Gibt es im Westen Propaganda? Die Erstürmung des Kapitols und die Medien – “Mob” oder “Protestler”?

Eine Analyse der US-Medienberichte über die Erstürmung des Kapitols zeigt unfreiwillig auf, wie sehr Propaganda Bestandteil der westlichen “Medienberichterstattung” ist. Die amerikanische Analyse zeigt (ungewollt) das sehr beeindruckend und bedrückend auf.

Propaganda ist per Definition der Versuch, die öffentliche Meinung zu beeinflussen und zu lenken. Die Stilmittel dafür sind vielfältig. Die Nazis waren im Vergleich zu heutigen Propagandisten noch Anfänger, denn sie nannten ihre Propaganda auch ganz offen “Propaganda” und sie war nicht subtil, sondern kam mit dem Holzhammer. Sicher, sie haben die Propaganda ihren Möglichkeiten entsprechend zur Perfektion gebracht, waren begnadete Redner, die viel von der Dramaturgie verstanden, die Massenveranstaltungen noch beeindruckender machen, aber die Menschen wussten, dass es Propaganda war. Dabei wirkt Propaganda erst dann wirklich effektiv, wenn die Menschen gar nicht bemerken, dass sie Propaganda ausgesetzt sind.

Daher noch einmal zur Definition von Propaganda. Wer nach der Definition von Propaganda sucht, der findet immer die gleiche Definition, die bei Wikipedia zum Beispiel so klingt:

“Propaganda (von lateinisch propagare ‚ weiter ausbreiten, ausbreiten, verbreiten‘) bezeichnet in seiner modernen Bedeutung die zielgerichteten Versuche, politische Meinungen oder öffentliche Sichtweisen zu formen, Erkenntnisse zu manipulieren und das Verhalten in eine vom Propagandisten oder Herrscher erwünschte Richtung zu steuern. Die verschiedenen Seiten einer Thematik nicht darzulegen sowie die Vermischung von Information und Meinung charakterisieren dabei die Propagandatechniken. Dies steht im Gegensatz zu pluralistischen und kritischen Sichtweisen, welche durch unterschiedliche Erfahrungen, Beobachtungen und Bewertungen sowie einen rationalen Diskurs geformt werden.”

Die wichtigsten Techniken der Propaganda sind in unserer Zeit nach meiner Beobachtung:

  • Ständige Wiederholung der Feindbilder mit immer neuen (nicht unbedingt wahren) Vorwürfen
  • Weglassen von Informationen (Stichwort “Lückenpresse”)
  • Nutzung von suggestiven Formulierungen, auch in vorgeblich neutralen Berichten über Ereignisse (Vermischung von Nachricht und Kommentar)

Die ersten zwei Techniken können wir hier schnell abarbeiten, denn in diesem Artikel soll es vor allem um den dritten Punkt gehen.

“Ständige Wiederholung prägt” sagt man und damit ist der erste Punkt erklärt: Es reicht aus, wenn die Medien nur täglich wiederholen, dass zum Beispiel Putin böse oder dass Corona gefährlich ist, damit die Menschen es glauben. Das muss nicht der Wahrheit entsprechen, wichtig ist nur, dass die Menschen täglich hören, dass viele Quellen, Experten und Prominente dieser Meiung sind, damit die Menschen unterbewusst den Eindruck bekommen, dass es ja stimmen muss, wenn alle es sagen.

Ein schönes Beispiel dafür war ein Freund von mir, der den Mainstream-Medien glaubt. Als seinerzeit begonnen wurde, Greta zu hypen, war er eine längere Zeit nicht in Deutschland und damit dem Medienhype nicht ausgesetzt. Als ich damals mit ihm gesprochen habe, fand er die Greta-Bewegung lächerlich. Nachdem er nach Deutschland zurückgekehrt (also wieder dem medialen Dauerfeuer ausgesetzt) war und wir einige Wochen später telefoniert haben, da fand er die Fridays for Future plötzlich wichtig und richtig.

Über “Lückenpresse” müssen wir auch nicht lange reden. Es ist offensichtlich, dass die Medien gerne alles weglassen, was nicht in das gewollte Narrativ passt (siehe zum Beispiel all die Enthüllungen über Joe Bidens Korruption oder über seinen Sohn Hunter, die in der Endphase des US-Wahlkampfes bekannt geworden sind). Und was die Menschen nicht erfahren, darüber können sie nicht diskutieren und nicht einmal nachdenken. Ich weise immer wieder darauf hin, dass ich “Lückenpresse” viel gefährlicher finde, als “Lügenpresse”, denn eine Lüge kann der Leser entdecken, aber was er nicht weiß, kann ihn auch nicht nachdenklich machen.

Die dritte Technik ist jedoch die vielleicht gefährlichste, denn man liest eine Nachricht über ein Ereignis und ohne es zu bemerken, wird man unterbewusst durch suggestive Formulierungen beeinflusst. So waren zum Beispiel Menschen, die 2014 in der Ukraine (oder vorher im arabischen Frühling) Parlamente gestürmt haben, für die Medien “Aktivisten” oder “Kämpfer für die Demokratie.” Als das gleiche danach im Donbass passierte (bevor der Krieg dort ausgebrochen ist), war das plötzlich ein “pro-russischer Mob.” Geschehen ist dabei exakt das gleiche (nämlich die Erstürmung von Parlamenten oder anderen Regierungsgebäuden), aber die Bezeichnungen waren entgegensetzt. Sie wurden nach politischer Präferenz gewählt und die Leser wurden so unterbewusst beeinflusst, weil diese wertenden Formulierungen vorgegeben haben, was man denken soll und wer die Guten und wer die Bösen waren.

Das gleiche haben wir nun wieder bei der Erstürmung des Kapitols in Washington erlebt. Als vor einigen Monaten BLM-Aktivisten versucht haben, das Weiße Haus zu stürmen (darüber wurde in Deutschland kaum berichtet), da musste Trump zur Sicherheit in den unterirdischen Bunker des Weißen Hauses evakuiert werden. Aber danach haben die “Qualitätsmedien” nicht von einem Mob oder von Terroristen gesprochen und niemand wurde auf die Fahndungsliste gesetzt.

Als aber am 6. Januar pro-Trump-Demonstranten ins Kapitol eingedrungen sind, da war es plötzlich ein “Mob”, es waren “Terroristen” und das FBI hat mit Bildern der Überwachungskameras Fahndungsfotos erstellt und auf die Identifizierung eines jeden einzelnen mindestens 2.000 Dollar Belohnung ausgesetzt.

Übrigens ist die Erstürmung des Kapitols auch ein Beispiel für “Lückenpresse”, denn die Berichte, dass die Kapitol-Polizei Tage vorher gewarnt worden ist, aber die Bewachung des Kapitols trotzdem nicht verstärkt hat, wurden nicht nur in Deutschland weitgehend verschwiegen. Dabei wäre es die Aufgabe kritischer Medien, zu hinterfragen, wie es sein kann, dass nur so wenige Polizisten das Gebäude geschützt haben, obwohl es massive Warnungen gegeben hat. War das Inkompetenz? Oder hat man die Erstürmung bewusst zugelassen, um einen Vorwand für das neue Amtsenthebungsverfahren gegen Trump zu bekommen?

Das ist spekulativ, aber es müsste aufgeklärt werden und es wäre die Aufgabe von kritischen Medien, diese Fragen zu stellen und Aufklärung zu fordern. Aber nichts dergleichen, die “Qualitätsmedien” machen sich unkritisch die Propaganda von Joe Biden und seinen Unterstützern zu eigen.

Es ist also offensichtlich, dass die westlichen Medien Propaganda betreiben, bestreiten kann man das nicht, wenn man objektiv ist, denn für die exakt gleichen Vorfälle werden komplett unterschiedliche Formulierungen verwendet, damit die Leser und Zuschauer auch wissen, wie sie über einen Vorfall zu denken haben. Und alles, was nicht uns gewollte Bild passt, wird weggelassen. Diese (unterschwellige) Beeinflussung der öffentlichen Meinung (also Propaganda) ist deshalb so gefährlich, weil die Menschen nicht einmal bemerken, wie sehr ihre Meinung gelenkt wird, obwohl es so offensichtlich ist.

Mir fällt das immer besonders deutlich auf, denn in Russland, wo ich lebe, werden diese Propagandatechniken von den Medien nicht benutzt. In Russland benutzen die Medien für die gleichen Dinge auch die gleichen Ausdrücke. Das kann jeder überprüfen, denn ich übersetze viele Berichte der russischen Medien. Dort ist nie die Rede von einem “Mob”, sondern es sind “Demonstranten” oder “Protestler”, egal wofür oder wogegen sie demonstrieren. Das gilt auch bei Anti-Putin-Demonstrationen, es wird in russischen Medien auch dabei nie von einem “Mob” gesprochen, sondern von “Demonstranten”.

Im Zusammenhang mit BLM war in russischen Medien manchmal auch von “Plünderern” die Rede, aber die Bilder und Videos, in denen dieser Ausdruck benutzt wurde, zeigten auch, wie im Zuge der BLM-Proteste Geschäfte im großen Stil geplündert wurden, die Bezeichnung war also objektiv korrekt. Und wenn das russische Fernsehen in Syrien von “Islamisten” oder “Terroristen” spricht, dann nur im Zusammenhang mit Gruppen, die von der UNO offiziell als Terrorgruppen eingestuft werden.

Das soll jetzt kein Lobgesang auf russische Medien sein, ich will nur aufzeigen, dass mir, der ich in Russland lebe, die Propaganda der westlichen Medien auch deshalb so sehr ins Auge springt, weil ich sie in der Form in Russland nicht erlebe. Der Unterschied wird dadurch besonders deutlich.

Russische Medien bauen keine Feindbilder auf, wie das Beispiel Ukraine zeigt. Während in der Ukraine gegen alles russische gehetzt und russische Medien und sogar die russische Sprache selbst verboten wird, kritisieren die russischen Medien zwar die ukrainische Regierung und ihre Politik sehr deutlich, trennen aber strikt zwischen der Regierung und den Menschen im Land, wie Sie leicht überprüfen können, indem Sie sich einen beliebigen Beitrag des russischen Fernsehens zum Thema Ukraine anschauen, von denen ich sehr viele übersetzt habe.

Westliche Medien bauen hingegen gezielt Feindbilder auf und benutzen Worte, die Hass schüren. Einen “Mob” kann man hassen, bei “Demonstranten” wird das schwieriger.

Ein Freund hat mir eine Analyse geschickt, in der überprüft wurde, wie oft die US-Medien welche Bezeichnungen für die Demonstranten benutzt haben, die das Kapitol gestürmt haben. Man sieht in der Analyse, dass US-Mainstream-Medien wie CNN und so weiter meistens von einem “Mob” oder von “Randalierern” (“Rioters”) gesprochen haben, während Breitbart und Epoche Times von “Protestlern” gesprochen haben.

Der Freund, der mir das geschickt hat, ist ein “Mainstream-Gläubiger” und er fand den Unterschied in der Berichterstattung der US-Medien interessant. Ich hingegen finde es interessant, dass diese Propaganda-Begriffe im westlichen Mainstream so häufig verwendet werden, dass man darüber Statistiken führen kann. Das zeigt in meinen Augen, dass Propaganda in westlichen Medien Alltag ist, dass die Medien also ihren Lesern und Zuschauern permanent durch ausgewählte Bezeichnungen eine vorgefasste Meinung in die Köpfe hämmern.

Mein Freund fragte mich danach, ob es eine solche Statistik auch für russische Medienberichte gibt. Das weiß ich nicht, ich habe keine gefunden, aber da ich die russischen Mainstream-Medien verfolge, habe ich den Eindruck, dass es schwierig wird, eine solche Statistik zu führen, weil diese Begriffe nicht benutzt werden. Einzig die Formulierung, “eine Menge” habe das Kapitol gestürmt, habe ich gefunden, aber auch hier war das – im Gegensatz zu “Mob” – eine neutrale Formulierung, denn es war ja nun einmal eine “Menge”, also viele Menschen.

Wer der Meinung ist, es gäbe im Westen keine Propaganda mehr, weil dort ja freie, kritische, objektive und unabhängige Medien berichten, der müsste jetzt nachdenklich werden. Unser Alltag zeigt, dass die Menschen zu allen Themen sehr unterschiedliche Meinungen haben. Wenn aber alle Mainstream-Medien zu bestimmten Themen (z. B. Trump, Putin, Klima, Corona, Nato, EU, etc.) alle die gleiche Meinung haben, während wir gleichzeitig erleben, dass es durchaus viele Menschen mit anderen Meinungen gibt, dann ist offensichtlich, dass die “Qualitätsmedien” einseitig berichten, denn die Vielfalt der Meinungen in der Bevölkerung wird nicht abgebildet, stattdessen werden Andersdenkende als “Verschwörungsideologen”, “Demokratiefeinde” und so weiter diffamiert.

Das ist bedenklich, wie jeder geschichtlich Interessierte schnell bemerken muss. Jede Zeit und jedes Regime hatte und hat seine Kampfbegriffe für politische Gegner. Bei den Nazis waren sie “Volksfeinde” und “Wehrkraftzersetzer”, bei den Kommunisten der DDR waren sie “Konterrevolutionäre” und “Republikfeinde” und heute sind es eben “Verschwörungsideologen” und “Demokratiefeinde”.

Aber wenn von allen Mainstream-Medien einheitlich die gleichen Kampfbegriffe verwendet werden, dann findet keine Berichterstattung mehr statt, dann findet Propaganda statt. In einer Demokratie erträgt man unterschiedliche Meinungen und diskutiert sie sachlich, anstatt mit Diffamierungen zu arbeiten und so Feindbilder zu schaffen. Wo innerhalb einer Gesellschaft Feindbilder geschaffen werden, wird das Prinzip “Teile und Hersche” angewendet, das aus Sicht der Herrschenden gut funktioniert, aber mit Demokratie nichts zu tun hat.

Was das über den Zustand der selbsternannten “westlichen Demokratien” aussagt, kann sich jeder selbst überlegen.

Nachwort: Kritisch muss ich anmerken, dass auch ich Nachricht und Kommentar nicht immer klar trenne, darin folge ich leider dem schlechten Beispiel der Mainstreammedien, wenn ich zum Beispiel Formulierungen wie “Friday Hüpfer” oder “Bundesaußenkasper Maas” benutze. Ich bin eben auch nur ein Mensch, aber immerhin bemühe ich mich, nicht keine subtilen und suggestiven Formulierungen zu benutzen, sondern versuche immer, für das gleiche auch die gleichen Begriffe zu verwenden.

Quelle

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