Masken, Hirn & Leberschaden: Der Asoziale im Tagesspiegel

Weggeworfene Mund-Nasenschutzmaske

Im Tagesspiegel behauptet Sebastian Leber, Maskenverweigerer seien asozial. Zeit, dem unverschämten Herrn einmal die Wahrheit darüber zu erzählen, wer da asozial ist. Die Medienkritik.

von Max Erdinger

Maskenverweigerer, ich verachte euch zutiefst!„, schreibt Herr Sebastian Leber im „Tagesspiegel„. Das könnte man so zur Kenntnis nehmen, ohne sich weiter den Kopf darüber zu zerbrechen, weil einem schließlich egal sein kann, wen ein Herr Leber, den man nicht kennt, zutiefst verachtet. Aber so einfach ist es nicht. Denn Herr Leber hält sich und seinen „Wissensstand“ für das Maß aller Dinge. Dabei verwechselt er „Wissensstand“ mit „Hosenvoll“. Deswegen verachtet man den Herrn Leber vom „Tagesspiegel“ zutiefst. Wer so dreist für ausgeschlossen hält, daß er selbst derjenige sein könnte, der schief gewickelt ist, hat einen „sozialethisch fragwürdigen Charakter“, wie man heute sagen muß. Und wenn jemand mit einem „sozialethisch fragwürdigen Charakter“ einen vielgelesenen Artikel beim Leser unterbringt, dann muß man ihm die Maske runterlassen. So sei es denn …

Trotz aller wissenschaftlichen Erkenntnisse fahren viele Menschen immer noch ohne Maske Bahn. Es reicht!„, kommentiert Herr Leber bereits im Teaser. Weil er glaubt, etwas über alle wissenschaftlichen Erkenntnisse zu wissen. Er ganz allein. Herr Leber hält sich also für einen ganz besonders Klugen. Und schon muß man ihn korrigieren. Fast richtig hätte das heißen müssen: „Trotz aller wissenschaftlichen Erkenntnisse fahren immer noch viele Menschen mit Maske in der Bahn. Es reicht!“ – Ganz richtig wäre gewesen: Weil „alle wissenschaftlichen Erkenntnisse“ nicht zu übersetzen sind mit „Meinung bestimmter Virologen“, und weil „Wissenschaft“ die unterschiedlichsten Disziplinen kennt – Statistik zum Beispiel – , dürfte sich Herr Sebastian Leber schon in seinen ersten Zeilen bei einem rhetorischen Betrugsversuch ertappen lassen haben. Kein Mensch glaubt Sebastian Leber vom „Tagesspiegel“, daß er den Überblick zu „allen wissenschaftlichen Erkenntnissen“ hat. Wer allerdings präpotent „Es reicht!“ brüllt, der sollte vorher den Mund nicht so voll nehmen. Aber so ist das eben bei den „die Menschen mit einem sozialethisch fragwürdigen Charakter“: Immer sind sie auf der Suche nach einer Möglichkeit, ihre Luftschlösser möglichst eindrucksvoll so auf Sand zu bauen, daß sie rhetorisch so aussehen, als seien sie aus dem Fels herausgemeißelt worden. Nix gibt´s.

Der Herr Leber meint natürlich die S-Bahn in Berlin. Und er meint & findet, daß er bei rund 4.000 bekannten Infizierten in Deutschland ein enormes Risiko auf sich nimmt, wenn er sich in einer S-Bahn aufhält, in der nicht alle Leute Masken tragen. Weswegen es ihm jetzt auch reicht mit diesen Asozialen, die nicht „alle wissenschaftlichen Erkenntnisse“ im Kopf haben. Mit derselben Begründung könnte er später auf den Bahnhofsvorplatz treten und „es reicht!“ brüllen, wenn nicht alle asozialen Autos sofort stehenbleiben. Es könnte ihn schließlich eines überfahren. Herr Leber hat die Hosen voll. Das will er nicht wahrhaben – und nur deswegen „reicht es“ ihm mit jenen seiner Mitmenschen, die ihre Hosen eben nicht voll haben. Weil sie nicht Leber heißen, oder, wenn verheiratet, Leber-Schaden. Herr Leber trägt „alle wissenschaftlichen Erkentnisse“ in seinen Hosen spazieren. Es stinkt aus dem „Tagesspiegel“ heraus.

Wer ist für das Leben von „Herr Leber“ zuständig?

Herr Leber ist selber zuständig für sein Leben. Auch dann, wenn er gern bereit wäre, das Wort „Leben“ seinem Sinngehalt nach auf „Überleben“ zu reduzieren, um nicht zu sagen, auf „vegetieren“. Ist es nicht bemerkenswert, wie Herr Leber einfach so unterstellt, jeder, der in der S-Bahn keine Maske trägt, habe selbst kein Interesse am Weiterleben? Oder daß er nicht wüßte, was er tut? Ist es nicht sagenhaft, wie er einfach so unterstellt, er selbst wisse es besser als alle anderen? Herr Leber scheint die Lebensweisheit mit dem Schauffelbagger gefressen zu haben. Und bei wem es erst einmal so weit gekommen ist, bei dem tragen die Verantwortung für seine vollen Hosen immer die anderen. Es gibt keinen Grund, in der S-Bahn eine Maske aufzusetzen. Es gibt keine Daten, die eine Maskenpflicht begründen. Was es gibt, sind Konjunktive. Es könntesein, daß … weswegen es besser ist, wenn alle etwas müssen. Nicht „wäre“ und „müssten“.

Die statistische Wahrscheinlichkeit, daß sich Herr Leber in der S-Bahn eine Covid-Infektion einfängt, ist inzwischen nicht größer als die, daß er außerhalb der S-Bahn auf dem Bürgersteig von einem Auto erfaßt wird. Lediglich seine Überlebenschancen dürften bei Covid größer sein. So sehen „alle wissenschaftlichen Erkenntnisse“ der Statistik aus. Und die wären in dem Zusammenhang die relevanten, nicht die virologischen zum Virus ansich. Vielleicht hätte Herr Leber erst einmal nach „Relevanz“ googeln sollen, bevor er nach „alle wissenschaftlichen Erkenntnisse“ gesucht hat.

Vielleicht hat Sebastian Leber auch nette Kollegen in der Redaktion, die ihm die Sache mit dem Konjunktiv noch einmal erklären. „Lieber Kollege Leber, die Maske in der S-Bahn könnte Sie zwar rein theoretisch vor einer Infektion mit Covid 19 schützen, wenn zufällig ein Infizierter in der Nähe wäre, der in Ihre Richtung hustet. Das ist ein Konjunktiv. Daß das Tragen einer Maske aber in jedem Fall gesundheitsschädlich ist, bescheuert aussieht und negative Konsequenzen der psychosozialen Art hat, – das, Kollege Leber, ist kein Konjunktiv, sondern eine Tatsache.“

Herr Leber ist ein äußerst unangenehmer Zeitgenosse mit seinem panischen „Es reicht!“-Geschrei. Es ist seine Panik, nicht die der anderen. Er hat sich in Panik versetzen lassen. Es gibt Strategiepapiere aus dem Innenministerium, mutmaßlich von Framing-Experten (Kognitionspsychologen) verfasst, in denen genau beschrieben ist, wie die Politik das Volk in Panik versetzen kann. Diese Ratschläge sind offenbar gut befolgt worden. Herr Leber wäre dann zum Opfer einer perfiden Absicht geworden. Das wäre zwar schade, würde ihn aber noch nicht zum Inhaber „aller wissenschaftlichen Erkenntnisse“ machen. Gut möglich ist daher, daß es Herr Leber vom „Tagesspiegel“ selbst sein könnte, der asozial denkt.

Maskenverweigerer verdienen keine Toleranz, auch keine Geduld mehr, sondern Konsequenzen. Ab Samstag drohen endlich 50 Euro Bußgeld. Ein überfälliger Schritt, doch der Regierende Bürgermeister hat leider schon verkündet, Kontrollen fänden bloß punktuell und zu ausgewählten Zeiten statt.„, echauffiert sich der unangenehme Paniker voll der selbstgerechten Entrüstung. Und weiter: „Traurig, dass der Senat seine Bürger nicht schützt. Dass er ausgerechnet diejenigen im Stich lässt, die sich kein eigenes Auto leisten können„. Tja, – und schon steht die Frage im Raum, was wohl eine besonders nannystaatsgläubige Type sei.

Die korrekte Empörung

Erst kommt die obligatorische Gefühls- & Betroffenheitsnummer. Die ist Bestandteil eines jeden gesinnungskorrekten Entrüstungsrituals. „Wutn´trauerzugleich“, sozusagen. Als nächstes kommt dann die Klassenkampffrage für den korrekt Emotionsdiskriminierten. Ausgerechnet solche Senatsbürger, die vom Schicksal ohnehin schon schwerer gebeutelt sind, als eine zart besaitete Drittseele ertragen kann, sind es, die der Senat im Stich läßt: Diejenigen „seiner“ Bürger nämlich, die sich kein eigenes Auto leisten können. Wahrscheinlich sind das die diskriminiertest*Innen von allen Bürgern, die dem Senat gehören und auf die er schön aufzupassen hat, damit ihnen das Leben keinen Strich durch die Rechnung macht. Früher hätte man gesagt: „Es reicht! Das sind ganz arme Säue!“.

Aber so will der Herr Leber im Besitz „aller wissenschaftlichen Erkenntnisse“ wahrscheinlich nicht wahrgenommen werden. Vielleicht träumt er nachts von Arnold Schwarzeneggers Garage, und daß er die allwissenschaftliche Terminator-Version von Prof. Drosten sei. Dann steht er auf in der Früh und stellt fest, daß er doch bloß ein Leber ohne Auto ist, der nachher in einer S-Bahn sitzen wird, in welcher solche asozialen Leute keine Masken tragen, die womöglich ein eigenes Auto haben, mit dem sie hätten fahren können, ohne den armen Leber virologisch zu killen. – Wer weiß?

Bemerkenswert ist, daß sich der Herr Leber vom „Tagesspiegel“ offensichtlich in einer besseren Position wähnte, könnte er sich ein eigenes Auto leisten, um asozial damit durch Berlin zu fahren, obwohl er auch die S-Bahn nehmen könnte. Na hömma´, Herr Leber: Innerorts mit dem Auto fahren, wenn es doch auch die kommunistischen Öffis gibt? Wie asozial wäre das denn? Aber so ist das eben, wenn man im Besitz „aller wissenschaftlichen Erkenntnisse“ ist, jedoch kein eigenes Auto hat: Man wird „ausgerechnet“ ignoriert vom bösen Senat. Obwohl man doch „sein“ Bürger ist. Jede Wette, daß sich ausgerechnet Sebastian Leber vom „Tagesspiegel“ ansonsten selber aussucht, wann er jemandes Bürger sein will und wann lieber nicht.

Es sind solche Typen wie der Herr Leber vom „Tagesspiegel“, die es bundesweit inzwischen zuhauf gibt. Zum Erbrechen selbstgerecht, neunmalklug, arrogant, eigenverantwortungsscheu und reaktionär-oberlehrerhaft gehen sie jedem normal gebliebenen Menschen mit ihren Attitüden maximal auf den Geist. Da hat man aus Versehen recht antiautoritär viele schnuckelige, kleine Hitlers großgezogen, bis sie erwachsen und unschnuckelig geworden sind. Was für eine gräßliche Blase. Evolution war das jedenfalls keine.

Amüsant wäre das trotzdem, wenn man dabei zusehen könnte, wie so ein deutscher Leber bspw. in der U-Bahn von Minsk aufsteht und brüllt: „Es reicht, ihr Asozialen!“. Ob wohl alle anderen Fahrgäste, sämtlich ohne Masken, zurückrufen würden: „Guten Morgen, deutscher Leber. Erzähle uns Asozialen bitte alles über alle wissenschaftlichen Erkenntnisse!“ Es könnte natürlich sein, daß auch einfach ein schlechtgelaunter,  weißrussischer Hüne aufsteht, ihn einmal kurz anhustet und ihm dann eine scheuert. In Berlin beschwert man sich schon geschützter, als in Minsk. So viel steht fest. Wahrscheinlich liegt es ausgerechnet am Senat.

Auf alle Fälle scheint mir eine obligatorische Fingermaske für solche Leute wie den Herrn Leber angezeigt zu sein. Auf daß nicht eine einzige unschuldige Tastatur mit seinen Kommentaren infiziert werde.

Quelle: Max Erdinger

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