Weiterer Prozess gegen Navalny – Warum berichten die deutschen Medien nicht?

Weiterer Prozess gegen Navalny – Warum berichten die deutschen Medien nicht?

Am Freitag fand in Russland ein weiterer Prozess gegen Navalny statt. Dabei ging es um Verleumdung, was doch eigentlich ein gefundenes Fressen für die deutschen Medien sein müsste. Aber es gibt in Deutschland kaum Berichte über den Prozess.

In Russland ist der Sieg über Nazi-Deutschland immer noch heilig und jedes Jahr ein wahres Volskfest. Ich habe darüber schon berichtet, Sie können hier mehr darüber lesen. Der Tag des Sieges, der 9. Mai, ist in Russland der wichtigste staatliche Feiertag des Jahres und es sind Millionen auf den Straßen. Die Russen halten die Erinnerung an ihre Veteranen hoch, jedes Schulkind kann heute immer noch erzählen, wo seine Ur-ur-Großeltern im Krieg waren oder wo sie gefallen sind. Das ist für Russen buchstäblich heilig, denn der Sieg wurde um den Preis von 27 Millionen Menschenleben erkämpft, was in einer Gesellschaft tiefe Spuren hinterlässt.

Daher kam es in Russland gar nicht gut an, als Navalny einen 94-jährigen Veteranen beleidigt hat, der sich in einem Video zusammen mit anderen im letzten Jahr für die Verfassungsänderungen ausgesprochen hat. Das hat zu einer Anzeige gegen Navalny wegen Verleumdung geführt und der Prozess hat am Freitag stattgefunden.

Bei dem Prozess hat sich Navalny nicht so gezeigt, wie die westlichen Medien ihn gerne darstellen. Er hat im Gerichtssaal gepöbelt, seine Beleidigungen wiederholt, Zeugen beschimpft und wäre fast des Saales verwiesen worden. Darüber hat das russische Fernsehen in der Sendung “Nachrichten der Woche” berichtet und ich habe den Bericht übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Navalny hat seine erste wirkliche Haftstrafe erhalten. Er hat das lange provoziert und es schließlich erreicht. An seinem hysterischen Verhalten vor Gericht sieht man, dass er bis zuletzt nicht glaubte, dass das Urteil so ausfallen würde, weil die Justiz ihn so liberal behandelt und die wiederholten Verstöße gegen das Gesetz nicht bestraft hat. Er hielt sich wohl für unantastbar und dann haben ihn die Deutschen auch noch verdorben.

In Deutschland wurde er wie ein Staatsgast in einer Autokolonne durch das Land gefahren, was bei ihm wohl ein neues Gefühl von seiner eigenen Bedeutung und sogar Exklusivität erzeugt hat. Sie haben von ihm das Bild einer Art “Führer der russischen Opposition” entworfen, was falsch ist. Er hat keine Ideen, keine kreative Erfahrung, keine echte Unterstützung in der Bevölkerung.

Erneut beleidigte er den Veteranen des Großen Vaterländischen Krieges und nannte ihn eine “Puppe”. In dem Land, wo der 9. Mai der wichtigste Feiertag ist, ist da unverzeihlich. Und in den Augen der Menschen ist Navalny inzwischen die Puppe. Die Puppe in den Händen des Westens.

Was die Beleidigung des Veteranen des Großen Vaterländischen Krieges betrifft, so fand am 5. Februar die erste Anhörung in dem Verleumdungsfall statt. Navalny hat sich dort ekelhaft benommen. Anstatt sich einfach bei dem Veteranen zu entschuldigen, beschimpfte der Angeklagte den alten Mann weiter.

Übrigens denken nur wenige darüber nach, aber Navalny und seine Leute, beleidigenden zusammen mit den Veteranen auch die Erinnerung an den Großen Vaterländischen Krieg und den Sieg. Ich weiß nicht, ob das spontan oder bewusst geschieht, aber de facto sind sie bereit, den kulturellen Code der Russen zu löschen, unser Gedächtnis zu “säubern”, unser Volk recodieren, schließlich gibt es ohne Erinnerung auch kein Volk. Wenn es kein Volk gibt, gibt es auch kein Land. Das ist es, wohin es sie zieht. Das Land ist für sie kein Wert. Sie sind der Fanclub einer anderen Mannschaft. Nicht unserer.

Ein Bericht unseres Reporters.

Eigentlich spielt es keine Rolle, welches Urteil gegen Navalny im Falle der Beleidigung des Veteranen gesprochen wird, denn Navalny hat sich am Freitag den ganzen Tag selbst durch sein Verhalten das Urteil über sich selbst als Mensch gesprochen.

Bei dem Prozess waren wieder Diplomaten anwesend, wie schon beim vorherigen Prozess über die Aussetzung der Bewährungsstrafe. Diesmal kam der Sekretär der französischen Botschaft Joan Jures und seine britische Kollegin Belle Andrew Richard. (Anm. d. Übers.: Das ein französischer Diplomat gekommen ist, ist deshalb erwähnenswert, weil bei Navalnys Prozess über seine Bewährung kein Vertreter Frankreichs unter den ca. zehn europäischen Beobachtern war. Der Grund dürfte sein, dass es eine französische Firma war, die seinerzeit Anzeige wegen Betrug gegen Navalny erstattet hat, was zu seiner Verurteilung geführt hat)

Der Angeklagte Alexej Navalny war persönlich im Gerichtssaal anwesend. Er wurde aus der Haftanstalt “Matrosenruhe” geholt. Das Opfer, der 94-jährige Ignat Artemenko, ein Kriegsveteran, wurde kürzlich operiert. Er konnte nicht vor Gericht erscheinen – er nahm per Video teil. Er ist einer von denen, die im Sommer 2020 in einem Video zur Unterstützung der Annahme der Verfassungsänderungen mitgewirkt haben. Nach der Veröffentlichung des Videos hat Alexej Navalny die Teilnehmer auf seiner Social-Media-Seite als “nützliche Idioten” bezeichnet. (Anm. d. Übers.: Das ist eine recht grobe Übersetzung, das russische Wort, um das es geht, ist explizit beleidigend, es gibt aber keine passende deutsche Übersetzung. “Nützliche Idioten” trifft den Sinn am besten, aber bei weitem nicht vollständig)

Dann wiederholte er das in seinem Videostream, wo er den alten Veteranen und den Schauspieler Lanov wieder so bezeichnet hat. Das sei nur angemerkt, weil Nawalny heute sagt, er erinnere sich nicht an die Umstände, unter denen das geschehen ist. Aber das Internet vergisst nichts.

Weiterlesenhttps://www.anti-spiegel.ru/category/aktuelles/

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