Neues „Rezo-Video“: Warum seine „Zerstörung der Presse“ eine „Liebeserklärung“ an den Spiegel ist

Mit gewissem Erstaunen können wir derzeit einen „Medienkrieg“ innerhalb der deutschen Mainstream-Medien beobachten. Das Thema ist „Viren-Papst“ Drosten und die Front lautet vereinfacht: Bild-Zeitung gegen den Rest der deutschen Medien. Interessant und entlarvend ist dabei das neue Video von Rezo.

In den letzten Jahren (oder Jahrzehnten?) gab es in den deutschen Medien keine nennenswerten Meinungsverschiedenheiten. Zu allen Themen waren alle Medien einer Meinung, Meinungsvielfalt und Diskurs fanden in den Medien nicht statt. Klingt übertrieben? Dann belege ich meine These kurz.

Bei allen wichtigen Themen waren alle deutschen „Qualitätsmedien“ eine Meinung:

Bankenrettung? Wurde „Griechlandrettung“ genannt und war „alternativlos“.
Auslandseinsätze der Bundeswehr? Nicht schön, aber altervnativlos, um entweder europäische Interessen zu stützen oder die Nato nicht zu schwächen.
Rentenreform? Wir werden älter, also müssen wir länger arbeiten (dass bestimmte Berufsgruppen von den Rentenkürzungen nicht betroffen waren und es auch andere Möglichkeiten gegeben hat, wurde nie hinterfragt)
Euroeinführung? Ist super, alle Kritiker der Euroeinführung sind Spinner, hieß es damals unisono (dabei sehen wir heute, dass die meisten ihrer Befürchtungen bewahrheitet haben)
Nato und EU? Werden gar nicht hinterfragt
Flüchtlinge? Sind super, wer was anderes behauptet, ist ein Nazi
Klima? Gaaaanz wichtiges Thema, alle, die eine andere Meinung haben, sind Spinner

Das waren Beispiele, die Liste ließe sich fortsetzen. Zu keinem dieser Themen gab es eine etablierte Zeitung in Deutschland, die konsequent eine abweichende Meinung vertreten hätte. Vereinzelt wurden als „Feigenblatt“ Artikel von Kritikern veröffentlicht, aber das waren Ausnahmen (daher nenne ich das „Feigenblatt-Artikel“)

Plötzlicher Streit in den Medien

Nun aber reiben wir uns verwundert die Augen, denn ausgerechnet die „Bild-Zeitung“ ist bei einem Thema aus dem gewohnten Medien-Konsens ausgeschert. Sie kritisiert den Viren-Papst „Drosten“ und der Spiegel greift daraufhin die Bild-Zeitung an und versucht, ihre Behauptungen zu widerlegen. Das mediale Hin-und-Her können wir seit Tagen beobachten. Es ist das erste Mal seit sehr langer Zeit, dass es im Mainstream Meinungsunterschiede bei einem gesellschaftlich wichtigen Thema gibt.

Ich habe keine Ahnung, wie es zu diesem medialen Streit gekommen ist und ob es dabei eine Agenda gibt, ob vielleicht die Bild-Zeitung bewusst zumindest teilweise die Kritiker der Corona-Maßnahmen unterstützt, um dort eine Spaltung zu erzeugen (schließlich ist die Bild-Zeitung in den Kreisen der Corona-Kritiker eher verrufen und wer will schon einer Meinung mit dem Blatt sein?). Ich unterstelle hier nichts, ich wundere mich einfach nur über das, was ich gerade in den Medien beobachte.

Neuer „Kämpfer“ im „Medienkrieg“: Rezo.

Wir erinnern uns: Rezo hat letztes Jahr das Video online gestellt, das kurz vor der Europawahl massiv die Thesen der Grünen vertreten und die CDU frontal angegriffen hat. Er hat eine große Reichweite und das Video hat die Wahlentscheidung vieler junger Menschen sicherlich massiv beeinflusst.

Jetzt kommt etwas wichtiges, das später noch eine wichtige Rolle spielen wird: Ich (und auch einige andere) habe damals mit recht wenig Recherche feststellen können, dass das Rezo-Video massiv gepusht worden ist und dass Rezo ausgerechnet mit denen, die sein Video medial gepusht haben, geschäftlich verbunden war. Die Details finden Sie hier, daher jetzt nur die Zusammenfassung: Für seine Inhalte (so stand es damals in seinem Kanal zu lesen) war die PR-Firma TUBE ONE verantwortlich, die wiederum Teil der Ströer-Gruppe ist, zu der auch t-online gehört. Und es war ausgerechnet t-online, wo am meisten über das Video berichtet wurde und in der Folge haben andere Medien das Thema aufgegriffen und das Video, Rezo und vor allem seine politische Botschaft wurden in ganz Deutschland bekannt.

Alles Zufall? Das mag jeder sehen, wie er will.

Worum es in dem Video geht

Nun hat sich Rezo wieder politisch zu Wort gemeldet. Die Botschaft seines neuen Videos mit dem Titel „Die Zerstörung der Presse“ ist schnell erzählt:

  1. Verschwörungstheoritker sind alle Spinner, namentlich werden die prominentesten Kritiker der Corona-Maßnahmen genannt.
  2. Misstrauen gegenüber die „seröse Presse“ (Zitat aus dem Video) ist verständlich, weil die Medien nicht immer sauber arbeiten.
  3. Es gibt bei den Mainstream-Medien „glaubwürdige“ Medien und „unglaubwürdige“ Medien (die Auflistungen kommen weiter unten)

Corona ist nicht mein Spezialthema und einige Vorreiter der Corona-Kritiker machen so dumme Videos und Kommentare, dass sie geradezu dazu einladen, sie in einer Analyse zu zerreißen. Das ist nicht weiter schwierig und Rezo tut das genüsslich mit Beispielen.

Ob er dabei nur Aussagen aus dem Zusammenhang reißt, sei dahin gestellt, ich habe es nicht überprüft. Aber der Zuschauer bekommt reichlich „Munition“, um die „Verschwörungstheoritker“ alle für Idioten zu halten. Auf berechtigte Kritik, wie sie zum Beispiel der Referatsleiter aus dem Bundesinnenministerium geäußert hat, geht Rezo nicht ein, obwohl sie sich als zutreffend erwiesen hat (Details finden Sie hier)

Es geht in dem Video aber auch gar nicht um Corona, es geht nur darum, zuerst „Verschwörungstheoritker“ lächerlich zu machen und dann zu den Medien selbst zu kommen. Die ersten etwa 20 Minuten „kümmert“ er sich ausführlich um die „Verschwörungstheoretiker“.

„Seriöse“ und „unseriöse“ Presse

Danach Rezo verweist darauf, dass „ein hohes Maß an Vertrauen in die seriöse Presse wichtig“ sei. Und er erklärt uns auch gleich, wer seriös ist und wer nicht. In Minute 24 nennt er Süddeutsche, Spiegel, Tagesspiegel, TAZ und Zeit als seriös (wobei er darauf hinweist, dass er bei der Zeit eine eigene Kolumne hat).

Das sind also die „seriösen Medien“.

Danach geht es in dem Video um Fehler, die Medien machen. Die zeigt er ausführlich auf, er zeigt auch die Methoden auf, mit denen die Leser beeinflusst werden sollen. Das ist über weite Strecken sehr gut gemacht, völlig korrekt und sehenswert. Allerdings machen diese Fehler – seinen Ausführungen zufolge – nur die „unseriösen“ Medien systematisch, bei anderen passieren eben manchmal Fehler.

Aber Rezo will seinen Zuschauern ja erklären, wer seriös ist und wer nicht. „Verschwörungstheoritker“ sind es schon mal nicht, das ist längst abgehakt. Unglaubwürdig, so erfahren nach weiteren ca. 20 Minuten, sind in seinem Augen FAZ, Welt und Bild. Und generell der Axel-Springer-Verlag. Da kann man nicht einmal etwas gegen sagen, nur seine Liste der „glaubwürdigen“ Medien wirft bei mir Fragen auf.

Er wiederholt mehrmals, dass ein „Grundmisstrauen gegen die seriöse Presse schlecht“ sei, gleichzeitig streut er (berechtigtes) Misstrauen gegen einen Teil der Mainstream-Medien, namentlich vor allem gegen die Springer-Presse.

Nebenbei lobt er mehrmals die öffentlich-rechtlichen Sender, was in der Aussage gipfelt, dass er Zuschauern, die die öffentlich-rechtlichen Medien kritisieren, „Kopfnüsse“ androht. Die Drohung ist nicht körperlich gemeint, er sagt damit, dass Kritik an den öffentlich-rechtlichen für ihn inakzeptabel ist.

Um zu belegen, warum die von ihm genannten „glaubwürdigen“ Vertreter der Medien so glaubwürdig sind, kommt er auch auf die Zahlungen von Bill Gates an deutsche Medien zu sprechen. Das findet er überhaupt nicht schlimm, denn die Zahlungen machen ja weniger als ein Prozent des Umsatzes der betroffenen Medien aus. Also alles Peanuts, völlig unwichtig.

Dass Bill Gates mit dieser angeblich völlig unwichtigen Zahlung eine eigene Rubrik beim Spiegel gründen konnte, stört Rezo überhaupt nicht. Er erwähnt es auch gar nicht erst. Details zu der Zahlung von Bill Gates an den Spiegel finden Sie hier.

Rezo bescheinigt dem Spiegel im Gegenteil ausdrücklich, gute Arbeit zu machen, weil beim Spiegel angeblich ganz viele Mitarbeiter die Fakten checken. An einem Punkt in seinem Video wirft er den „unglaubwürdigen“ Vertretern der „etablierten Medien“ vor, dass sie in ihren Artikeln Links setzen, in denen dann das genaue Gegenteil von dem zu lesen ist, was die Medien in ihren Artikeln behaupten. Das ist schlecht, da sind Rezo und ich uns einig.

Aber warum findet Rezo dann den Spiegel so glaubwürdig? Der Spiegel macht das doch auch gerne, wofür Sie hier ein Beispiel finden.

Wer laut Rezo warum „glaubwürdig“ ist

Daher kommen wir nun zu der Frage, wie denn Rezo zu seiner Einteilung der „etablierten Medien“ in „glaubwürdig“ und „unglaubwürdig“ kommt.

Er tut das mit einem Faktencheck zu der Berichterstattung über sich selbst. Das ist legitim (wer weiß schon mehr über ihn, als er selbst?) und ich unterstelle ihm dabei handwerklichen keine Fehler (bis auf einen, der gleich kommt). Er widerlegt in dem Video ausführlich falsche Berichte über ihn und sein berühmtes Video, die demnach vor allem von der FAZ und der Springer-Presse gekommen sind.

Spannend wird das erst, als er auf Vorwürfe kommt, er sei Teil einer Medienkampagne gewesen. Die Vorwürfe erwähnt er und bestreitet sie dann. Vielsagend ist dabei, dass er auf die Vorwürfe dabei nicht eingeht, er bestreitet sie einfach und die Zuschauer sollen ihm das ohne Belege glauben. Das ist dreist, denn er fordert von den Medien ausführlich, dass sie ihre Behauptungen überprüfbar belegen sollen.

Auf seine Verbindungen zu TUBE ONE, zur Ströer-Gruppe und zu t-online geht er nicht ein. All diese Firmen erwähnt er nicht einmal.

Wenn an all den Vorwürfen nichts dran ist, warum widerlegt er sie dann nicht, wie es ein „Faktchecker“ tun sollte? Er könnte doch über die Details seiner Verbindungen zu Firmen der Ströer-Gruppe sprechen und dabei aufzeigen, dass die gar nichts mit dem Hype um das alte Video (oder mit dem Video selbst) zu tun hatten. Er könnte auch seine Verträge offenlegen, um das zu beweisen. All das tut er nicht. Stattdessen erwähnt er die Verbindungen nicht einmal.

Apropos Verbindungen: Heute kann man beim YouTube-Kanal von Rezo nachlesen, dass nicht mehr TUBE ONE für seine Inhalte verantwortlich ist, sondern die ALLIN-Artistmanagement GmbH. Bei einer kurzen Recherche habe ich nur herausfinden können, dass es sich dabei um ein Start-Up handelt, aber nichts über Finanzierung und Eigentumsverhältnisse. Ob es die Verbindung von Rezo zur Ströer-Gruppe noch gibt, ist unklar (sollte ein Leser dazu und zu ALLIN belegbare Informationen haben, dann würde ich mich darüber freuen).

Aber es deutet einiges darauf hin, dass es da noch Verbindungen gibt, denn Rezo erwähnt ein weiteres Medium immer wieder positiv: watson.de. Und watson.de ist Teil der Ströer-Gruppe und hat eine „Contentpartnerschaft“ mit wem? Mit Zeit-online, also mit der Zeitung, für die Rezo seine Kolumne schreibt.

Alles Zufall? Das muss jeder selbst beurteilen.

Fazit: Die Liebeserklärung

Rezo war und ist (zumindest bei seinen politischen Videos) wohl kaum unabhängig, wenn er gleichzeitig Verbindungen zu einem führenden Medienkonzern hat. Dazu kann jeder seine Meinung haben, aber ich habe da große Zweifel.

Rezo erklärt uns in seinem neuen Video, dass Verschwörungstheoritker Blödsinn erzählen und er erklärt uns auch, welche Medien „glaubwürdig“ sind und welche nicht. Und glaubwürdig sind für ihn Medien, die entweder zur Ströer-Gruppe gehören, oder – direkt oder indirekt – mit ihr kooperieren, oder von Bill Gates Geld bekommen haben.

Die von ihm als „glaubwürdig“ bezeichneten Medien:

watson.de gehört zur Ströer-Gruppe.
Die Zeit ist für Rezo glaubwürdig, Zeit-online kooperiert mit Watson und Rezo schreibt eine Kolumne für die Zeit.
Die Süddeutsche hat von Bill Gates Geld bekommen und arbeitet immer wieder mit dem Spiegel zusammen (siehe zum Beispiel das Strache-Video)
Der Spiegel ist natürlich ebenfalls glaubwürdig (siehe Süddeutsche)

Und der Spiegel reagiert wie auf das aktuelle Video?

Er bedankt sich bei Rezo mit einem Artikel, der das neue Rezo-Video bekannt macht. Der Spiegel-Artikel über das aktuelle Rezo-Video beginnt mit folgender Einleitung:

„In einem neuen Video erklärt YouTuber Rezo, was falsch läuft bei den Medien. Was er sagt, stimmt alles, seine Recherchen sind tadellos. Und doch ist dieser audiovisuelle Essay keine Zerstörung, sondern eine Liebeserklärung.“

Es war wohl eher eine Liebeserklärung an Spiegel, Süddeutsche und Zeit…

Quelle

Ein Kommentar zu “Neues „Rezo-Video“: Warum seine „Zerstörung der Presse“ eine „Liebeserklärung“ an den Spiegel ist

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