Hahnen*kämpfe im Hinterhof

Von Stephan Petow

Söder vs. Laschet, Chebli vs. Müller, Stegner vs…
Plus: Frank-Walters „Blechorden“
1. Oktober 2020

Wie gesittet geht es doch hierzulande selbst im härtesten Postenstreit zu. Nehmen wir nur einmal Armin Laschet und Markus Söder. Beide wollen Kanzler werden, der eine sagt jetzt schon „Ich will“, der andere hofft demnächst sagen zu können „Wenn ihr unbedingt wollt, dann mach ich’s halt“. Aber beschimpfen die sich gegenseitig? Fallen sie sich ins Wort oder gar in den Rücken?

Im Gegenteil! Söder eilte auf schnellstem Wege nach Berlin (mit Dorothee Bärs Flugtaxi?), um mit warmen Worten und frei von jedem Spott die Laschet-Biografie „Der Machtmenschliche“ zu loben.

Kann man aus Armin Laschet – außer im Eigenverlag – ein Buch machen? Heutzutage offenbar schon. So hat nun der Leser zur besinnlichen Weihnachtszeit die Gelegenheit, lesend noch einmal zu erleben, wie Laschet seinen Aachener Pfarrer um Rat fragte, ob er sich um Partievorsitz und Kanzlerschaft bewerben solle. Und der fromme Mann antwortete – Sie ahnen es – mit ernster Miene: Armin, du schaffst es! Und „Deus vult“ (Gott will es!).

Übrigens war Laschet bei der Buchvorstellung in Berlin nicht anwesend. Er war in Rom beim heiligen Vater. Den wollte er zur Sicherheit auch noch fragen. Die Antwort von Tango-Franz steht aber leider nicht im aktuellen Buch.

Vielleicht wird die Schlacht ja im Buchhandel entschieden. Denn Söder hat zwei Schreiber von der Süddeutschen – das Blatt sieht sich als Freund und heiterer Begleiter in schweren Zeiten – beauftragt, ein Buch über ihn, Söder, zu verfassen. Herausgekommen ist eine Art Sühneschrift, in der Sünder Söder dem Bösen abschwört, vom Irrglauben abrückt und reumütig in den Schoß der Merkelkirche („Lasset alle, die wollen, zu mir kommen“) zurückkehrt.

Auch bei den Spezialdemokraten wird derzeit – gesittet und mit Anstand – um Posten gerungen.

Ein Genosse der Berliner SPD ließ uns zähneknirschend wissen, dass wir durch unseren kleinen Beitrag in unserer Tichy-Kolumne die Chancen von Sawsan Chebli, den Wahlkreis Charlottenburg zu bekommen, und damit als verfolgte Unschuld in den Bundestag zu ziehen, unfairerweise beträchtlich erhöht hätten. Welchen Trumpf kann Gegenkandidat Müller denn gegen die Dame noch ausspielen? Ein As ist er nun mal nicht, König schon gar nicht, selbst Bube wäre geschmeichelt.

In Schleswig-Holstein sucht ein anderer Leistungsträger der Spezialdemokratischen Partei eine bundespolitische Anschlussverwendung. Ralf Stegner will in den Bundestag. Knapp 100 Kilometer von Bordesholm entfernt, wo Stegner ein Internetradio („Musikgrüße aus Bordesholm“) via Twitter betreibt, in Halstenbek, Kreis Pinneberg, hatte er einen Wahlkreis gefunden, der aus Altersgründen frei geworden war.

Und da kommt, mir nichts, dir nichts, Mats Hansen zur SPD-Kandidaten-Tür herein und meldet seine Ansprüche an. Gerade 31 Jahre alt, wohnhaft in Elmshorn, und damit nur knapp 16 km vom Wahlkreis entfernt. Laut Welt ist Mats „freundlich, fröhlich, Jungunternehmer, Jungpolitiker, Junggastronom, Jungmüllbeutelverkäufer“. Es ist, als stünde der junge Ralf Stegner vor uns. Aber da mischen wir uns nicht ein. Versprochen.

Eigentlich ist es eine schöne Geste. In Zeiten, in denen wir (fast alle) den Gürtel enger schnallen müssen, und vielleicht sogar im Schloss Bellevue das eine oder andere Zimmer aus Solidarität ungeheizt bleibt, bescheidet sich unser Genosse Präsident auch beim Lametta, mit dem er Helden des Alltags und der politischen Parteien (bis auf eine) großzügig behängt. Gerne erinnern wir uns an die drei Polizisten, die den Umsturz am Reichstag verhindert haben, und wir freuen uns, dass heute auch Dr. Drosten sein Bundesverdienstkreuz überreicht bekam.

Sicher, man könnte von einer Preise-Inflation reden, aber ein Verschwender ist Frank-Walter nicht! Die Auszeichnungsstücke kommen nämlich aus China und sind so billig wie Karnevalsorden, da kann man dem Schlossherrn mit der ruhenden SPD-Mitgliedschaft keinen Vorwurf machen. Nur, wie hat man gemerkt, dass die Ware nicht allzu viel taugt? Ging der Lack ab? Und gibt’s Ersatz, falls das Teil auseinanderfällt?
Trost für alle Bundesverdienstkreuzträger: Es kommt nicht auf das Material an, sondern auf die Würde, mit der das Kreuz verliehen wird (also Handyfilme machen nicht vergessen!)

Heute groß bei Bild: „Keine Übersterblichkeit zu verzeichnen. Amtsarzt vergleicht Corona mit Grippe und Hitzewelle.“

*Hähne natürlich m/w/d

Quelle

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