Jetzt als Staatspetze bewerben

„Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant.“ Ob der Ausspruch wirklich von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben stammt, ist nicht so ganz klar. Über absolute Lumpengröße ließe sich auch diskutieren, neben dem Denunzianten gibt es noch weitere menschliche Charaktere, die in dieser Kategorie Spitzenplätze beanspruchen dürfen.

Ungeachtet dessen wird die einprägsame Formulierung oft und gern zitiert. Einige lernen es als Kinder – man petzt nicht. Es soll sogar Lehrer geben, die sich darauf verstehen, ihren Schülern zu vermitteln, dass es einerseits ein zu akzeptierendes Regelwerk gibt, andererseits Verhaltensweisen, die zwar de jure zähneknirschendes Lob zur Folge haben, aber künftig den Blick in den Spiegel und einen ruhigen Nachtschlaf deutlich erschweren.

Wie tief verwurzelt die Ansicht ist, dass es sich beim Denunzianten um einen zumindest sehr großen Lumpen handelt, ist jedoch unklar und wird es wohl auch immer bleiben. Eine Art Restscham (die wiederum für den Wahrheitsgehalt des Dichter-Satzes spricht) hält den infrage stehenden Menschentyp meist davon ab, sich offen zu seinem Tun zu bekennen, zudem ist die Geheimhaltung ja auch eine wesentliche Arbeitsgrundlage der Petze. Menschen, die die Dinge zumindest semiprofessionell betreiben, versuchen ihr neben der Restscham verbliebenes Restgewissen gern mit der Wortwahl zu sedieren, sie würden „ja nur Informationen weitergeben“.

Dem Vernehmen nach hat während der „Corona-Krise“ eine nicht unerhebliche Anzahl von Staatsbürgern ihre Fähigkeit zur Wachsamkeit unter Beweis gestellt und der Polizei mit Anrufen hilfreich zur Seite gestanden. Beispielsweise, wenn Mitmenschen gesichtet wurden, die die „Verordnungen“ der Regierenden nicht ganz bis zum Schluss durchgelesen und entsprechend widerborstig langsam durch den Stadtpark oder rüsselfrei durch einen sächsischen Supermarkt getrödelt waren.

Quelle

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