Erdogans Botschaft an die Umma: Die »Unterbrechung« des Kalifats beenden

Von Matthias Nikolaidis

Mit der Umwidmung der Hagia Sophia zur Moschee sendet Erdogan ein politisches Signal an seine Konkurrenten wie seine Verbündeten. Wer beide sind, wird immer klarer. Was der Westen nicht wissen sollte: Inmitten der Eröffnungsfeierlichkeiten für seine neue Moschee stellte Erdogan auch die »Befreiung« der Al-Aqsa-Moschee in Aussicht.

Die Entscheidung Erdogans, die Hagia Sophia erneut als Moschee zu nutzen, schlägt international Wellen. Der stundenlang trendende Hashtag auf Twitter (#HagiaSophia) verdankte sich dabei nur zum Teil den entsetzten Reaktionen aus Europa und Nordamerika. Sicher die Hälfte der Tweets waren begeisterte Reaktionen aus der islamischen Welt.

Die zweifellos politische Gerichtsentscheidung, die den offiziellen Status der Hagia Sophia als Museum aufhob und damit den Weg für ihre Nutzung als Moschee wieder freimachte, fällt in eine Zeit, die durch türkisches Vormachtstreben im östlichen Mittelmeer und konfliktive Strategien Ankaras im Umgang mit vielen Nachbarn und »Partnern« geprägt ist. Dazu gehört natürlich das Verhältnis zu Griechenland, aber auch die Ostmittelmeeranrainer Zypern, Israel und Ägypten und das wirtschaftlich in der Region engagierte Frankreich sehen sich einer Türkei gegenüber, die ihre eigenen Regeln aufstellt.https://googleads.g.doubleclick.net/pagead/ads?client=ca-pub-3622156405313063&output=html&h=250&slotname=a4134b6.53c7d4a&adk=80029978&adf=67463557&w=300&lmt=1594641092&pucrd=CgYgASgBOAF4Aw&psa=1&npa=1&guci=1.2.0.0.2.1.0.0&format=300×250&url=https%3A%2F%2Fwww.tichyseinblick.de%2Fkolumnen%2Faus-aller-welt%2Ferdogans-botschaft-an-die-umma-die-unterbrechung-des-kalifats-beenden%2F&flash=32.0.0&wgl=1&adsid=NT&dt=1594641092153&bpp=11&bdt=97586&idt=70&shv=r20200707&cbv=r20190131&ptt=9&saldr=aa&abxe=1&correlator=4272822508508&frm=20&pv=2&ga_vid=1479059157.1593335646&ga_sid=1594640996&ga_hid=18947195&ga_fc=0&icsg=16380&dssz=97&mdo=0&mso=512&u_tz=120&u_his=4&u_java=0&u_h=810&u_w=1440&u_ah=793&u_aw=1440&u_cd=24&u_nplug=1&u_nmime=2&adx=10&ady=2140&biw=999&bih=495&scr_x=0&scr_y=1848&eid=21065532&oid=3&pvsid=3233506329649784&pem=120&ref=https%3A%2F%2Fwww.tichyseinblick.de%2F&rx=0&eae=0&fc=896&brdim=33%2C17%2C33%2C17%2C1440%2C17%2C1013%2C584%2C1010%2C506&vis=1&rsz=o%7C%7CoeE%7C&abl=CS&pfx=0&fu=9232&bc=29&ifi=13&uci=a!d&xpc=onWMPMjv7K&p=https%3A//www.tichyseinblick.de&dtd=94

Erdogan bestätigte diesen Eindruck erst jüngst wieder, als er seine Entscheidung für die Umwidmung des Kirchenbaus rechtfertigte: »Natürlich stört der beständige Vorwärtsmarsch der Türkei einige. […] Sie wollen, dass die Türkei, wie in der Vergangenheit, mit dem ihr Angebotenen zufrieden ist und aufhört, ihre Rechte einzufordern und mit anderen wettzueifern.« Doch diese »alte Türkei« gebe es nicht mehr. Man werde so lange kämpfen, arbeiten, aufbauen und sich verjüngen, bis das Land seine Ziele erreicht habe. Das ist also die neue Erdogan-Doktrin: »Die Türkei hat immer verloren, wenn sie einen Kompromiss suchte und Zugeständnisse machte.«

Daneben greift die türkische Außenpolitik – die eigentlich eine erweiterte Innenpolitik ist – immer stärker aus, sogar bis nach Mittel- und Nordeuropa. Die jüngsten Aktionen der Grauen Wölfe, die eng mit dem Regime verbandelt sind, gegen kurdische Demonstranten in Wien künden davon, ebenso die Infiltration der Deutschland-Türken durch den türkischen Geheimdienst. Die Vereinnahmung türkischer Emigranten für den türkischen Staat und ihre Drangsalierung durch ihn haben seit langem System (Jerusalem Post, 30. Juni 2020). Insofern sind auch Auftritte des deutschen Außenministers, bei denen er sich einige Wochen nach der Grenzschlacht am Evros wieder harmonisch vereint mit seinem »Freund« Mevlut zeigt, mehr als irritierend.

Erdogan triumphiert und mit ihm die Umma

Nach der Entscheidung des türkischen Verwaltungsgerichts vom Freitag schreitet Erdogans Regierung rasch zur Nutzung der Hagia Sophia als Moschee. Noch am selben Tag erklang der Muezzin-Ruf, um die Gläubigen zum Gebet zu rufen. Nach einem Freitagsgebet, das dieses Mal noch vor dem Kirchenbau stattfand, hielt Erdogan eine Fernsehansprache, in der er die Botschaft, die er mit diesem Schritt verbindet, formulierte. In zwei Wochen, am 24. Juli, soll – erstmals nach mehr als 85 Jahren – ein muslimisches Gebet in der früheren Kirche stattfinden. Am Sonnabend wurde das Museum für Besucher geschlossen, um Vorbereitungen für die neue Nutzung zu treffen. Angeblich soll sogar eine religiöse Schule (Madrasa) in der Hagia Sophia errichtet werden.

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