Was der „Fall Nuhr“ zeigt

Wie immer: Bürgerliche knicken vor linkem Shitstorm ein

Von Rainer Zitelmann

„Dieter Nuhr wütet im Netz“, so heißt es. Was ist passiert? Einer, der mundtot gemacht werden soll, wagt es, sich zu wehren, statt sich selbstzerknirscht zu entschuldigen und Besserung zu geloben.

imago images / Future Image Dieter Nuhr ist linken und grünen Zeitgenossen schon lange ein Dorn im Auge. Nuhr zeigt in seinen Beiträgen oft die Lächerlichkeit und Irrationalität der linken Ideologie. Da hilft es auch nicht, wenn er ebenso über die AfD spottet. Nein, Humor und Lachen sind den strengen linksgrünen Tugendwächtern sowieso suspekt, denn meist sind sie selbst ganz und gar humorlose Gesellen. Aber dass ein Kabarettist es wagt, Menschen damit zum Lachen zu bringen, dass er linksgrüne Ideologen aufs Korn nimmt – das darf nicht sein. Andererseits: Auf linker Seite ist jeglicher Hass erlaubt, wenn nur behauptet wird, es handle sich dabei um Satire. Lustig finden sie es allenfalls, wenn darüber sinniert wird, ob man Reiche erschießen oder ins Arbeitslager stecken solle oder wenn sie Polizisten auf die Müllkippe wünschen. Wer so etwas nicht lustig findet, macht sich schon verdächtig. Wer da lacht und wer nicht Wenn linker „Humor” menschenverachtend wird

Was ist passiert?

In diesem Jahr feiert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ihren 100. Geburtstag. Zu diesem Anlass holten sie sich Botschafter an Bord, die auf ihre Arbeit aufmerksam machen sollten. Auch Nuhr wurde um ein Statement gebeten, die im Anschluss auf sozialen Medien veröffentlicht wurde. Sein Kommentar begann mit den Worten: „Wissen bedeutet nicht, dass man sich zu 100 Prozent sicher ist.“ Vielmehr bedeute es, über genügend Fakten zu verfügen, um eine „begründete Meinung zu haben“.

Es sei daher richtig, dass Wissenschaftler ihre Meinung änderten: „Das ist normal. Wissenschaft ist gerade, dass sich die Meinung ändert, wenn sich die Faktenlage ändert.“ Wissenschaft sei schließlich keine Religion, die absolute Wahrheiten verkünde. Dann folgte in dem Clip ein Seitenhieb auf „Klimaaktivisten“ wie Greta Thunberg und Luisa Neubauer: „Wer ständig ruft: ‚Folgt der Wissenschaft‘, der hat das offensichtlich nicht begriffen“, so der Kabarettist. Wissenschaft wisse nicht alles, sei aber „die einzige vernünftige Wissensbasis, die wir haben. Deshalb ist sie so wichtig“. Shitstorm gegen Kabarettisten Deutsche Forschungsgemeinschaft löscht Beitrag von Dieter Nuhr

Wie immer: Bürgerliche knicken vor linken Shitstorm ein

Kaum, dass die DFG Nuhrs Statement veröffentlicht hatte, begann ein linker Shitstorm in den sozialen Medien. Die Vokabeln waren die gleichen wie immer. Nuhr sei unerträglich, Nuhr sei rechts, Nuhr sei ein Klimaleugner usw. usf. Was dann geschah, ist typisch für den Ablauf des „politischen Diskurses“ in Deutschland. Die DFG, die Nuhr zunächst enthusiastisch zu seinem wichtigen Statement gratuliert hatte, verteidigte ihn kurz und halbherzig, um dann vor dem linken Shitstorm einzuknicken: „Liebe Community, wir nehmen die Kritik, die vielen Kommentare und Hinweise ernst“, hieß es. Nuhrs Beitrag sei daher von der Kampagnenwebsite entfernt worden.

Nuhr selbst reagierte sachlich und ordnete das Geschehen richtig ein: „Es gibt weltweit – Stichwort cancel culture – zunehmend mächtiger werdende Versuche, kritische Stimmen mundtot zu machen. Die DFG hat sich dem nun angeschlossen. Das ist sehr bedenklich.“

„Dieter Nuhr wütet im Netz“

Wenn einer, der mundtot gemacht werden soll, es wagt, sich zu verteidigen, steigern sich die Reaktionen zur Hysterie. Der Nachrichtenkanal von t-online, der eine sehr große Verbreitung hat, verstieg sich zu einem Bericht mit der Überschrift: „Dieter Nuhr wütet im Netz“.

Angesichts der sachlichen und moderaten Stellungnahme von Nuhr ist die Anschuldigung, er „wüte“ im Netz, vollkommen absurd. Dabei hätte er durchaus das Recht, wütend zu sein. Auch die angeblich „liberale“ Süddeutsche Zeitung attackiert Nuhr heftig. Hier heißt es: „Nuhrs Thesen sind, Moment, kurz nachdenken, ah, genau, ausgerechnet von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ausführlich widerlegt. Nicht Greta Thunberg etwa, sondern der Klimawandel bedroht schon heute die Nahrungsmittelversorgung von Millionen Menschen…. Dass ausgerechnet jemand, der Klima- und Coronaverharmlosern ordentlich Munition liefert, als Botschafter für die DFG den Wert von Spitzenforschung betonen soll, wirkt grotesk. Auf Twitter wird die Organisation im Moment daher auch heftig beschossen, Kritiker posten zahlreiche Videoausschnitte von Nuhrs Bühnenshows, um zu zeigen, wie es um sein Wissenschaftsverständnis tatsächlich steht.“ Soweit die Süddeutsche.

Nicht Linksgrüne sind das Problem

Wo bleiben entschlossene Stimmen aus dem Kreis bürgerlicher Politiker und von Prominenten, die Nuhr an die Seite treten? In den USA wurde jüngst der renommierte Harvard-Wissenschafler Steven Pinker attackiert, weil er einige Tatsachen nannte, die nicht nur Ideologie der „Black Lives Matter“-Bewegung passten. Immerhin gab es hier viele Leute mit Namen, die ihn verteidigten. Unser Problem in Deutschland sind nicht linksgrüne Ideologen, nicht der Shitstorm der linken Sprachpolizei, sondern die Feigheit und der Opportunismus des Bürgertums, das sich anpasst, statt ein „Stopp“-Schild aufzustellen und dem Meinungsterror entgegenzutreten. Die an sich lächerlichen Kampagnen – heute gegen „Negerküsse“ morgen gegen einen Kabarettisten, der nicht auf Linie liegt – wären vollkommen wirkungslos, wenn die Kampagnenmacher nicht immer wieder die Erfahrung machten, dass ihre Einschüchterungskampagnen funktionieren: Denn meistens entschuldigen sich die Attackierten, ziehen das Büßerhemd an und geloben im Minutentakt und unterwürfig „Besserung“. Als FDP-Mitglied weiß ich, wovon ich spreche. Dass Nuhr bei diesem erprobten Mechanismus nicht mitmacht, wird die Empörung linker Sprachpolizisten nur steigern. Sie werden so lange keine Ruhe geben, bis die ARD den erfolgreichen Kabarettisten aus ihrem Programm verbannt.

Solidarität ausdrücken

Der Kauf von DVDs und Büchern sind mittlerweile Statements, Proteste auf Twitter und „Gefällt mir“ oder „Daumen hoch“ auf Facebook Signale.

Quelle

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