Impfpflicht gegen Coronavirus? „Der Schaden wäre fatal“

Noch ist ein geeigneter Impfstoff gegen das Coronavirus ein Wunschtraum. Doch was, wenn wir ihn haben? Braucht es eine Impfpflicht, um die Bevölkerung zu schützen?

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sorgte unter der Woche mit einer Aussage zur generellen Impfpflicht gegen das Coronavirus für Aufsehen. „Für eine Impfpflicht wäre ich sehr offen“, sagte der CSU-Chef am Donnerstag nach einem Treffen mit dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) in Ulm. 

Impfen, auch gegen den Willen der Bürger? Das wäre ein schwerer Eingriff in die Grundrechte des Menschen, nämlich in das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Und doch dürfte diese Frage in der Zukunft hochkommen. Aktuell gibt es noch keinen Impfstoff. Doch es wird mit Hochdruck nach einem möglichen Mittel auf der ganzen Welt geforscht. Erst am vergangenen Mittwoch hatte das Paul-Ehrlich-Institut die Zulassung für klinische Studien mit einem möglichen Impfstoff erteilt. Weltweit werden zudem drei weitere Wirkstoffe getestet.

Braucht es eine Corona-Impfpflicht, sobald ein Impfstoff da ist?

Daniel Schreckenberg

Redakteur Politik Pro

Wollen wir Corona-Chaoten noch echte Munition in die Hände geben?

Es ist schon absurd: Da gipfelt jede illegale Corona-Party in diesen dunklen Pandemie-Wochen in einem gigantischen Aufschrei, trotzdem soll nun ernsthaft über kollektiven Böller-Spaß in der Silvesternacht nachgedacht werden. Ein Drittel will sich trotz aller Corona-Schreckensmeldungen nicht davon abbringen lassen. Ich kann es zum Teil sogar verstehen: 2020 gehört wirklich in die Luft gejagt.

Ein Blick auf die Fakten sagt aber, dass das keine gute Idee wäre: Am letzten Tag des Jahres wird getrunken, es wird gefeiert, es wird sich gedrückt und geherzt und am Ende millionenfach Schießpulver in die Luft gejagt. Schon in normalen Jahren endet das mit zahlreichen Verletzten auf den Intensivstationen, dort wo jetzt die Corona-Patienten liegen. Für noch mehr Schwerverletzte ist schlicht kein Platz.

Dazu kommt: Die Polizei hat sonst schon alle Hände voll zu tun, die Feierei in Groß- und Kleinstädten nicht völlig ausufern zu lassen. Sie müsste nun beim kollektiven Böllern dafür sorgen, dass Kontaktbeschränkungen und Abstandsregeln eingehalten werden – und das stellt sie ja jetzt schon vor Probleme. Wie sieht das erst aus, wenn sie einer betrunkenen Meute mit China-Böllern im Anschlag gegenübertritt. Die Frage ist einfach: Wollen wir Corona-Chaoten wirklich echte Munition in die Hände geben?

Nein, natürlich nicht. Statt Feiern und Böllern in der Silvesternacht sollten wir das große Feuerwerk einfach verschieben. Der Erfinder des Mainzer Impfstoffs rechnet damit, dass im Herbst nächsten Jahres 70 Prozent der Deutschen geimpft seien können. Die Herdenimmunität wäre erreicht – und wir hätten einen neuen Feiertag. Wie könnte man den besser begehen als mit einem Feuerwerk?

Sonja Eichert

Volontärin Kontra

Ein Böllerverbot würde sich zum Eigentor entwickeln

Natürlich wäre eine Entlastung des Gesundheitssystems wünschenswert. Aber: Ein Verbot heißt nicht, dass nicht geböllert werden wird. Wenn die letzten Monate eines gezeigt haben, dann, dass sich bestimmte Personengruppen in unserer Gesellschaft nicht um Verbote, Gebote oder die Gesundheit ihrer Mitmenschen scheren.

Ärzteverbände predigen Jahr für Jahr, dass es hauptsächlich zwei Arten von Verletzungen durch Feuerwerk gibt: Zuschauer werden verletzt, weil sie zu wenig Abstand halten, oder es entstehen Verletzungen, weil unsichere, oft illegale Knallkörper verwendet werden. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov geben 64 Prozent der Deutschen an, Silvester weder mit Freunden noch mit der Familie feiern zu wollen.

Große Gruppen und Gedränge wird es also in vielen Fällen nicht geben – das Risiko für Verletzungen der ersten Art wird ohnehin geringer sein als üblich. Wer aber zu denjenigen zählt, der sich „von denen da oben“ nichts verbieten lassen will, gehört erstens vermutlich zu den restlichen 36 Prozent und wird zweitens bei einem Verbot von legalem Feuerwerk auf illegale Böller ausweichen. Die Anzahl der dadurch verursachten, oft schweren Verletzungen könnte also sogar steigen.

Dagegen würden nur strenge Kontrollen helfen – laut Gewerkschaft der Polizei ist das aber personell nicht machbar. Ein Böllerverbot würde sich so zum Eigentor entwickeln. Das kann in Zeiten wie diesen niemand wollen.

Wer hat recht?

Quelle

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