Omertà islamico: Die Krokodilstränen des Kevin Kühnert

PPQ-Leser stellen sich vor: Heute – Kevin Kühnert, der sich bei der Lektüre überlegt hat, dass die Linke zum islamischen Terror nicht länger schweigen darf.

Manchmal braucht es einen Schubs, ein bisschen Hilfe von einer*m guten Freund*in oder eben das richtige Leseangebot im Internet, das einem schlagartig deutlich macht, wo die jahrelangen Versäumnisse der Partei wirklich liegen, die man im Begriff ist, demnächst als Chef zu übernehmen. Manchmal dauert es etwas länger, bis es soweit ist. Manchmal geht es aber auch schneller – wie bei Kevin Kühnert, dem jugendlichen Helden der Post-Nahles-SPD, der jetzt in einem bemerkenswerten „Spiegel“-Gastbeitrag bekannt hat: Ja, auch ich habe abgetrieben geschwiegen“! 

Geschwiegen wie seine gesamte Partei, geschwiegen wie der nie um Betroffenheit verlegene Ralf Stegner, geschwiegen wie sogar der Turbotrauerer Martin Schulz, geschwiegen wie die Bundesregierung, aus der nur Außenminister Heiko Maas pflichtgemäß und mit zusammengebissenen Sanktionszähnchen ausscherte. Maas brandmarkte die Enthauptung des französischen Lehrers Sebastian Paty durch einen 18-jährigen Islamisten ebenso als „abscheuliche Tat“ wie er zuvor das Beifallklatschen von Sachsen vor brennenden Flüchtlingsheimen als „abscheulich“ bezeichnet hatte. Zu anderen Fällen äußerte auch er sich nicht. Ist Inland.

Ein Schweigen, das Romane erzählt

Schweigen, das geradezu anrührend wirkte, erzählte es doch ganze Romane über die „Schwierigkeiten mit der Wahrheit“ (Vaclav Havel), die nicht nur bei Medien, sondern auch in der Politik auftauchen, sobald ein Täter nicht ins eigene Erwartungsmuster passt. Während Saskia Esken immer noch kein Wort für das Opfer der brutalen Hinrichtung hat und ihr Kollege Walter Borjans sich lieber als Freund der Weltökonomie inszeniert, nutzt der durch seine PPQ-Lektüre aufgeklärte Kevin Kühnert nun die Gunst der Stunde. Wenn du sowieso nichts auf dem Teller hast, kannst du auch den Tisch umwerfen, hat Kühnert sich zum Konzept gemacht. Und über islamistischen Anschlag in Frankreich schreibt er nun im „Spiegel“, der das Wort Islam im Zuge der Berichterstattung über die Tragödie mied wie der Papst öffentliche Bekundungen zur Vermögenslage der katholischen Kirche.

Kühnert, einer der notorischen Schweiger, geht nun mit seiner Forderung, „die politische Linke sollte ihr Schweigen beenden“, mutig voran. Die anderen blamieren, sich selbst besser darstellen als man ist, so tun, als sei man der Vordenker, Mahner und Durchblicker. Das kann der Nachwuchssozialist, der im kommenden Jahr endlich in den Bundestag einziehen will, um künftig mit einem regulären Einkommen  planen zu können. Das ist wichtig, aber wichtig ist natürlich auch, so „Kühni“, wie sie ihn nennen, dass „die politische Linke den Kampf gegen Islamismus nicht länger Rassisten überlässt“, sondern sich „endlich mit diesem blinden Fleck beschäftigt“.

Eine taktische Volte 

Eine bemerkenswerte Volte, existierte der politische Islam doch bisher in Kevin Kühnerts Vorstellungswelt weder als Problem noch als Gegenstand irgendwelcher Meinungsäußerungen. Für Kühnert bestand immer nur eine „vermeintliche Bedrohung“, zielgerichtet missbraucht von der  ungleich gefährlicheren Gefahr AfD. Kein Grund, sich besorgt zu äußern oder gar in irgendeiner Weise auf die endlose Abfolge von islamistisch motivierten Anschlägen in Europa zu reagieren. Wenn Kühnert Tatkraft und Entschlossenheit zeigen wollte, rief er zum Kampf gegen rechts auf, fertig. Oder nach einem neuen Parteiausschlussverfahren gegen Thilo Sarrazin wegen dessen Buch „Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht“.

Dass Kevin Kühnert sich nun an die Spitze einer Bewegung stellt, die Meinungsfreiheit fordert und die Feinde der Meinungsfreiheit stellen will, hat höchst humorigen Charakter. „Frankreich ist aufgewühlt, weil terroristische Anschläge in den vergangenen Jahren zu häufig verübt wurden“, dichtet Kühnert gleicht zu Anfang einen spaßigen Einleitungstext. Zu häufig! Nun könne man die Täter „nicht mehr glaubhaft zu Einzeltätern erklären“, schreibt er dann, als hätte außerhalb von SPD, Grünen, Linker und CDU noch irgendwer diese steile These geglaubt, seit Anis Amris seinen Lkw in den Berliner Weihnachtsmarkt steuerte.

Kühnert bereut, beziehungsweise: Er simuliert Reue, um Glaubwürdigkeit geschenkt zu bekommen. Krokodilstränen vergießt er um die „weitgehende Stille“ (Kühnert) nach dem Mord und darum, dass wir „keine Worte für unsere Nachbarn“ (Kühnert) finden. Kaum vier Sätze geschrieben und schon wieder falsch: Es sind die Sätze zum Täter, die nicht gefunden werden können, nicht einmal, wenn der Falsche im eigenen Land mordet. 

Inszenierung als Tabubrecher

Kevin Kühnert politisches Manöver, sich als mutigen Tabubrecher zu inszenieren, den die „bestialische Tötung eines Menschen“ (Kühnert) aufgerüttelt hat, so dass er nicht mehr länger zuschauen kann, wie die politische Rechte sich der Tat bemächtigt, ist so durchsichtig wie die Positionen seiner Partei zum politischen Islam

Kühnert will die SPD, deren politisches Überleben sich in den kommenden fünf Jahren entscheiden wird, neu positionieren: Die einstige „Arbeiterpartei“ (Willy Brandt), heute eine Versammlung höherer Töchter und Verwaltungsangestellter, soll wieder in die Lage versetzt werden, mit einem opferunabhängigen  „politisch inszenierten Betrauern“ (Kühnert) zu zeigen, dass sie Grundhaltungen hat, die Mitgefühl und Trauer unabhängig der politischen Feindschaft oder Freundschaft mit Tätern oder Opfern ermöglichen.

Zu diesem Zweck wird Kühnert zum Wutbürger, schlagartig, aufgeschreckt ausgerechnet durch den 77. großen Anschlag in Europa seit 2015. Auf einmal fällt Kühnert das in „beispielloser Anmaßung zum Richter über Leben und Tod mündende Menschenbild der Täter“ auf. Dieser „ungeheuerliche Eingriff in die erstrittenen Regeln menschlichen Miteinanders“. Das verstoße nicht „nur gegen Recht, Gesetz und gesellschaftliche Normen, sondern insbesondere auch gegen die von links proklamierte Gesellschaft der Freien und Gleichen“.

 Die linke Omertà islamico

Zu vermuten ist, dass Kevin Kühnert das nicht satirisch meint.Er fragt ja auch: „Wie kann man das übersehen oder gar dazu schweigen?“ Wo er das doch selbst wissen müsste, hat er doch Zeit seiner politischen Karriere sehr, sehr fleißig mitgeschwiegen. Vergessen. Vorbei. Er sei überzeugt, dass viele  seiner linken Freunde „dem vom rassistischen Ressentiment lebenden politischen Gegner“ einfach „keine ungewollten Stichworte liefern wollen“. Eine Omertà islamico, die seit Jahren beredt von richtigen und falschen Opfern oder Tätern erzählt, vom Missbrauch der Trauer und verlogenen Doppelstandards, wie sie nur ganz finstere, verdorbene und verlorene Seelen ertragen können. 

Eine Seele, wie sie auch Kühnert sein eigen nennt, denn sein „Umdenken“ ist sichtlich rein taktisch geprägt. Man müsse auch um die trauern, die von den Falschen ermordet worden seien, argumentiert er, denn nur so könne man die Richtigen von den Falschen weglocken. Dazu ist Kevin Kühnert bereit, bis an die Grenze zu gehen: Ja, der Attentäter von Conflans-Sainte-Honorine sei „ein Islamist“ gewesen, spricht er den großen grünen Elefanten im Raum mit Namen an als sei das allein schon eine Heldentat. 

Er selbst will deshalb nun aber nicht gleich wie die „rechtsradikale französische Oppositionsführerin Marine Le Pen“ (Kühnert) den ganzen Islamismus mit Gewalt aus dem Land treiben oder Trauer und Mitleid mit den beiden von einem Islamisten in Dresden ermordeten Touristen äußern. 

Nein, soweit geht das Nicht-Schweigen nicht. Kevin Kühnert schwebt etwas anderes vor, etwas ganz Neues, überraschend anderes und mit Sicherheit wirksames: „Überzeugungsarbeit“, schlägt er vor, „Hegel lesen“, vielleicht in der Gebetsgruppe mit dem Hassprediger und seinen Opfern, die verurteilt sind, Täter zu werde. Und vor allem die „sozialen Zusammenhänge rund um Terror und Kriminalität durchleuchten und daraus Schlüsse  ziehen“  und „diskriminierende Strukturen in Staat und Gesellschaft aufdecken und ändern“.

So einfach. Und doch ganz bestimmt der Todesstoß für den Islamismus.

Eingestellt von ppq

Quelle

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