinigte Königreich komplett aus
der EU scheidet, die Konsequenz aus der Prophezeiung der eisernen Lady
gezogen. Sie taten, was Thatcher in ihrer Rede einforderte: „Was wir tun müssen, ist die Lektionen dessen zu lernen, was geschehen ist.“

Quelle: https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/als-margaret-thatcher-das-scheiterns-des-euro-vorhersagte/

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