Verteidigen Sie die Pressefreiheit

Von Roland Tichy

Eine abscheuliche und niederträchtige Mordnacht wird benutzt, um namentlich benannte Journalisten und freie Medien anzugreifen, zum Verstummen zu bringen. Das soll ihnen nicht gelingen.

Ein Geheimdienst hat seine Gedanken schon gelesen, da war er noch ein Baby. Er hörte „Stimmen“, die sich bei ihm „einklinken“. Das ist der Täter von Hanau. Er ist antisemitisch, rassistisch, antiamerikanisch. Die Hintergründe müssen restlos aufgeklärt, Verbindungen aufgedeckt werden. Ja, der Täter nimmt das Gift auf, das es in dieser Gesellschaft gibt und verstärkt seine Wirkung, denn das ist Teil der Dynamik dieser schweren psychischen Erkrankung. Seine Morde sind grausam, unvorstellbar, wahnsinnig. Das weckt Ängste, fördert Rachegefühle, verführt zu blindwütigem Schreiben. Dass der Täter sich selbst gerichtet hat, ist vermutlich der einzige Grund, dass nicht nach grausamster Rache gerufen wird. Aber der Mörder ist tot. Und nun? Es rast der Mob und fordert Opfer. Es ist schwer, solche Emotionen zu zügeln, und leicht, sie anzufachen.

Man darf an solchen Tagen nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Aber es ist doch überraschend, was der Millionenerbe Jakob Augstein schreibt.

Ich gebe es wörtlich wieder.

Jakob Augstein @Augstein

Die Wegbereiter der Gewalt haben Namen und Adresse: Sarrazin, Broder, Tichy, und andere, die die Verrohung des Diskurses vorangetrieben haben. Zuerst kommen die Worte, dann die Taten. Das ist bei den Rechtsterroristen so, wie bei den Islamisten. 6.686 Twitter Ads Info und Datenschutz 2.828 Nutzer sprechen darüber

„Namen und Adresse.” – Es ist ein Aufruf, meine Familie und mich, meine Kollegen und Mitarbeiter einzuschüchtern, zu belästigen, anzugreifen. Wir sollen zum Verstummen gebracht werden, indem man uns in eine Reihe mit einem wahnsinnigen Mörder stellt. Einfach so. Natürlich sagt Augstein das nicht wörtlich. Er ist ein Schlitzohr, verfügt über ein gewaltiges Vermögen, hat sich eine eigene Zeitung gekauft, tritt in Sendungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf. Andere springen auf: Jan Böhmermann, hinter sich die gewaltige Maschinerie ZDF, das gerade in diesen Tagen eine Gebührenerhöhung  einfordert. Es ist die Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth, die mit der Wucht ihres Amtes frontal auf unabhängige Medienportale eindrischt, die eine andere Meinung vertreten als die einzig wahre, in deren Besitz sie sich glaubt, und schäumend andere Meinungen pauschal als „Geschäftsmodell von Hass und Hetze“ denunziert. Man sieht die historischen Bilder von Jagden auf Andersdenkende. Gerade Augstein, den damit Vertraute als den wohl wirkmächtigsten Antisemiten des Landes bezeichnen, steht in einer Tradition, in der dumpfe Stiefelträger die Medien derjenigen in den Boden gestampft haben, die ihnen an Klugheit und journalistischem Ethos überlegen sind. Dummheit gebiert Hass, Stumpfheit stachelt zur Hetze an. Abscheuliche Verbrechen werden von Augstein und Böhmermann instrumentalisiert, die Opfer von Hanau können sich nicht dagegen wehren, wie sie missbraucht werden. Was sie nicht wissen: Die Abscheulichkeit der von ihnen wie Klopapier benutzten Verbrechen fallen auf sie zurück. Sie haben ihre Hände in das Blut der Ermordeten getaucht und tippen, ach was: Die feinen Herren lassen andere für sie Twitter in ihrem Geiste schreiben, im Fall Böhmermann öffentlich-rechtlich mitfinanziert.

Sie wollen uns zum Schweigen bringen

Worauf wollen sie hinaus? Sie wollen uns zum Schweigen bringen. So einfach. Es stört sie, und da wissen sie sich einig mit vielen Regierenden, dass wir Kritik üben – berechtigte. Dass wir hinterfragen, was wir ohne Fragen schlucken sollen. Dass wir dieses Land, seine Grundrechte, seine Freiheit verteidigen vor immer neuen Zumutungen, vor denen, die mittlerweile offen über die gesetzlichen Schranken hinwegmarschieren. Sie fürchten die Wahrheit, die sie verzerren und deren Autoren sie denunzieren, um dann natürlich ihre weißen Händchen in Unschuld zu waschen; man kennt diese Charaktere. Sie fürchten jeden Widerspruch.

Wir nehmen nicht in Anspruch, eine vierte Gewalt zu sein, wir sind nicht im Besitz der Wahrheit. Aber wir sind eine mahnende Stimme; diesen Anspruch nehmen wir ernst und lassen uns auch von Hass und Hetze davon nicht abbringen. Sie möchten, dass wir aufhören, den Finger in die Wunden zu legen, sie wollen die Spaltung in diesem Land vertiefen, um ihrer ganz persönliche Macht und Ideologie zum Durchbruch zu verhelfen. Daran ist nichts Anständiges, auch wenn sie sich so geben. Heute Nacht hat man mir und meiner Familie eine Fluchtwohnung angeboten. Dafür danke ich, das zeigt, welche großherzigen Menschen es gibt. Aber mehr noch bin ich entsetzt, wie weit dieses Land gekommen ist. Dass wir uns verstecken sollen vor den Folgen einer Aufwiegelung?

Wer schützt Journalisten?

Bitte sehen Sie mir nach, dass ich meinen sonst meist kühlen oder oft ungewollt ironischen Ton verlasse und ins Pathetische abgleite. Anders ist es nicht möglich, Stand zu halten für die Freiheit. Zukünftig sollen Politiker davor geschützt werden, dass sie im Netz beschimpft werden. Einverstanden. Aber wer schützt in Deutschland noch Journalisten vor dem Zwang, Einheitsbrei liefern zu müssen, der der Regierung gefällt? Wer schützt uns vor den Angriffen von Politikern in ihrer rasenden Einfalt, die Probleme nicht mehr lösen, sondern nur noch schwarze Schafe finden zu wollen, die sie für ihr vielfältiges Versagen verantwortlich machen können?

Ich kann Ihnen die Antwort geben. Sie besteht aus drei Buchstaben. SIE. Lassen Sie sich von den Böhmermanns und Augsteins nicht den Mund verbieten. Ich werbe um Sie, auch wenn Sie anderer Meinung sind. Meinungsstreit macht eine Demokratie aus. Die Debatte wurde erfunden, um uns alle klüger zu machen. Wer Debatte abwürgt und kritische Geister einschüchtern will, ist ein Anti-Demokrat. Ich lade Sie ein, mit mir zu streiten.

Aber in jedem Fall sollten auch Sie die Meinungsfreiheit in diesem Land und seine freien Medien verteidigen. Freiheit stirbt nicht nur durch den Druck, der auf sie ausgeübt wird. Freiheit stirbt durch Schweigen und Feigheit, durch Anpassung und Duckmäusertum. Das lassen wir nicht zu.

Quelle

Nachtrag:

Guten Morgen sehr geehrter Herr Tichy,
schon gestern fragte ich mich: Was steht dahinter? Was wird bezweckt?
Heute kann man schon sehen was erreicht wurde! 
Erschreckend zu beobachten wie der Wertespiegel eingebrochen ist – die Menschen nehmen gar nicht mehr wahr, das sich bei ihnen etwas geändert hat – und zwar von anderen ausgelöst.
Gerade las ich Ihren Artikel  (Augstein) Der gibt  es ja genau wieder!
Da schickt mir in Freund diesen link:
https://www.youtube.com/watch?time_continue=8&v=hRObwGBng-g&feature=emb_logo
Man kann auf jeden Fall sehen was die Folgen sind.
Als Tommy Robinson inhaftiert war schrieb ich ihm „Together we stay“
Das möchte ich Ihnen auch anbieten.
Lothar J. Finger

Ein Kommentar zu “Verteidigen Sie die Pressefreiheit

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