Morde in Hanau – was wir wissen

Über Verbindungen des Täters von Hanau zum organisierten
Rechtsextremismus ist bisher nichts bekannt. Offenbar zwei Tage vor der
Tat nahm er ein Video auf, in dem er sich auf Englisch an alle
Amerikaner wandte.

Was ist passiert? Nach bisherigen Erkenntnissen tötete der Hanauer
Tobias Rathjen in einer Sisha-Bar und in einem Imbiss in Hanau neun
Menschen, und floh danach mit seinem Auto, einem schwarzen BMW, in seine
Wohnung. Dort tötete er seine Mutter und sich selbst. Sein Vater konnte
nach RTL-Informationen unverletzt zur polizeilichen Befragung abgeholt
werden.

Wer ist der mutmaßliche Täter?

Tobias Rathjen, der 10 Menschen in Hanau und anschließend sich selbst
tötete, wurde 1977 in Hanau geboren. Über Verbindungen Rathjens zum
organisierten Rechtsextremismus ist bisher nichts bekannt. Offenbar zwei
Tage vor der Tat nahm Rathjen ein (mittlerweile öffentlich nicht mehr
zugängliches) Video auf, in dem er sich auf Englisch und mit einer im
Klang manipulierten Stimme an „all Americans“ wendet. Darin spricht er
von Morden an Kindern, die in unglaublicher Zahl und staatlich geduldet
stattfinden würden. Er ruft sein Publikum auf, sich darüber zu
„informieren“ und dann zu „handeln“. In dem Video benutzt er den Begriff
„mainstream media“. Der Inhalt des Videos ist wirr und
verschwörungstheoretisch. Bezüge zum Rechtsextremismus sind nicht
vorhanden.

Es gibt offenbar neben dem erwähnten Video auch ein Bekennerschreiben, das Bild
vorliegt. Der Terror-Experte Peter R. Neumann beurteilt dieses auf
Twitter. Demnach sei es in gutem Deutsch verfasst, der Verfasser deutet
an, an einer Universität studiert zu haben. Er hasse Ausländer und
Nicht-Weiße. Er spreche nicht explizit vom Islam, fordere aber die
Auslöschung von Ländern in Nordafrika, dem Nahen Osten und Zentralasien.

Er bekennt sich außerdem dazu, in 18 Jahren keine sexuelle Beziehung
gehabt zu haben. Wichtig zum Verständnis seines Geisteszustandes sei,
dass sich Rathjen sein ganzes Leben lang von einem Geheimdienst verfolgt
fühlte. Außerdem hätten Prominente von Donald Trump bis Fußballtrainer
Jürgen Klopp seine Ideen gestohlen.
Peter R. Neumann
@PeterRNeumann
.6h
Antwort an @PeterRNeumann

(4) He’s also a so-called incel, confessing to not having ever had a relationship with a woman —

for the last 18 years, he says, out of choice.
Peter R. Neumann
@PeterRNeumann

(5) Key to understanding his state of mind may be that he claims to

have been under surveillance by an intelligence service for his entire life.

Says that various prominent figures such as President Trump and LFC coach Jürgen Klopp stole his ideas.

Dies weise auf eine ernsthafte psychische Krankheit hin. Insgesamt mache
der Autor des Schreibens den Eindruck den Eindruck eines Menschen, der
seine Nächte mit Verschwörungsvideos auf YouTube verbracht habe.


Peter R. Neumann
@PeterRNeumann
6h
Antwort an @PeterRNeumann

(5) Key to understanding his state of mind may be that he claims to have been under surveillance by an

intelligence service for his entire life. Says that various prominent figures such as President Trump

and LFC coach Jürgen Klopp stole his ideas.
@PeterRNeumann

(6) All in all, it doesn’t seem like this was a member of the „Chans“. There is no shitposting, no references to memes. More like someone who spends all night watching conspiracy videos on YouTube. Far Right + Incel + what seems like a significant mental health issu

Der Profiling-Experte Mark T. Hoffmann sagte gegenüber Bild: „Er scheint
ein Einzelgänger gewesen zu sein, der sich im Internet seine eigene
Ideologie zusammengebaut hat.“

Ja: zu Stephen Balliet, dem Attentäter, der am 9. Oktober 2019
versuchte, in die Synagoge von Halle/Saale einzudringen, um dort mit
selbstgebauten Waffen ein Blutbad anzurichten. Als ihm das nicht gelang,
erschoss er ein Zufallsopfer auf der Straße und eines in einem
nahegelegenen Imbiss. Auch Balliet nahm ein Video auf Englisch auf, in
dem er eine Ansprache an ein imaginäres Publikum richtete. Nach
Erkenntnissen des Bundesamts für Verfassungsschutz unterhielt Balliet
keine Verbindungen zu organisierten Rechtsextremisten, aber zu
Chatgruppen, in denen verschwörungstheoretische Inhalte kursierten. Sein
Hass richtete sich nach eigenen Bekenntnissen vor allem gegen Juden und
Feministinnen.

Welche Reaktionen gibt es?

Bild schreibt – allerdings ohne Belege – von einer
„rechtsradikalen Bluttat“. „Nach unseren jetzigen Erkenntnissen ist ein
fremdenfeindliches Motiv durchaus gegeben“, wird der hessische
Innenminister Peter Beuth im Spiegel zitiert. Der
Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof übernimmt nach dessen
Informationen aufgrund der besonderen Bedeutung des Falls die
Ermittlungen.

Die Polizei Südosthessen warnte vor Spekulationen über rechtsextremen
Hintergrund oder zusammenhänge mit rechtsextremistischen Gruppen

DetlefU
@detleft81205072
8h

Antwort an @LaLegion und 2 weitere

Das war einer oder mehrere, die sich über die Verhaftungen ihrer Rechtsterroristenkumpels geärgert haben.

Die Pläne standen ja fest. Leider wurden nicht alle verhaftet.
AFDNazis.

Polizei Südosthessen
@Polizei_soh

Bitte halten Sie sich mit derartigen Äußerungen zurück. Wenn uns gesicherte Informationen vorliegen,

werden wir diese in Form einer Pressemitteilung in Absprache mit der Staatsanwaltschaft veröffentlichen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte in einer ersten Stellungnahme:
„Rassismus ist ein Gift, der Hass ist ein Gift.“ Dieses Gift sei „schuld
an schon viel zu vielen Verbrechen“. Sie erwähnte die Morde der
rechtsextremistischen Terrorvereinigung NSU, die Ermordung des Kasseler
Regierungspräsidenten Walter Lübcke und den antisemitischen Anschlag von
Halle.

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte, sie fühle sich in ihrer
Haltung bestärkt, dass es keine Zusammenarbeit geben dürfe mit einer
Partei, die „Rechtsextreme, ja, ich sage auch ganz bewusst Nazis, in
ihren eigenen Reihen duldet und die eine Grundlage legt, auch in der
politischen Diskussion, für genau dieses Gedankengut.“ Sie wies auf den
CDU-Beschluss hin, nicht mit der AfD zu kooperieren: „Wie wichtig es
ist, diese Brandmauer zu halten, das sieht man an einem Tag wie Hanau.“

Verbindungen des Täters Tobias Rathjen zur AfD sind bisher nicht bekannt.

Der Grünen-Politiker Cem Özdemir verrührte in seinem Statement den
zehnfachen Mord von Hanau mit einem Angriff auf den früheren
Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen: „Ich bin entsetzt und traurig.
Allen Angehörigen der Opfer dieser schrecklichen Tat wünsche ich viel
Kraft und danke allen Einsatzkräften und Menschen, die ihnen in dieser
Zeit beistehen. Wir müssen über rechtsradikalen Terror reden und dann
bitte auch darüber, dass an der Spitze des Verfassungsschutzes über
Jahre ein Hans-Georg Maaßen saß. Wie ernst war der Kampf gegen rechte
Netzwerke und Strukturen in diesem Land wirklich?“

Richtig ist, dass Maaßen in seiner Amtszeit als
Verfassungsschutzpräsident eine eigene Abteilung Rechtsextremismus
aufgebaut hatte, die vorher in dieser Eigenständigkeit nicht existiert
hatte. Außerdem war Rathjen nach bisherigen Erkenntnissen noch nie
polizeilich aufgefallen – ebenso wie übrigens der Halle-Attentäter
Stephen Balliet. Özdemir verbreitet also Beschuldigungen ohne Substanz.

Auch die bayerische Grünen-Politikerin Katharina Schulze
instrumentalisiert die Taten von Hanau für ihre Agenda. Schulze fordert
mit Bezug auf die zehn Morde die Überwachung der gesamten AfD durch den
Verfassungsschutz.

Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckart sagte über Twitter: „Der Täter von Hanau
handelte offenbar aus rassistischen Motiven und wollte durch diese
furchtbaren Morde gezielt Angst und Schrecken verbreiten. In meine
Trauer mischen sich Entsetzen und Wut. Meine Solidarität gilt den
Betroffenen.“ Nach dem Anschlag auf dem Breitscheidtplatz im Dezember
2016 hatte sie getwittert: „Das ist eine furchtbare Nachricht. Trauer und Mitgefühl. Nichts sonst jetzt!

Quelle

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