Die offizielle russische Reaktion auf die deutschen Vorwürfe wegen Navalny

In den deutschen Medien beherrscht momentan die angebliche Vergiftung von Navalny die Schlagzeilen. Die Bundesregierung hat sich festgelegt: Es war eine Vergiftung. Nur Belege wurden keine geliefert. Hier berichte ich, wie das offizielle Russland auf die Anschuldigungen aus Berlin reagiert hat, denn die Sprecherin des russischen Außenministeriums wurde am Mittwochabend dazu interviewt.

Da Ihnen die deutschen Meldungen bekannt sein dürften, komme ich direkt zur Übersetzung des gestrigen Interviews mit der Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharova.

Beginn der Übersetzung:

Frage: Maria Wladimirowna, guten Abend! Unser Botschafter wurde in Deutschland ins Außenministerium vorgeladen. Ihm wurden anscheinend Papiere oder Ergebnisse der Blutuntersuchungen von Nawalny vorgelegt? Was hat er aus dem Außenministerium mitgebracht?

Sacharova: Das ist wahrscheinlich das Wichtigste bei dieser Geschichte, denn wir haben tatsächlich darauf gewartet, über die diplomatischen Kanäle Antworten auf die Fragen zu bekommen, die wir vorher gestellt haben. Es gab offizielle Rechtshilfegesuchen unserer Staatsanwaltschaft und Briefe unserer Ärzte an die deutsche Botschaft. Aber da sich die Ereignisse heute überschlagen haben, wurde angenommen, dass der Botschafter wohl die Antworten auf die zuvor von Moskau gestellten Fragen hätte erhalten sollen, auf deren Grundlage die deutsche Bundeskanzlerin, der Außenminister und Vertreter der deutschen Regierung heute Erklärungen abgegeben haben. Aber wie es in der heutigen Welt üblich ist, wurde dem Botschafter nichts zur Verfügung gestellt – keine Daten, keine Materialien, keine Belege, keine Untersuchungsergebnisse, keine Formeln, nichts. Umso überraschender war die Aussage der deutschen Seite, dass sie von Russland, von ihren russischen Amtskollegen, eine Art Antwort erwarten. Eine Antwort worauf? Ich weiß, es klingt ziemlich absurd, aber so ist es. Es wurde mit dem Botschafter gesprochen, es wurde eine politische Bewertung abgegeben, aber gleichzeitig wurde in der Sache nichts übermittelt und dann wurde öffentlich gesagt, dass sie auf eine Antwort warten. Eine Antwort worauf? Zu welchem spezifischen Material, zu welchem konkreten Ergebnis? Wir können unmöglich verstehen, worüber sie sprechen. Aber das haben wir schon erlebt.

Frage: Das heißt, Russland hat nur mündliche Erklärungen erhalten und es gibt kein einziges offizielles Papier, das Deutschland der russischen Seite zu dem Fall übergeben hat?

Sacharova: Zu diesem Zeitpunkt, es ist jetzt 20.30 Uhr Moskauer Zeit, hat die russische Seite kein einziges Material zu diesem Thema erhalten. Wir haben nichts, außer den politischen Erklärungen.

Frage: Ist das die gängige diplomatische Praxis? Merkel sagte auf der Pressekonferenz konkrete Dinge. Könnte dies als eine solche offizielle Erklärung bewertet werden? Werden in anderen, nicht-politischen Fällen auf der Grundlage mündlicher Erklärungen Schritte eingeleitet?

Sacharova: Das ist absolut als politische Aussagen zu qualifizieren. Das ist für Diplomaten Routine, es ist Routine von Menschen, die sich in der Politik oder Außenpolitik engagieren, egal. Das sind politische Erklärungen. Das Problem ist ein anderes. Das Problem ist, dass es bei der ganzen Geschichte darum geht, dass jemand in einer medizinischen Einrichtung ist, die Ärzten kümmern sich um ihn, und alles, worüber heute gesprochen werden sollte, sind Diagnosen und die Beziehung von Ursache und Wirkung. Auf der Grundlage dieser Daten sollten dann alle Maßnahmen im Zusammenhang mit der Untersuchung, den Ermittlungen und so weiter durchgeführt werden. Aber der primäre Dialog und die Aussagen sollten von Ärzten und Ärzten gehen. Erst danach können Diplomaten bei Bedarf aktiv werden. Und es gibt ja alle notwendigen Instrumente der Interaktion in juristischen Fragen zwischen Moskau und Berlin, die in so einem Fall eingesetzt werden sollten. Was sehen wir heute? Weder die Ärzte sagen etwas, noch die Juristen. Dafür sind es die Politiker, die Erklärungen abgeben – daraus ziehen wir Schlussfolgerungen.

Frage: Maria Wladimirowna, sagen Sie, hat die deutsche Seite unserem Botschafter in Deutschland oder vielleicht über andere Kanäle mit Sanktionen gedroht? Wenn ja, mit welchen?

Sacharova: Nein, so etwas wurde dem Botschafter absolut nicht gesagt.

Frage: Aber Sie erwarten Sanktionen? Weil jetzt alle darüber reden.

Sacharova: Wir haben die Erklärungen gehört, die heute über bestimmte Maßnahmen abgegeben wurden, Sie haben sie auch gehört. Es ist offensichtlich: Wenn es die Aufgabe ist, in diesem Fall mit solchen Maßnahmen zu reagieren, dann haben wir so ein Szenario natürlich bereits erlebt. Dann sollen sie sagen, dass es nichts mit medizinischen und wissenschaftlichen Untersuchungen zu tun hat, auch nicht mit der rechtlichen Seite des Falles, sondern dass es nur eine politische Geschichte ist, in deren Mittelpunkt die Rechtfertigung für vorher entwickelte Maßnahmen steht. Aber wir haben bereits auf die Notwendigkeit hingewiesen, alle Umstände zu untersuchen und unsere Kollegen dazu aufgefordert und insgesamt waren sie in ihren Erklärungen bis heute recht konsequent. Aber dann muss etwas schief gelaufen sein.

Frage: Wenn sich diese Geschichte aus einer politischen zu einer juristischen entwickelt, also wenn Russland konkrete Dokumente übergeben werden, ist Moskau dann zur Zusammenarbeit bereit?

Sacharova: Das sagen wir seit dem ersten Tag. Das wurde heute in den Kommentaren des Außenministeriums bestätigt. Wir erwarten, dass Berlin auf die offiziellen Materialien und Anfragen reagiert, die wir übergeben haben.

Quelle

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