„Verkehrsteilnehmende“ im weltoffenen Berlin

Von Josef Kraus

In Berlin soll es keine Mitarbeiter, sondern „Mitarbeitende“ geben und „Ausländer“ sollen ab sofort „Einwohnende ohne deutsche Staatsbürgerschaft“ heißen. Das will die Landesstelle für Gleichbehandlung gegen Diskriminierung mit einem 44 Seiten langen Leitfaden erreichen, als Teil eines „Diversity-Landesprogramms“.

Im Bundesland Berlin, zugleich Deutschlands Hauptstadt, gelingt nicht viel. Ob es um den neuen Flughafen, um die Wohnungsnot, um die Clankriminalität, um Hausbesetzer, um das tägliche Verkehrschaos, um marode Schulen, miserable Schulleistungen oder vieles andere mehr geht: Berlin kann es nicht, bekommt dafür aber über den Länderfinanzausgleich reichlich Geld von den Steuerzahlern anderer Bundesländer: exakt 4,33 Mrd. Euro von insgesamt 11,2 Mrd. – entsprechend 38,6 Prozent.

Da kann man sich, so meint die RRG-Regierung, schon manchen Luxus leisten, auch ideologischen Luxus. Zum Beispiel ein neues Wörterbuch für die Amtssprache. 44 Seiten ist es stark, es gilt für Beamte und Angestellte, über die schließlich die gesamte Berliner Bevölkerung erzogen werden soll. Die Begründung dafür ist übrigens ein Schuss nach hinten: Mit dem neuen Wörterbuch soll vermieden werden, dass über Sprache Meinungen gelenkt und Handlungen beeinflusst werden. Was die Urheber dieser 44 Seiten eins-zu-eins denn aber weidlich tun – statt es zu vermeiden. Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von Twitter angezeigt werden.

„Leitfaden“ nennt sich das Ganze. Er soll Amtsträger fit machen für das Kommunizieren „mit den Menschen in dieser Stadt“, unabhängig von deren Geschlecht, ethnischer Herkunft oder Hautfarbe, Alter, Behinderung, Religion, Weltanschauung und sexueller Identität. Als Verfasser zeichnet die Landesstelle für Gleichbehandlung gegen Diskriminierung verantwortlich; sie ist angesiedelt bei Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne). Die 44 Seiten sollen verstanden werden als Teil eines „Diversity-Landesprogramms“. Letzteres umfasst neben dem auf 79 Seiten ausgebreiteten Leitbild „Weltoffenes Berlin – chancengerechte Verwaltung!“ 30 Maßnahmen im Handlungsfeld „Diversity und Personalmanagement“ und sieben Maßnahmen im Handlungsfeld „Diversity und Sprache/Bilder“. Siehe: hier. Ach ja, der Titel der 44 Seiten lautet: „Leitfaden für Mitarbeitende der Berliner Verwaltung zum diversitysensiblen Sprachgebrauch.

Dass es statt Radfahrer „Radfahrende“, statt Fußgänger „Zu Fuß Gehende“, statt Verkehrsteilnehmer „Verkehrsteilnehmende“ heißen soll, ist ja schon ein alter Hut. Nach der Meinung der Gender-Anwender (m/w/d?) kann nämlich nur so in der Pluralform auch das weibliche Geschlecht mit zum Ausdruck kommen. Linguistisch ist das zwar Quatsch, denn ein „Radfahrender“ (Partizip Präsens) fährt gerade im Moment Rad. Als „Radfahrender“ kann er aber zum Beispiel nicht in einem Biergarten ein Bier trinken, weil er eben gerade mit dem Rad fährt; aber als Radfahrer kann er ein Bier trinken oder sogar im Bett schlafen. Der Berliner Senat weiß es besser, denn das generische Maskulinum – das heißt: die verallgemeinernde männliche Form – sei nicht geschlechtergerecht. (Am Rande: Und was ist mit dem Pluralartikel „die“ Radfahrenden? Ist „die“ nicht weiblich?) Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von Twitter angezeigt werden.

Jetzt geht es noch weiter. „Asylbewerber“ sollen „Asylsuchende“ oder „Schutzberechtigte“ heißen. „Asylbewerber“ sei irreführend, denn es gebe ja ein Recht auf Asyl. „Ausländer“ sollen ab sofort „Einwohnende ohne deutsche Staatsbürgerschaft“ heißen. Menschen mit Migrationshintergrund werden zu „Menschen mit Migrationsgeschichte“ oder „Menschen mit internationaler Geschichte“. Aus „Schwarzen“ werden „Menschen, die Rassismuserfahrungen machen“. „Farbige“ oder „Dunkelhäutige“ gibt es auch nicht mehr, von wegen Kolonialismus. Folgerichtig soll es auch kein „Schwarzfahren“ mehr geben, sondern ein „Fahren ohne gültigen Fahrschein“. Auch dem Verb „anschwärzen“ ist das Lebenslicht ausgehaucht, jetzt muss es heißen: „melden“ oder „denunzieren“. Aber für Letzteres hat Berlins Justizsenator auch schon gesorgt, indem er in Umkehr der Beweislast zu Denunziationen gegen Polizisten motiviert. Berliner Polizisten ungleich behandelt? Wenn ein Antidiskriminierungsgesetz diskriminiert

„Out“ ist außerdem auch der Begriff „Wirtschafts-/Armutsflüchtlinge“. Denn dieser Begriff sei abwertend, schließlich gebe es keine „Armutsmigration“; diese sei ja gesetzlich ausgeschlossen.

Auf 11 der 44 Seiten des Neusprech-Leitfadens geht es um Geschlechtsidentitäten und auch um Menschen mit „geschlechtsunabhängigem Begehren“. Mit der Vorsilbe „cis“ wird beschrieben, dass eine Person „in Übereinstimmung mit ihrem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht lebt“ – das heißt, dass sich Männer als Männer fühlen und Frauen als Frauen. Das soll es ja noch geben, und das ist gut so. Ansonsten sind die 11 Seiten eine Rundum-Aufklärung über alle möglichen sexuellen Orientierungen. Es geht um Bi-Sexualität, Pansexualität, um trans- und intergeschlechtliche sowie „nicht-binäre“ Menschen und so weiter und so fort.

„Berlin – arm, aber sexy“, sagte einmal ein „Regierender“ in Berlin. Nein, es muss heißen: Berlin – doof, und nicht einmal sexy!

Quelle

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