Kafka in Frankfurt

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Der Lübcke-Prozess
5. August 2020

Aber ja, aber nein, aber ja. Aber was? „Ich habe geschossen.“ Wie jetzt? „Was wir getan haben, war falsch.“ Wir? Also war der Mitangeklagte  H. dabei? Das erfahren Sie, verehrte Leser im nächsten Kapitel von „Der Prozess“. Oder auch nicht.

Ein surreales Stück, in dem der Vorsitzende Richter dem Angeklagten am ersten Verhandlungstag dringend riet: „Hören Sie nicht auf Ihre Verteidiger, hören Sie auf mich.“ Ein „von Reue getragenes Geständnis“ zahle sich perspektivisch immer aus. „Nutzen Sie Ihre beste Chance, vielleicht ist es auch Ihre einzige.“

Bullshit, Euer Ehren! In einem Verfahren wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen führt jedes Geständnis, ob mit oder ohne Reue, zwangsläufig zur lebenslangen Freiheitsstrafe, sofern nicht strafrahmensenkende psychische Störungen vorliegen. (Das wissen wir von Thomas Fischer, früherer Vorsitzender Richter des 2. Strafsenats des Bundesgerichtshofs, jetzt Spiegel-Kolumnist*)

Aus der Bild erfahren wir, dass der Vater des Angeklagten strammer SPD-Wähler war und daheim die Familie terrorisierte. Krawallvater mit SPD-Hintergrund? Führt das nicht zu strafrahmensenkenden psychischen Störungen?

Der bisherige Prozessverlauf ist gekennzeichnet von unterwürfigen Strafverteidigern, von denen einer auf Druck des Richters geschasst wurde, der andere, Mustafa K., wohl keine große Hilfe für den Angeklagten ist. Egal, das Urteil steht lange fest, und die linke Presse feierte den Vorsitzenden Richter bereits früh mit einem Sprachgemälde, wie man es aus Werkstätten fernöstlicher Kitschkunst kennt:

Weiße Haare und weißer Bart bezeugen Altersweisheit, aber der 64-Jährige ist körperlich noch bestens beisammen und macht den Eindruck, als könne er mühelos zwei Kästen Bier auf einmal in den Keller schleppen. Die Brille verleiht dem Richter eine vermeintlich intellektuelle Tiefenschärfe. (Die linke Frankfurter Rundschau)

Ist nun alles schon vorbei? Erfahren wir nichts mehr zum Sanitäter, der in der Tatnacht erste Hilfe leistete und von der Polizei festgenommen worden war? Nichts mehr von unserem Lieblings-Geheimagenten Temme, der schon beim NSU-Prozess durch die Akten lungerte und nun in der Kasseler Ecke herumschlich?

Wer weiß. Der geschasste Pflichtverteidiger legte inzwischen Beschwerde gegen seine Abberufung beim BGH ein.

*Wir lernten Fischer übrigens anlässlich einer Talkshow kennen, als er bei Verbrechensopfern und Polizeibeamten die Grenzen der gegenüber Subalternen angebrachten Unhöflichkeit um einiges überschritt. Dieses Fischer-Stück können wir hingegen rundum empfehlen.

Kafka in Ulm…
Und da sind sie wieder, die „Männer“. Obwohl polizeibekannt verprügelten zwei Afghanen (einer Kampfsportler) drei Polizisten, zwei von ihnen sind vorläufig nicht mehr dienstfähig. Gut, dass Polizeihunde dabei waren, sonst hätten unsere wackeren Ordnungshüter die Ganoven nicht festnehmen können. Andererseits aber auch egal: Die Verbrecher kamen schnell wieder frei.

… und Leipzig
Ein Syrer, 16, tritt (natürlich aus einer Gruppe heraus) einer Fahrkartenkontrolleurin mit voller Wucht gegen den Kopf. Bundespolizei-Sprecher Jens Damrau: „Es lag kein Haftgrund vor.“ Was kontrolliert die Frau auch die Fahrkarten!

Kafka im TV
Da war doch was in Beirut, das womöglich eine überregionale Bedeutung haben könnte, haben sie auch bei der Staatsfunk-Tagesschau gemerkt. Ganz sicher sind sie sich aber nicht:
„Über Social Media haben wir schnell reagiert und ausführlich berichtet, aber hätten wir dieses Ereignis nicht auch im klassischen Fernsehen besser abbilden müssen?“ Nein, natürlich nicht. Erstens habt ihr Corona und zweitens Trump und Johnson, das ist Stoff genug.

Wovor Frank-Walter im Schloss Angst hat…
Wenn Sie, verehrte Leser, sich mal eine Demo anschauen wollen ohne SPD, SED, Grüne, DGB, Kirche, Antifa, kurz, ohne all die roten Nassauer (laut Duden faule Personen, die vom Geld, von der Arbeit anderer leben), dann wünschen wir viel Spaß. Die Kamera nimmt den ganzen Corona-Zug über knapp zwei Stunden von derselben Stelle auf. Ganz nebenbei können Sie ja mal zählen, wie viele da teilgenommen haben (ab 200.000 wird’s allerdings ermüdend).

Quelle

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