Impftermine: So gefragt wie ein Popstar

Das Land hat mit der Vergabe von Impfterminen den Veranstaltungsdienstleister Eventim beauftragt – für den ist es ein neues Geschäftsfeld.

von Constantin Gill

Als bei vielen älteren Menschen der Frust einsetzte, hatte die Technik ihre Bewährungsprobe bestanden. Denn das elektronische Terminvergabe-System für die Corona-Schutzimpfung ist darauf ausgelegt, viele Termine gleichzeitig zu vergeben – und dabei nicht zusammenzubrechen. Nur sorgte eben die geringe Menge an Impfstoff dafür, dass nicht genügend Termine verfügbar waren. Das Gesundheitsministerium hat mit der Terminvergabe den Dienstleister Eventim beauftragt. „Innerhalb von einer Minute waren mehr als 4.000 Termine in Warenkörben reserviert. In der Spitze des Anmeldeverfahrens gab es laut Eventim bis zu 3.225 Klicks pro Sekunde.“

Das sei vergleichbar mit dem Ticketverkaufsstart der Tournee eines internationalen Popstars. „Das hat das System technisch problemlos bewältigt, auch wenn es aufgrund des knappen Impfstoffes viele enttäuschte Nutzer gab, da sie keinen Termin mehr bekamen.“ Schleswig-Holstein ist bisher das einzige Bundesland, das diesen Weg geht. Eventim ist aber mit weiteren Ländern im Gespräch.

Land entschied sich bewusst für privaten Anbieter

Was Schleswig-Holstein für den Service zahlt, ist unklar. Die Kosten seien „abhängig von der Inanspruchnahme, also dem Anrufaufkommen sowie der Anzahl der Online-Buchungen“, heißt es dazu nur. Bewusst hat sich das Gesundheitsministerium gegen das vorhandene System der Kassenärztlichen Vereinigung „KV digital“ entschieden. Denn es bot nicht die Möglichkeit, den Erst- und Zweittermin für die Impfung gleichzeitig zu buchen. Bei Eventim war das möglich.

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„Dazu kommt die Möglichkeit, dass auf Wunsch der Termin statt am Wohnort auch am Arbeitsort kreisübergreifend gebucht werden kann. Auch wird sichergestellt, dass Erst- und Zweittermin für dasselbe Impfzentrum gebucht wird. Auch die Möglichkeit eine telefonische und eine Onlinebuchung miteinander zu kombinieren war ein Kriterium.“ Sprecher des Gesundheitsministeriums

Eventim sieht neue Marktchancen durch das Impfen

Eventim kam als Anbieter auf das Gesundheitsministerium zu – und wurde im Rahmen eines Vergabeverfahrens über die GMSH (Gebäudemanagement Schleswig-Holstein) ausgewählt. Für den Dienstleister ist das Thema Impfen ein Weg, in der Krise neue Geschäftsfelder zu finden. Denn Corona legt die Veranstaltungsbranche lahm.

„Für uns ist es wichtig, als Unternehmen einen Beitrag zu leisten, dass wir alle aus dieser Krise baldmöglichst wieder herauskommen. Zugleich entwickeln wir uns auch unter schwierigen Bedingungen weiter und suchen dabei nach Marktchancen. Die Organisation von Impfterminen ist so eine Chance.“ Alexander Ruoff, Chief Operating Officer von Eventim

Noch Terminvergabe per Callcenter

Momentan werden Server und Hotlines noch geschont – zwangsläufig. Denn der ausbleibende Nachschub an Impfstoff sorgt dafür, dass das Land vorerst keine Impftermine über das Internetportal vergibt. Stattdessen werden – auch nach Kritik der Opposition am bisherigen „Windhundverfahren“ – erst einmal Briefe verschickt, an die Zielgruppe der über 80-Jährigen. Sie bekommen dann einen Zugangscode, mit dem sie im Callcenter einen Termin vereinbaren sollen.Eine Bild-Collage zum Thema Corona-Impfstoff in Schleswig-Holstein. © picture alliance/dpa / NDR Foto: picture alliance/dpa | Frank Molter / NDR 6 Min

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Wenn – wann auch immer – mehr Impfstoff verfügbar ist und mehr Termine gebucht werden können, braucht es aus Sicht des Ministeriums ein so belastbares System.

„Wenn gut 60 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner Schleswig-Holsteins bis zum Ende des Sommers ein Impfangebot erhalten sollen, wie es die Bundesregierung verspricht, müssen rund 3,4 Millionen Impftermine vergeben werden können. Eine Software zu nutzen, die auch bei anderen Großereignissen wie zum Beispiel der Fußballweltmeisterschaft genutzt wurde, ist daher naheliegend.“ Sprecher des Gesundheitsministeriums

Quelle

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