Klimarettungsideen eines Wettermanns Statt „falscher Preise“: 900 Euro für Inlandsflug und Benzinkontingent für alle?

Von Holger Douglas
Der Ruf nach der Klima-Planwirtschaft wird lauter. Im Flugverkehr müsse es viel höhere Preise geben, schlägt ARD-Wetterfrosch Sven Plöger vor. Und in der Taz fantasiert man über die Zuteilung von begrenzten Treibstoffkontingenten.

Corona ist abgeflacht, jetzt kommt die Klimakatastrophe auf Wiedervorlage. Zum Beispiel beim WDR. In der Sendung »Kölner Treff« erklärt der aus den Nachrichtensendungen der ARD bekannte Wettermann Sven Plöger dem Zuschauer nicht etwa, warum es derzeit während der Schafskälte so kalt ist, sondern: »Wir brauchen ein Regelwerk!« Freiwilliger Klimaschutz soll nicht mehr genug sein.

Plöger pfeffert dem Zuschauer ein »radikales Umdenken« entgegen, vermutlich ein Versuch, gut Wetter bei den Sendern zu machen. Eine Taxifahrt zum Flughafen koste 70 Euro, meinte der Wettermann, fügte aber nicht hinzu, dass er selbst öfter den Bus oder Bahn zum Flughafen benutzt. Der Flug von München nach Hamburg koste nur 29 Euro. »Das ist nicht besonders logisch. Wir haben falsche Preise. Und falsche Preise heißt, dass wir irgendwas ausbeuten. Das T-Shirt für 1,99 Euro beutet den Menschen in Bangladesch aus, der Flug für 29 Euro über diese Distanz beutet die Natur aus«, gibt die WELT Plögers Logik wieder.

Dagegen brauche es einen Schutz, so Plöger weiter: »Und deswegen sage ich zum Beispiel: Warum soll eigentlich der Taxikilometer etwas anderes kosten als der Flugkilometer?« Der Preis für einen Taxikilometer liege in Deutschland bei rund 1,50 Euro. Der Flugkilometer solle genauso viel kosten. Ein Flug von München nach Hamburg, rechnete Plöger vor, würde dann 900 Euro kosten. »Dann kann ich versichern, dass wir sehr klimafreundlich werden.«

Gut für den von öffentlich-rechtlichen Zwangsabgaben finanzierten und damit der Lebenswirklichkeit der in der freien Wirtschaft arbeitenden Menschen vermutlich weitgehend entkoppelten Plöger, dass er wohl auch weiterhin teure Flüge auf Gebührenzahlerkosten buchen kann. Für diejenigen, die das tun müssen, sind günstige Reisekosten ein Segen, wobei sich jene sagenhaften 29 Euro aufgrund der vielen Nebenkosten noch rasch erhöhen.

Sehr günstige Preise gibt es nur zu bestimmten Zeiten, sie schwanken entsprechend den Marktverhältnissen. Ein Flug muss möglichst voll besetzt werden, um sich zu lohnen. Da hilft aus Sicht der Fluggesellschaft auch, den letzten leeren Platz mit Hilfe ausgeklügelter Preise für 10 Euro zu verkaufen, während Busse und Bahnen meist leer durch die Gegend fahren, der Durchschnittspreis pro Platz im Flugzeug ist dagegen deutlich höher.

Hoffentlich stehen Plögers Wettervorhersagen nicht auf solch wackligen Füßen wie seine ‚Versicherungen‘, welche Verkehrsmittel am besten für die Menschheit seien. Denn Energievergleiche zwischen Bahn und Flugzeug sind trotz der Versicherungen Plögers schwierig, zumal die Bahn sich mit der Veröffentlichung genauer Daten schwer tut.

Fest steht: Flugzeugtriebwerke selbst sind sehr effizient und damit sparsam geworden. Eine Boeing 737 schluckt pro Stunde ungefähr zwei Tonnen Kerosin und legt dabei etwa 800 Kilometer zurück, kann etwa 150 Passagieren transportieren. Das bedeutet 2,6 Liter Kerosin pro Passagier auf 100 Kilometer. Das Flugzeug nutzt also zumindest im Vergleich mit dem ICE die Energie sehr gut aus.

Bei der Bahn hängt die Effizienz stark davon ab, wie viele Passagiere im Zug sitzen, und wie schnell er fährt. Ein ICE zieht beim Anfahren und Beschleunigen schonmal fünf bis sechs MWh aus dem Stromnetz. Für einen Flug von München nach Hamburg muss auch nicht die Republik mit teuren und wartungsintensiven Eisenbahnstrecken durchzogen werden, sondern es genügen drei, vier Kilometer Start- und Landebahn. Bei der Bahn schlägt vor allem die hohe Geschwindigkeit negativ zu Buche. Die Überwindung des Windwiderstandes kostet mit wachsender Geschwindigkeit sehr viel Energie. Der Widerstand wächst mit dem Quadrat der Geschwindigkeit und beträgt beim modernen ICE3 bei 300 km/h deftige 80 Prozent. Ein Grund übrigens, warum der neue ICE 4 nicht mehr auf die Höchstgeschwindigkeit seines Vorgängers ausgelegt ist.

Es ist also keineswegs ausgemacht, dass Bahnfahren »dem Klima hilft«. Schon gleich gar nicht im Nahverkehr, bei dem die Verbrauchswerte bei allen Verkehrsmitteln deutlich steigen. (Gottfried Ilgmann, Klemens Polatschek: »Zukunft der Mobilität: Wie viel öffentlichen Personenverkehr werden wir uns leisten können?«, Berlin 2013).

Bleibt das viel gepriesene »Lastenfahrrad«, mit dem ein Hauch von Vietnam auf unsere Straßen kommt. Plöger beteuert übrigens nicht, dass er selbst nur noch »umweltfreundlich« mit dem Fahrrad unterwegs sein will. Vielleicht ist ihm ja der Schreck in die Glieder gefahren, als er von der Idee las, jeder solle nur noch eine bestimmte Menge Benzin zugeteilt bekommen. Warum? Um das Klima zu retten natürlich.

Denn, wie jetzt in der Taz ein Gastkommentator schreibt, will der »Sachverständigenrat«, der die Bundesregierung in Umweltfragen berät, »uns zu einem Volk von Bus- und Radfahrern und das Auto mit zusätzlichen Gebühren unattraktiv machen«.

Damit werde das Autofahren zwar teurer, meint der Taz-Autor. Doch: »Das reicht nicht. Soll der Plan mit dem 1,5-Grad-Ziel wirklich aufgehen, brauchen wir für das Klima eine sozialistische Planwirtschaft. Zum Beispiel so: Jedem Bundesbürger müssten pro Jahr nur noch 444 Liter Kraftstoff zustehen, mehr erst mal nicht.«

»Gleicher Sprit für alle«, heißt es da wie in einer Büttenrede. »Das klingt wie Sozialismus in Reinkultur. Dabei wäre es nur die konsequente Umsetzung des vorgenommenen Ziels.«

»Was aus einer solchen Zuteilung folgt, liegt in der Selbstverantwortung eines jeden Einzelnen: Ein 5-Liter-Kleinwagen-Fahrer käme mit seinem Spritkontingent 8.880 Kilometer weit. Der oft gescholtene Fahrer mit seinem 12-Liter-SUV brächte es eben nur noch auf 3.700 Kilometer, der Lkw entsprechend auf viel weniger.«

Dann hätte sich auch die Auslieferung der gedruckten taz-Exemplare schnell erledigt: ‚Sorry Leute, heute keine taz mehr, Benzinkontingent für die Lieferwagen verbraucht!‘

»Eine Utopie?«, fragt der Autor am Ende und folgert messerscharf: »Dann wäre auch das Pariser Klimaziel eine solche.«

 

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