Ibiza-Affäre: Drahtzieher in Berlin festgenommen – und die Hintermänner?

Staatsaffäre per Video

Von Alexander Wallasch

Eine Villa auf Ibiza, peinliches Gerede auf einem dubiosen Video – fertig war der Skandal, um die Koalition in Wien mit dem FPÖ-Vize-Kanzler Strache zu kippen und den Grünen an´s Ruder zu verhelfen. Jetzt wurde einer der Beteiligten in Berlin festgenommen.

Ist das nun gut für den österreichischen Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache oder muss der jetzt weitere bzw. neue unangenehme Details rund um das Ibiza-Video fürchten? Jedenfalls bestätigt die Berliner Staatsanwaltschaft gerade gegenüber der Bild-Zeitung, dass der mutmaßliche Drahtzieher der illegalen Aufnahmen eines privaten Zusammentreffens zwischen Strache und einer vermeintlichen russischen Oligarchin am Donnerstag in Berlin festgenommen wurde. Es soll sich dabei um den Privatdetektiv Julian H. handeln, der die Villa auf Ibiza nicht nur organisiert, sondern auch verwanzt haben soll.

Die auf diese Weise im Juli 2017 entstandenen Aufnahmen, beziehungsweise Ausschnitte daraus, die 2019 in den Medien veröffentlicht wurden, vermittelten den Eindruck, dass Strache offen sei, von der vermeintlichen Oligarchen-Nichte Geld anzunehmen. Das führte in der Folge zum Bruch der Koalitionsregierung aus ÖVP und FPÖ zwischen Bundeskanzler Sebastian Kurz und seinem Vizekanzler Heinz-Christian Strache. Die FPÖ wurde in der nach einer Interimsregierung und Neuwahlen folgenden Regierung Kurz II durch die österreichischen Grünen ersetzt. Der oft auch misstrauisch aber dennoch vielbeachtete österreichische Sonderweg in Europa war damit beendet. Mehr zum Thema

Jetzt also die Festnahme. Der österreichische Staatsbürger Julian H. wurde im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg verhaftet, nachdem mehr als ein Jahr auch per europäischem Haftbefehl nach ihm gefahndet wurde, wie sein Rechtsanwalt und die Staatsanwaltschaft bestätigen. Die Vorwürfe gegen den Festgenommenen sind noch Verschlussache. Laut Anwalt soll er die meiste Zeit des vergangenen Jahres in Berlin gelebt haben.

Die vielen Ungereimtheiten rund um die Ibiza-Affäre pflanzen sich allerdings nahtlos fort im Zusammenhang mit dieser Verhaftung: Der Anwalt von J.H. berichtete gegenüber dem österreichischen Standard, dass sein Mandant in der Vergangenheit bereits öfter Kontakt mit den Behörden in Deutschland gehabt haben soll. Wohl auch deswegen ist dem Anwalt im Moment noch unklar, warum der Zugriff erfolgte. Noch verworrener wird es insbesondere in dem Zusammenhang, wo der entscheidende Tipp über den Aufenthaltsort von J.H. ausgerechnet von der rumänischen Polizei gekommen sein soll.

Dem Standard gegenüber äußerte sich auch Strache selbst zur Festnahme. „Ich freue mich über die Festnahme nach so langer Zeit und hoffe auf die Aufdeckung der weiteren Mittäter, Auftraggeber und Hintermänner.“ In der Tat dürfte das die bei weitem interessanteste Unbekannte in diesem Fall sein. Nämlich die Frage, wem und aus welchen Gründen daran gelegen haben könnte, die österreichische Kurz-I-Regierung zu stürzen, und damit die vielbeachtete Position von Kurz und Strache auch in der Zuwanderungsfrage zu torpedieren.

Über Julian H. ist nichts Wesentliches zu sagen, außer vielleicht, dass es sich hier um einen notorischen Kriminellen handeln muss, wo zusätzlich zu den Vorwürfen um die illegalen Ton- und Vidoeaufnahmen noch der Handel von knapp drei Kilogramm Kokain in Raum stehen soll.

Und weil diese Ibiza-Affäre in jederlei Hinsicht bemerkenswert ist, steht dennoch auch diese kleine Figur im europäischen Schachspiel im besonderen Fokus des Interesses: Zwar mit europäischem Haftbefehl gesucht, war Julian H. aber schon am 23. Oktober 2020 in einem anderen Verfahren per Video zugeschaltet mit einer Zeugenaussage – der Kontakt kam über seinen deutschen Anwalt Johnny Eisenberg zustande, einem bekannten Anwalt der grünen Szene.

Quelle

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