Erstürmung des Kapitols: Wie die Medien einen Putschversuch konstruieren

Die Medien sprechen inzwischen einhellig von einem Putschversuch Trumps, wenn sie über die Ereignisse der Nacht vom 6. auf den 7. Januar berichten. Was sie dabei alles weglassen, damit das gewollte Bild entsteht, zeigt der Spiegel exemplarisch auf.

Ich habe in meinem Artikel über die Ereignisse der Nacht vom 6. auf den 7. Januar schon aufgezeigt, dass es sich dabei keineswegs um einen Putsch von Trump gehandelt haben kann, denn er hat seine Anhänger zur Ruhe aufgefordert und ihnen gesagt, sie sollten „friedlich nach Hause gehen.“ Außerdem hat Trump selbst die Nationalgarde in Marsch gesetzt, um das Kapitol schützen. Die Details finden Sie hier, aber leider nicht bei „Qualitätsmedien“ wie dem ehemaligen Nachrichtenmagazin Spiegel. Wie ich nun aufzeigen werde, wird dort offen gelogen und alles weggelassen, was nicht in das gewollte Bild von Trump dem Putschisten passt.

Was die Medien verheimlichen

Wie gesagt hat Trump seine Anhänger per Videoansprache aufgefordert, friedlich nach Hause zu gehen und die Erstürmung des Kapitols zu beenden. Das Video hat er auf Facebook und Twitter veröffentlicht, die es umgehend nicht nur gelöscht haben, sie haben danach auf gleich seine Accounts für 12, bzw. 24 Stunden gesperrt, damit er nichts mehr posten kann. US-Fernsehsender haben seinen Appell gar nicht gezeigt. So lässt sich die Lüge aufrecht erhalten, Trump habe einen Putschversuch durchgeführt. Bitte schauen Sie sich dieses Video an und machen Sie sich ein eigenes Bild von dem, was Trump gesagt hat, denn das ist ein entscheidender Punkt.Trump an seine Anhänger nach Kapitol-Erstürmung: „Geht nach Hause!“

Darüber berichten die Medien nicht oder sie berichten unwahr. Besonders interessant hat der Spiegel das gelöst. In einem Artikel aus der Nacht, der um kurz vor 5 Uhr morgens im Spiegel-Ressort „Ausland“ erschienen ist, hat der Spiegel über Trumps Aufruf an die Demonstranten, friedlich nach Hause zu gehen, berichtet. Der Artikel ist noch online, aber weder im Ressort „Ausland“, noch bei einer Suche im Spiegel-Archiv unter dem Suchbegriff „Biden“ kann ich den Artikel derzeit finden. Der Spiegel hat den Artikel versteckt und wer seine exakte Internetadresse nicht kennt, der kann ihn auf der Seite des Spiegel nicht finden. Spiegel-Leser sollen von Trumps Deeskalation nichts erfahren.

Da ich nicht weiß, ob der Spiegel den Artikel wieder „sichtbar“ schaltet, habe ich das heute bei der Aufzeichnung der neuen Tacheles-Sendung vorgeführt, sodass es jeder sehen kann, auch wenn der Spiegel das später wieder ändern sollte. Die Tacheles-Sendung finden Sie hier, der entsprechende Teil beginnt bei Minute 46 und dauert nur zwei Minuten. Nachtrag:Ein Leser hat mich darauf hingewiesen, dass der Artikel doch zu finden ist, allerdings unter einer anderen Uhrzeit: Im Artikel wird angezeigt, er wäre am 7. Januar 4.53 Uhr veröffentlicht worden, in der Liste des Ressorts „Ausland“ steht er jedoch mit Veröffentlichungsdatum 6. Januar 23.17 Uhr)

Wie der Spiegel lügt

Alle Internetkonzerne, nicht nur Facebook und Twitter, haben Trumps Kanäle inzwischen gesperrt und da die Medien ihm keine Plattform geben, ist er von der Kommunikation mit seinen Anhängern (und Gegnern) abgeschnitten. Der Spiegel findet das natürlich völlig in Ordnung und hat darüber einen Artikel mit der Überschrift „Trump und die sozialen Medien – »An euren Händen klebt Blut«“ veröffentlicht. Blutrünstig ist dabei anscheinend vor allem der Spiegel, denn ursprünglich lautete die Überschrift „Donald Trump – Einen halben Tag Twitter-Sperre nach vier Jahren Zaudern.“ Das war dem Spiegel wohl zu wenig reißerisch, also musste eben in die Überschrift, dass Blut an den Händen klebt.

In dem Artikel tobt sich der Spiegel erst einmal lang und breit darüber aus, wie schlimm Trumps Posts in sozialen Netzwerken, vor allem auf Twitter, waren und dass es eigentlich längst überfällig wäre, Trump endgültig zu sperren. Dann endlich, am Ende des Artikels und nachdem die Spiegel-Leser ausführlich erklärt bekommen haben, warum Trump eigentlich längst blockiert sein müsste, kam der Spiegel auf das oben verlinkte Video zu sprechen, das Sie hoffentlich angeschaut haben. Urteilen Sie selbst, wie wahrheitsgemäß der Spiegel über das Video berichtet:

„Als Donald Trump am Mittwoch ein vermeintliches Beschwichtigungsvideo für seine Anhänger auf der Plattform hochlud, stellte Twitter binnen Minuten den Hinweis dazu, der darin von ihm aufrechterhaltene Vorwurf des Wahlbetrugs werde angefochten. »Aufgrund einer Gewaltgefahr« könne der Tweet weder geliket noch retweetet oder kommentiert werden, hieß es außerdem. Social Media war für Trump zu diesem Zeitpunkt noch erlaubt, aber ohne das Social.
Bald darauf entschied sich Twitter dann, Trumps Account zu sperren und das Video zu blockieren, wie auch zwei andere aktuelle Trump-Postings.
Auch Facebook und YouTube haben die Videobotschaft des Präsidenten mittlerweile offline genommen. YouTube verwies laut »Engadget« auf seine Regeln zu Postings rund um die US-Wahl. Facebook-Manager Guy Rosen teilte mit, Facebook habe das Video entfernt, weil man der Überzeugung sei, dass es das Risiko anhaltender Gewalt eher fördere als mindere.“

Das einzige, was meiner Meinung nach gegen die Richtlinien der sozialen Netzwerke verstößt, mit denen sie ihre Zensurmaßnahmen begründen, ist die Tatsache, dass Trump auch in diesem Video die Wahlniederlage nicht eingesteht. Ansonsten fordert er seine Anhänger aber mehrmals und eindringlich auf, friedlich nach Hause zu gehen und verweist darauf, dass er und seine Partei für Recht und Ordnung stehen und nicht für Chaos und Unruhe. Der Spiegel-Leser kann das aber nicht beurteilen, denn der Spiegel hat das Video nicht verlinkt, sondern zeigt nur einen Screenshot des gelöschten Tweets mit dem Video.

Außerdem kommt der Spiegel in dem Artikel auch auf den Streit zwischen Trump und Twitter zu sprechen, der lange die Schlagzeilen beherrscht hat:

„Trotz solcher Regeln begann im vergangenen Mai zuerst Twitter, Trumps langjährige Lieblingsplattform, einige Tweets des Präsidenten mit Faktencheck-Hinweisen zu versehen. Trump ärgerte das, er reagierte darauf unter anderem mit der Forderung, die US-Haftungsregeln für Plattformen müssten dringend überarbeitet werden – natürlich in seinem Sinne.“

Mehr erfährt der Spiegel-Leser über den Streit nicht. Ich habe ausführlich darüber berichtet, die Details finden Sie hier. Kurz gesagt geht es dabei um folgendes: Medien müssen für ihre Inhalten haften, soziale Netzwerke nicht. Die berufen sich darauf, dass bei ihnen die User Beiträge veröffentlichen und dass sie selbst keine Medien, sondern nur Plattformen sind. Das würde stimmen, aber sobald die sozialen Netzwerke mit Hilfe von Zensur, Sperrungen und Reduzierung der Reichweite eingreifen, führen sie eben doch eine redaktionelle Tätigkeit durch und dafür müssten sie auch haftbar gemacht werden können.

Das jedenfalls mein Trump und ich bin da seiner Meinung. Aber der Spiegel-Leser hat dazu keine Meinung, denn er hat von diesen Feinheiten ja nie etwas gehört, im Spiegel steht einfach nur zu lesen, Trump wolle die Regeln „natürlich in seinem Sinne“ überarbeiten.

Was woanders gut ist, ist zu Hause schlecht

Nun echauffieren sich reihenweise westliche Politiker über die Erstürmung des Kapitols. Der Spiegel zitiert zum Beispiel den deutschen Bundespräsidenten Steinmeier so:

„Bei einer Ansprache in Berlin bezeichnete Steinmeier die Eindringlinge als »bewaffneten Mob, aufgestachelt von einem amtierenden Präsidenten«. (…) Der friedliche Machtwechsel nach demokratischen Wahlen sei ein Grundstein der Demokratie, sagte Steinmeier.“

Da würde ich Steinmeier gerne an den Maidan erinnern, denn damals war er deutscher Außenminister und er hat beim Maidan eine wichtige Rolle gespielt. Damals fand er die Erstürmung von Parlamenten nicht schlimm, im Gegenteil. Als nach dem Maidan in der Rada über die Absetzung von Janukowitsch und der Einsetzung der neuen Regierung abgestimmt wurde, geschah das unter den Augen von bewaffneten Kräften des Maidan, dem Rechten Sektor. Deren schwer bewaffnete und maskierte Schergen standen im Sitzungssaal und überwachten, dass auch in ihrem Sinne abgestimmt wurde. Steinmeier hatte daran aber nie etwas auszusetzen, er fand das in Ordnung. Auch Neuwahlen, denen Präsident Janukowitsch zugestimmt hatte, wollte Steinmeier nicht abwarten, ein „friedlicher Machtwechsel nach demokratischen Wahlen“ war ihm damals nicht so wichtig.

Und auch Bundesaußenkasper Heiko Maas hat sich im Spiegel in einem Gastbeitrag geäußert. Und während er Proteste vor Regierungsgebäuden und einen von der Straße erzwungenen Machtwechsel in Weißrussland ganz toll findet, findet er so etwas in den USA doof:

„Ja, Demokratie lebt vom Widerspruch, auch vom Streit. Doch sie stirbt, wenn rohe Gewalt den anderen mundtot macht, wenn blanker Hass alle Grenzen von Anstand und Respekt sprengt.“

In Weißrussland unterstützt Maas aber genau die, die andere mundtot machen wollen und nicht Lukaschenko, der alle Kräfte zur Zusammenarbeit einer neuen Verfassung eingeladen hat.

Weißrussland oder Venezuela fallen einem auch ein, wenn man Merkels Kommentar liest:

„Eine Grundregel der Demokratie ist: Nach Wahlen gibt es Gewinner und Verlierer. Beide haben ihre Rolle mit Anstand und Verantwortungsbewusstsein zu spielen, damit die Demokratie selbst Sieger bleibt.“

Die Wahlen in Weißrussland und Venezuela hat Merkel nicht anerkannt, weil ihr die Ergebnisse nicht gefallen haben. Wer nun einwendet, dass diese Wahlen gefälscht gewesen seien, dem muss ich entgegnen: Das kann natürlich sein, aber die Europäer haben es in beiden Ländern (siehe hier und hier) trotz ausdrücklicher Einladungen der Regierungen abgelehnt, Wahlbeobachter zu schicken, die dann in Berichten detailliert die Missstände hätten aufzeigen können. Wer Wahlfälschung unterstellt, der sollte das aufgrund von Fakten tun und dazu sind Wahlbeobachter das ideale Mittel.

Die Liste der Reaktionen ließe sich praktisch unbegrenzt fortsetzen und sie alle haben eines gemeinsam: Wenn Protestler in Ländern, deren Regierungen westlichen Politikern nicht gefallen, Parlamente stürmen, freut das die westlichen Politiker, wenn es aber im Westen passiert, sind es plötzlich keine „Aktivisten“ mehr, sondern ein „wilder Mob.“

In meinen Augen sollte hier nicht mit zweierlei Maß gemessen werden. Aber das versteht man im Westen nicht, denn wir sind ja die Guten…

Quelle

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