Claudia Roth gibt zugkräftige Rückendeckung …

Helmut Kuntz
… lautete die Überschrift in einer Lokalzeitung zum Besuch von C. Roth bei den GRÜNEN in Nürnberg. Die Bildunterschrift beschrieb dann das Wichtige:
[4] NN: „Mit ihren Ausführungen zur Klimakrise … traf Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth den Nerv ihrer Zuhörer …“

Märchen darf man beliebig oft wiederholen und (nicht mehr) nur (Klein-)Kindern glauben, das seien Wahrheiten

Und was erzählte die Claudia ihren begeisterten Zuhörern:
C. Roth: „ … das sei heute wichtiger denn je, meinte Roth mit Blick auf die weltweite Klimakrise, die sich aktuell mit den Buschbränden in Australien und den Auswirkungen in Ländern wie Bangladesh augenfällig zeigt … Längst sei, so Roth, die Klimakrise auch bei uns greifbar: In Franken litten die Bauern an der massiven Trockenheit ... “ Der GRÜNE Nürnberger Bürgermeisterkandidat fügte hinzu: „ … in Stadeln (Anm.: Ein Vorort von Fürth) bereits „ein ganzer Wald“ gestorben sei …“

Zu den Buschfeuern in Australien, die schlimm sind, als wesentliche Ursachen aber bewusstes „Zündeln“ sowie GRÜNE Vorschriften haben, kam auf EIKE schon vieles. Mit „Bangladesh“ hat Claudia sicher ihre Lustreise auf Steuerzahlerkosten angesprochen, bei der sie sich von Aktivisten ihre Meinung bestätigen lies und tunlichst vermied, vor Ort wirkliche Ursachen zu erkennen:
EIKE 30. April 2019: [1] Claudia Roth auf Forschungsreise zum Klimawandel

Ihr Beispiel und die folgende Ergänzung des Nürnberger Bürgermeisterkandidaten zur Trockenheit in Franken zeigt exemplarisch, dass man auch in betroffenen Landstrichen auf vollständige Unwissenheit vertrauen kann.
Franken war schon immer trocken und in der kälteren Vergangenheit wohl noch stärker, zumindest lässt es der langjährige Niederschlagsverlauf von Bayern vermuten, wie es die Grafik (Bild 1) zeigt. Diese Grafik zeigt auch, dass Deutschland inzwischen nicht nur bei seiner Industrie beginnt, sich auf das Niveau von Entwicklungsländern zu reduzieren, auch der DWD macht es mit seinen Klimadaten.

Ausgerechnet im „Klimawandel-gebeutelten“ Mainfranken zeigt die wichtige Niederschlagsdatei eklatante Lücken, wie es aus Entwicklungsländern bekannt ist. Oder hat der DWD lückenlose Daten und gibt sie „fürs Volk“ nicht heraus?
Jedenfalls sieht man deutlich, dass der Niederschlag in Bayern dank dem Klimawandel stetig zunimmt, wie beim Niederschlag üblich, jedoch mit extremen Variabilitäten. Das sehr trockene Jahr 2018 war in Bayern bei Weitem nicht das trockenste. Und der Sommerniederschlag ist gleichbleibend, von einer „Sommeraustrocknung“ keine Spur. Allerdings müssten die Sommer nach der gängigen Theorie: mehr Wärme = mehr Niederschlag, feuchter werden. Stattdessen haben alle Angst vor einem Austrocknen. Doch Logik war noch nie eine Domäne der GRÜNEN.

Bild 1 Jahresniederschlag Würzburg ab 1947 und Bayern ab 1881. Grafik vom Autor teils erstellt, ergänzt und zusammengefügt. Quellen: DWD
Bild 2 Bayern, Sommerniederschlag seit 1881. Quelle: DWD Viewer

Nun zum Statement des GRÜNEN Bürgermeisterkandidaten, der sich so sehr um die Wälder sorgt. Er wiederholt nur, was die Stadtförster – vor allem ein ganz umtriebiger von Fürth – bei jeder sich bietenden Gelegenheit über die Lokalmedien verkünden: Wir sind ganz, ganz wichtig, denn ohne unsere Kenntnisse würden die Wälder den gesicherten Klimawandel bestimmt nicht überleben.

Dabei hat der letzte Waldzustandsbericht den Bayerischen Wäldern erst vor wenigen Jahren einen guten Zustand bescheinigt (den ein Vorgänger der aktuellen, Nürnberger Stadtförster damals bestätigt hat):
EIKE 16.11.2017: [2] Der Waldzustand in Bayern ist schlechter, obwohl er besser wurde

Es ist eben immer das Gleiche (Spiel): Lasse die schlimme Vergangenheit weg und sofort erscheinen Gegenwart und Zukunft trostlos – und es erscheinen Führergestalten, die dagegen die richtigen Rezepte haben.

Wer meint, Waldprobleme wären eine Erscheinung der Neuzeit, irrt gewaltig

Wann waren die Wälder um Nürnberg wirklich fast tot? Es war zu den angeblich „naturnahen Zeiten“, als die Natur dem Mensch ihre ganze Brutalität zeigte. Man stelle sich vor, heute wäre über solche riesigen Waldschäden wie damals zu berichten:

[3] Bayerns Wälder. 250 Jahre Bayerische Staatsforstverwaltung, Forstheft 3-4: „Anmutiges Waldland“, „Steckerleswald“, Wirtschaftswald, Naturreservat – ein (mehr historischer) Streifzug durch die bayerischen Waldungen

Bild 3 [3] Bildtext: Ende des 19. Jahrhunderts häuften sich in den mit robusten Fichten und Kiefern wieder aufgebauten Wäldern um München und Nürnberg die Katastrophen. Die ausgedehnten Nadelwälder waren anfällig für Insekten, Sturm und Schnee. Im Nürnberger Reichswald vernichteten die Raupen des Kiefernspanners zwischen 1892 und 1896 rund 10.000 Hektar Wald.
Bild 4 [3] Bildtext: Die großen Fichtenforste wie der Ebersberger Forst waren den Kräften der Natur nicht gewachsen. Der Nonnenfraßkatastrophe* des Jahres 1892 folgten Stürme, so dass nahezu der gesamte Ebersberger Forst am Boden lag. Die Wiederaufforstung dieser riesigen Kahlflächen dauerte fast vierzig Jahre. –  *Weit stärkere Einbußen aber als durch Streunutzung, Viehweide und Wildverbiss hatte der Ebersberger Forst durch Hagelschäden und Sturmwürfe zu erleiden – Katastrophen, die sich allerdings relativierten, als 1890 die Nonnenraupen nahezu die Hälfte des Waldes kahl fraßen.

Historie [3: (Nürnberger Reichswald) … Eine erste Waldordnung ist schon aus dem Jahr 1294 bekannt, sie forderte von den Reichswaldförstern eine geregelte Bewirtschaftung. Dennoch war der Reichswald zu Beginn des 14. Jahrhunderts derart ausgebeutet und durch Brände verwüstet, dass der Kaiser den „Verlust seiner Gnade“ androhte. Zwei Jahrhunderte später war der Wald bereits wieder in einem derart desolaten Zustand, dass eine neue Waldordnung energisch den verstärkten Schutz der stadtnahen Wälder befahl. Vor allem der überhöhte Wildbestand war es, der im 18. Jahrhundert den scheinbar endgültigen Niedergang herbeiführte. Als Nürnberg seine Reichsunmittelbarkeit verlor und 1806 der Krone Bayerns unterstellt wurde, bot der ausgeplünderte Wald ein Bild des Jammers. Eine Waldbestandsaufnahme in den Jahren 1818 bis 1820 zeigte, dass ein Fünftel nur noch aus Ödflächen bestand, die zum Großteil mit verkrüppelten Kiefern bewachsen waren. Die Forstleute leisteten großartige Arbeit, im Lauf der Jahrzehnte wurde ein kräftiger Bestand an Altholzreserven herangezogen, doch 1893/94 vernichteten Raupen des Kiefernspanners – wie eine Heuschreckenplage – all die Arbeit. 32 Prozent der gesamten Fläche des Reichswaldes mussten kahl geschlagen werden. Versuche zur Einbürgerung von Laubbäumen schlugen damals weitgehend fehl, nur die Kiefer überdauerte in ihren Beständen, aus denen schließlich der „Steckerleswald“ der Nürnberger heranwuchs …

Wie immer haben GRÜNE eine Lösung und wenn es nur viele Fragen sind

Selbstverständlich muss heutzutage in Stadtratssitzungs-Diskussionen und -Entscheidungen zu und vor allem erst einmal der Klimawandel berücksichtigt werden. Wer den obligatorischen, örtlichen Klima-Maßnahmen-Fortschrittskatalog dazu nicht ständig im Kopf präsent hat, dem fehlt das Wichtigste an Entscheidungsgrundlage.
So etwas muss man aber auch regelmäßig üben. Die GRÜNEN zeigen, wie es geht:

Bild 5 Screenshot von der Homepage

OA/0386/2019 Antrag: Kiefernsterben im Stadelner WaldZur Sitzung des Stadtrats am 18. Dezember 2019 stellen wir daher folgenden A n t r a g :
In der Stadtratssitzung am 18.12.2019 wird ausführlich über die notwendige Entfernung von ca. 1200 Kiefern im Stadelner Wald berichtet und Zeit zur Diskussion des Themas eingeräumt.
Insbesondere sollen folgende Fragen durch die Verwaltung beantwortet und in der Folge diskutiert werden:
– In den Fürther Nachrichten vom 18.11. war die Aussage des Stadtförsters zu lesen, dass die Hauptursache für das Sterben der Kiefern bei Stadeln niederschlagsarme Sommer sind, wie sie durch die Klimaerwärmung immer häufiger auftreten werden. Wird diese Analyse bestätigt?
– Es wurden breite Schneisen in den Wald geschlagen und Erntemaschinen eingesetzt.
Sind durch die Fällungen auch zum Teil nahestehende gesunde Laubbäume, u.a. große Eichen, beschädigt oder sogar entfernt worden?
– Wie soll der Stadelner Wald wieder revitalisiert und zukunftssicher gemacht werden? Sind Pflanzungen (ggfs. anderer, trockenheitsresistenterer Baumarten) geplant?
– Welcher wirtschaftliche Schaden ist entstanden (Abschätzung)?
– Sind nach Einschätzung der Verwaltung vergleichbare Krisenlagen auch in anderen Wäldern, Forsten, Biotopen und sonstigen Naturräumen zu erwarten?
– Welche Maßnahmen werden derzeit umgesetzt, um insbesondere die Fürther Wälder und Forste vor solchen Krisen zu schützen?
– Angesichts der fortschreitenden Klimaerwärmung muss die Stadt Fürth unserer Ansicht nach ihre bisher geplanten Anstrengungen zum Klimaschutz noch einmal deutlich beschleunigen.
Welche Möglichkeiten sehen die einzelnen Referate für solche vermehrte Anstrengungen?

So etwa hätten vielleicht die künftigen Sitzungen im Aufsichtsrat von Siemens-Energie verlaufen können, wenn Studentin Luisa den ihr von Joe Kaeser versprochenen Posten angenommen hätte …

Antworten zu einem Teil ihrer Anfrage standen allerdings schon in der Tageszeitung. Klar: Lesen und dabei noch denken, ist bei ihrem Klientel nicht gerade werbewirksam, „klug(scheißerisch)e“ Fragen scheinen es weit eher zu sein.
Jedenfalls fand sich darin ein wesentlicher Teil der Probleme beschrieben (dass die letzten beiden Jahre historisch gesehen trocken, aber nicht „extrem trocken“ waren, muss man dem Klima-hysterisch eingestellten Stadtförster nachsehen):
Nordbayerische Nachrichten, 18.11.2019: Extreme Trockenheit: 1200 Kiefern im Stadelner Wald verdorrtDie damalige lang andauernde Trockenheit traf in Stadeln auf einen Boden, der „fast der ärmste im Stadtgebiet“ sei: arm an Wasser, aber auch an Nährstoffen. Im vergangenen Winter konnte der Förster dann beobachten, „dass viele Kiefern absterben“.
Der Sommer 2019 brachte naturgemäß keine Besserung, denn er fiel erneut viel zu trocken aus. Die Folge: Der blaue Kiefernprachtkäfer – er bevorzugt geschwächte Bäume – breitete sich weiter aus. Einzelnen Kiefern kann der Schädling durchaus den finalen Todesstoß versetzen, weiß Straußberger …

Der derzeit viel zitierte Klimawandel also? Ja, sagt Straußberger, für ihn stehe dieser Zusammenhang fest. Ein einzelnes Trockenjahr habe es auch schon in den 1970er Jahren gegeben; nie aber so viele in so kurzer Abfolge: 2003, 2005, 2006, 2015, 2018, 2019, beginnt er aufzuzählen. „Diese Häufung macht es aus.“

Nun noch nachgesehen, was von der Aussage „ … nie aber so viele in so kurzer Abfolge …“ des Stadtförsters zu halten ist:
In der folgenden Grafik sind für Bayern die Niederschlags-Mehrjahressummen von eins bis fünf Jahren dargestellt. Von der Jahres- bis zur 5-Jahressumme war sogar das Tief des Extremjahres 2018 früher oft erreicht und sogar unterschritten.
Auch zeigt sich kein Trend, jedoch eine stetige Zyklik. Von ca. 1980 – 2002 wurden die Bäume allerdings vom vielen Niederschlag „verwöhnt“, der von diesem Hoch seit ca. 2002 deutlich abgenommen hat.
Einen Stadtförster in Zeiten des „Klimawandels“ mag solches Wissen oder Nachsehen wohl überfordern. Zudem, wer als kommunaler Angestellter hat schon den Mut, gegen die GRÜNE Meinungshoheit mit Wissen „anzustinken“? Das könnte nur den Job gefährden.

Bild 6 Bayern, mehr-Jahresniederschläge seit 1881. Grafik vom Autor anhand der DWD-Daten erstellt

Quellen

[1] EIKE 30. April 2019: Claudia Roth auf Forschungsreise zum Klimawandel

[2] [7] EIKE 16.11.2017: Der Waldzustand in Bayern ist schlechter, obwohl er besser wurde

[3] Bayerns Wälder. 250 Jahre Bayerische Staatsforstverwaltung, Forstheft 3-4: „Anmutiges Waldland“, „Steckerleswald“, Wirtschaftswald, Naturreservat – ein (mehr historischer) Streifzug durch die bayerischen Waldungen

[4] Nordbayerische Nachrichten, 13. Januar 2020 (Lokalausgabe): Zugkräftige Rückendeckung

Quelle

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