Apokalyptiker: Weltuntergang war eigentlich schon immer*

Bild :Pixa

Wolfgang Kaufmann (Red. PAZ)*
Von den alten Sumerern über die Friedensbewegung bis zu „Fridays for Future“: Die Warnung vor dem nahen Ende durchzieht die Geschichte seit Anbeginn der menschlichen Zivilisation

Das apokalyptische Denken ist so alt wie die menschliche Zivilisation selbst: Bereits in den Mythen der Sumerer, Babylonier und Assyrer finden sich Passagen, die ein katastrophales Ende der Welt ankündigen. Später brachten vor allem das Juden- und frühe Christentum apokalyptische Strömungen hervor – ruhend auf den düster warnenden Schriften von Autoren wie Amos, Micha, Jeremia, Ezechiel, Daniel und schließlich Johannes.

Diese entfalteten ihre Wirkung bis in die Neuzeit. Selbst die Friedens- und Ökobewegung im 20. Jahrhundert stand in der Tradition der Apokalypse: So wurde der Untergang der Menschheit mal durch einen Atomkrieg, mal durch Kernenergie, das „Waldsterben“ oder das Ozonloch beschworen. Nun erheben die Klima-Hysteriker ihre Stimme, wobei sich besonders große Ähnlichkeiten mit den apokalyptischen Bewegungen in der Zeit zwischen dem 8. Jahrhundert vor und dem 15. Jahrhundert nach Christi Geburt auftun.

Den Kassandra-Rufern von einst und heute ist gemeinsam, dass sie ein entschieden negatives Bild vom Zustand der Welt zeichnen, wobei die angebliche Misere nicht auf höhere Mächte, sondern den Menschen zurückgeht. Des Weiteren wurde und wird ein baldiger Untergang prophezeit. Manche Klima-Apokalyptiker legen sich sogar schon auf konkrete Jahreszahlen fest – ganz wie weiland Papst Silvester II., der glaubte, das Welten-Ende werde exakt im Jahre 1000 kommen.

Die Ursache für dieses Denken ist in beiden Fällen gleich. Zum einen spielen ganz konkrete, als traumatisch erlebte Ereignisse in der jeweiligen Gegenwart eine Rolle. War es bei Johannes die Christenverfolgung unter den römischen Kaisern Nero und Domitian, sind es heute Naturkatastrophen, welche von den Medien immer stärker dramatisiert werden. Andererseits durchleiden Apokalyptiker stets auch individuelle Identitätskrisen. Sie sehen Forderungen von Seiten ihrer sozialen Umwelt auf sich zukommen, die sie entweder nicht erfüllen können oder wollen. Das führt zu einem noch stärkeren Bedrohungsgefühl aufgrund der völlig berechtigten Angst vor gesellschaftlicher Isolation. Deshalb suchen Apokalyptiker Gleichgesinnte oder besser gesagt, gleichermaßen „Geschädigte“. So finden sie wieder Halt und Sicherheit.

Der Mensch ist an allem schuld

Als Gruppe versuchen die Apokalyptiker dann eine neue Sicht auf das Universum zu propagieren und durchzusetzen,  denn sie sind die, welche begriffen haben, wie die Welt wirklich funktioniere: Dass alles auf ein finales Gericht hinsteuere oder dass das Klima letztlich für den Gang sämtlicher wichtigen Dinge auf unserem Planeten verantwortlich sei. Diesen alleinigen Wahrheitsanspruch begründen die Apokalyptiker mit ihrer besonderen Sensibilität, die sie Dinge spüren lasse, die der Masse zunächst noch verborgen blieben. Zur Erinnerung: Greta Thunbergs Mutter behauptet mit vollem Ernst, ihre Tochter könne CO2 sehen. Überall zeigen sich den „Wissenden“ Menetekel – sei es in Form eines heißen Sommertages oder im Meer schwimmender Plastiktüten, sei es im Auftauchen falscher Propheten oder unbekannter Tiere.

Zudem ist das Denken und Handeln der Apokalyptiker über die Maßen ethisch-moralisch aufgeladen und damit weitgehend irrational. Das trennt sie ebenfalls vom Rest der Gesellschaft und verschärft die Konfrontation zwischen den Apokalyptikern und der Mehrheitsbevölkerung. Denn die kann sich so viel Irrationalität einfach nicht leisten und reagiert daher immer zorniger auf die Außenseiter. Die Letzteren wiederum flüchten sich in eine zunehmend schlichter werdende Ideologie, welche durch markante Dualismen gekennzeichnet ist: Dem Gegensatz zwischen dem „Richtigen“ und „Falschen“, dem „Guten“ und „Bösen“, den „Klima-Experten“ und den „Klima-Leugnern“ … Gleichzeitig kommen Rachephantasien auf: Wer nicht Buße tun und auf seinem verderblichen Weg umkehren will, dem drohen drastische Strafen und Übel – er verendet jämmerlich infolge der „Erderhitzung“ oder wird von den sieben Plagen aus der Offenbarung des Johannes heimgesucht. Das führt zu selbst beigefügter Angstlust auf der einen und noch mehr Ablehnung auf der Gegenseite.

Wer nicht umkehrt, wird bestraft

Typisch für apokalyptische Bewegungen ist zudem, dass sie über kurz oder lang eine eigene Subkultur zwecks äußerlicher Abgrenzung hervorbringen. In dieser Subkultur finden die Apokalyptiker Sicherheit vor äußeren Bedrohungen, deshalb erlangen Zeichen der Zugehörigkeit immer größere Wichtigkeit: Bußübungen wie Selbstgeißelungen und das Tragen von Kleidung, die kratziger ist als Kamelhaar, oder aber gemeinsame freitägliche Schulstreiks und Demonstrationen, das Schwenken selbstgebastelter Transparente, das makabre Totstellen mitten auf der Straße sowie das gebetsmühlenartige Betonen, wie klimafreundlich und ökologisch man doch lebe – egal, ob dies der Wahrheit entspricht oder nicht.

Ein weiteres wichtiges Signal an die Außenwelt ist das demonstrative Verzehren von Fastenspeisen: Was bei Johannes indes noch widerliche Tiere wie Heuschrecken waren, das ist heute alles Vegetarische oder besser noch Vegane. An der Haltung zum Fleischgenuss kann man nun ganz klar unterscheiden, wer auf dem richtigen Pfade wandelt und wer sehenden Auges den Weltuntergang provozieren will.

Selbstverständlich braucht jede apokalyptische Bewegung ihren Angelus Interpres, also Deute-Engel, der die Botschaft verkündigt beziehungsweise erläutert, was ihm die besondere Feindschaft der Ignoranten einträgt. Diese Rolle spielt heute die 17-jährige Dauerschulschwänzerin Greta, welche somit weit mehr als nur eine von den „Klima-Leugnern“ verspottete Ikone der Klima-Bewegung ist.

Wenn Apokalyptiker merken, dass ihnen die Deutungshoheit über Vergangenheit und Gegenwart entgleitet, dann verschärfen sie ihre Rhetorik und blasen zum „Letzten Kampf“. Wobei der eben nicht dem Aufhalten des Unheils dienen soll, weil dieses ja als unabwendbar gilt, sondern der Ausschaltung der Zweifler. In diesem Fall sind grundsätzlich vier Szenarien möglich: Entweder unterliegen die Apokalyptiker in dem Konflikt und werfen schließlich das Handtuch.

Oder sie mutieren zu einer Sekte, welche sich ihre gesellschaftliche Nische sucht, in der sie laut oder leise überdauern kann. Möglicherweise schaffen es die Apokalyptiker aber auch, selbst zur Mehrheit zu werden. Dann wiederum würde ihre Bewegung entweder in dumpfer Selbstzufriedenheit und -gerechtigkeit erstarren oder aber gravierende gesellschaftliche Veränderungen herbeiführen. Im letzteren Falle bliebe der Minderheit dann wohl nur noch das Beten.

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)*  Anmerkung der EIKE-Redaktion :

Dieser Aufsatz ist zuerst erschienen in der Preußischen Allgemeinen Zeitung; 31. Januar 2020, S.12; EIKE dankt der PAZ-Redaktion sowie dem Autor  – Wolfgang Kaufmann – für die Gestattung der ungekürzten Übernahme, wie schon bei früheren Artikeln :   https://www.preussische-allgemeine.de/

Quelle

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