„Shut up, man!“

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„Shut up, man!“

Gong! Ring frei zur ersten Debatten-Runde…
30. September 2020

Natürlich hätten wir nachlesen können, was Norbert Röttgen oder Cem Özdemir über die erste Debatte der Präsidentschaftswahlen sagen, oder was Spiegelzeitszfazwelt darüber schreiben. Aber wer kennt nicht das amerikanische Sprichwort „Fool me once, shame on you. Fool me twice, shame on me“. Also mussten wir uns die 90 Minuten selber anschauen. Boy, o boy!

Bei uns gibt es schon lange keine echten Debatten mehr, selbst im Parlament heißt die Devise „614 Stühle, eine Meinung“ (plus 6 Fraktionslose, plus 89 AfDler). Die Staatsfunkprogramme spiegeln die Einheitsmeinung, Kommentatoren kommentieren im passenden Sinne. Würde ein Schneeflöckchen sich nun vor die Übertragung der Debatte im Original verirrt haben, könnte es den Schock seines Lebens davontragen, die deutlichen Worte könnten es nachhaltig verschrecken.

Fangen wir mit Joe an. Joe Biden ist wie ein deutscher Spezialdemokrat, er sieht nur besser aus. Die Antifa gibt es gar nicht, sagt er, das sind nur nette Leute mit derselben Idee. Gegen die Gewaltexplosion in den USA schlägt Joe ein Programm namens „Reimagining Policing“ vor, das er allerdings nicht erklären konnte. Außerdem würde er einen Arbeitskreis mit Psychologen gründen, um die Gewalt der Linken zu stoppen. Kommt bekannt vor?

Trump, der die Antifa als kriminelle Organisation einschätzt, wurde vom – überforderten Moderator – gefragt, ob er auch rechten Gruppen wie den „White Supremacists“ sagen würde: Hört auf! Trump: „Selbstverständlich.“

Im Grunde ist es wie bei uns. In von Linken regierten Städten gehören Anitfa-Zerstörungswut und Angriffe auf Polizeibeamte zur Folklore – noch fehlen nur die ersten Toten. Für Biden ist Trump der Brandstifter, denn „er geht doch nicht hin und diskutiert mit den Randalierern“. Nun können sich deutsche Zuschauer das tatsächliche Ausmaß der Gewalt in den USA allein aufgrund der hiesigen Berichterstattung gar nicht vorstellen. Nicht umsonst stellt selbst der linke Moderator Joe Biden die Frage: „Sie haben zu Beginn gesagt ‘Ich bin die Demokratische Partei und spreche für die Demokratische Partei’ – haben Sie den demokratischen Gouverneur von Portland nach 100 Tagen Krawall angerufen und gesagt: Holen Sie die Nationalgarde und stoppen Sie das?“ Darauf Joe: „Ich habe ja kein Amt.“

Nein, er hat nicht gestottert, er hat sich nicht groß verheddert, Joe war nicht der Trottel, als der er in den letzten Wochen allzu häufig erschien. Hatte er einen Knopf im Ohr für externe Hilfe? Wurde er medikamentös eingestellt? Wir wissen es nicht. Bei einem Wortgefecht über Obamacare (Donald hat es arg beschnitten, Joe will es zurück), behauptete Joe, 100 Millionen Amerikaner hätten eine Vorerkrankung (preexisting condidtions). Mithin wäre jeder dritte Ami malade.

„Here’s the deal“ sagte Joe immer wieder, aber seine Deals konnte er dann nicht ausführen. Auch weil Donald ihn ständig unterbrach, was wohl nicht mal Strategie war, sondern so isser eben.

Maske, welche Maske?

Für Joe sind „Millionen Wissenschaftler, große Wissenschaftler, in diesem großartigen Hospital“ nicht auf seiner (Trumps) Seite bei Corona. 200.000 Menschen gestorben, 7 Millionen infiziert, Amerika stellt fünf Prozent der Weltbevölkerung, aber 20% der Opfer. „Sie wissen doch gar nicht, wieviele gestorben sind in China, Russland oder Indien“, sagt Donald nur. Für ihn ist Covid und der Umgang damit „eine politische Sache“. Die Demokraten-Länder wollen den Shutdown bis nach der Wahl aufrecht halten, um von anderen Themen abzulenken.

Da sehen Sie mal, verehrte Leser, wie gut es ist, dass wir Dr. Drosten haben und Dr. Merkel und die Merkelpresse, die Hand in Hand sagen, was Sache ist.

Auch sonst war der Ton rau, bei uns wäre die Opposition längst der Säle verwiesen worden. „Shut up, man!“ ranzte Joe schon nach wenigen Minuten. Und als Joe irgendwann sagte, was er „smarter“, sprich besser machen wolle, haute Donald ihm dessen Schulabschluss um die Ohren. „Sie waren der letzte in der Klasse! Kommen Sie mir nicht mit smart. There’s nothing smart about you, Joe!“

Joe sagte, Donald spiele ja nur Golf und Donald sagte, Joe sei häufiger auf dem Golfplatz als er. Welche Hobbys haben eigentlich unsere Führer – oder reiben die sich tatsächlich rund um die Uhr nur für uns auf?

„Jeder weiß, dass er nur lügt“, sagte Joe. Das stehe überall geschrieben. Stimmt, steht sogar bei uns überall geschrieben.

Vorwurfsvoll wies der Moderator auf die Trump-Rallys hin, mit zigtausenden Fans in Corona-Zeiten, und Joe nickte. „Draußen“, sagte Donald, stünden die Fans, auf Flugplätzen. „Sie machen nur kleine Veranstaltungen“, lobte der Mod dann Joe. „Weil da keiner freiwillig hinkommt“, spottete Donald.

Donalds Einkommenssteuer (750$), Joes korrupter Sohn Hunter (paar Millionen $), Joe als Puppe der radikalen Linke – Amerika ist das Land der offenen Worte. Das würde keiner unserer Polithelden auch nur drei Tage überleben.

P.S. Als es dann zuletzt um Climate Change ging, schalteten wir ab und rufen als Sühne dreimal: Climate, Climate, Climate, please don’t change! Climate, Climate, Climate, please don’t change! Climate, Climate, Climate, please don’t change!

Steht überall geschrieben…

„Jeder weiß, dass er nur lügt“, sagte Joe. Das stehe überall geschrieben. Stimmt, steht sogar bei uns in Lallaland überall geschrieben. Übrigens steht auch überall geschrieben, dass wir ein übler Sexist und eine Schande für den Journalismus sind. Aber sagen oder schreiben das wirklich alle Journos? Natürlich nicht. Wir wollen den klarsten und pointiertesten Beitrag zum Thema herausnehmen, der die Dinge ein wenig zurechtrückt.

Viel Spaß mit den erhellenden Ausführungen eines wahrlich renommierten Vertreters einer ansonsten schwer ins Abseits abgerutschten Branche.

Quelle

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