Wer Söder wählt, bekommt Habeck, wer CDU wählt, bekommt die Grünen

Von Klaus-Rüdiger Mai

CSU-Chef Söder bekennt sich offen zu einer schwarz-grünen Koalition. Warum nicht gleich ein Vereinigungsparteitag? Schließlich kann man Söder nicht mehr von Robert Habeck unterscheiden und Angela Merkel wirkt ohnehin wie Annalena Baerbocks ältere Schwester.

IMAGO / Sven Simon

Es scheint, dass Markus Söder auf dem „buntgeschmückten Narrenschiff Utopia“ (Franz-Josef Strauß) der Grünen angeheuert hat, nicht als „Faschingskommandant“, sondern als Matrose. Der CSU-Chef hat sich gegenüber dem Magazin Stern eindeutig für eine schwarz-grüne Koalition nach der Bundestagswahl ausgesprochen. Bisher hörte man von der CSU immer, dass die Partei für ein gutes Wahlergebnis kämpft und über Koalitionen erst nach der Wahl nachgedacht werde. Doch solange hält es Markus Söder nicht mehr aus. Dem Stern sagte er über die von ihm angestrebte Koalition: „Es wäre ein spannendes Zukunftsteam, das Inspiration bieten könnte, weil es die ganz große Frage unserer Zeit in den Blick nimmt: die Versöhnung von Ökonomie und Ökologie“. 

Natürlich ist es inzwischen keine Überraschung mehr, dass, wie Söder einschätzt, Grüne und CDU/CSU „nah dran an einer solchen Kooperation“ sind, denn die Regierung Merkel verwandelt sich seit geraumer Zeit zum verlässlichen Exekutor grüner Politik. Wer sich zum wohlstandsvernichtenden Ideologem der Grünen vom Widerspruch von Ökonomie und Ökologie, die deshalb durch grüne Magie „versöhnt“ werden müsste, bekehren lässt, hat sich längst von einer realistischen Wirtschaftspolitik verabschiedet. Er gewinnt auch dadurch nicht an Aufmerksamkeit, wenn er vor lauter eingebildeter Erderwärmung beständig von einem Bein auf das andere hüpft, weil er meint, dass der Boden unter seinen Füßen zu heiß geworden sei.

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Im Grunde ist eine Koalition zwischen CDU/CSU und den Grünen überflüssig, ein simpler Vereinigungsparteitag tut es doch auch. Schließlich kann man inzwischen Markus Söder nicht mehr von Robert Habeck unterscheiden und Angela Merkel wirkt ohnehin wie Annalena Baerbocks ältere Schwester. 

Neu ist das alles nicht. Doch hat Markus Söder noch einmal dem Bürger für die Bundestagswahl mit dem auf den Weg gegeben: Wer den grünen Gesellschaftsumbau will, kann auch CDU/CSU wählen. Böse Zungen behaupten, dass Schwarz-Grün des deutschen Biedermeiers liebste Koalition sei, denn wer wollte nicht grün und fortschrittlich sein und deshalb die Grünen wählen, wenn die CDU nur mit an Bord wäre, damit der Fortschritt nicht allzu abrupt kommt, und die grünen Ideen etwas eingehegt werden würden. Wasche mir den Pelz, doch mache mich nicht nass, lautete von jeher die Maxime des deutschen juste milieus. 

Doch diese Wähler irren sich. Die CDU und auch die CSU würden die Grünen mitnichten einhegen – sie erfüllen ihnen doch jetzt schon alle Wünsche. 

Der Wähler jedenfalls dankt für Söders Offenheit. 

Quelle

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