ZDF und Klima-Frame: auf Nachfrage keine Belege

Von Alexander Wendt

Das ZDF kann seine Behauptung eines Zusammenhangs zwischen Klimaveränderungen und Extremwetter-Ereignissen auch auf Nachfrage nicht belegen, insbesondere die Darstellung nicht, der IPCC hätte eine solche Kausalität festgestellt.

Nach der Berichterstattung des ZDF über den Naturkatastrophen-Report der Munich Re für 2019 hatte TE bei dem Sender nachgefragt, worauf er seine Behauptung stützt, der Report „bestätige“ die Erkenntnis des IPCC, die angeblich lauten soll: „Die Zahl von Extremwetterereignissen nimmt weltweit durch den Klimawandel zu“. Denn eine solche Aussage findet sich in dem Sonderbericht des IPCC zum Thema Klima und Extremwetter von 2018 gerade nicht. Abgesehen davon bestätigt der Report der Munich Re auch nicht, dass die Zahl der Extremwetterereignisse „durch den Klimawandel“ weltweit generell zunimmt. TE hatte über diesen Medien-Frame berichtet.

Mittlerweile gibt es eine Antwort des Senders dazu. Die enthält einen Rechtfertigungsversuch – aber keinen einzigen Beleg der millionenfach auf heute.de verbreiteten Behauptung. In der Mail, die vom ZDF als „Hintergrundinformation, nicht als Statement“ gekennzeichnet ist, heißt es:

„Zu Ihren Fragen nach den Belegen für das, was zum Beispiel die Wissenschaftler des Weltklimarates IPCC schon länger feststellen: Der Autor hat sich unter anderem auf den Special-Report von 2018 bezogen, in dem beim bereits vorhandenen Ein-Grad-Szenario eine Zunahme von Extremwetterereignissen vermerkt ist. Auch im Special-Report „Climate Change and Land“ (August 2019) wird unter anderem auf die Zunahme von Hitzewellen und Dürren verwiesen. Eines der Zitate daraus: „The stability of food supply is projected to decrease as the magnitude and frequency of extreme weather events that disrupt food chains increases“ Und auch der Special-Report über Ozean und Kryosphäre (Zusammenfassung), ebenfalls 2019, liefert weitere Aussagen dazu.“

Das Zitat bezieht sich allerdings, wie unschwer zu erkennen, auf etwas ganz anderes, nämlich erstens auf die mögliche Auswirkung von Extremwettern auf die Stabilität der Lebensmittelversorgung. Und zweitens auf die Zukunft. Die vom ZDF behauptete Aussage des IPCC soll sich dagegen erstens auf einen ausdrücklichen Zusammenhang zwischen Klimawandel und der Zunahme von Extremwetter-Ereignissen beziehen, und zweitens auf Vergangenheit und Gegenwart (also auf eine klimabedingte Zunahme, die schon stattgefunden haben soll).

Zu dem anderen Punkt („Zunahme von Hitze und Dürren“) liefert die ZDF-Redaktion weder ein Zitat noch eine Angabe, auf welchen Zeitraum sich diese Zunahme beziehen soll. Schon gar nicht ist von einer Klimakausalität die Rede.
TE fragt also nach einem Beleg – das ZDF redet von etwas völlig anderem. Vor allem geht der Sender nicht darauf ein, dass das IPCC in seinem Bericht 2018 ausdrücklich feststellt, es schätze Daten zu einem Zusammenhang zwischen Klimaveränderung und Extremwettern als sehr unzuverlässig ein („low confidence“), und deshalb ausdrücklich keine Kausalität annehmen. Hier noch einmal die entsprechende Passage aus dem IPCC-Bericht:

„There is low confidence in any observed long-term (i.e., 40 years or more) increases in tropical cyclone activity (i.e.,intensity, frequency, duration), after accounting for past changes in observing capabilities. It is likely that there has been a poleward shift in the main Northern and Southern Hemisphere extratropical storm tracks. There is low confidence in observed trends in small spatial-scale phenomena such as tornadoes and hail because of data inhomogeneities and inadequacies in monitoring systems.“

Diese Aussage hatte TE in seiner Anfrage dem ZDF entgegengehalten. Der Sender geht in seiner Antwort nicht darauf ein.

Außerdem heißt es aus der Redaktion des Senders:
„Der IPCC beruft sich auch auf die World Meteorological Organization (WMO), die den Zusammenhang herstellt: ‚On a day-to-day basis, the impacts of climate change play out through extreme and ‚abnormal” weather. And, once again in 2019, weather and climate related risks hit hard. Heatwaves and floods which used to be ‚once in a century’ events are becoming more regular occurrences. Countries ranging from the Bahamas to Japan to Mozambique suffered the effect of devastating tropical cyclones. Wildfires swept through the Arctic and Australia, said Mr Taalas’.“

Der Weltmeteorologie-Verband ist allerding nicht das IPCC, von dem das ZDF gesprochen hatte. In dem entsprechenden Zitat heißt es „on a day-to-day-basis“. Auf einer Basis von Tag zu Tag lässt sich allerdings alles einschließlich des Gegenteils nachweisen. Wer einen Sonnentag und eine darauffolgende Regenwoche zu einem Zeitraum zusammenfasst, kann beispielsweise spielend eine Zunahme des Regens nachweisen. Klimaentwicklungen werden deshalb mindestens in 30-Jahres-Zeiträumen betrachtet.

Die Behauptung eines direkten Zusammenhangs zwischen Klimaerwärmung und Buschfeuern in Australien im Jahr 2019 wirkt außerdem einseitig und verkürzend. Als Hauptursache für die Buschbrände gelten bislang Blitzschläge, außerdem spielt der Verzicht auf die Rodung von Unterholz eine große Rolle. Die Polizei ermittelt auch in einigen Fällen von Brandstiftungsverdacht.

Fazit: Das ZDF kann seine Behauptung eines Zusammenhangs zwischen Klimaveränderungen und Extremwetter-Ereignissen auch auf Nachfrage nicht belegen, insbesondere die Darstellung nicht, der IPCC hätte eine solche Kausalität festgestellt.

Quelle

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