Wie Herrschende sich vor Wahrheit schützen

Von Peter Hahne

Warum Fastnacht und Karneval verbieten, Herr Spahn? Themen gäbe es genug. Allerdings würde es zum Vernichtungskrieg gegen die Herrschenden – wie in den Ursprungstagen des politischen Karnevals.

Wenigstens habe ich eine Wette gewonnen. Aber die Begründung stimme nicht, meinte mein Handwerker, ein waschechter „Ossi“. Ich berichtete, dass ich einen guten Rotwein darauf gesetzt habe, dass nach der (vorauseilenden) Absage des Münchner Oktoberfestes „wegen Corona“ bald die Fastnacht dran sei. Nein, doch nicht deswegen, meinte der hellwache Tischler und setzte den Hammer an: „Es ist wie früher bei uns in der DDR: Die Herrschenden ertragen den Spott über sich und ihre Politik nicht.“ https://ecdn.firstimpression.io/static/html/obd_banner.html

Jetzt hat also Jens Spahn den Hobel angesetzt und will dem Volk das letzte bisschen Spaß wegschleifen. Und das am selben Tag, an dem BILD ein brisantes Geheimpapier von Top-Experten der Berliner Charité veröffentlichte. Die führenden Epidemiologen erklären darin im Blick auf Theater, Kinos und Konzerte, dass „ein einfacher Mund-Nasen-Schutz eine Vollbesetzung der Sitzplätze möglich macht.“ Also nix mehr mit 1,5 Meter Abstand!

Der von Rot-Rot-Grün politisch besetzte Charité-Vorstand adelte das Papier sofort mit dem Titel „Privatmeinung“ und erklärte es für ungültig. Ein echtes Deja-vu! Man erinnere sich an jenes „Privatpapier“ auf dem Briefbogen des Innenministeriums, das dem Autor den Job und Seehofer den Rest von Glaubwürdigkeit kostete — und sich inzwischen als zutreffend erweist.

Zeit zum Lesen „Tichys Einblick“ – so kommt das gedruckte Magazin zu Ihnen Man kann sich doch karnevalsreif plastisch vorstellen, wie die Chefin des Corona-Panik-Orchesters aus der „Waschmaschine“ (Berliner Bezeichnung für das Kanzleramt) hysterisch zum Hörer gegriffen und Charité-Chef Heyo Kroemer par ordre de Mutti angeherrscht hat: „Dieser Vorgang ist unverzeihlich und muss sofort rückgängig gemacht werden.“ Thüringen lässt grüßen! Themen genug für Fastnachts-Sitzungen. Doch dazu wird es nicht kommen. Par ordre de Jens. Basta!

Lachverbot als nächstes Kapitel des Corona-Wahnsinns. Wider alle Wissenschaft. Doch wer will sich wehren, wenn der Miniclub der Kanzlerberater die breite Masse kritischer Kollegen mundtot macht, indem man deren YouTube-Auftritte einfach löscht oder sie in keine Talkshow eingeladen werden. Fakten stören den Fake. Genau dazu wurde Karneval jedoch erfunden: dass die Unteren den Oberen den Marsch blasen konnten, ohne Nachteile zu befürchten. Also müsste eine dem Volk dienende Regierung Fastnachts-Sitzungen und -Umzüge geradezu anordnen. Aktuell doch auch als Ventil und Kontrapunkt zu den „Nazi“-Aufmärschen dieser schlappen 17.000 am 1. August (oder jetzt wieder am 29.) in Berlin. Was sind diese paar Irren schon gegen Millionen Rosenmontags-Demonstranten?!

Nur wenige Fastnachtsverbände schlagen Alarm gegen den Spahnschen Alarmismus. Kein Wunder, denn die sind meist politisch besetzt und kriechen auf Knien gen „Waschmaschine“, um der Herrscherin untertänigst zu huldigen, wie sie sich mit ihrer Regierung um das Leben jedes Einzelnen sorgt und dem Frohsinn angesichts des Massensterbens den Garaus macht. Übrigens am selben Tag, an dem einer der „Schutzsuchenden“, ein längst zur Abschiebung fälliger Iraker, auf der Berliner Autobahn mit seinem präparierten PKW ein paar Motorräder samt Fahrer ummähte, seinen Gebetsteppich ausrollte und schrie: „Ihr werdet alle sterben! Allahu akbar!“ Dies als kleine Petitesse am Rande. Die Berliner Bischöfe versicherten eilends, dieser Terroranschlag habe mit Religion nichts zu tun. Die Herrschenden schweigen dazu und beschäftigten sich weiter mit dem zentralen Prioritäts-Thema Fastnacht (irrtümlich flächendeckend Karneval genannt).

Es zeichnet das Mittelmaß aus, Angst vor gegnerischen Meinungen zu haben. Verbotspolitik ist ein Zeichen von Schwäche. Ach, was für tolle Themen für die tollen Tage. Der Niedergang begann allerdings schon früher. Scharfsinnige Büttenredner wie der „Till“ oder der „Bajazz“ der Määnzer Fassenacht waren längst mundtot gemacht, ein Bonnewitz ging von selbst. Solche närrischen Querköpfe und Kokolores-Könige passten nicht mehr in die moderne Landschaft der politischen Korrektheit.

Noch schmalerer Einheitsmeinungskorridor Corona: Nach der Diskursverweigerung die Demonstration Ich habe hautnah erlebt, wie sich Spitzenpolitiker um Eintrittskarten zur Fernsehsitzung aus dem Mainzer Schloss rissen und alles dransetzten, erwähnt und ins Bild gerückt zu werden. Sie lachen sich bis heute peinlich und dümmlich schlapp über Witze auf ihre Kosten, bei denen jeder halbwegs Intelligente erstarren würde, so wahr ist der in Humor verpackte Spott. Ähnlich Veitshöchheim oder der Starkbieranstich auf dem Münchner Nockherberg. Ach, was waren das noch für selige Zeiten harmlosen Humors, als der legendäre Mainzer OB Jockel Fuchs jahrelang auf den Arm genommen wurde, weil er die Queen 1978 bei deren Besuch des Gutenbergmuseums in einem Gemisch von britisch-määnzer Mundart in den Geheimkeller bat: „Now we go nunner to the Gutttttenberg Drucker-Press.“

Oder Kokolores-Urgestein Rolf Braun, 44 Jahre lang Sitzungspräsident in Mainz, im Zivilberuf u.a. Redenschreiber Helmut Kohls. Ihm verboten die spaßfreien Obersten von SWF und ZDF, weiterhin die „Brüder und Schwestern in der Ostzone und seine Freunde in Oberstaufen“ zu grüßen. Er ersetzte die Ostzone durch DDR und sagte, unvergessen: „Und an dieser Stelle würde ich die Freunde in Oberstaufen grüßen und sagen: ich komme nach Aschermittwoch wieder für drei Wochen zu Euch nach Oberstaufen . Aber ich darf die Freunde in Oberstaufen ja nicht mehr grüßen, deshalb grüße ich die Freunde in Oberstaufen auch nicht mehr.“ Viermal Oberstaufen! Der Urlaub war gerettet.

Jetzt also Lach- und Spottverbot wie in finstersten DDR-Zeiten. Als ich 2015 die „Lächelnde Linse“ der Jenaer Karnevals-Gala bekam, klärte mich DDR-Fastnachtsexperte Rüdiger Grunow auf, wie vorsichtig und geschickt man dort früher mit Spott und Witzen sein musste: „Aber manche Stasi-Leute waren so blöd, dass sie den tieferen Sinn gar nicht verstanden.“ Heute sind es die Politiker, die bei ihrer eigenen „Hinrichtung“ noch telegen und kostümiert lachen. Apropos kostümiert: da würden doch die Masken bestens passen! Warum also verbieten, Herr Spahn?

Und Themen gäbe es genug. Doch es würde zum Vernichtungskrieg gegen die Herrschenden, wie in den Ursprungstagen des politischen Karnevals. Man könnte ein RKI-Studio in Form des guten alten ZDF-Lotto-Studios auf die Bühne stellen: „Herzlich willkommen zur Ziehung der Zahlen des Robert-Koch-Instituts!“ Oder die Metamorphosen des Markus Söder in büttenreifer Versform aufspießen: vom Corona-King zum Pleite-Prinz, vom Asyltourismus-Experten zum Exponenten der „Ehe für alle“.

Jene Frau Baerbock würde sich zum Spott eignen, die eine ganze Rede lang statt Kobalt Kobold sagte. Ein Pumuckl-Kostüm wäre in dem Fall der beste Corona-Schutz. Oder Weinkönigin Klöckner, immer in vorderster TV-Reihe mit irgendwelchen Spaßbremsen der CDU: Die plant jetzt doch tatsächlich ein Gesetz zum täglichen zweimal einstündigen Gassi-Gehen mit Hunden. Irgendwas muss man ja planen, wenn man sonst nichts zu tun hat. Und AKK hätte ja bald viel Zeit, wieder als Putzfrau Gretel zum Reinemachen des Regierungsviertels aufzutreten. „Das Annegret von der Saar“ könnte ihren alten Humor verteidigen, der ihr in der Berliner PC-Luft ausgetrieben wurde. Stockach lässt grüßen.

Klar, Witze über Zigeuner und die Abschaffung der leckeren, nach ihnen benannten Soße, sind natürlich obsolet. Und das strikte Fastnachtsverbot würde die Mainzer zudem davor bewahren, den Enkel des Urgesteins Ernst Neger (Heile, heile Gänsje) von der Bühne zu verbannen. Weigert der Sänger sich doch standhaft, das Logo seiner Dachdeckerfirma zu ändern. Irgendwo hört der Spaß ja bekanntlich auf. Also: Rucki-Zucki ran ans Lachverbot!

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