„Vorahnung auf einen Bürgerkrieg: Amerikanische Politiker opfern das Land für ihre Ziele“

Die Rassenunruhen in den USA waren am Sonntag ein großes Thema im russischen Fernsehen. Der Moderator hat dazu einen sehr langen, aber auch sehr interessanten Kommentar über den Zustand der amerikanischen Gesellschaft, der amerikanischen Eliten und der amerikanischen „Gerontokratie“ abgegeben.

Bemerkenswert war in dem Kommentar der Hinweis auf einen früheren russischen Kommentar der Sendung über den Film „Joker“, den ich seinerzeit auch übersetzt habe. Aus heutiger Sicht ist der Kommentar vom November letzten Jahres fast schon prophetisch gewesen. Aber auch die Vergleiche der heutigen USA mit dem Ende der Sowjetunion fand ich so interessant, dass ich die beiden aufeinander folgenden Teile der Sendung (Sie finden die Links zu den Beiträgen hier und hier) als einen Kommentar übersetzt habe.

Beginn der Übersetzung:

Aufstand in Amerika: So ist Anarchie

Schauen wir uns dieses Bild an: Ein Mann mit Joker-Maske zündet – wie in Todd Phillips‘ Film – ein Polizeiauto an. Dann posiert er, wie in dem Film, mit offenen Armen. Diesmal ist es kein Film, das ist Amerikas in der letzten Woche. Aber die Ästhetik der Rebellion scheint von Hollywood vorgegeben zu sein. Und das Bild vom Joker ist gefragt. Es ist die Romantisierung der Anarchie. Das macht sie nicht besser oder schlechter. Anarchie, wie sie ist.

Hier sehen wir eine Frau, die trotzig ihr Geschäft auf einem umgestürzten Polizeiauto erledigt. Die progressive amerikanische Öffentlichkeit jubelt und begrüßt solche Aktionen eindeutig. Die Dame scheint wie befreit, nach dem Motto „Alles ist erlaubt, nur zu!“

Der Mann mit der Joker-Maske, der das Polizeiauto in Brand gesteckt hat, wurde schließlich gefasst. Möglich machte das seine Tätowierung am Hals: „Petty“. Die befreite Frau, die auf dem Polizeiauto hockte, wurde nicht gesucht.

Aber das sind Details. Es geht insgesamt darum, dass der gegenseitige Hass in Amerika erneut das Fass zum Überlaufen gebracht hat und die Polizei, die immer noch regelmäßig zwei bis drei Amerikaner pro Tag auf der Straße tötet, kommt mit der Situation nicht klar. Die Polizei ist demoralisiert. Das hat zwei Gründe.

Der erste Grund ist, dass der Mord an George Floyd nicht zu rechtfertigen ist. Aber was dieses Mal in Großaufnahme zu sehen war, ist die tägliche Polizeipraxis, die auch nicht zu rechtfertigen ist. Der zweite Grund ist, dass die Regierung die Polizei allein gelassen hat, sie in schwierigen Zeiten nicht unterstützt. Niemand hat öffentlich verkündet, dass es andere Polizisten gibt und dass der Mörder Derek einen Schatten auf eine insgesamt gesunde Polizei wirft. Nein, das ist nicht passiert. Und die Polizei und mit ihnen die Soldaten der Nationalgarde knieten vor den Massen der Aufständischen und Plünderer nieder. Sie knieten aus Solidarität mit den Protesten.

Das ist lustig und traurig zugleich. Es ist lustig, weil die Sicherheitskräfte dabei in der gleichen Pose knien, wie Derek Chauvin, als er George Floyd erwürgt hat. Und es ist traurig, weil die Verteidiger von Recht und Ordnung verlassen und verraten wurden. Die Polizei und die Nationalgardisten wurden auf die Straßen geschickt, aber ihnen wurde kein klarer Befehl erteilt und kein klarer Zweck ihrer Einsätze festgelegt. Die amerikanischen Politiker sind verschwunden und haben die Straßen den Rebellen überlassen. Und die Polizisten, die nicht niederknieten, kämpfen nur für sich selbst und schlagen mit aller Grausamkeit zu.

Das Coronavirus und die Tatsache, dass mehr als 110.000 Menschen in den Staaten daran gestorben sind, wurden augenblicklich vergessen. Es gibt auch Opfer bei den Unruhen, aber niemand zählt sie ernsthaft. Sicher ist, dass es bereits mehr als zehn Tote gibt, aber im Chaos der Anarchie ist keine Zeit für Statistiken. Niemand ist da, der die sie führen könnte. Die Polizei ist demoralisiert und mit anderem beschäftigt.

Damit nicht der Eindruck entsteht, dass wir das übertreiben, lasse ich meinem amerikanischen Kollegen von Fox News, den Kolumnisten Tucker Carlson, zu Wort kommen:

„Für viele von uns war diese Woche die traurigste und schmerzhafteste, an die wir uns erinnern können. Bedrückend ist ein zu schwaches Wort. Wir sahen Mobs, die unsere Städte angezündet, unsere Denkmäler geschändet, ältere Frauen auf der Straße geschlagen, auf Polizisten geschossen und alles gestohlen haben, was ihnen in die Hände gefallen ist. Wie vielen unschuldigen Amerikaner haben diese Menschen Schaden zugefügt? Wie viele haben sie getötet? Wir wissen es nicht, aber im Moment sind viele Menschen besorgt über das Schicksal unseres Landes“, sagte Tucker.

Wenn der Staat seine Vollzugsbeamten verrät, ist das ein schlechtes Zeichen. Warum sollten die Vollzugsbeamten einem solchen Staat treu bleiben? Übrigens haben wir das am eigenen Leib erfahren. Als der Generalsekretär und spätere der Präsident der UdSSR, Michail Gorbatschow, vorgab, es wären nicht seine Truppen, die die Demonstration in Tiflis im April 1989 zerstreut haben. Als er sich bei der Erstürmung des Fernsehturms in Vilnius im Januar 1991 mehrdeutig verhielt. Oder als Viktor Schatsky, ein Leutnant der Einheit Alfa, dort starb und er heimlich begraben wurde, ohne der Presse mitzuteilen, wer gestorben war und unter welchen Umständen.

Damit war klar, dass er, als im Dezember 1991 der von Präsident Gorbatschow geführte Sowjetstaat aufgelöst wurde, kein moralisches Recht hatte, sich an irgend jemanden mit der Bitte um Unterstützung zu wenden und es niemanden gab, dem er Befehle erteilen konnte.

Jetzt steht die amerikanische Polizei und Nationalgarde verlassen zwischen dem Staat und den Rebellen. Zwischen den Eliten und der Straße. Die Eliten sind im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen, die für den 3. November geplant sind, leidenschaftlich mit dem Kampf um die Macht und damit um Geld beschäftigt. Dabei ist der gegenseitige Hass der Parteien so stark, dass beide Seiten bereit zu sein scheinen, den Staat selbst zu opfern.

„Viele unserer Führer fühlen nichts, während unsere Nation in Anarchie versinkt. Stattdessen sehen sie dieses Chaos als Chance, die Kontrolle zu festigen und ihre Chancen auf einen Wahlsieg zu erhöhen. Sie sind nicht daran interessiert, über das zu sprechen, was wirklich auf unseren Straßen vor sich geht. Tatsächlich verschleiern sie diese Details“, meint Tucker Carlson.

Solche Momente sind gefährlich, wenn die Unnachgiebigkeit eine solchen Schärfe erreicht hat, dass die Methoden der Zurückhaltung nicht mehr funktionieren und alles in die Schlacht geworfen wird. Wir haben das im letzten Jahrhundert zweimal getan, 1917 und 1991. Als die Parteien keine Kompromisse eingehen wollten, bedeutete das: „Land, verbrenne in blauen Flammen“. Und das Land zerfiel.

Einen solchen inneren Hass der Eliten im Kampf um die Macht konnten wir im 21. Jahrhundert auch in der Ukraine sehen, als das Land selbst zu einer Karte im Spiel wurde. Die Ukraine ist zusammengebrochen.

Vorahnung auf einen Bürgerkrieg: Amerikanische Politiker opfern das Land für ihre Ziele

Ich möchte nicht sagen, dass Amerika jetzt auseinanderfallen wird. Aber die Atmosphäre der Unnachgiebigkeit, die wir bereits aus unserer eigenen historischen Erfahrung kennen, verdichtet sich in Amerika. Die Demokraten wollen Trump um jeden Preis stürzen, und Trump will um jeden Preis bleiben. Die Unruhen wurden sich selbst überlassen und jede Seite wartet darauf, dass entweder Präsident Trump oder einer der demokratischen Gouverneure oder demokratischen Bürgermeister einen Fehler machen, der bei den bevorstehenden Wahlen für sie tödlich sein wird. Alle spielen auf Zeit, während die Rebellen das Land verbrennen und zerschlagen.

Das sagt der politische Kommentator von Fox News, Tucker Carlson, über diejenigen, die in amerikanischen Städten Gewalt begehen: „Das sind die schlimmsten Menschen in Amerika und unsere Führer erlauben ihnen, alles zu tun, was sie wollen. Natürlich werden sie mehr wollen. Ihre neue Forderung ist es, die Polizei vollständig abzuschaffen. Keine Strafverfolgungsbeamten mehr in diesem Land. Das bedeutet, die Macht der Massen zu stärken. Sie können tun, was sie wollen. Das wird für Sie und Ihre Familien zu einem endlosen Alptraum. Und deshalb wollen die es.“

Und dann zeigt Tucker Carlson ein Video, das am 1. Juni in New York City aufgenommen wurde, in dem ein Mann, der sich selbst als „Mitarbeiter“ der Black Lives Matter-Bewegung bezeichnet, eine weiße Frau zwingt, niederzuknien und sich für „weiße Privilegien“ zu entschuldigen. Die Frau gehorcht.

Die gewalttätigsten Ausschreitungen finden in traditionell demokratischen Staaten und Städten statt. Gouverneure und Bürgermeister sind nicht bereit, gegen „ihre Leute“ vorzugehen. Sie zählen darauf, dass sie die Proteste gegen Trump benutzen können. Trump verurteilt die Pogrome nur mit Worten, ist aber nicht bereit, seine vorhandenen Kräfte einzusetzen, um die Rebellion zu unterdrücken.

Danach wird er die Unruhen denen anlasten, denen sie genutzt haben. Und das Land, die Schäden, das Coronavirus und die Zerstörung der Wirtschaft kann man vernachlässigen. Nein, es werden viele Worte gemacht, aber niemand hält wirklich irgendwen auf. Besitzer von Geschäften und Restaurants sind gezwungen, zu den Waffen zu greifen und sich an die Cowboy-Traditionen des Wilden Westens zu erinnern. Einige Journalisten sprechen von Zeichen eines Bürgerkriegs in den Vereinigten Staaten.

Das Establishment ist bereit, das Land für unmittelbare politische Zwecke zu opfern, das ist Fakt. De facto feuern die Demokraten Rebellen und den Mob an. Die Republikaner warten ab, bis der Schaden noch größer wird. Das ist gefährlich.

Und eine weitere Parallele zu unserer Vergangenheit ist die Gerontokratie. Wie sehr unterscheidet sich heute der gläsernen Look des US-Präsidentschaftskandidaten Joe Biden vom sowjetischen Staatschef Konstantin Tschernenko? Und Leonid Breschnew hat nach seinem klinischen Tod die UdSSR noch Jahre lang regiert. (Anm. d. Übers.: Damals war es geheim, aber 1976 war Breschnew bereits klinisch tot und wurde reanimiert. Von den Folgen hat er sich nie erholt, aber obwohl er von da gar nicht mehr in der Lage war, das Land zu führen, blieb er bis zu seinem Tod 1982 an der Macht)

Damals funktionierten soziale Fahrstühle, wie sie heute genannt werden, in der UdSSR nicht. Wie sollen sie jetzt in den USA funktionieren, wenn das Anwärter-Paar für das höchste Amt des Landes Trump, der bald 74 Jahre alt wird, und Joe Biden, der letztes Jahr 77 Jahre alt wurde, sind? Und die Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, ist über 80 Jahre alt.

Gleichzeitig ist die Beziehung innerhalb des Trios, wie man sagt, „hochwertig“. Pelosi zerreißt trotzig den Text von Trumps Rede. Er nennt sie die „nervöse Pelosi“. Biden spricht von Trump als „absoluten Narren“. Und als Trump nach Bidens Stärken gefragt wurde, sagte er: „Ich sollte über seine Erfahrung sprechen. Aber Biden hat keine Erfahrung, weil er keine macht.“

Und wer waren die heftigsten Konkurrenten bei den Demokraten? Biden wurde, bis vor kurzem, von Bernie Sanders, 78 Jahre, verfolgt. Und Bloomberg, der auch 78 ist, galt als aufstrebender Star der Demokraten. Irgendwie so…

Sind das wirklich die besten, die gebildetsten, die energischsten, die vorausschauendsten und die stärksten Vertreter der amerikanischen Elite? Für diejenigen, die die späte sowjetische Erfahrung durchgemacht haben, ist die heutige amerikanische Gerontokratie ein Déja-vu. Allerdings nicht einmal wegen der des Alters der Protagonisten, sondern wegen ihrer intellektuellen Form und ihrer Fähigkeit, die Realität der Welt um sich herum zu sehen und einen Weg für die Zukunft zu finden.

Wie kann man sich da über das Ergebnis wundern? Das Land ist getränkt von brennenden Pogromen. Mit der Epidemie kommt Amerika schlechter klar, als jedes andere Land der Welt. Jetzt sind mehr als 42 Millionen Amerikaner arbeitslos. Mit China haben die Vereinigten Staaten einen für sich selbst notorisch aussichtslosen Kampf angefangen. Gleichzeitig belaufen sich die Staatsschulden auf über 23 Billionen Dollar und im Innern herrscht die gefährlichste und brutalste Spaltung, rassistisch und politisch. Wie man da herauskommen soll, wissen die amerikanischen Eliten nicht. Es gibt keinen Plan. Und jeder Plan der einen Seite wird sofort von der anderen Hälfte der Nation verspottet und sabotiert.

Und schließlich noch das Mysterium. Vor drei Jahren, am 16. Juli 2017, erschoss der schwarze Polizist Mohamed Noor in Minneapolis eine weiße Yoga-Trainerin, Justin Damon. Justin rief nachts die Polizei, aus Angst vor Lärm in der Nähe. Sie ging in ihrem Pyjama nach draußen, um auf die Polizei zu warten. Während des Gesprächs feuerte der in Somalia geborene Mohammad Noor mehrere Kugeln auf die Frau ab. Justin Damon starb noch an am Tatort. Keine der Videokameras, die für die Polizei Pflicht sind, und an Polizisten und Streifenwagen befestigt sind, funktionierte. Nach diesem Mord gab es in Minnesota keine Pogrome oder Unruhen. Warum? Amerika hat doch seine eigenen Rätsel.

Ende der Übersetzung

 

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