Wer genau eigentlich sind diese Grünen? Was treibt sie an? Und was bewirken sie – oder anders: Was richten sie an?

Staat = politische Gesellschaft und Zivilgesellschaft, das heißt Hegemonie, gepanzert mit Zwang. Antonio Gramsci: Gefängnishefte; Heft 4 – § 88, 783

Prolog

Wenn Sie „Bündnis‘90/Die Grünen“ googeln, bekommen Sie 10.600.000 Ergebnisse. Ungefähr. In Worten: zehn Millionen sechshunderttausend. Das ist ganz ordentlich für eine Partei, die gerade erst 40 Jahre jung wird. Ob Freund oder Gegner: Man kommt nicht darum herum, dass die Ökopaxe es recht schnell recht weit gebracht haben.Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von Twitter angezeigt werden.

Pünktlich zur grünen Geburtstagsfeier kommt auch kein Freund oder Gegner um einen der schier unzähligen, meist nur notdürftig als „Analyse“ verpackten Glückwünsche herum, die derzeit allenthalben aus den TV-Bildschirmen, den Radiogeräten, den gedruckten Medien und dem Internet geradezu hervorquellen.

Gratuliert wird anderswo also schon genug. Vielleicht dient es gerade deshalb der Wahrheitsfindung, wenn man den ganzen Jubiläumsjubel – inklusive der Wetten, wann der grüne Co-Parteivorsitzende Robert Habeck denn nun Kanzler wird – mit einer etwas weniger huldvollen Betrachtung ausbalanciert.

Wer genau eigentlich sind diese Grünen? Was treibt sie an? Und was bewirken sie – oder anders: Was richten sie an?

Der grüne Anhänger …

… ist tatsächlich öfter eine Anhängerin: Die Grünen sind mehrheitlich weiblich. Sie studiert überdurchschnittlich häufig oder hat es getan (wenn auch keineswegs immer mit Abschluss). Sie lebt meistens in der Stadt. Sie verdient gut, ist oft Angestellte und noch öfter Beamtin und arbeitet überhaupt ganz besonders oft im Öffentlichen Dienst. Sie kommt aus dem Westen, dem hohen Norden und dem tiefen Süden, insbesondere dem Südwesten. Dieses demoskopisch eingehend erforschte Bild wird auch durch aktuelle Wahlergebnisse und deren Untersuchung gestützt.

Aufschlussreich sind dabei Urnengänge, die normalerweise durch den Rost der öffentlichen Wahrnehmung fallen, zumindest überregional. Nehmen wir die rheinland-pfälzischen Kommunalwahlen vom Mai 2019 (ausführlich analysiert von Science Files): B‘90/Grüne sind hier in den Universitätsstädten im Vergleich zum Landesergebnis weit überdurchschnittlich erfolgreich – also dort, wo viele Studenten sind („akademische Nomaden“ nennt sie die Soziologin Heike Diefenbach).

Demgegenüber fallen die grünen Ergebnisse auf dem Land geradezu extrem ab: In Pirmasens holen sie volle 21,1 % weniger als in Mainz. Die Grünen repräsentieren den alten Konflikt zwischen Stadt und Land, der schon die Weimarer Republik so quälte. Sie polarisieren die urban-akademischen und die ländlichen Regionen. Das tun die Grünen viel stärker als zum Beispiel die AfD: Deren bestes Ergebnis (in der Arbeiterstadt Ludwigshafen) und ihr schlechtestes (im studentischen Mainz) liegen nur 8,2 % auseinander.

Hier zeigt sich zum ersten Mal ein Befund, der bei nüchternen Gemütern die Freude über die Öko-Party etwas trübt: Die Grünen spalten das Land.

Der grüne Arbeiter …

… ist ein Oxymoron. Zumindest so gut wie.

Weiterlesen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: