Spahn will bei Corona-App zentrale Speicherung – Cyber-Experten gegen Pepp-PT

Von Petra Sorge

BERLIN (Dow Jones)–Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) pocht im Streit um
eine Corona-Warn-App auf eine zentrale Speicherung der Daten. Er nehme
die Angst der Menschen um den Datenschutz wahr, sagte Spahn dem
ZDF-Morgenmagazin mit Blick auf die wachsende Kritik an der europäischen
Entwickler-Initiative Pepp-PT. Es sei aber wichtig, „diese Debatte
pragmatisch zu führen“. Dass Gesundheitsämter Kontaktpersonen eines
Infizierten heute „ganz analog“ ermittelten, müsse „auch digital möglich
sein“.

Spahn zeigte Unverständnis für den Glauben vieler Menschen,
dass Daten bei Apple, Google oder anderen amerikanischen Großkonzernen
besser geschützt seien „als Daten, die in Deutschland auf Servern auch
staatlich kontrolliert sind“.

Zwar ist noch keine Entscheidung über eine konkrete Softwarelösung
gefallen. Die Bundesregierung hat aber offenbar die größten Sympathien
für das Softwaregerüst Pepp-PT. Das bestätigte der digitalpolitische
Sprecher der Union, Tankred Schipanski (CDU), nach einer Debatte im
Bundestags-Digitalausschuss am Mittwoch. „Unter Abwägung der Vor- und
Nachteile der jeweiligen Anwendungen scheint der Fokus der Entwicklung
auf der Pepp-PT-Anwendung, die zurzeit vom Fraunhofer Institut
entwickelt wird, zu liegen“, so Schipanski.

Bericht: Kanzleramt koordiniert Pepp-PT-Entwicklung mit Apple

Laut dem Digital-Magazin Heise Online soll das Kanzleramt sogar bereits
Gespräche mit dem US-Tech-Giganten Apple führen, um auf Pepp-PT-Basis
auch eine zentrale Serverlösung zu ermöglichen. Thomas Renner, Leiter
der Unterabteilung Digitalisierung und Innovation im
Bundesgesundheitsministerium, habe bei der virtuellen Ausschusssitzung
erklärt, dass das Kanzleramt die Gespräche mit Apple koordiniere,
berichtete der Ausschussvorsitzende Manuel Höferlin (FDP) dem
Onlineportal.

Die Kritik von Cyber-Experten und Verbraucherschützern an Pepp-PT
wächst jedoch. Der Chaos Computer Club, die SPD-nahe Denkfabrik D64 und
vier weitere deutsche Digitalvereine machten am Donnerstag in einem
offenen Brief Druck auf Spahn und Kanzleramtschef Helge Braun (CDU).

„Nachdem Pepp-PT nicht in der Lage war, schnell eine halbwegs
funktionierende und datenschutzfreundliche Lösung zu liefern, sollte nun
den technisch ausgereiften und datenschutzrechtlich gebotenen Ansätzen
unbedingt der Vorzug gegeben werden“, heißt es in dem Schreiben.
Stattdessen sollte eine Tracing-App, wenn überhaupt, „nur auf Basis
eines dezentralen Ansatzes – wie beispielsweise das Konzept DP-3T
(Decentralized Privacy Preserving Proximity Tracing) – aufgebaut und
programmiert werden.“

Die Deutschen sind bei der Nutzung einer
solchen Smartphone-App laut dem ZDF-Politbarometer noch gespalten. Eine
Lösung, die ohne Zugriff auf persönliche Daten Hinweise auf einen
Kontakt mit einem Corona-Infizierten gibt, würden 47 Prozent aller
Befragten nutzen. 42 Prozent gaben an, eine solche App nicht benutzen zu
wollen.

Kontakt zur Autorin: petra.sorge@wsj.com

DJG/pso/apo

(END) Dow Jones Newswires

April 24, 2020 04:39 ET (08:39 GMT)

Quelle

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