Russland: AKK versucht ihr Unwissen durch die Lautstärke des artikulierten Unsinns kompensieren

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat im Bundestag von der „guten deutschen Tradition“ gesprochen, mit Russland „aus einer Position der Stärke“ heraus zu verhandeln. Medien und Politik in Deutschland haben das nicht kritisiert, in Russland war man tagelang sprachlos. Nun gibt es eine offizielle russische Reaktion, die es in sich hat.

In Deutschland gilt bekanntermaßen, dass die Nazi-Vergangenheit unseres Landes uns eine Lehre sein soll. Wenn ein Politiker Worte und Formulierungen in den Mund nehmen, die irgendein Nazi im Tausendjährigen Reich mal benutzt hat, löst das einen Sturm der Entrüstung aus. So wurde zum Beispiel vor einer Woche Strafanzeige gegen einen Redner der AfD gestellt, weil er eine Rede mit den Worten „Alles für Deutschland“ beendet hat. Das war ein Wahlspruch der SA, weshalb man das nun anscheinend in Deutschland nicht mehr sagen darf.

Bei einer Fragestunde im Bundestag hat AKK am 25. November gesagt, Deutschland solle mit Russland solle aus einer „Position der Stärke“ heraus verhandeln und hinzugefügt:

„Auch das war immer eine gute Tradition deutscher Außenpolitik, und das sollte sie für die Zukunft auch bleiben“

Diese Aussage klingt wie die Rhetorik des Dritten Reiches, denn Hitler hat in den 1930er Jahren seine Aufrüstung damit begründet, dass Deutschland mit seinen Nachbarn aus einer Position der Stärke verhandeln müsse, als es um die Revision des Vertrages von Versailles ging. Hitler und seine Kumpane mögen dabei andere Formulierungen benutzt haben, aber der Sinn war der gleiche. Und es sollte in der heutigen Politik in meinen Augen nicht um wörtliche Zitate, sondern um den Sinn des Gesagten gehen.

Zu was die deutsche „Position der Stärke“ gegenüber Russland im 20. Jahrhundert geführt hat, ist allgemein bekannt. Darunter haben nicht nur Deutschland und Russland gelitten, sondern ganz Europa. Ich kann darin beim besten Willen keine „gute Tradition deutscher Außenpolitik“ erkennen.

Eine gute gute Tradition deutscher Außenpolitik haben Willy Brandt, Helmut Schmidt und Egon Bahr begründet, als sie mit der Sowjetunion die Politik von „Wandel durch Annäherung“ begonnen haben, die Helmut Kohl dann fortgesetzt hat und die – trotz aller ideologischen Differenzen im Kalten Krieg – zu einem Vertrauensverhältnis zwischen der Sowjetunion und Deutschland geführt hat. Gute Außenpolitik sucht Lösungen und Kompromisse. Drohungen, Anschuldigungen oder militärische Aufmärsche an der Grenze eines anderen Landes sind keine gute Außenpolitik.

Das jedoch scheint die Putzfrau aus dem Saarland nicht zu wissen und auch in Sachen deutsche und europäische Geschichte scheint die Dame Wissenslücken zu haben. Und es hat in Politik und Medien niemanden gestört, dass die Dame mit einem Repertoire aufgetreten ist, das wir im Reichstag in dunklen Zeiten der deutschen Geschichte oft gehört haben. Kritik jedenfalls hat ihre Aussage in Deutschland keine hervorgerufen.

Nun hat Russland auf diese Frechheit reagiert. Das russische Außenministerium hat auf Facebook geschrieben:

Das russische Verteidigungsministerium hat die Rede der deutschen Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer im Bundestag kommentiert, in der sie zu Verhandlungen über Abrüstung mit Russland „aus einer Position der Stärke heraus“ aufgerufen und darauf hingewiesen hat, dass „das immer eine gute Position der deutschen Außenpolitik war und es auch in Zukunft bleiben sollte“ (https://dbtg.tv/cvid/7485761).
KOMMENTAR des offiziellen Vertreters des russischen Verteidigungsministeriums, Generalmajor Igor Konaschenkow:
„Wir wollten uns nicht mit einer Antwort beeilen, weil wir gehofft haben, dass vernünftig denkende Politiker in Deutschland eingedenk der Ergebnisse, zu denen solche Aufrufe geführt haben, die Ministerin selbst berichtigen würden.
Leider ist das nicht geschehen.
Deswegen müssen wir feststellen, dass das nicht das erste Mal ist, dass Erklärungen bestimmter Politiker der Bundesrepublik Deutschland in Bezug auf den Aufbau eines Dialogs mit Russland an die Versuche eines Grundschülers erinnern, sein Unwissen zu einem Thema durch die Lautstärke seines artikulierten Unsinns kompensieren.
Frau Annegret Kramp-Karrenbauer bekleidet erst seit Kurzem das Amt der Verteidigungsministerin Deutschlands. Aber wie auch ihre Vorgängerin demonstriert sie die Unfähigkeit, irgendetwas Bedeutendes für die wirkliche Festigung der Sicherheit in Europa vorzuschlagen.
Wir müssen Frau Kramp-Karrenbauer daran erinnern, dass genau die von ihr im Bundestag vorgeschlagene ‚gute Position der deutschen Außenpolitik‘, den Dialog ‚aus einer Position der Stärke heraus‘ zu führen, im 20. Jahrhundert mehrmals zu tragischen Folgen für die ganze Welt, für Deutschland und das deutsche Volk geführt hat.“

Leider scheinen Medien und Politik die Geschichte vergessen zu haben. Das gilt sowohl für die Folgen der „guten Position der deutschen Außenpolitik„, etwas aus einer „Position der Stärke“ tun zu wollen, als auch für die tatsächlich gute Position der deutschen Außenpolitik, einen Wandel durch Annäherung zu suchen.

Kriegstreiberei wird nicht dadurch besser, dass sie von Frauen verkündet wird. Ob jemand dabei eine braune Uniform oder einen Hosenanzug trägt, macht keinen Unterschied – Kriegstreiberei bleibt Kriegstreiberei!

Quelle

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