RKI zu PCR-Tests: Corona-Inzidenz unter 100 nicht erreichbar

ABAKUS; Bild Claudia Hautumm / pixelio.de

Von Tim Sumpf
Methodische Ungenauigkeiten der PCR-Tests führen – auch in nachweislich gesunder, vollständig durchgetesteter Bevölkerung – zu 100 falsch-positiven Ergebnissen pro 100.000 Tests. Dabei gilt laut RKI: Je kleiner die Zahl der tatsächlich Infizierten, desto unzuverlässiger die Testergebnisse.

Aktuell beraten die Ministerpräsidenten über eine Verlängerung und Verschärfung der Ausgangsbeschränkungen. Als Grenzwert soll offenbar eine Inzidenz von 100 Coronafällen pro 100.000 Einwohnern dienen. (Anmerkung der EIKE Redaktion: Der „Inzidenzwert (1)“ wurde am 5.1.20 mit 200 ausgekungelt)

Nicht nur würden derartige Einschränkungen damit „faktisch fast ganz Deutschland betreffen“, wie es aus Länderkreisen heißt. Die Maßnahmen könnten noch dazu nie wieder aufgehoben werden. Denn dieser Wert – so legen Zahlen des RKI nahe – könne selbst von einer nachweislich gesunden, vollständig durchgetesteten Bevölkerung nicht unterschritten werden.

So gibt das RKI zu, auch der beste Corona-Test ist nicht fehlerfrei und liefert falsche Ergebnisse. Dabei steigt die Genauigkeit der Testergebnisse, je mehr Menschen tatsächlich infiziert sind. Andererseits führt dieser Fehler dazu, dass unter 100.000 nachweislich gesunden Menschen 100 falsch-positive Testergebnisse zu erwarten sind. Eine Lockerung der diskutierten Maßnahmen wie Ausgangssperren, Beschränkung des Mobilitätsradius und der Zeit im Freien, wäre daher unmöglich.

Das RKI schreibt:

Effektive Teststrategien stehen im Zentrum der Bekämpfung von SARS-CoV-2. Für den Virusnachweis werden eine Vielzahl von [Tests] angeboten. Diese basieren auf dem Nachweis von viralem Protein in Abstrichen aus den Atemwegen. […] Im Vergleich zu PCR erkennen […] Schnelltests jedoch sowohl infizierte Personen schlechter (niedrigere Sensitivität) als auch nicht-infizierte Personen schlechter (niedrigere Spezifität). […]

Die Aussagekraft […] hängt stark vom Anteil der Infizierten unter den getesteten Personen ab (Prävalenz). Wenn nur wenige der Getesteten tatsächlich infiziert sind, dann ist ein positives Testresultat sehr wahrscheinlich falsch positiv. Wenn unter den Getesteten allerdings viele Personen infiziert sind, dann sind positive Testresultate zuverlässiger.

Auch der kleinste Fehler ist ein Fehler

Entscheidend für die (statistische) Qualität eines Tests sind zwei Größen: Die Sensitivität und die Spezifität. Sucht man mit einem Test in einer Bevölkerung nach einer Erkrankung oder einem Erreger, gibt es zwei Ziele:

  • Der Test sollte zuverlässig alle finden, die wirklich krank sind, also niemanden übersehen – daraus ergibt sich die Sensitivität.
  • Der Test sollte zuverlässig nur die finden, die wirklich krank sind, also bei niemandem positiv ausfallen, der nicht krank/infiziert ist – das ergibt die Spezifität.

Die Sensitivität gibt an, bei wie viel Prozent der Tests das untersuchte Merkmal (COVID-19) korrekt erkannt wird, also ein „richtig-positives“ Testresultat auftritt. Die Spezifität hingegen gibt die Wahrscheinlichkeit an, mit der tatsächlich Gesunde richtigerweise als gesund beziehungsweise „richtig-negativ“ erkannt werden. Je größer diese Werte liegen, desto besser ist der Test. Dennoch übersieht jeder Test mit einer noch so kleinen Fehlerrate einen Teil der tatsächlich Kranken oder Infizierten.

Das heißt, der Test zeigt negative Testergebnisse bei Menschen, die eigentlich hätten positiv ausfallen müssen, sogenannte „falsch-negative Ergebnisse“. Außerdem kann der Test positive Testergebnisse bei Menschen anzeigen, die eigentlich hätten negativ ausfallen müssen, weil diese Menschen nicht krank/infiziert sind, sogenannte „falsch-positive Ergebnisse“.

Antigen- und PCR-Tests: Fehlerquote 0,1 bis 30 Prozent

Das Robert Koch-Institut (RKI) gibt für PCR-Tests „eine Sensitivität und Spezifität von jeweils ca. 99,9 Prozent“ an. Antigen- beziehungsweise Schnelltests erreichen eine Sensitivität von 80 Prozent und eine Spezifität von 98 Prozent. Weiter heißt es: „Diese Werte hängen jedoch stark von weiteren Variablen ab (Testzeitpunkt; Basisrate bzw. Prävalenz der Infektionen innerhalb der Getesteten).“

Eine im April 2020 erfolgte Qualitätskontrolle unter der Leitung von Prof. Zeichhardt vom Institut für Qualitätssicherung in der Virusdiagnostik gab die durchschnittliche Spezifität der PCR-Tests (Untersuchung des Rachenabstrichs auf Coronaviren) mit 99,3 Prozent an. Unabhängig davon bezifferte eine Studie der Johns Hopkins School of Medicine die Sensitivität dieses Testverfahrens unter realen Bedingungen und den Testkriterien in Deutschland auf etwa 70 Prozent.

Außerdem gilt auch für Antigen- und Schnelltests, dass unsachgemäße Anwendung zu Fehlern führen kann. Das hat auch die WHO erkannt und warnt ausdrücklich: PCR-Anwender „sollten Gebrauchsanweisungen sorgfältig lesen“. Je nach Hersteller steht dort, dass der Test für Patienten bestimmt ist, „die Symptome der COVID-­19 aufweisen“. Im Umkehrschluss bedeutet das, PCR-Tests sind nicht für die Untersuchung asymptomatischer Personen vorgesehen. Die angegebenen Fehlerquoten können daher nur für symptomatische Patienten gelten.

Sofern nicht anders angegeben, sollen für die nachfolgende Betrachtung die Daten des RKI Anwendung finden.

19 von 20 „positiv Getesteten“ sind gesund

Aus Sensitivität und Spezifität ergeben sich zwei weitere statistische Größen, die die Genauigkeit der Testergebnisse veranschaulichen. Der positive Vorhersagewert (positive predictive value, PPV) gibt die Wahrscheinlichkeit an, mit der ein positiv erhobenes Testergebnis tatsächlich auf eine COVID-19-Erkrankung hinweist. Der negative Vorhersagewert (NPV) gibt analog die Wahrscheinlichkeit an, mit der ein negatives Testergebnis richtig ist.

Die RKI-Projektgruppe Wissenschaftskommunikation stellt auf ihrer Website einen Corona-Test-Rechner zur Verfügung, der diese beiden statistischen Kenngrößen ermittelt. (Achtung: Die virtuelle Testgruppe besteht aus zehntausend statt einhunderttausend Personen, sodass die täglich veröffentlichten Inzidenz-Werte durch zehn geteilt werden müssen, um ein realistisches Bild zu erhalten.)

Für die vom RKI angegebenen Werte für Sensitivität und Spezifität von je 99,9 Prozent sowie der aktuellen (3. Januar 2021) bundesweiten Corona-Inzidenz von 140 Fällen pro 100.000 Einwohnern – vorausgesetzt alle gemeldeten Fälle (0,14 Prozent der Bevölkerung) sind tatsächlich infiziert – ergibt sich ein PPV von 58,2 Prozent. Das heißt, 58 Prozent der positiven Tests liegt tatsächlich eine Corona-Infektion zugrunde. Gleichzeitig bedeutet dieser Wert jedoch auch, dass 42 Prozent oder etwa jedes zweite positive Testergebnis falsch ist.

Mit den Werten von Prof. Zeichhardt und der Johns Hopkins School of Medicine sinkt der PPV für PCR-Tests auf 12,5 Prozent oder „nur jeder Achte Positive ist infiziert“. Ein Antigen- (Schnell-) Test zeigt unter Annahme der RKI-Werte nur in 5,2 Prozent der Fälle ein richtig positives Ergebnis an. Das heißt, 19 von 20 positiv Getesteten sind gesund.

Corona-Inzidenz unter 100 mit PCR-Tests nicht erreichbar

Für den niedersächsischen Landkreis Leer registrierte das RKI am 3. Januar 31 Corona-Positive pro 100.000 Einwohner (7-Tage-Inzidenz). Wiederum unter der Voraussetzung, dass alle Positiven tatsächlich infiziert sind, ergibt sich dort ein PPV (für PCR-Tests) von 23,1 Prozent. Das heißt: Nur einer von vier positiv Getesteten ist tatsächlich infiziert. Der Schnelltest-PPV liegt bei unter einem Prozent.

Im sächsischen Vogtlandkreis betrug die 7-Tage-Inzidenz 745,6. Der dazugehörige PPV liegt bei 88,2 Prozent: Acht von neun PCR-Positiven sind tatsächlich infiziert. Der PPV für Schnelltests liegt unter diesen Umständen bei 23,2 Prozent.

Steigt die Prävalenz – die Zahl der tatsächlich Infizierten –, steigt auch die Genauigkeit der Tests. Andererseits zeigt auch ein 99,9-Prozent zuverlässiger Test 0,1 Prozent Fehler an. Bei einer vollständig Corona-verseuchten Bevölkerungsgruppe von 100.000 Personen sind immer noch 100 falsch-negative Testergebnisse zu erwarten – und in einer nachweislich gesunden Bevölkerung 100 falsch-positive Ergebnisse und damit eine Corona-Inzidenz von 100. Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben. Der Beitrag erschien zuerst bei Epoch Times hierZitat aus einem Artikel bei Jouwatch Quelle hierGegenüber „Bild“ äußerte sich jetzt der Hygiene-Experte Professor Klaus-Dieter Zastrow mit bislang ungekannter Offenheit über den absurden Mumpitz, den „Inzidenzwert“ als Maßstab zu nehmen: „Die Inzidenz, die Zahlen, die da immer genannt worden sind – die sind gewürfelt, tut mir leid. Da gibt‘s keine wissenschaftliche Basis für, gar nichts! Also irgendeiner hat da gewürfelt und die Politik hat‘s dann eben übernommen.“

Quelle

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