Neues Navalny-Interview: Deutschland als Helfer für innerrussische Propaganda gegen die Regierung

Neues Navalny-Interview: Deutschland als Helfer für innerrussische Propaganda gegen die Regierung
Die deutsche Bundesregierung scheint fest entschlossen zu sein, den Fall Navalny zu nutzen, um die deutsch-russischen Beziehungen nachhaltig zu zerstören. Ein weiteres Beispiel dafür ist ein Interview, das nun veröffentlicht wurde.
Ich habe schon vor zehn Tagen darüber geschrieben, dass die deutsche Regierung anscheinend alles daran setzt, die Beziehungen zu Russland nachhaltig zu zerstören. Das russische Außenministerium scheint inzwischen auch die Geduld zu verlieren, wie deren Verlautbarungen zeigen:
„Es sei daran erinnert, dass im Westen oft behauptet wird, man könne in den Beziehungen zu Russland nicht zur Tagesordnung übergehen, also dürfe es kein „business as usual“ geben. Von unserer Seite kommen wir zum Schluss, dass mit Blick auf dieses Verhalten Deutschlands und seiner EU- und Nato-Verbündeten es der Westen ist, mit dem man unmöglich etwas zu tun haben kann, bis er die Methoden der Provokationen und Manipulationen abgelegt hat und sich ehrlich und verantwortungsbewusst zu verhalten beginnt.“
Derart deutliche Worte hat es aus Moskau in Richtung Berlin seit Jahrzehnten nicht gegeben. Und nun hat die Bundesregierung einen weiteren Nadelstich gegen Moskau gesetzt.
In Russland gibt es einen populären Journalisten und YouTube-Blogger namens Jurij Dud, der mit seinem erst drei Jahre alten YouTube-Kanal schon über acht Millionen Follower hat. Dud ist ein klarer Regierungsgegner und sein Konzept sind lange und ausführliche Interviews, was ein wenig an Ken-FM erinnert. Allerdings ist das Format von Dud eher auf junge Leute zugeschnitten, was durch Stilmittel wie schnelle Schnitte und Einblendungen deutlich wird. Seine Interviews sind aber durchaus interessant und tief gehend.
Bemerkenswert ist, dass sich auch der Chef des russischen Fernsehens, Dmitri Kisseljow, den Anti-Spiegel-Leser aus den Übersetzungen der russischen Sendung „Nachrichten der Woche“ kennen, die Kisseljow moderiert, bei Dud einem fast zweistündigem Interview gestellt hat. Das wäre ungefähr so, als wenn ARD-Chef Tom Burow oder Claus Kleber vom ZDF sich bei Ken-FM zwei Stunden kritischen Fragen stellen würden. In Deutschland, wo ja Meinungs- und Pressefreiheit herrschen, ist so etwas undenkbar, in der autoritären und von Zensur gepeinigten Diktatur Russland hingegen geht so etwas problemlos.
Was man Dud auch anrechnen muss ist, dass er zu seinen Fehlern steht und wenn ihm im Interview Fehler passieren, dann stellt er sie an der entsprechenden Stelle mit schriftlichen Einblendungen richtig. Das war in seinem Interview mit dem Chef des russischen Fernsehens besonders oft zu sehen, denn mit seinen Versuchen, Kisseljow „zu grillen“ ist er gründlich gescheitert. Alle seine Vorwürfe gegen Kisseljow zu den verschiedensten Themen musste er in dem Video mit Einblendungen richtig stellen. Kisseljow korrigierte ihn jedes Mal geduldig und erklärte ihm, wie man korrekt recherchiert, damit solche Fehler nicht passieren und Dud hat diese Antworten von Kisseljow nach dem Interview überprüft und all seine Richtigstellungen eingeblendet. Ich fand das Video seinerzeit sehenswert und amüsant.
Wie kommt Dud nach Berlin?
Nun hat Dud ein neues Interview veröffentlicht und zwar mit Navalny. Das wäre kaum erwähnenswert, wenn Corona nicht wäre. Die deutschen Grenzen sind für Russen geschlossen, man kommt als Russe nur mit einer Ausnahmegenehmigung der Bundesregierung nach Deutschland. Aber das Interview haben sie in Berlin aufgezeichnet, wie sie auch in dem Interview mehrmals erzählen. Das bedeutet, dass die Bundesregierung Dud extra eine Einreisegenehmigung gegeben hat.
Das Interview wird im Westen niemand erwähnen, denn in der Sache sagt Navalny darin nichts Neues oder Interessantes, was die Medien aufgreifen könnten. Aber in Russland macht es Furore und hat in wenigen Tagen schon über 15 Millionen Klicks gesammelt. Die Bundesregierung hat also Dud eine Ausnahme-Einreisegenehmigung erteilt, damit er in Russland anti-russische Propaganda machen kann. Sie hätten das Video ja auch – so wie in Corona-Zeiten üblich – per Videokonferenz aufnehmen können. Aber es sollte eben die schönen und professionellen Bilder aus einer Studio-Umgebung haben, damit es besser rüber kommt.
Das ist sicher nur ein weiterer Nadelstich Deutschlands gegen Russland, aber man kann davon ausgehen, dass die russische Regierung auch das registriert hat und als klar anti-russischen Schritt einordnet. Übrigens ganz am Rande: Das ist ein weiterer Beleg dafür, dass die „Qualitätsmedien“ lügen, wenn sie verbreiten, in Russland gäbe es Zensur oder Beschränkungen für regierungskritische Journalisten und Blogger. Dud arbeitet weiter, niemand hat ihn je verhaftet oder behelligt, obwohl er ständig regierungskritische Zwei-Stunden-Interviews auf YouTube stellt, die Millionen Klicks sammeln. Und auch dieses Interview mit Navalny, in dem Dud Navalny mit seinen Fragen ein ums andere Mal Steilvorlagen gegeben hat, Putin persönlich der angeblichen Vergiftung zu beschuldigen, wird für Dud keine Folgen haben.
Aber dass Deutschland Dud dafür hat einreisen lassen, dürfte in Moskau nicht gut angekommen sein.
Navalny und Dud über ihre Finanziers
In dem Interview ging es auch um die Frage, wer denn den Privatflieger bezahlt hat, der Navalny aus Russland nach Berlin geflogen hat. Das war bisher eine unbeantwortete Frage, die Navalny in dem Interview beantwortet hat. Es war der in Deutschland unbekannte russische Unternehmer Boris Simin. Simin ist in den 90ern zu Millionen gekommen, weil ihm eines der Mobilfunknetze Russlands gehörte. Inzwischen hat er Russland verlassen und laut Navalny ist Simin einer seiner Unterstützer und es war Simin, der die 70.000 Euro für den medizinischen Privatjet bezahlt hat.
Simin finanziert Navalny auch generell, wie Navalny erzählt hat und auch Dud sagte, sein zu versteuerndes Einkommen (nach seiner Aussage in 2019 5,4 Millionen Rubel, zum damaligen Kurs fast 80.000 Euro) habe er zum größten Teil von Simin als Unterstützung bekommen. Simin ist also ein weiterer Teil derer, die die russische Opposition unterstützen und findet sich dabei in guter Gesellschaft von Soros, Chodorkowski und anderen wieder, wie ich hier aufgezeigt habe.
Überhaupt scheint sich „Oppositionsarbeit“ in Russland finanziell zu lohnen. Navalny wird aus dem Westen so großzügig bezahlt, dass er seine Tochter zum Studium auf die US-Elite-Universität Stanford schicken konnte. In dem Interview mit Dud erzählt Navalny, dass das Studium umsonst sei, weil er der Uni jedes Jahr eine Bestätigung schickt, dass sein Einkommen unter der Grenze liegt, ab der das Studium kostenpflichtig wird. So zahle er nur 22.000 Dollar jährlich für Kost und Logis, was die Uni trotzdem in Rechnung stellt.
Und auch Dud scheint gut zu leben, denn er finanziert ein ganzes Team für sein Studio, was auch in Russland Geld kostet, aber er hatte 2019 nach Bezahlung all der Kosten trotzdem ein zu versteuerndes Einkommen von fast 80.000 Euro übrig. Auch das sagt er in dem Interview selbst, als sie über Simin sprechen, der sie beide finanziert. Da der Einkommenssteuersatz in Russland bei pauschal 13 Prozent liegt, hatte Dud 2019 fast 70.000 Euro netto.
Aber auch andere russische Regierungsgegner lassen sich aus dem Westen gut bezahlen. Wenn es um Skandale mit Russland geht, egal ob MH17, den Fall Skripal, den Tiergartenmord oder was auch immer, dann meldet der Spiegel, dass er zusammen mit Bellingcat und dem Russen „The Insider“ bei Recherchen ganz spannende Dinge gefunden hat. The Inisder ist ein Russe in Moskau, auf dessen Recherchen die sich dann gerne berufen und der hat im Spiegel-Interview ganz offen zugegeben, dass er aus dem Westen mit 10.000 Dollar monatlich finanziert wird.
Opposition in Russland zu machen lohnt sich also finanziell.
Navalnys Vorwürfe gegen Putin
Navalny macht Putin persönlich für die angebliche Vergiftung verantwortlich. Das sagte er bereits im Spiegel-Interview und nun hat er das über zwei Stunden lang in dem Dud-Interview immer wieder wiederholt. Für mitdenkende Menschen sind seine Begründungen jedoch interessant.
Seine Hauptthese ist erstens, dass Nowitschok nur von der russischen Regierung eingesetzt werden kann und nicht von Privatpersonen wie Oligarchen oder kriminellen Organisationen. Was Navalny dabei vergisst ist, dass nachdem Nowitschok vor knapp 30 Jahren im Westen bekannt geworden ist, tschechische, deutsche, britische und US-Geheimdienste mit Nowitschok experimentiert und dabei weit mehr Variationen entwickelt haben, als die Sowjets. Hinzu kommt, dass Russland seine Bestände an Chemiewaffen – also auch Nowitschok – unter der Kontrolle der OPCW vernichtet hat.
Hinzu kommt, auch darüber wurde im Westen nicht berichtet, dass Russland bei der Sitzung der OPCW im Februar 2019 ein totales Verbot aller Nowitschok-Varianten vorgeschlagen hat. Aber der Westen hat mit seiner Stimmenmehrheit bei der OPCW dagegen gestimmt.
Und während die OPCW im September 2017 gemeldet hat, Russland habe seine vertraglichen Verpflichtungen erfüllt und alle Chemiewaffen zerstört, behaupten die USA, sie könnten das wegen finanzieller Probleme nicht so schnell tun. Das vertraglich vereinbarte Datum für die Zerstörung aller US-Chemiewaffen haben die USA mit 2012 angegeben. Tatsächlich aber geben die USA wegen mangelnder Finanzierung des Programms zur Vernichtung ihrer Chemiewaffen nun 2023 als Datum zur der Vernichtung ihrer letzten Chemiewaffen an. Wenn denn alles klappt.
Navalnys Vorwürfe gegen die Ärzte in Omsk
Navalny behauptet, dass die Ärzte in Omsk ihn töten wollten, und als das nicht geklappt hat, hätten sie seinen Transport nach Deutschland so lange verhindert, bis das Gift in seinem Körper nicht mehr nachweisbar gewesen wäre. Nur wie hat dann das Bundeswehrlabor Nowitschok doch noch nachweisen können? Oder gar die OPCW, die erst Wochen später Proben bei Navalny nehmen durfte?
Dass die russischen Ärzte den Transport nach Berlin genehmigt hatten, er sich aber dann um Stunden verzögert hat, weil die Piloten ihre Ruhezeiten vor dem Start einhalten mussten, erwähnt Navalny nicht. Wer aber die Nachrichten in Russland an dem Tag verfolgt hat, konnte sehen, wie Navalnys Team den sofortigen Transport nach Berlin forderte, die Ärzte öffentlich zustimmten, dann aber stundenlang nichts passierte, weil die Piloten wegen zu geringer Ruhezeiten nicht fliegen durften.
Hinzu kommt, dass eine Nowitschok-Vergiftung ohnehin mehr als unwahrscheinlich ist, denn Navalny bleibt bei der Version, er habe sich in seinem Hotelzimmer vergiftet und die Symptome seien erst Stunden später aufgetreten. Das ist bei Nowitschok gar nicht möglich, das Gift wirkt sofort.
Außerdem sagt Navalny in dem Interview, hätte er noch ein paar Stunden länger in Omsk im Koma gelegen, wäre er heute tot oder geistig behindert. Nur warum ein Koma in Omsk tödlich sein soll, das Koma, in dem er in Berlin noch sehr lange gelegen hat aber nicht, erklärt Navalny nicht.
Dud fragte Navalny auch nach einem früheren Anschlag auf ihn. Der ist Deutschland kaum bekannt und es war auch kein echter Anschlag. Navalny wurde vor einiger Zeit Basic Green 1 ins Gesicht gespritzt. Das ist eine grüne Flüssigkeit, die als „Seljonka“ (also „das Grüne“) in Russland als Antiseptikum weit verbreitet ist. Aber sie ist ungefährlich, allerdings hat Navalny daraus die Geschichte gesponnen, er habe dabei fast ein Auge verloren. Auf den Fotos von dem Tag sah es jedoch so dramatisch nicht aus.


Die deutsche Bundesregierung scheint fest entschlossen zu sein, den Fall Navalny zu nutzen, um die deutsch-russischen Beziehungen nachhaltig zu zerstören. Ein weiteres Beispiel dafür ist ein Interview, das nun veröffentlicht wurde.

Ich habe schon vor zehn Tagen darüber geschrieben, dass die deutsche Regierung anscheinend alles daran setzt, die Beziehungen zu Russland nachhaltig zu zerstören. Das russische Außenministerium scheint inzwischen auch die Geduld zu verlieren, wie deren Verlautbarungen zeigen:

„Es sei daran erinnert, dass im Westen oft behauptet wird, man könne in den Beziehungen zu Russland nicht zur Tagesordnung übergehen, also dürfe es kein „business as usual“ geben. Von unserer Seite kommen wir zum Schluss, dass mit Blick auf dieses Verhalten Deutschlands und seiner EU- und Nato-Verbündeten es der Westen ist, mit dem man unmöglich etwas zu tun haben kann, bis er die Methoden der Provokationen und Manipulationen abgelegt hat und sich ehrlich und verantwortungsbewusst zu verhalten beginnt.“

Derart deutliche Worte hat es aus Moskau in Richtung Berlin seit Jahrzehnten nicht gegeben. Und nun hat die Bundesregierung einen weiteren Nadelstich gegen Moskau gesetzt.

In Russland gibt es einen populären Journalisten und YouTube-Blogger namens Jurij Dud, der mit seinem erst drei Jahre alten YouTube-Kanal schon über acht Millionen Follower hat. Dud ist ein klarer Regierungsgegner und sein Konzept sind lange und ausführliche Interviews, was ein wenig an Ken-FM erinnert. Allerdings ist das Format von Dud eher auf junge Leute zugeschnitten, was durch Stilmittel wie schnelle Schnitte und Einblendungen deutlich wird. Seine Interviews sind aber durchaus interessant und tief gehend.

Bemerkenswert ist, dass sich auch der Chef des russischen Fernsehens, Dmitri Kisseljow, den Anti-Spiegel-Leser aus den Übersetzungen der russischen Sendung „Nachrichten der Woche“ kennen, die Kisseljow moderiert, bei Dud einem fast zweistündigem Interview gestellt hat. Das wäre ungefähr so, als wenn ARD-Chef Tom Burow oder Claus Kleber vom ZDF sich bei Ken-FM zwei Stunden kritischen Fragen stellen würden. In Deutschland, wo ja Meinungs- und Pressefreiheit herrschen, ist so etwas undenkbar, in der autoritären und von Zensur gepeinigten Diktatur Russland hingegen geht so etwas problemlos.

Was man Dud auch anrechnen muss ist, dass er zu seinen Fehlern steht und wenn ihm im Interview Fehler passieren, dann stellt er sie an der entsprechenden Stelle mit schriftlichen Einblendungen richtig. Das war in seinem Interview mit dem Chef des russischen Fernsehens besonders oft zu sehen, denn mit seinen Versuchen, Kisseljow „zu grillen“ ist er gründlich gescheitert. Alle seine Vorwürfe gegen Kisseljow zu den verschiedensten Themen musste er in dem Video mit Einblendungen richtig stellen. Kisseljow korrigierte ihn jedes Mal geduldig und erklärte ihm, wie man korrekt recherchiert, damit solche Fehler nicht passieren und Dud hat diese Antworten von Kisseljow nach dem Interview überprüft und all seine Richtigstellungen eingeblendet. Ich fand das Video seinerzeit sehenswert und amüsant.

Wie kommt Dud nach Berlin?

Nun hat Dud ein neues Interview veröffentlicht und zwar mit Navalny. Das wäre kaum erwähnenswert, wenn Corona nicht wäre. Die deutschen Grenzen sind für Russen geschlossen, man kommt als Russe nur mit einer Ausnahmegenehmigung der Bundesregierung nach Deutschland. Aber das Interview haben sie in Berlin aufgezeichnet, wie sie auch in dem Interview mehrmals erzählen. Das bedeutet, dass die Bundesregierung Dud extra eine Einreisegenehmigung gegeben hat.

Das Interview wird im Westen niemand erwähnen, denn in der Sache sagt Navalny darin nichts Neues oder Interessantes, was die Medien aufgreifen könnten. Aber in Russland macht es Furore und hat in wenigen Tagen schon über 15 Millionen Klicks gesammelt. Die Bundesregierung hat also Dud eine Ausnahme-Einreisegenehmigung erteilt, damit er in Russland anti-russische Propaganda machen kann. Sie hätten das Video ja auch – so wie in Corona-Zeiten üblich – per Videokonferenz aufnehmen können. Aber es sollte eben die schönen und professionellen Bilder aus einer Studio-Umgebung haben, damit es besser rüber kommt.

Das ist sicher nur ein weiterer Nadelstich Deutschlands gegen Russland, aber man kann davon ausgehen, dass die russische Regierung auch das registriert hat und als klar anti-russischen Schritt einordnet. Übrigens ganz am Rande: Das ist ein weiterer Beleg dafür, dass die „Qualitätsmedien“ lügen, wenn sie verbreiten, in Russland gäbe es Zensur oder Beschränkungen für regierungskritische Journalisten und Blogger. Dud arbeitet weiter, niemand hat ihn je verhaftet oder behelligt, obwohl er ständig regierungskritische Zwei-Stunden-Interviews auf YouTube stellt, die Millionen Klicks sammeln. Und auch dieses Interview mit Navalny, in dem Dud Navalny mit seinen Fragen ein ums andere Mal Steilvorlagen gegeben hat, Putin persönlich der angeblichen Vergiftung zu beschuldigen, wird für Dud keine Folgen haben.

Aber dass Deutschland Dud dafür hat einreisen lassen, dürfte in Moskau nicht gut angekommen sein.

Navalny und Dud über ihre Finanziers

In dem Interview ging es auch um die Frage, wer denn den Privatflieger bezahlt hat, der Navalny aus Russland nach Berlin geflogen hat. Das war bisher eine unbeantwortete Frage, die Navalny in dem Interview beantwortet hat. Es war der in Deutschland unbekannte russische Unternehmer Boris Simin. Simin ist in den 90ern zu Millionen gekommen, weil ihm eines der Mobilfunknetze Russlands gehörte. Inzwischen hat er Russland verlassen und laut Navalny ist Simin einer seiner Unterstützer und es war Simin, der die 70.000 Euro für den medizinischen Privatjet bezahlt hat.

Simin finanziert Navalny auch generell, wie Navalny erzählt hat und auch Dud sagte, sein zu versteuerndes Einkommen (nach seiner Aussage in 2019 5,4 Millionen Rubel, zum damaligen Kurs fast 80.000 Euro) habe er zum größten Teil von Simin als Unterstützung bekommen. Simin ist also ein weiterer Teil derer, die die russische Opposition unterstützen und findet sich dabei in guter Gesellschaft von Soros, Chodorkowski und anderen wieder, wie ich hier aufgezeigt habe.

Überhaupt scheint sich „Oppositionsarbeit“ in Russland finanziell zu lohnen. Navalny wird aus dem Westen so großzügig bezahlt, dass er seine Tochter zum Studium auf die US-Elite-Universität Stanford schicken konnte. In dem Interview mit Dud erzählt Navalny, dass das Studium umsonst sei, weil er der Uni jedes Jahr eine Bestätigung schickt, dass sein Einkommen unter der Grenze liegt, ab der das Studium kostenpflichtig wird. So zahle er nur 22.000 Dollar jährlich für Kost und Logis, was die Uni trotzdem in Rechnung stellt.

Und auch Dud scheint gut zu leben, denn er finanziert ein ganzes Team für sein Studio, was auch in Russland Geld kostet, aber er hatte 2019 nach Bezahlung all der Kosten trotzdem ein zu versteuerndes Einkommen von fast 80.000 Euro übrig. Auch das sagt er in dem Interview selbst, als sie über Simin sprechen, der sie beide finanziert. Da der Einkommenssteuersatz in Russland bei pauschal 13 Prozent liegt, hatte Dud 2019 fast 70.000 Euro netto.

Aber auch andere russische Regierungsgegner lassen sich aus dem Westen gut bezahlen. Wenn es um Skandale mit Russland geht, egal ob MH17, den Fall Skripal, den Tiergartenmord oder was auch immer, dann meldet der Spiegel, dass er zusammen mit Bellingcat und dem Russen „The Insider“ bei Recherchen ganz spannende Dinge gefunden hat. The Inisder ist ein Russe in Moskau, auf dessen Recherchen die sich dann gerne berufen und der hat im Spiegel-Interview ganz offen zugegeben, dass er aus dem Westen mit 10.000 Dollar monatlich finanziert wird.

Opposition in Russland zu machen lohnt sich also finanziell.

Navalnys Vorwürfe gegen Putin

Navalny macht Putin persönlich für die angebliche Vergiftung verantwortlich. Das sagte er bereits im Spiegel-Interview und nun hat er das über zwei Stunden lang in dem Dud-Interview immer wieder wiederholt. Für mitdenkende Menschen sind seine Begründungen jedoch interessant.

Seine Hauptthese ist erstens, dass Nowitschok nur von der russischen Regierung eingesetzt werden kann und nicht von Privatpersonen wie Oligarchen oder kriminellen Organisationen. Was Navalny dabei vergisst ist, dass nachdem Nowitschok vor knapp 30 Jahren im Westen bekannt geworden ist, tschechische, deutsche, britische und US-Geheimdienste mit Nowitschok experimentiert und dabei weit mehr Variationen entwickelt haben, als die Sowjets. Hinzu kommt, dass Russland seine Bestände an Chemiewaffen – also auch Nowitschok – unter der Kontrolle der OPCW vernichtet hat.

Hinzu kommt, auch darüber wurde im Westen nicht berichtet, dass Russland bei der Sitzung der OPCW im Februar 2019 ein totales Verbot aller Nowitschok-Varianten vorgeschlagen hat. Aber der Westen hat mit seiner Stimmenmehrheit bei der OPCW dagegen gestimmt.

Und während die OPCW im September 2017 gemeldet hat, Russland habe seine vertraglichen Verpflichtungen erfüllt und alle Chemiewaffen zerstört, behaupten die USA, sie könnten das wegen finanzieller Probleme nicht so schnell tun. Das vertraglich vereinbarte Datum für die Zerstörung aller US-Chemiewaffen haben die USA mit 2012 angegeben. Tatsächlich aber geben die USA wegen mangelnder Finanzierung des Programms zur Vernichtung ihrer Chemiewaffen nun 2023 als Datum zur der Vernichtung ihrer letzten Chemiewaffen an. Wenn denn alles klappt.

Navalnys Vorwürfe gegen die Ärzte in Omsk

Navalny behauptet, dass die Ärzte in Omsk ihn töten wollten, und als das nicht geklappt hat, hätten sie seinen Transport nach Deutschland so lange verhindert, bis das Gift in seinem Körper nicht mehr nachweisbar gewesen wäre. Nur wie hat dann das Bundeswehrlabor Nowitschok doch noch nachweisen können? Oder gar die OPCW, die erst Wochen später Proben bei Navalny nehmen durfte?

Dass die russischen Ärzte den Transport nach Berlin genehmigt hatten, er sich aber dann um Stunden verzögert hat, weil die Piloten ihre Ruhezeiten vor dem Start einhalten mussten, erwähnt Navalny nicht. Wer aber die Nachrichten in Russland an dem Tag verfolgt hat, konnte sehen, wie Navalnys Team den sofortigen Transport nach Berlin forderte, die Ärzte öffentlich zustimmten, dann aber stundenlang nichts passierte, weil die Piloten wegen zu geringer Ruhezeiten nicht fliegen durften.

Hinzu kommt, dass eine Nowitschok-Vergiftung ohnehin mehr als unwahrscheinlich ist, denn Navalny bleibt bei der Version, er habe sich in seinem Hotelzimmer vergiftet und die Symptome seien erst Stunden später aufgetreten. Das ist bei Nowitschok gar nicht möglich, das Gift wirkt sofort.

Außerdem sagt Navalny in dem Interview, hätte er noch ein paar Stunden länger in Omsk im Koma gelegen, wäre er heute tot oder geistig behindert. Nur warum ein Koma in Omsk tödlich sein soll, das Koma, in dem er in Berlin noch sehr lange gelegen hat aber nicht, erklärt Navalny nicht.

Dud fragte Navalny auch nach einem früheren Anschlag auf ihn. Der ist Deutschland kaum bekannt und es war auch kein echter Anschlag. Navalny wurde vor einiger Zeit Basic Green 1 ins Gesicht gespritzt. Das ist eine grüne Flüssigkeit, die als „Seljonka“ (also „das Grüne“) in Russland als Antiseptikum weit verbreitet ist. Aber sie ist ungefährlich, allerdings hat Navalny daraus die Geschichte gesponnen, er habe dabei fast ein Auge verloren. Auf den Fotos von dem Tag sah es jedoch so dramatisch nicht aus.

Diese Geschichte ist deshalb interessant, weil Navalny sich sein „verletztes Auge“ dann im Westen hat behandeln lassen.

In dem Interview mit Dud kam die Frage auf, warum Putin Navalny erst umbringen und dann nach Deutschland hat ausfliegen lassen. Navalnys Erklärung war bestechend, denn er brachte seine Behandlung nach dem Seljonka-Vorfall ins Spiel und hat die These aufgestellt, dass ein einäugiger oder an Vergiftungsfolgen leidender Navalny für Putin schlimmer wäre, als ein gesunder Navalny, weil solche gesundheitlichen Folgen Navalny in Russland Sympathien einbringen würden.

Dud hat Navalny natürlich nicht gefragt, ob nicht ein toter und zum Märtyrer hoch stilisierter Navalny für Putin noch schlimmer wäre, als ein einäugiger Navalny. Dabei ist die Frage berechtigt und man fragt sich, was Putin eigentlich von dem angeblichen Nowitschok-Anschlag für Vorteile haben könnte.

Was sonst noch im Interview gesagt wurde

In dem Interview wurde auch erzählt, dass Navalny in Deutschland unter Polizeischutz steht und eine ganze Armee von Leibwächtern hat, die sogar das Berliner Studio, in dem das Interview aufgezeichnet wurde, vorher durchsucht haben.

Insgesamt war das Interview sehr professionell gemacht und Dud hat Navalnys Frau und Navalny jeweils einzeln und dann gemeinsam interviewt. Da die Sequenzen aus allen drei Interview-Teilen nach Themenblöcken zusammen geschnitten wurde, ist ein sehr leicht anzuschauendes Interview entstanden, das vom Zuschauer nicht viel Mitdenken erfordert. Bei all den Widersprüchen, die Navalny in seinen Aussagen hatte, wären mitdenkende Zuschauer wohl auch störend.

Das Interview hatte ein bisschen was von dem seichten TV-Talk, wie man ihn in Deutschland zum Beispiel bei Markus Lanz zu sehen bekommt: Leichte Kost, aber mit sehr geschickt eingebauten Narrativen, die den Zuschauer einlullen, aber nicht zum Nachdenken anregen sollen.

Bleibt die Frage, warum Deutschland Jurij Dud die Einreise erlaubt hat. Sind die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland nicht auch so schon vergiftet genug? Sie hätten das Interview schließlich auch über eine Videoverbindung führen können. Nur wären dann nicht so schöne und einlullende Bilder entstanden…

Quelle

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