Die Maskenmuffel von Minsk

Das Ignorieren der Corona-Gefahr hat Belarus mehr als 600 Leben gekostet.

Er leugnete die Corona-Pandemie, verweigerte das Aussetzen der Spiele der Fußballliga, hielt zum 75. Jahrestag des Sieges über Deutschland am 9. Mai eine große Militärparade ab und verhängte nicht einmal eine lebensrettende Maskenpflicht. Europas letzter Diktator – gemeinsam mit Putin, Erdogan, Orban und Nasarbajew – Alexander Lukaschenko pflegte selbst in der größten Krise seit dem II. Weltkrieg seinen eigenen ignoranten Stil. Zur Strafe erkrankte er selbst und knapp 70.000 seiner rund neun Millionen Bürgerinnen und Bürger – damals noch „Weißrussen“ genannt – steckten sich an. Mehr als 600 starben in den vergangenen fünf Monaten – in Deutschland, das am allerklügsten von allen Staaten durch die Seuchenzeit geführt wurde, sind es bis heute nur knapp 10.000.

Gesicht zeigen gegen Lukaschenko.

Die Wut der Belarussen, für die aus Respekt gegenüber der Eigenbezeichnung Belarus noch ein neuer Name gesucht wird, der hinten nicht doch wieder auf „Russen“ endet, ist denn auch mit Kameras und Mikrophonen greifbar. Getreu dem Lukaschenko-Ausspruch, das Corona „nur eine Psychose“ sei, wagen sich die empörten Bürgerinnen und Bürger seit der Wahl beinahe täglich auf die Straße, um für ihre Freiheit und gegen Lukaschenko zu protestieren. Eine Ansteckung und eine zweite Corona-Welle fürchten weder die Demonstranten noch das politische Berlin. „Es ist beeindruckend, und es ist berührend, wie Hunderttausende auch an diesem Wochenende wieder friedlich und würdig für ihre Rechte als Bürger und gegen die Repression des Machtapparats auf die Straße gegangen sind, und das nicht nur in Minsk, sondern auch in vielen anderen, kleineren Städten des Landes“, lobte Regierungssprecher Steffen Seibert die Maskenmuffel von Minsk.


Protest ohne Maske, vor kurzem noch als gesellschaftsschädigendes Verhalten „ohne Maske, ohne Respekt, ohne Scham“ (Tagesspiegel) gebrandmarkt, macht niemanden „fassungslos“ (Focus), wenn er nicht auf den Straßen von Berlin, sondern auf denen der ehemaligen weißrussischen und jetzt belarussischen Hauptstadt Minsk stattfindet.

Gesicht zeigen gegen Lukaschenko, der Wodka und Traktorfahren als Therapie gegen Covid-19 empfohlen und vor den Wahlen Russland bezichtigt hatte, sein Land destabilisieren zu wollen. Mutiger noch als Schweden, dessen „tödlicher Sonderweg“ (SZ) in der Corona-Krise für 85.000 Ansteckungen und fast 6.000 Tote gesorgt hatte, ignoriert auch das demokratische Belarus das Virus. Deutschland steht dabei fest an der Seite der fortschrittlichen Kräfte: Einreisen aus Weißrussland in Europas Herzkammer sind ohne Einschränkungen möglich. Eine Pflicht, nach der Rückkehr nach Deutschland in Quarantäne zu gehen oder sich auf COVID-19 testen zu lassen, gilt für das EU-Partnerland Spanien, nicht aber für die letzte Diktatur Europas.

Quelle

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