„Liebesgrüße aus Russland“: Wie das russische Fernsehen über die Hilfe für Italien berichtet

Die russische Hilfe für Italien wurde in Brüssel und westlichen Medien kritisiert. Da ich darüber schon berichtet habe, halte ich es für interessant, wie das russische Fernsehen selbst darüber berichtet.

Die Kritik deutscher „Qualitätsmedien“ an der Hilfe für Italien, die China, Kuba und Russland leisten, nachdem die EU-„Partner“ Italiens Hilferufe ungehört haben verhallen lassen, ist ziemlich peinlich und ich habe darüber bereits geschrieben, die Details finden Sie hier. Daher will ich mir eine lange Einleitung sparen und übersetze den Beitrag des russischen Fernsehens vom Sonntag aus der Sendung „Nachrichten der Woche“ zu dem Thema.

Beginn der Übersetzung:

Nach einer telefonischen Vereinbarung zwischen den Führern Russlands und Italiens, Putin und Conte, begann das russische Militär mit der Desinfektion des am stärksten kontaminierten Gebietes in Italien, der 120.000 Einwohner Stadt Bergamo in der Lombardei. Das Coronavirus ist hier verbreiteter, als irgendwo sonst auf dem Planeten. Und auch seine Gefährlichkeit ist hier größer, als anderswo, weil die Sterblichkeitsrate in Bergamo durch das Coronavirus 6 Prozent beträgt, während sie in anderen Regionen der Welt, einschließlich China, niedriger ist.

Spezialisten des russischen Verteidigungsministeriums sind mit modernen Hochleistungsgeräten ausgestattet, sie sind gut geschützt, obwohl sie natürlich viel riskieren. Der Sänger Pupo zeigte die Dankbarkeit der Italiener. Zuerst hielt er eine Ansprache auf Russisch und begleitete sich danach selbst am Klavier, als er das beliebte russische Lied „Jest tolko mig“ sang. (Anm. d. Übers.: Eine sehr populäre und gefühlvolle Ballade, die Pupo in dem Beitrag übrigens fast akzentfrei gesungen hat)

Und so drücken gewöhnliche Italiener ihre Gefühle für Russland aus. Ein Bewohner des Piemont, Federico Cane, nimmt die EU-Flagge vom Ständer vor seinem Geschäft, rollt das blaue Sternenbanner in Ruhe ein, legt es irgendwo in einen Schrank und stellt stattdessen die russische Trikolore auf. Man versteht die Geste ohne Worte.

Aus Italien berichtet unsere Korrespondentin.

Es ist Samstag. Kein einziges Auto ist auf der Straße. Erst am Ende der dritten Quarantänewoche hat Italien endlich verstanden, was Quarantäne bedeutet.

Ein weiterer Kontrollposten. Wir holen unsere Papiere hervor. Zuerst wurden die Italiener höflich gebeten, das hat nicht funktioniert. Jetzt gibt es keine Toleranz mehr: Jeder wird angehalten. Selbst unsere Presseausweise reichen nicht mehr aus. Auf dem Formular das Kästchen mit dem Wort „Arbeit“ anzukreuzen, auch nicht.

Wir müssen Zertifikate ausfüllen: Arbeitsort, die Passdaten von mir selbst und meinem Beifahrer, dem Kameramann, der gemäß den Regeln nur auf dem Rücksitz auf der rechten Seite sitzen darf. Dies ist das fünfte derartige, neue Zertifikat in einer Woche. Jetzt muss ich aufschreiben, wo ich hinfahre und woher ich komme. Wir schreiben Uhrzeit und Datum auf. Die Polizei behält das Papier.

Der Papst betete ganz alleine auf den Stufen des Petersdoms für Italien, das jeden Tag auf ein Wunder wartet und jeden Tag 1.000 Menschen begräbt. Links am Eingang wurde ein Kruzifix aufgestellt. 1522 wurde es durch Rom getragen, um Gott zu bitten, die Pestepidemie zu stoppen. Es ist heilig. Als Franziskus sein Gebet begann, musste man schlucken: „Die Dunkelheit fiel über unsere Städte herab und verschluckte sie und füllte alles mit einer lähmenden Leere“, sagte der Papst.

Italien schaffte es nicht alleine, sich frei zu schwimmen. Um Hilfe haben sie rechtzeitig gebeten. Hilfe kam. Nach den Chinesen in Cremona landete auch eine Gruppe aus 50 kubanischen Ärzten. Bei ihrer Ankunft hatten die Italiener für sie ein Feldlazarett vorbereitet.

Zwei Kolonnen des russischen Militärs fuhren in der Militärbasis Bergamo ab. Vor kurzem undenkbare Bilder: russisches, militärisches Gerät marschiert in Richtung des leidenden Nordens. Das Land sah dankbar zu und weinte. Unsere „Kamaz“-LKW auf der Umgehungsstraße von Rom, es gibt kein Zurück mehr.

Menschen zu retten ist heute das Wichtigste. Um alles andere – Politik, Intrigen, Empörung aus Brüssel – wird man sich im neuen Leben kümmern. Wir haben die Gruppe in Rom begleitet, in Bergamo wurde sie von Mediaset-Korrespondent David Loretti empfangen, er ist gerade erst aus der Quarantäne entlassen worden und wird den Italienern berichten, an welche Front unsere Soldaten geschickt werden, wo ihre Hilfe an jedem Tag am Dringendsten gebraucht wird.

„Sie sind vor wenigen Tagen aus Moskau eingeflogen. Auf den Autos ist an der Seite ein Aufkleber „Liebesgrüße aus Russland“. Sie sind in Bergamo angekommen, 104 Ärzte, Krankenschwestern und Spezialisten für Desinfektion. Und sie arbeiten bereits. Dieses Team von Super-Experten hat Ausrüstung dabei, die bereits im Kampf gegen Ebola eingesetzt wurde. Um die Räumlichkeiten zu dekontaminieren folgen sie einem bewährten Verfahren, das ihnen ermöglicht, augenblicklich zu reagieren, denn Zeit heute ist unbezahlbar! Allein am ersten Tag haben die Russen 2.000 Quadratmeter Fläche desinfiziert“, sagte Loretti. (Anm. d. Übers.: Die Aufschrift „From Russia with Love“ ist der Originaltitel des James-Bond-Filmes „Liebesgrüße aus Moskau“. Und da in Deutschland darüber nicht berichtet wurde: Ja, Russland hat vor einigen Jahren viele Spezialisten zum Kampf gegen Ebola nach Afrika geschickt)

Acht Teams, die jeweils aus einem Arzt, einem Epidemiologen und einem Anästhesisten bestehen, werden in einem Feldlazarett arbeiten, das das Militär in den Ausstellungspavillons in Bergamo baut.

Mit Liebe zu Italien werden die Russen weit weg von ihren Lieben sein. Während auch im eigenen Land eine schwierige Zeit kommt, haben sie ihr eigenes Land verlassen und werden Seite an Seite mit italienischen Ärzten arbeiten, um das Virus zu bekämpfen.

Am Ende von Lorettis Beitrag erklingt die russische Nationalhymne auf den Straßen von Bergamo und russische und italienische Flaggen hängen an den Balkonen in Rom. Es kommt wirklich von Herzen. Die Italiener wissen, wie man Dankbarkeit zeigt. Aber es gab Versuche, all das in den Dreck zu ziehen. Das Schwierigste ist es, „Danke“ zu sagen, wenn darum nicht einmal gebeten wird.

Einem Journalisten der Zeitung La Stampa erschienen die selbstlose Hilfe und die 15 Spezial-LKW verdächtig. 80 Prozent der Ausrüstung aus Russland sei unnötiger Müll, schrieb der Journalist unter Berufung auf ungenannte Quellen. Der Autor kennt sich in der Politik sehr sehr gut aus, aber nicht im Schutz vor biochemischen Gefahren. Um LKW zur Desinfektion von Gebäuden, Straßen und Krankenwagen hat Italien nicht einmal irgendwen gebeten, man kann sie schlecht per Post schicken. Dafür braucht es Flugzeuge. Russland hat auch mobile Labore und Ärzte mitgebracht.

In einem offenen Brief an die Redaktion der Zeitung schreibt der russische Botschafter in Italien, Sergey Razov,dass die Bewohner von Bergamo die Arbeit der russischen Spezialisten beurteilen sollten, und nicht ein paar Journalisten.

„Damit jeder versteht, worüber wir reden. In Bergamo leben 120.000 Menschen und es sind schon 1.300 gestorben! Unsere Soldaten arbeiten zusammen mit den Italienern im Epizentrum und riskieren ihre eigene Gesundheit und ihr Leben. Wie kann ein normaler Mensch das anders wahrnehmen? Das ist der Heldenmut unseres Militärs, anders kann man es nicht sagen“, sagte Razov.

Unser Militär, das jetzt den Italienern an vorderster Front hilft, verfügt über unschätzbare Erfahrungen aus dem Kampf gegen die afrikanische Seuche und hat damals einen Ebola-Impfstoff entwickelt. Unsere Soldaten arbeiten heute am Brennpunkt. An vorderster Front stehen Ärzte und Krankenwagen, 9 von 10 Einsätzen gehen zu Patienten mit verdächtigen Symptomen: Fieber, Atemnot, Schüttelfrost. Freiwillige werden eingesetzt, die angestellten Ärzte sind fast alle infiziert.

Ärzte sind heute das Hauptproblem. In der Lombardei und in der Emilia Romanii dürfen auch Infizierte eingesetzt werden, die noch ohne Symptome sind. Tests machen nicht alle. Es besteht der Verdacht, dass im Land nicht 100.000 infiziert sind, sondern zehnmal mehr.

Alle Krankenhäuser in allen Regionen sind bereit für Plan B, auch Privatkliniken. In diese Station darf niemand, weil hier Patienten mit geschwächter Immunität liegen, die Bilder filmt ein Mitarbeiter. In einer Woche wurden 8 Patienten mit amyotropher Lateralsklerose in das neue Krankenhaus verlegt, sie erwarten noch 12 Kranke, um dort Betten und unbezahlbare Beatmungsgeräte frei zu machen, wo der Krieg gegen das Virus tobt.

Mehr als 10.000 Tote, das ist eine unglaubliche Zahl für Italien. Im Norden ging eine ganze Generation verloren, die über 80-jährigen. Das Virus nimmt sich auch die Jungen vor. Allein in der Lombardei liegen 1.800 Patienten, die kaum älter als 30 sind, auf Intensivstationen, fast alle am Beatmungsgerät.

Quelle

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