Chancen und Risiken der deutschen Energiewende 1

Vorsicht! Text

Welche Energiewende?

Dr. Eike Roth

Wenn wir über die „Chancen und Risiken der deutschen Energiewende“ reden wollen, müssen wir zuerst einmal definieren, welche Energiewende denn damit gemeint ist. Ich werde über die in Deutschland nach dem Ereignis in Fukushima vom 11. März 2011 beschlossene und mittlerweile auch in ein ganzes Paket von Gesetzen eingepackte Energiewende reden. Ich möchte aber gleich dazu sagen, dass die nach Fukushima getroffenen Entscheidungen zwar ein Schritt in Richtung Weiter-Beschreiten der Energiewende waren, sogar ein großer Schritt, die Energiewende selbst aber schon viel länger andauert, sie hat viele Jahre vorher begonnen und daran gemessen sind die Entscheidungen nach Fukushima sogar kein allzu großer Schritt.
In der Sache ist die Energiewende eine Umstellung unseres Energiesystems von einer vorwiegend fossilen Energieversorgung, wie wir sie bisher hatten und weitgehend immer noch haben, hin zu einer vollständigen oder zumindest fast vollständigen Versorgung über erneuerbare Energien. Die Energiewende ist also der gleichzeitige Ausstieg aus der Kernenergie und aus fossilen Energien, und das – und das ist das eigentlich Neue nach Fukushima – nicht als mehr oder weniger fernes Ziel, das man halt anstrebt, sondern nach einem fest vorgegebenen Fahrplan mit genau definierten Zielen in sehr kurzer Zeit! Details hierzu werde ich später angeben. Hier nur noch die Anmerkung, dass durch diese Quantifizierung auch eine Bewertung hinsichtlich Erfolg oder Misslingen möglich geworden ist, auch dazu später mehr.
Energiediskussion als Folge von Umweltdiskussionen
Vorher möchte ich noch eine Anmerkung machen, die meines Erachtens zum Verständnis wichtig ist: Die Energiediskussion, die sehr heftig geführt wird, in Österreich nicht viel anders als in Deutschland, ist im Wesentlichen eine umweltgetriebene Diskussion. Gäbe es keine Umweltdiskussionen, gäbe es vermutlich auch keine Energiediskussion.
Allerdings, wenn man sich so umsieht, dann erkennt man, dass Umweltargumente manchmal nur vorgeschoben und missbraucht werden und eigentlich ganz andere Ziele verfolgt werden. Ich möchte 3 Gruppen von Menschen aufzählen und kurz diskutieren, die – jedenfalls in meinen Augen – genau das tun: Da sind zunächst einmal die Profiteure, die an dem Ganzen Geld verdienen und denen es auch nur um Geld geht. Diese schieben die Umweltargumente einfach vor, um noch mehr Geld zu scheffeln. Das ist zwar alles unschön, aber so etwas wird es immer geben und mich ärgern daran weniger die Leute, die die Gelegenheit zum Geldverdienen ausnutzen, als vor allem die Leute, die die Randbedingungen so setzen, dass es viel zu leicht ist, mit vorgeschobenen Argumenten viel Geld zu verdienen. Aber lernen können wir aus der Geldgier von Menschen nicht viel Neues.
1 Überarbeitete Fassung eines Vortrages, gehalten am 11.01.2013 beim Wiener Akademischen Turnverein in Wien.
Das Zweite sind Menschen, denen es ebenfalls nicht um die Umwelt an sich geht und die Umweltargumente auch nur vorschieben, diesmal aber, um irgendwelche gesellschaftlichen Veränderungen zu erreichen. Als Beispiel – zugegebenermaßen als krasses Beispiel, aber letztlich doch nur als eines unter vielen – möchte ich den „Wissenschaftlichen Beirat für globale Umweltveränderungen“ (WBGU) herausgreifen, der sogar ein offizielles Beratungsorgan der deutschen Regierung ist. Der Vorsitzende ist Professor Hans Joachim Schellnhuber, der auch Direktor des Potsdamer Institutes für Klimafolgenforschung ist. Dieser WBGU hat im Sommer 2011 ein als „Hauptgutachten“ bezeichnetes Papier „Welt im Wandel – Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ herausgegeben. Die darin aufgestellte Forderung nach einer „Großen Transformation“, manchmal auch als „Große Gesellschaftliche Transformation“ bezeichnet, wird im Wesentlichen mit der Gefahr anthropogen verursachter Klimaänderungen begründet: Wenn wir nicht sofort und energisch etwas dagegen unternähmen, ginge die Welt sehr bald in einem Klimakollaps zugrunde, und wenn wir nicht generell unser gesamtes Wirtschaftssystem und Gesellschaftssystem umgehend auf „Nachhaltigkeit“ umänderten, bräche ohnehin bald das ganze System zusammen. Aus diesen beiden Gründen müssen wir – so die Autoren – die „Große Transformation“, durchführen, auch wenn sie uns weltweit 68000 Milliarden Dollar kostet (wie man so etwas berechnet, weiß ich nicht, aber das Ergebnis wird präzise genannt)!
Tatsächlich ist diese „Große Transformation“ eine totale Umkrempelung aller Bereiche unseres Lebens. Die Autoren der Studie sagen ausdrücklich, dass die „Große Transformation“ in ihrem Einfluss auf das Leben der Menschen nur vergleichbar wäre mit der neolithischen Revolution oder mit der industriellen Revolution. Alles Andere, das die Menschheit bisher gemacht oder erlitten hat, wäre gegenüber der „Großen Transformation“ klein. Allerdings gibt es 2 gravierende Unterschiede zu diesen beiden historischen Revolutionen: Zunächst einmal der zeitliche Ablauf: Die neolithische Revolution hat ein paar tausend Jahre gedauert, die industrielle Revolution ist auch schon gut 150 Jahre im Laufen und noch lange nicht abgeschlossen, zumindest nicht in den Entwicklungsländern, die „Große Transformation“ muss nach Meinung der Autoren demgegenüber aber innerhalb von 20 Jahren durchgezogen werden! Der zweite Unterschied liegt in der Art der ganzen Änderung: Die neolithische Revolution und die industrielle Revolution waren ungeplante Revolutionen. Sie sind gewissermaßen von selbst als Folge von technisch/wissenschaftlichen Fortschritten, bzw. als „Nebenprodukt“ von diesen, abgelaufen. Ganz anders ist das bei der „Großen Transformation“: Die läuft nicht von selbst, die muss daher vorgeplant und von einem „starken gestaltenden Staat“ durchgedrückt werden! Um das zu erreichen, muss sogar die Demokratie ausgehebelt werden. Nach Meinung der Autoren darf sich die Demokratie zwar noch auf Basis der Vorgaben der „Großen Transformation“ mit irgendwelchen Details spielen, aber diese Vorgaben werden der Demokratie vorneweg aufgesetzt. Die Demokratie darf nicht hinterfragen, ob das alles so richtig ist, ob man das so haben will, sie darf sich nur hinten nach mit unbedeutenden Kleinigkeiten beschäftigen!
Im Energiegebiet, mit dem wir uns hier ja vorwiegend beschäftigen, bedeutet die „Große Transformation“ eine Umstellung von unpersönlicher und ausbeuterischer zentraler Großtechnik hin zu einer Versorgung in kleinen, dezentralen und bürgernahen Einheiten. Aber die „Große Transformation“ geht natürlich viel weiter. Im Prinzip, von ihrem Inhalt oder
besser gesagt von ihrer Zielsetzung her, ist sie eine generelle Umstellung des heute vorherrschenden kapitalistischen Gesellschaftssystems hin zu einer utopischen Traumwelt, in der es keine Ausbeutung von Menschen durch Menschen gibt. Wenn man das alles so macht, wie es die „Große Transformation“ fordert, dann hat man – nach Meinung der Autoren – automatisch auch neue Menschen, für die das Wort „Eigeninteresse“ ein Fremdwort ist und die sich nur mehr am Gemeinwohl ausrichten! Liebe Zuhörer, sollte irgendjemand bei diesen Ausführungen Parallelen zu gehabter europäischer Geschichte erkennen, kann ich ihn ob dieser Assoziationen nicht tadeln.
Ich persönlich bin nicht überrascht, dass immer wieder solche Gedanken vorgetragen werden. Was mich aber sehr überrascht, ist, wie wohlwollend diese Gedanken in der Politik und in Medien, oder zumindest von vielen Politikern und von vielen Medien, aufgenommen werden. Man kann sich nur verwundert die Augen reiben.
Als drittes Beispiel für den Missbrauch von Umweltargumenten möchte ich Menschen anführen, die unbedingt in die Geschichtsbücher eingehen wollen. Der deutsche neue Umweltminister Atmaier hat im November 2012 in Berlin auf einer Versammlung erklärt: Die Generation Adenauer hatte das Wirtschaftswunder, an dem sie sich bewähren konnte, die Generation Kohl hatte die Wiedervereinigung, da hat sie sich bewähren können, und die Generation Altmaier, die will mit der Durchführung der Energiewende in die Geschichte eingehen. Ich glaube nicht, dass so ein Sendungsbewusstsein hilfreich zur Lösung von Problemen ist.
Zur Umwelt-Diskussion aber noch eine ganz andere Anmerkung: Ich habe jahrelang Vorlesungen gehalten unter dem etwas sperrigen Titel „Umweltauswirkungen der Energiebedarfsdeckung“. Ich habe diese Vorlesung manchmal mit einem Zitat begonnen, das ich gerne auch hier bringen möchte:
„Wir vergiften die Flüsse und die Grundbestandteile der Natur, wir verwandeln gerade das, was unsere Lebensgrundlage ist, in Nägel für unseren Sarg.“
In einer Vorlesung über Umweltfragen hat das im Allgemeinen zustimmendes Kopfnicken und Gemurmel hervorgerufen. Dann habe ich den Autor dazugesagt und das hat dann gelegentlich doch ein bisschen zum Nachdenken geführt. Der Autor ist nämlich Plinius, er hat das in seiner Naturalis Historia im ersten nachchristlichen Jahrhundert geschrieben.
Und damit ist eigentlich das Wesentliche schon gesagt, ich könnte meinen Vortrag abbrechen und wir könnten zu vergnüglicheren Dingen übergehen. Seit 2000 Jahren wird uns angekündigt, dass die Menschheit durch selbstverschuldete Umweltzerstörung kaputt geht – und in 2000 Jahren war das falsch und es wird höchstwahrscheinlich auch heute falsch sein. Aber es gibt da noch dieses Sprichwort, dass der Krug so lange zum Brunnen geht, bis er bricht. Es könnte ja sein, dass nach 2000 Jahren Gut-Gehen gerade jetzt das Zerbrechen angesagt ist. Wir müssen uns daher doch noch ein bisschen mit dem Thema beschäftigen, ich werde daher weiterreden.
Themaeingrenzung
Ich werde allerdings nicht darüber reden, ob dieses Zerbrechen jetzt nach 2000 Jahren nun wirklich angesagt ist, sondern ich werde darüber reden, ob die Maßnahme, die man zum Vermeiden des Zerbrechens beschlossen hat und mit deren Umsetzung man begonnen hat, nämlich die Energiewende, ob diese Maßnahme in sich geeignet ist, das Ziel zu erreichen, unabhängig davon, ob ein Erreichen des Ziels wirklich notwendig ist oder nicht.
Ich werde das Thema daher noch etwas eingrenzen: Insbesondere werde ich über 5 Punkte nicht reden: Das ist zunächst einmal das Klimaproblem. Wieweit dieses uns dazu zwingt oder nicht, irgendwelche Gegenmaßnahmen, also Maßnahmen zur Abwehr drohender anthropogener Klimagefahren zu ergreifen, z. B. die Energiewende oder irgendwelche andere Maßnahmen, werde ich weitgehend außen vor lassen. Ich möchte allerdings noch eine Anmerkung dazu machen: Vor 10 Jahren hätte ich die Frage nach der Notwendigkeit von Gegenmaßnahmen mit „höchstwahrscheinlich ja“ beantwortet. Heute bin ich da sehr viel skeptischer. Ich glaube, das Klimaproblem ist heute viel entspannter, als es vor 10 Jahren war. Heute halte ich Gegenmaßnahmen eher nicht für notwendig.
Ich werde auch nicht darüber reden, welchen Beitrag die Kernenergie zur Lösung des Problems leisten könnte oder sollte. Nur die eine Anmerkung: Der Beitrag könnte sehr groß sein. Er ist realistisch nicht durch natürlich Grenzen wie etwa limitierte Rohstoffvorkommen begrenzt, sondern wir Menschen entscheiden, wie viel Kernenergie wir einsetzen.
Ich werde, Drittens, auch nicht darüber reden, ob denn die trivialerweise begrenzte Reichweite fossiler Energieträger uns zu irgendwelchen solchen Maßnahmen, z. B. zur Energiewende, zwingen wird oder nicht. Hierzu nur die Anmerkung, dass die technischen Entwicklungen der letzten Jahre die Situation völlig umgekrempelt haben. Aus heutiger Sicht kann man mit guter Sicherheit davon ausgehen, dass fossile Energieträger, insbesondere auch Öl und Gas, noch weit über 100 Jahre in ausreichend großen Mengen und zu wirtschaftlich akzeptablen Preisen verfügbar sein werden, eine Verknappung ist nicht in Sicht.
Viertens werde ich auch nicht näher darauf eingehen, welchen Beitrag die Bioenergie leisten könnte. Dazu nur eine Frage als Anmerkung: „In den Tank oder auf den Teller?“
Und fünftens schließlich werde ich auch nicht darüber sprechen, ob denn „Energie Verteuern“, wie es auch bei der Energiewende als Hebel zum Energiesparen eingesetzt werden soll, wirklich der richtige Weg ist. Als Physiker muss ich jedoch auf den Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik verweisen: Der lehrt uns, dass alles Geschehen „von selbst“ in einer ganz bestimmten Richtung abläuft, und wenn wir die Entwicklung irgendwie beeinflussen wollen, dann ist das, physikalisch bedingt, nur mit dem Einsatz von Energie möglich. Je mehr „Lenkungsenergie“ wir einsetzen, umso mehr Chancen haben wir, die Richtung der Entwicklung in unserem Sinne zu beeinflussen. Wenn wir umgekehrt „Energie sparen“ besonders groß schreiben, dann wird die Entwicklung insgesamt wahrscheinlich entsprechend weniger in die von uns gewünschte Richtung ablaufen.
Zu all diesen Dingen werde ich, wie gesagt, weiter nichts sagen, obwohl sie natürlich einen ganz wesentlichen Einfluss darauf haben, ob wir die Energiewende tatsächlich brauchen oder nicht. Ich möchte sie als „äußere Einflüsse auf Notwendigkeit oder Sinn der Energiewende“ bezeichnen. Sofern Interesse besteht, können wir gerne ein anderes Mal über diese Dinge
reden. Heute will ich mich mit der Energiewende selbst befassen. Ich will darüber reden, ob die Energiewende, so wie sie beschlossen und ihre Umsetzung begonnen worden ist, überhaupt durchführbar ist oder wenigstens Sinn macht, unabhängig davon, ob wir sie wirklich brauchen oder nicht.
Quantifizierung der Energiewende
Dazu müssen wir zunächst eine Quantifizierung der Energiewende vornehmen: Die Energiewende ist, wie schon gesagt, mehr als der Ausstieg aus der Kernenergie, sie ist auch der gleichzeitige Ausstieg aus den fossilen Energieträgern und damit ein Umstieg auf die erneuerbaren Energien. Die zu erreichenden Anteile der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung sind bei der Energiewende wie folgt definiert und mittlerweile auch gesetzlich festgelegt:
 Bis 2020 35 %
 bis 2030 50 %
 bis 2040 65 % und
 bis 2050 80 %.
Diese Werte gelten ausdrücklich als Mindestziele, nach Möglichkeit soll daher noch mehr bzw. früher erreicht werden. Das gilt, wie gesagt, für die Stromversorgung. Für die Energieversorgung insgesamt sind die Ziele etwas lockerer gesteckt: Bis 2050 sollen mindestens 50 % erreicht werden. Ich komme später nochmals auf diesen Unterschied zurück.
Vielleicht wird das Ausmaß der Ziele anschaulicher, wenn man sie anders herum formuliert: Mindestens 80 % Erneuerbare in 2050 z. B. heißt, dass die fossilen Energien dann maximal noch 20 % zur Stromerzeugung beitragen dürfen (die Kernenergie soll dann ohnehin längst ausgelaufen sein). Wird das eingehalten, ist die Energiewende „erfolgreich“, wird es „deutlich verfehlt“, möchte ich das als „Scheitern der Energiewende“ bezeichnen (nähere Quantifizierung m. E. nicht erforderlich).
Verheißungen der Energiewende
Die Energiewende wird immer mit schönen Verheißungen verkündet bzw. schmackhaft gemacht. Ich möchte 7 solche Verheißungen aufzählen. Es wird gesagt:

  1. Die Energiewende gefährdet die Klimaziele nicht.
  2. Sie erhöht nicht die Stromimporte nach Deutschland.
  3. Sie bewirkt keine Zunahme der Gefahr großer Netzzusammenbrüche (sogenannter „Blackouts“).
  4. Mit der Energiewende wird – zumindest längerfristig – alles billiger.
  5. Mit ihr werden Arbeitsplätze geschaffen.
  6. Mit ihr verbunden ist der Übergang von Großkraftwerken, die von großen, unpersönlichen und nur an ihrem Gewinn interessierten Firmen betrieben werden, hin zu einer überschaubaren Versorgung in dezentralen, kleinen und bürgernahen Anlagen.
  7. Andere Länder werden dem Vorbild Deutschlands folgen, Deutschland wird dann einen Wettbewerbsvorteil haben.
    Im weiteren Vortrag werde ich zeigen, dass diese 7 Verheißungen sich nicht erfüllen werden.
    Traumwelt
    Versuchen wir zunächst einmal, die Energiewende nüchtern zu betrachten: Sie ist ein Traum von der wunderschönen Öko-Energie und wenn wir diesen Weg beschreiten, sollte damit – gewissermaßen als Nebenprodukt – auch eine gerechtere Welt geschaffen werden. Aber das ist nun einmal nur ein Traum. Tatsächlich ist die Energiewende, unabhängig davon, wie weit sie überhaupt durchführbar ist oder nicht, auf jeden Fall eine massive Umverteilung von unten nach oben, d. h. von arm zu reich, es wird also nichts gerechter, sondern nur noch viel ungerechter. Ich werde das gleich noch etwas ausführlicher darlegen.
    Paradigmenwechsel
    Vorher sei die Betrachtung der Energiewende „von außen“ noch ein bisschen vertieft. Es zeigt sich, dass mit dieser Energiewende gleich mehrere Paradigmenwechsel bei der Stromversorgung, eigentlich sogar bei der Energieversorgung insgesamt, verbunden sind:
     Zunächst einmal wechselt die Stromversorgung von einer nachfrageorientierten hin zu einer angebotsorientierten. Zur Erklärung: Bisher war es so, dass Strom produziert worden ist, wenn er nachgefragt worden ist, d. h., wenn er gebraucht worden ist. Mit der Energiewende, mit dem Wechsel insbesondere zu Wind- und Sonnenenergie, wird Strom dann erzeugt, wenn das Angebot für die Erzeugung da ist, also wenn der Wind weht oder wenn die Sonne scheint, unabhängig davon, ob er gerade gebraucht wird.
     Das gilt aber nicht nur für die Erzeugung als solche, sondern – etwas abgewandelt – auch für den Ausbau der Kraftwerke: Früher wurden neue Kraftwerke dann gebaut, wenn ein Bedarf dafür da war. Heute spielt der Bedarf dafür praktisch keine Rolle, heute werden Kraftwerke überwiegend dann gebaut, wenn genügend Subventionen dafür gezahlt werden. Dann rechnen sie sich (betriebswirtschaftlich), und dann werden sie auch gebaut, egal, ob sie (volkswirtschaftlich) gebraucht werden.
     Wesentlich ist auch, dass mit der Energiewende ein ganz gewaltiger Ruck von der bisherigen Marktwirtschaft hin zu einer Planwirtschaft einhergeht. Ich werde später noch detaillierter darauf zu sprechen kommen.
     Auch die Ziele haben sich verändert. Früher musste die Stromversorgung 3 Ziele erfüllen: Sie musste günstig, umweltfreundlich und sicher (zuverlässig) sein. Heute gibt es eigentlich nur mehr 2 Ziele: Die Stromversorgung muss Uran-frei, und sie muss grün sein. Alles andere ist bedeutungslos, diese beiden Ziele müssen eingehalten werden, koste es, was es wolle.
    Ich möchte noch eine weitere „Betrachtung von außen“ anfügen: Ein wesentliches (und gewolltes!) Charakteristikum der Energiewende ist der rasche Ausbau von Wind- und Sonnenkraftwerken. Wenn aber der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint, muss die komplette Stromversorgung in (fossilen) Backup-Kraftwerken erfolgen. Die Energiewende treibt daher die Stromversorgung auf ein System zu, indem die erforderliche Leistung

Quelle : Dr. Eike Roth

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