So schützt sich Israel im Netz – während Deutschland schläft

Von Godel Rosenberg

Israel hat gemeinsam mit den USA die Führung in der Bekämpfung von staatlich geförderten Hackern übernommen. Von Deutschland ist auf dem Feld der Cyber-Sicherheit nur wenig zu sehen, wie eine Konferenz in Tel Aviv zeigte.

Cybertech Tel Aviv

Der Datenfluss verdoppelt sich weltweit alle 20 Monate. Das Internet ist ein Segen für die Kommunikationsgesellschaft, aber gleichzeitig eine verwundbare Arterie der Zivilisation. Die Gefahren sind der Allgemeinheit weitgehend nicht bewusst. Israel, notorisch sicherheitsbedürftig, hat gemeinsam mit den USA die Führung in der Bekämpfung von staatlich geförderten Hackern übernommen, wie bei der Cyber-Security-Global-Konferenz-Messe in Tel Aviv klar wurde. Von Deutschland war wenig zu sehen.

Der Corona-Virus aus China ist innerhalb weniger Tage zu einer dramatischen Bedrohung der Menschheit geworden, aber die seit langem währende Gefahr aus dem Internet ist medial fast kein Thema. Jeder bedient sich des Internets, nutzt es privat und beruflich, weiß aber nicht, dass jeder Mausklick Spuren hinterlässt, die Hacker nutzen können. Hacken, das unerlaubte Eindringen in PC-Systeme, das die Infrastruktur der Industrienationen wie Energieversorgung, Verkehr und Produktionsbänder aller Branchen zum Stillstand bringen kann, ist längst ein Mittel der Kriegsführung. Jeder und Alles ist bedroht. Nur selten werden die Schäden in Milliardenhöhe veröffentlicht. Nur keine Panik aufkommen lassen. Grund zur Beunruhigung gibt es allemal.

ARD: Anmaßend und respektlos Was erlauben Israel? In Israel, dessen Bevölkerung aufgrund der politischen Lage ein hohes Sicherheitsbedürfnis hat, berichtet die Israel Electric Company (IEC), dass im vergangenen Jahr 11.000 verdächtige Aktionen pro Sekunde (kein Schreibfehler) gegen die Anlagen des größten Stromversorgers dokumentiert sind. Die Feinde greifen nicht das gut ausgerüstete und abwehrbereite Militär an, sondern versuchen die weicheren Teile eines hochentwickelten Landes zu stören oder gar lahm zu legen. Ein längerer Ausfall der Energieversorgung würde zwangsläufig zu Chaos und sozialen Unruhen führen. Dagegen sind auch Polizei und jedes Militär machtlos. Ausgeführt werden die Attacken von Maschinen, aber dahinter stehen immer Menschen. 

An diesem Punkt setzen die Israeli an. Die meisten professionellen IT-Experten schotten ihren Laden gegen Angriffe von außen ab. Diese Methode ist nicht zielführend, da es im Internet keine unüberwindbaren Mauern – Fachsprache: firewalls – gibt. 

Tagesschau zu Holocaust-Gedenktag: Das Weltmoralhauptamt tadelt Israel Israels Ex-Geheimdienstchef Yuval Diskin, hat deshalb frühzeitig eine Methode entwickelt, potentielle Täter im Internet durch ihren Datenaustausch frühzeitig zu erkennen und sie zu beobachten. Erhärtet sich der Verdacht, kann zugegriffen werden, bevor eine Attacke ausgeführt wird. Die Methode ist inzwischen soweit perfektioniert, dass die IEC noch nie einen Stromfall wegen eines erfolgreichen Hackerangriffs hatte – höchstens wegen starken Regens. Ähnliches berichtet die „Cyber Divison“ des sicherheitsempfindlichen Flughafens „Ben Gurion“. Anfang der Woche sind 60 Flugzeuge von Würdenträgern aus aller Welt zur 75-Jahre-Gedenkfeier zur Befreiung von Auschwitz gelandet. Mindestens 800 Angriffe auf Flughafen und Flugzeuge der Prominenz, darunter der stellvertretende US-Vize Mike Pence und Deutschlands Bundespräsident Steinmeier, sind elektronisch gestartet worden. Alle Versuche – die meisten kamen aus Iran, China, Nord-Korea, Russland und Polen – wurden abgewehrt.

Die hohe Erfolgsquote der Israeli hat sich herumgesprochen. Deshalb kommen alljährlich Tausende von Besuchern aus aller Welt zur weltweit größten Cyber-Security-Global-Konferenz nach Tel Aviv. Und die IEC kann verkünden, dass ihre Cyber-Security-Tochterfirma von Japan beauftragt wurde, die Olympischen Spiele 2020 in Tokyo zu schützen. Nichts ist erfolgreicher als der Erfolg, deshalb geben sich Regierungsdelegationen aus allen Kontinenten an den Ständen der Cyber-Messe die Klinke in die Hand. Befeuert wird die Stimmung durch das Gerücht, dass weltweit 20 Prozent aller Investitionen in Cyber-Security-Start-ups nach Israel fließen. Offizielle Zahlen bestätigen den Trend: Israels High-Tech-Szene hat 2019 Exits (Übernahmen bzw. Börsengänge) im Wert von 21,74 Milliarden US-Dollar vollzogen. Das bedeutet ein Wachstum von 72 Prozent innerhalb eines Jahres (Quelle: IVC-Meitar, nicht-staatlich). Und der „Bloomberg 2020 Innovation Index“ sieht Israel im Bereich „Forschung und Entwicklung“ auf Platz 1. Deutschland an achter Stelle.

Quelle

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