Bericht zur Coronalage 07.04.2020: Unsere Profis

Gunter Frank,

Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), betonte bei der gemeinsamen Pressekonferenz am 26.3.2020, dass die aktuelle Krise „keine Zeit für Dilettanten“, sondern „Zeit für Profis“ sei.“ Herr Wieler dürfte vor allen an die Profis vom RKI gedacht haben. 

Nun möchte ich Herrn Wieler nicht an seine umfassenden Fehleinschätzungen der letzten drei Monate erinnern. Stellvertretend lediglich diese Aussage („RKI – Einschränkungen müssten notfalls zwei Jahre dauern)“, die nicht nur Springer-Chef Mathias Döpfner am Verstand des RKI-Chefs zweifeln ließ. Viel wichtiger erscheint es mir, die Fähigkeit, komplexe Situationen professionell einzuschätzen, an den bisherigen Leistungen in ähnlichen Situationen zu messen. Und schon sind wir bei der Schweinegrippe 2009/10.

Die Katastrophenorakel

Ich habe Ihnen dazu das Kapitel Schweinegrippe aus meinem Buch „Schlechte Medizin“ aus dem Jahr 2012, in der ich das leicht zu erkennende Versagen des RKIs sowie andere Institutionen, wie auch ARD und ZDF, dokumentiert habe, am Ende dieses Beitrages angefügt. Dieses Versagen kostete damals „nur“ 500 Millionen und die unbekannten Schäden durch eine neue Impfung, die man als große, ungeprüfte Testreihe an der Gesamtbevölkerung beschreiben muss. Jeder Hausarzt machte die Beobachtungen, dass mit diesem Impfstoff etwas nicht stimmte. 

Auch die zweite Stimme, die maßgeblich zu Corona von der Bundesregierung zurate gezogen wurde, fiel in Schweinegrippe-Zeiten mit einer massiven Fehleinschätzung auf: Professor Christian Drosten. In einem Artikel der Süddeutschen vom 17. Mai 2010, als schon alles vorbei und klar war, können Sie folgende Zitate von ihm lesen:

„Der Leiter des Instituts für Virologie der Universitätsklinik Bonn, Prof. Christian Drosten, sagte, es gebe eine drastische Zunahme der Erkrankungen in Süddeutschland. Er gehe davon aus, dass die Welle von Süden aus in einem Zeitraum von fünf bis sechs Wochen über Deutschland hinwegziehen werde.

Nach RKI-Zahlen sind allein in Bayern seit Ausbruch der Pandemie im April fast 7500 Fälle registriert worden. Zwei Menschen starben im Freistaat an der Infektion.

Drosten rief dringend dazu auf, sich gegen die Schweinegrippe impfen zu lassen. „Bei der Erkrankung handelt es sich um eine schwerwiegende allgemeine Virusinfektion, die erheblich stärkere Nebenwirkungen zeitigt als sich irgendjemand vom schlimmsten Impfstoff vorstellen kann.“

Vergleichen Sie dazu unten das Schweinegrippekapitel. Am Ende wurden Impfstoffe im Wert von 239 Millionen Euro als Sondermüll verbrannt. Und vergleichen Sie dazu auch die Horrorszenarien mit hunderttausenden an Toten, mit denen Herr Drosten Deutschland vor einigen Wochen schockierte. Dabei ist es durchaus seine Aufgabe, vor theoretisch denkbaren Folgen zu warnen. Wenn es ihn aber, in einer von den Bildern aus Italien aufgeladenen Situation, derart in die Öffentlichkeit drängt, sollte er reflektiert genug sein, sich der Folgen seiner rein hypothetischen Katastrophenszenarien bewusst zu sein. Als da sind: blanke Panik und irrationale Handlungen.

Profis lernen aus Fehlern

Nun man kann sich irren. Doch wenn man Irrenden später weiter professionelles Handeln zutrauen möchte, dann sollten die Irrenden vorher erklärt haben, wie sie zu ihrer Fehleischätzung kamen und was sie daraus zukünftig lernen werden. Und sie sollten sich für den entstandenen Schaden entschuldigen. Und genau dies geschah nicht. Dennoch vertraut die Bundesregierung vor allem auf diese Experten, die genau dem gleichen Panikmodus folgten wie damals bei der von Anfang an harmloseren Schweinegrippe. Kurz: Das RKI ist nicht Teil der Lösung, es ist Teil des derzeitigen Problems.

Ich weiß nicht, nach welchen Kriterien die Bundesregierung die Meinung von Experten gewichtet, aber sie wäre gut beraten gewesen, auf Profis zu hören, die um einiges reflektierter ihre Meinung vertreten. Ich möchte zwei nennen, die man frühzeitig hätte integrieren müssen. Sehen Sie dazu, wenn Sie es nicht schon kennen, das bemerkenswerte und hochinformative Gespräch zwischen Markus Lanz und dem Virologen Professor Hendrik Streeck. 

Und die prominente Virologin Professor Karin Mölling. Hören Sie dazu unbedingt dieses Interview ab Minute 11.

Weiterlesen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: