Der Sonntagsfahrer: Die Größenwahnsinnigen

Bild: Fausto Garcia, Unsplash

11. Juni 2020 H.j. Lüdecke Bild: Fausto Garcia, Unsplash

Dirk Maxeiner
Eine fortgeschrittene, sich der höchsten Sichtweise der deutschen
Politik annähernde Praxis des Drehens einer Windmühle liegt darin,
während des Drehens der Windmühle sich darauf zu konzentrieren, dass
sowohl der Drehende als auch die Handlung des Drehens und die sich
drehende Windmühle, samt den darin enthaltenen Mantras und Gebeten,
nicht völlig schwindelig machen“.

Die Gebetsmühle erinnert die Buddhisten an das Ingangsetzen „des
Rades der Lehre“, und der abgespulte Text soll auch Leseunkundigen
Möglichkeiten zum Erwerb von positivem Karma eröffnen, nicht unbedingt
in diesem Leben, es kann auch bis zum nächsten dauern. Ausgehend von
Tibet hat sich das Konzept der Gebetsmühle seit dem 4. Jahrhundert
bewährt und findet heute vielfach auch in unserer Politik Anwendung. Die
Gebetsmühle ist ein wichtiges Handwerkzeug der Bundesregierung auf dem
Pfad der Erleuchtung der Bevölkerung, etwa in Form des Merkel-Mantras.
Aber auch, wenn es um Altmaiers  Lobpreisungen der Windenergie geht,
deren höhere Weisheit wir möglicherweise auch nicht sofort erfahren,
sondern später, irgendwann.

Es trifft sich dabei gut, dass frühe Gebetsmühlen ebenfalls vom Wind angetrieben wurden, allerdings hatten sie eine vertikale Achse
die von aufgespannten Tüchern gedreht wurde. Sie erinnern ein bisschen
an kreisende Wäscheständer. Diese fortschrittliche spätantike
Technologie wurde in Deutschland konsequent weiterentwickelt und ersetzt
nun die rückschrittlichen Kernkraftwerke.

Der fromme Glaube wird
dabei mit dem Streben nach Größe und Ewigkeit kombiniert, die
traditionellen Bestandteile des deutschen Weges zum Karma. In Abwandlung
der Bestimmung buddhistischer Gebetsmühlen, die ich hier auf Wikipedia fand,
könnte man die Essenz deutscher Windmühlen so beschreiben: „Eine
Motivation dieser Technik besteht darin, bei der Drehung der Windmühle
zu visualisieren (geistig zu projizieren), dass alle darin
enthaltenen Mantras während des Drehens Licht zu allen fühlenden Wesen
ausstrahlen (Disco Effekt), deren Leid beseitigen und schlechtes Karma auflösen“.

Kurz
gesagt, ebenfalls in Wiki-Abwandlung: „Eine fortgeschrittene, sich der
höchsten Sichtweise der deutschen Politik annähernde Praxis des Drehens
einer Windmühle liegt darin, während des Drehens der Windmühle sich
darauf zu konzentrieren, dass sowohl der Drehende als auch die Handlung
des Drehens und die sich drehende Windmühle, samt den darin enthaltenen
Mantras und Gebeten, nicht völlig schwindelig machen“.

Spätantiker Technologiesprung

Zu
– im wahrsten Sinne des Wortes – ganz großer Form läuft jetzt
beispielsweise Markus Tacke, Chef von „Siemens Gamesa Renewable Energy“
auf. „Mit großer Leistung geht ein großer Nutzen einher“, bewirbt er
sein neues Riesenwindrad, das vor der Küste im Meer so hoch aufragen
soll wie der Eiffelturm. „SG 14-222 DD ist ein globales Produkt, das uns
allen hilft, einen großen Schritt vorwärts zum Schutz und Erhalt
unseres Planeten zu machen“, segelt er weiter zum rettenden Karma. „Das
neue Windrad von Siemens Gamesa sprengt alles bisher Vorstellbare“, schreibt auch DIE WELT ganz richtig, es katapultiere die Windkraft „in eine neue Dimension“.

Der
spätantike Technologiesprung besteht in einer Leistung von bis zu 15
Megawatt pro Windrad. Zum Vergleich hier die Leistung des vor zwei Wochen gesprengten Kernkraftwerkes im
badischen Philippsburg. Die Leistung der beiden Blöcke dieses bis dahin
voll funktionstüchtigen und mit Restwert von 3 Milliarden Euro
veranschlagten Kraftwerkes betrug rund 2.400 Megawatt. Um das
rückschrittliche KKW zu ersetzen, das gerade mal soviel Platz
beansprucht wie ein mittleres Parkhaus, müssen also rund 160 spätantike
Eiffeltürme auf hoher See aufgestellt werden, wobei Einstein ins Spiel
kommt, dem folgendes Zitat gerne in die Schuhe geschoben wird: „Zwei
Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber
bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

Dazu passt eine Aussage von Andreas Nauen, Chef der „Offshore-Business Unit“ von Siemens Gamesa. Seit
1991 arbeite der Konzern daran, „die Leistung zu steigern,
technologische Risiken zu minimieren und die Energiegestehungskosten
konstant zu senken“. Der Erfolg dieser Bemühungen lässt sich so
beschreiben: Die Stromkosten für die Deutschen sind schon deutlich höher
als der Eiffelturm und nähern sich dem Shanghai Tower (642 Meter), der
Offshore-Versorger „Njord Forseti“ rammte gerade eine Windkraftanlage vor
der deutschen Küste, die von den Rotoren bestrichenen Flächen sind
Todeszonen für Seevögel, eine einzige so groß wie fünf Fußballfelder.

Zäh wie die Windhunde

Um so verzweifelter die Lage, desto größer werden in Deutschland die Projekte, das zeigten schon die „Reichskrafttürme“ des deutschen Erfinders Hermann Honnef, diese
sollten bis zu 500 m hoch gebaut werden und drei gegenläufige
Windrotoren von 160 Meter Durchmesser tragen. Bevor sie den Planeten
retten konnten, unterzeichnete Deutschland allerdings die Kapitulation.
In Sachen der aussichtlosen Energiewende geben sich die Beteiligten noch
zäh wie die Windhunde. In einem Prozess zur „Marinen Raumordnung“ unter
Federführung des Bundesumweltministeriums und des Bundesamtes für
Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH) werden bereits Pläne diskutiert,
wie man bis zum Jahre 2050 Windkraftanlagen mit einer Leistung von 40
bis 50 Gigawatt in Nord- und Ostsee platzieren könnte. Allerdings fehlt
nach wie vor eine Erleuchtung darüber, wo dieser Strom denn gespeichert
werden könnte, damit die Lichter weiter brennen, wenn Flaute herrscht.

Ähnlich verhält es sich mit einem Plan des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, das nun ausgerechnet im afrikanischen Niger,
einer Region mithin, die auch ohne deutsche Technologie-Partnerschaft
genügend Probleme hat, mit Solarstrom Wasserstoff zur Deckung des
deutschen Energiebedarfes produzieren will. Die dafür erforderliche
Fläche würde schlappe 40.000 Quadratkilometer umfassen, also in etwa die
Fläche Baden Württembergs. Für den Transport des Wasserstoffes in
heimische Gefilde könnte man vielleicht den Groß-Zeppelin „Cargo-Lifter“
reanimieren, dessen gigantische Pleite auf Achgut.com wiederholt thematisiert wurde.

Über
solche Petitessen räsonieren aber allenfalls Miesmacher und Defätisten –
Menschen mit einem vorbildlichen Karma spucken stattdessen in die
Hände, bis das Land so richtig durchstartet.

Ein sehr schönes
historisches Beispiel dafür war die „ME 321 Gigant“, der größte
Lastensegler aller Zeiten. Im Rahmen des Unternehmens „Seelöwe“,
dahinter verbarg sich ein Offshoreprojekt zur Rettung der Welt vor den
Engländern, sollten deutsche Truppen im zweiten Weltkrieg zum Albion
hinübergeschickt werden. Aber die Sache hatte von Anfang an keinen guten
Lauf. So hatte die deutsche Luftwaffe vergessen, ein Schleppflugzeug zu
entwickeln, das die Riesendinger zuverlässig in die Luft hätte bringen
können.

Von Frankfurt nach Köln zum Rosenmontagszug

Ein wenig suboptimal lief auch die Sache mit der „Maus“, einem von Ferdinand Porsche entwickelten Riesen-„Panzerkraftwagen“, der
den Zweiten Weltkrieg ebenfalls mit deutscher Größe wenden sollte. Der
Weg zum Sieg wurde leider dadurch vereitelt, dass das gute Stück 190
Tonnen wog und deshalb über keine Brücke fahren konnte, um einen Feind
aufzusuchen. Inzwischen fand die „Maus“ einen zeitgemäßen Nachfolger in
Gestalt des Mercedes EQC,
einem 2,5 Tonnen schweren Elektropanzerwagen, der es mit einer
Batterieladung von Frankfurt nach Köln zum Rosenmontagszug, nicht aber
zurück schafft.

Geradezu legendär ist die „Dicke Bertha“, ein
Mörser mit 42-Zentimeter-Kaliber, der 1914 als ultimative Waffe gegen
Bunker gebaut wurde. Um das Ding in die Nähe der Front zu bugsieren,
brauchte man ein Dutzend Eisenbahnwaggons und außerdem ein
Beton-Fundament, damit die „Wunderwaffe“ beim Einsatz vor Frankreich
nicht vom Rückstoß bis an die holländische Grenze retourniert wurde.
Beim ersten Versuchseinsatz hätte das 150-Tonnen-Ding mangels
Zielgenauigkeit übrigens fast den Generalstab umgebracht. Das verheißt
nichts Gutes für Europas Karma, denn Mario Draghi und Friends haben den
Namen „Dicke Bertha“ für ihre Billionenschuldentürme adoptiert.

Bei
klarem Wetter kann man übrigens vom 185 Meter hohen EZB-Turm im Osten
von Frankfurt herüber zum Senkenbergmuseum im Westend schauen, eine der
berühmtesten Naturkundesammlungen der Welt. Den Eingangsbereich
dominieren Tyrannosaurus, Triceratops und Co. Der Kopf eines Diplodocus
überragt die Ausstellung so ähnlich wie die Chefetage der EZB die Stadt,
deshalb ist die Leitung so lange wie die Eisenbahnroute von Moskau nach
Wladiwostok. Wenn man unten schon mit allen Vieren im Dreck steckt,
spricht sich dies oben noch lange nicht herum.

Nur unter den
optimalen Verhältnissen eines Schlaraffenlandes konnten die
Dinosaurier so prächtig gedeihen. Doch als sich vor 65 Millionen Jahren
die Umweltbedingungen drastisch wandelten, traf es die Giganten völlig
unvorbereitet. Beim Großen Preis der Evolution machen immer wieder die
Kleinen, Genügsamen und Anpassungsfähigen das Rennen. Die Großen bleiben
viel eher auf der Strecke. Das hat etwas Tröstliches: Das Skelett eines
Sauriers kann als Denkgerüst dafür gelten, wie sich die Dinge auf Erden
immer wieder brechen und die mit den dicken Hosen und aufgeblasenen
Backen dahinraffen. Bei den Dinosauriern hat es noch 150 Millionen Jahre
gedauert, in jüngster Zeit gehts viel schneller.

Anmerkung der EIKE-Redaktion:

Der
Artikel erschien zum ersten Mal in ACHGUT am 31.Mai 2020. Wir danken
Herrn Maxeiner ganz herzlich für seine Genehmigung, seinen Beitrag in
die EIKE-News zu übernehmen.

Quelle:

Ein Kommentar zu “Der Sonntagsfahrer: Die Größenwahnsinnigen

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