Der Sandmann kommt…

logo

Schlaf weiter, Deutscher
22. Juli 2020

.. und wünscht gute Nacht. Nicht ohne den langsam unruhig werdenden Deutschen ordentlich Sand in die Augen zu streuen, das ist schließlich sein systemrelevanter Job. Heute erklärt uns ein Sandmann, warum wir Italien und Spanien Milliarden geben müssen, obwohl die viel reicher sind als wir. Seine Kollegen erzählen derweil Geschichten von „Männern“, die den Bus nehmen wollen, um auf Partys zu gehen.

Wie erklär ich’s meinem Kinde?
Selbst die Bild-Zeitung traute sich während des EU-Gipfels die manche Leser irritierende Frage zu stellen, warum der Deutsche für Italiener und Spanier, obwohl die viel reicher sind, wieder einmal Fantastilliarden zahlen müsse – versteckt die Antwort aber im pay-Bereich. Bei Focus nahm ein gewisser Sackmann den Ball auf, und erklärte das eigentlich Unerklärliche seinen Lesern so:

Zusammengerechnet besitzen die Italiener zum Beispiel ein Nettovermögen von geschätzten 10 Billionen Euro. Die Staatsschulden des Landes liegen bei gerade einmal 2,5 Billionen Euro. Es wäre also genug Geld da, um alle Schulden zu bedienen, etwa über höhere Steuern.

Aaaaber, so der Sackmann, so simpel ist das nicht!
Deutschlands Schulden liegen etwa bei 2,3 Billionen Euro, die Privatvermögen mit 15 Billionen Euro aber sogar noch deutlich höher.

Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Keine Ahnung. Aber wir lernen, dass es „zusammengerechnet“ mehr deutsche als italienische Staatsbürger gibt, Deutschland also zusammengerechnet… Geschenkt. Sackmanns eigentliche These dahinter: Weil sich bei uns die Linken von CDU bis SED nicht trauten, endlich eine Vermögenssteuer einzuführen, sei es „also utopisch, dies von Italien zu verlangen“.

Sackmanns Rechnungen gehen natürlich am kleinen Mann (kann auch eine Frau sein), der die demnächst erhöhten Steuern für Merkels EU-Größenwahn zahlen muss, völlig vorbei. Das rechnet Sackmann anders schön:

Rund 35.310 Euro besaß der mittlere Deutsche im vergangenen Jahr, 91.889 Euro der mittlere Italiener und der mittlere Spanier sogar 95.360 Euro. 51,4 Prozent der Deutschen leben im eigenen Haus, 72,4 Prozent der Italiener und sogar 77,1 Prozent der Spanier.

Huch! Die „mittleren“ Italiener und Spanier haben also dreimal so viel wie der „mittlere“ Deutsche? Jaja, hat auch Sackmann bemerkt, „doch Italiener besitzen das höhere Nettovermögen nicht zum Spaß“ – ganz anders als so der deutsche mittlere Spaßvogel. Schreibt er wirklich: „Nicht zum Spaß“, denn „die Italiener und Spanier legen über Generationen Geld zurück, weil der Staat im Notfall kaum einspringt“. (Wie der Staat bei uns im Notfall, den er selber verursacht hat, einspringt, lesen Sie weiter unten.)

Sackmanns Fazit: Selbst wenn man das höhere Rentenniveau in beiden Ländern (Huch! Und nochmal Huch!) gegenüber Deutschland einbezieht, geht es uns hierzulande besser. Uns? Und in welcher Hinsicht? Na, Hauptsache, Sackmann gehts besser.

Übrigens: Man solle nun bloß keine Steuererhöhungen bei den sensiblen Nachbarn im Süden fordern, weil „schon die Andeutung einer solchen Maßnahme zu einer Kapitalflucht aus beiden Ländern führen dürfte. Hausbesitzer würden panikartig ihre Immobilien verkaufen, der Markt einbrechen“. Ja, Freunde, da wär was los! Außerdem seien die Steuern in Italien und Spanien „nur leicht“ unter den Steuern in Deutschland. Steuerberater, sagen Sie auch mal was! (Hier finden Sie die ganze Sandmann-Geschichte vom Sackmann)

Von wegen der Staat springt im Notfall ein!
Sie erinnern sich bestimmt noch, wie vor ein paar Monaten der „Solo-Selbstständige“ erfunden wurde. Dem natürlich auch wegen des staatlich verordneten Lockdowns geholfen werden sollte (2 Mio. Wähler!). Wie sagte Peter Altmaier so schön, ohne dass er je befürchten müsse, selber nass zu werden: Er wolle „keinen im Regen stehen lassen“.

Soforthilfe wurde angekündigt und in den Bundesländern unterschiedlich schnell auch ausgezahlt. Nun holen sich die klammen Länder das Geld schon wieder zurück. Weil „der Bund die Regeln für die Corona-Pauschalen geändert hat: Die Zuschüsse sollen Betriebskosten wie Mieten für Büros decken, aber nicht die Umsatzausfälle durch entgangene Aufträge“. Somit fallen viele Freiberufler durchs Hilfsraster.

An dieser Stelle würde Maybrit Illner die im Publikum sitzende Fußpflegerin an den Tisch holen, „die keine Betriebskosten hat, aber fast drei Monate auf Grund des Lockdowns auf ihre Einnahmen verzichten musste. Da sie die Soforthilfe in Anspruch nahm, konnte sie kein Hartz IV rückwirkend für die Verlustphase beantragen. Nun muss sie die erhaltenen 9000 Euro wohl zurückzahlen.“

Und Altmaier würde sagen, er kümmere sich persönlich, „geben Sie mir mal ihre Telefonnummer“. In der Wirklichkeit will Andreas Pinkwart, FDP-Wirtschaftsminister im Homeland NRW nun mit dem Bund über das Abrechnungsverfahren nachverhandeln. Aber, herrje, die FDP! Vielleicht doch besser auf Rechtsschutzversicherung und Sammelklagen setzen.
(Dass Focus auch anders kann, lesen Sie hier)

Partyszenen überall
Leser, die planen wegen der Party- und Eventszene von Stuttgart, München oder Frankfurt aufs beschauliche Land oder in kleinere Städte umzusiedeln, sollten sich dort nicht auf die öffentlichen Verkehrsmittel verlassen, sondern besser über ein eigenes Auto verfügen. In Oldenburg haben „Unbekannte“ (Presse) einen Busfahrer verletzt. „Im Streit um die Maskenpflicht.“

Selbst der Satz „Ich ziehe ins schöne Bayernland, da passiert so etwas nicht“ hat seine Gültigkeit längst verloren. So berichtet der Merkur aus dem bayerischen Sailauf (wo das liegt, weiß kein Mensch, der da nicht herkommt), ein „junger Mann“ habe einen 72-jährigen Busfahrer zusammengeschlagen, weil der ihn wegen fehlendem Mundschutz nicht mitnehmen wollte.

Sogar den etwas naiven Merkur erinnert der Fall an den „furchtbaren Angriff auf einen Busfahrer in Frankreich“. Na immerhin. Übrigens konnte „der Täter mit zwei Freunden“ unerkannt fliehen.

In Oldenburg und ‘Wie-hieß-das-Kaff-gleich?‘ keine Beschreibung „der jungen Männer und ihrer Freunde“. Die Journos denken wohl „erinnert an Frankreich“ reicht dem geübten DDR 2.0-Leser. Nostalgiker finden wie immer hier Aufklärung…

Und sonst so?

+++ Auf die Frage, ob er erwarte, dass Ghislaine Maxwell, die Freundin und wohl auch Komplizin von Jeffrey Epstein über „mächtige Männer“ auspacken werde, antwortete The Donald, er wünsche ihr „alles Gute“. Das wird sie brauchen. Falls Sie es vergessen haben sollten: Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton war wohl 26 Mal Gast auf der Pädo-Insel…

+++ Geldverschwendung – auch du, AfD? Die Partei klagt wegen der Vorgänge nach der Thüringen-Wahl in Karlsruhe gegen Kanzlerin Angela Merkel (tatsächlich CDU) und die Bundesregierung. Da lacht der gerade von der CDU ins Verfassungsgericht gewechselte Richter Stephan Harbarth und überlegt schon, wie er die Abweisung der Klage besonders gewitzt formulieren kann.

Quelle

2 Kommentare zu „Der Sandmann kommt…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: