Leicht zu entlarvende Lügen im Spiegel: Weiterer Oppositioneller vom russischen Geheimdienst vergiftet?

Am Donnerstag hat der Spiegel gemeldet, Russland habe einen weiteren Oppositionellen vergiftet und viele Medien haben die Meldung übernommen. Worum es dabei geht und warum das eine leicht überprüfbare Lüge ist.

Der Spiegel hat über einen Mann berichtet, der in Deutschland weitgehend unbekannt ist. Es geht um Wladimir Kara-Mursa, einen russischen Oppositionellen, den auch in Russland kaum jemand kennt. Er hatte 2015 und 2017 akute gesundheitliche Probleme und selbst von Vergiftungen gesprochen. Die Geschichte an sich ist also ein alter Hut und wir gehen darauf gleich näher ein.

Der Spiegel hat nun unter der Überschrift “Oppositioneller Wladimir Kara-Mursa – Russischer Geheimdienst vergiftete offenbar weiteren Kremlkritiker” unter anderem geschrieben:

“Die Recherchen des SPIEGEL und seiner Partner zeigen nun, dass Kara-Mursa womöglich gleich zweimal durch Agenten des Kremls vergiftet wurde.”

Auch den Spiegel-Artikel und vor allem die “Partner” des Spiegel schauen wir uns gleich an. Aber der Reihe nach.

Wer ist Wladimir Kara-Mursa?

Kara-Mursa ist ein russischer Oppositioneller aus der zweiten oder dritten Reihe. Er kommt aus dem Umfeld des 2015 erschossenen Boris Nemzow.

Boris Nemzow war – entgegen der Behauptungen westlicher Medien – kein bedeutender Oppositioneller. Er war in den 1990ern Vize-Ministerpräsident unter Jelzin und wird von den Russen mit den 90er Jahren in Verbindung gebracht, als in Russland Anarchie, die Mafia und bittere Armut herrschten und die Oligarchen sich am Staatsvermögen bereichert haben. In der Zeit ist auch Nemzow Millionär geworden.

Leute aus der Jelzin-Zeit sind für Russen keine attraktiven politischen Kandidaten. Trotz seiner Berühmtheit konnte Nemzow nicht mehr erreichen, als als Abgeordneter in das Regionalparlament von Jaroslawl gewählt zu werden. Wenn die westlichen Medien ihn seinerzeit als Konkurrenten von Putin bezeichnet haben, wäre das so, als wenn man irgendeinen Hinterbänkler im Landtag des Saarlandes als Konkurrenten von Merkel bezeichnen würde. Nemzow war in Russland in der Bedeutungslosigkeit verschwunden, er war sicher niemand, der eine Konkurrenz für Putin dargestellt hätte und seine Ermordung hat dem Kreml viel schlechte Presse eingebracht. Lebend wäre er Putin sicher lieber gewesen.

Kara-Mursa war sowohl Mitarbeiter und Weggefährte von Nemzow, als auch von Chodorkowski. Nemzow und Chodorkowski kannten sich seit den 90er Jahren. Kara-Mursa war seit 2014 auch Mitarbeiter der Open-Russia-Foundation des rechtskräftig verurteilten Betrügers Chodorkowski.

2015 wurde Kara-Mursa plötzlich schlecht und er wurde mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht. Es gab Gerüchte über ein Vergiftung, aber es wurde nichts gefunden. Kara-Mursa wurde dann zur weiteren Behandlung in die USA geflogen, wo ebenfalls keine Vergiftung festgestellt werden konnte.

2017 wiederholte sich die Geschichte mit den gleichen Symptomen. Damals ließ seine Frau sofort Blutproben entnehmen, die zur Untersuchung in den Westen, unter anderem an das FBI geschickt wurden. Wieder wurde kein Giftstoff festgestellt. Das FBI hat die Ergebnisse der Untersuchung zur Geheimsache erklärt, woraufhin die Vertreter der Vergiftungstheorie auf Herausgabe der Ergebnisse geklagt haben.

2020 wurden die Unterlagen teilweise freigegeben. Darüber hat der staatliche US-Auslandssender Radio Liberty im September 2020 folgendes berichtet:

“Das FBI koordinierte sich mit Kara-Mursas Frau, um Proben zu erhalten, “mit Schwerpunkt auf Proben aus dem anfänglichen Auftreten der Symptome”, wie die neu veröffentlichten Dokumente zeigen.
Nachdem Kara-Mursa an etwas litt, was sein Arzt in Moskau als sechs Tage andauerndes multiples Organversagen bezeichnete, erholte er sich ausreichend, um weniger als drei Wochen nach seinem Zusammenbruch nach Virginia zurückzukehren, wo seine Frau und seine Kinder leben.
Das FBI schickte die Blut- und Urinproben erneut in sein Labor in Quantico. Aber den begrenzten Dokumenten zufolge, die in der vergangenen Woche veröffentlicht wurden, war der einzige potenziell verdächtige Befund ein erhöhter Bariumspiegel in seinem Urin.
Eine Blutprobe wurde zur Bestätigung an ein externes Labor geschickt, aber die Analyse “zeigte keine positiven Befunde von toxikologischer Bedeutung”, wie die Dokumente zeigen.”

Weder das FBI, noch staatliche US-Medien sind als pro-russische Propagandisten bekannt. Es gibt schlicht keine Hinweise auf Vergiftungen von Kara-Mursa, das einzige, was es gibt, sind seine Anschuldigungen, die das FBI aber nicht bestätigt, obwohl es frische Blut- und Urinproben hatte, die seine Frau direkt nach seiner Einlieferung in ein Moskauer Krankenhaus hatte entnehmen lassen.

Der Spiegel und sein “Rechercheteam”

Das interessiert den Spiegel aber nicht, er verkündete nun erneut die Geschichte einer Vergiftung. Und natürlich waren es laut Spiegel die gleichen russischen Geheimagenten, die auch Navalny vergiftet haben sollen. Woher weiß der Spiegel das? Dazu der Spiegel in seinem Artikel:

“Gemeinsame Recherchen des SPIEGEL und der Investigativplattformen Bellingcat und »The Insider« zeigen, dass Kara-Mursa sowohl im Mai 2015 als auch im Februar 2017 im direkten Vorfeld zweier Zusammenbrüche mit multiplem Organversagen durch Angehörige des FSB verfolgt wurde, die auch den 2020 vergifteten russischen Kremlkritiker Alexej Nawalny ins Visier genommen hatten.”

Bellingcat bekommt seine Informationen offensichtlich von westlichen Geheimdiensten, stellt das aber als eigene Recherchen dar. Das alles hier wieder im Detail zu erklären, führt zu weit. Wenn Sie Bellingcat nicht kennen oder von den Geheimdienstverbindungen nichts gehört haben, können Sie das hier im Detail nachlesen.

Es ist wieder das gleiche Prinzip, wie immer: Bellingcat behauptet, Zugriff auf alle Buchungsdatenbanken von russischen Fluggesellschaften, der russischen Bahn, russischen Hotels und russischer Mobilfunkanbieter zu haben, denn aus diesen Daten will Bellingcat erfahren haben, wer in Russland wann mit welchem Flug unterwegs war, wo übernachtet hat und die GPS-Daten der Handys zeigen Bellingcat, wo die Leute genau waren.

Solche Informationen können nur Geheimdienste haben, aber keine Hacker. Um die Geschichte für das westliche Publikum glaubwürdiger zu machen, wird behauptet, der Moskauer Hacker The Insider liefere die Daten, die auf dem Schwarzmarkt in Russland zu haben seien. Das ist Unsinn und vor allem wäre es strafbar. The Insider würde sich strafbar machen und verhaftet werden. Aber er läuft weiterhin frei in Moskau herum.

The Insider ist also nichts anderes als der Alibi-Geber für das, was Bellingcat und der Spiegel als “Recherche” verkaufen. Hinter The Insider steht Roman Dobrochotow, den der Spiegel auch schon mal interviewt hat. In dem Interview sagte Dobrochotow ganz offen, dass er aus dem Westen finanziert wird:

“Er brauche etwa zehntausend Dollar im Monat, um die Arbeit zu finanzieren, sagt Dobrochotow. Er setzt auf Spenden und ausländische Stipendien. Gern würde er die Webseite vollständig über Crowdfunding finanzieren, also durch Hunderte Kleinspenden”

Wir haben also ein “Rechercheteam”, das aus folgenden Mitgliedern besteht:

Erstens Bellingcat, die von westlichen Staaten finanziert werden und enge Kontakte zu westlichen Geheimdiensten haben und von denen mit dem versorgt werden, was aus Sicht der westlichen Geheimdienste an die Öffentlichkeit kommen soll.
Zweitens The Insider, der ganz offen sagt, dass er von “ausländischen Stipendien” lebt, da können wir ja mal raten, wer ihn finanziert.
Drittens der Spiegel, der all das als “Recherche” verkauft, egal ob es um Skripal, Navalny, Tiergartenmord oder aktuell Kara-Mursa geht. Es ist in allen Fällen immer genau dieses “Rechercheteam, das die Meldungen veröffentlicht, die danach Schlagzeilen machen.

Wie dreist der Spiegel seine Leser belügt

Der Spiegel-Artikel, der sich nun mit den neuen “Erkenntnissen” brüstet, ist wieder geschickt gemachte Propaganda. Der Spiegel berichtet ausführlich über all die angeblichen Erkenntnisse und die vielen Details sollen den Behauptungen in den Augen der Leser Glaubwürdigkeit verleihen. Der Spiegel setzt offensichtlich darauf, dass sein Publikum beim Lesen nicht mitdenkt, wenn er zum Beispiel schreibt:

“Bemerkenswert an der Analyse von Reise- und Telefonverbindungsdaten im Zusammenhang mit Kara-Mursas Fall ist, dass sich in diesem Fall nicht nur Mitglieder des Zentrums für Spezialtechniken und des dazugehörigen Instituts für Kriminalistik des FSB erkennen ließen.”

Jeder, der hier mitdenkt, muss sich fragen, woher der Spiegel all diese Daten haben kann. Sogar die Telefonverbindungsdaten von russischen Mobilfunkanbietern hat der Spiegel angeblich. Aber woher denn bitte? Wer ernsthaft die Version glauben will, das könnten ein paar Hacker leisten, muss sehr naiv sein. Und warum läuft einer dieser Hacker unbehelligt frei in Moskau herum, wenn er derartige Straftaten begeht? Das Hacken von Datenbanken ist auch in Russland strafbar.

Aber dem Spiegel ist nichts zu blöd, um es nicht zu schreiben und zu behaupten. Und offensichtlich denken nur die wenigsten Leser mit, wenn sie Spiegel-Artikel lesen. Wer mitdenkt, der müsste so etwas als Beleidigung seiner Intelligenz betrachten und das Spiegel-Abo umgehend kündigen.

Auch auf die Tatsache, dass das FBI die Proben von Kara-Mursa untersucht hat, geht der Spiegel ein. Aber er verschweigt seinen Lesern, dass die Ergebnisse bereits zum Teil freigegeben wurden. Das würde ja den ganzen Artikel und die “Enthüllungen” des Spiegel ad absurdum führen. Daher erfährt der Spiegel-Leser stattdessen folgendes:

“Kara-Mursa ließ diesmal Blut- und Gewebeproben durch die US-amerikanische Bundespolizei FBI untersuchen. Das FBI hat ihm bislang nicht mitgeteilt, mit welcher Substanz er vergiftet wurde. Das Ergebnis sei sicherheitseingestuft, hieß es bislang. Auch eine Klage Kara-Mursas nach dem amerikanischen Informationsfreiheitsgesetz brachte ihm bislang keine Antwort.”

Das ist ein ganzer Absatz voller Lügen!

Mit der Formulierung, das FBI habe “ihm bislang nicht mitgeteilt, mit welcher Substanz er vergiftet wurde” erweckt der Spiegel den falschen Eindruck, es sei sicher, dass Kara-Mursa vergiftet wurde. Es ginge nur noch um die Frage, womit. Das ist, wie wir gesehen haben, glatt gelogen. Laut der freigegebenen Dokumente wurden “keine positiven Befunde von toxikologischer Bedeutung” gefunden, also keine Hinweise auf Giftstoffe. Der Spiegel belügt seine Leser dreist.

Und dass die “Klage Kara-Mursas nach dem amerikanischen Informationsfreiheitsgesetz ihm bislang keine Antwort” brachte, ist ebenfalls gelogen. Die Antwort gab es bereits im September 2020. Es war zwar keine vollständige Freigabe der Unterlagen, aber immerhin eine teilweise Freigabe und die enthält keinerlei Hinweise auf eine Vergiftung.

Und seien wir ehrlich: Welchen Grund hätte ausgerechnet das amerikanische FBI, die Vergiftung eines russischen Oppositionellen durch die russische Regierung zu verheimlichen oder zu vertuschen?

Aber der Spiegel belügt seine Leser bewusst, um die anti-russische Propaganda aufrecht zu erhalten. So funktioniert “Qualitätsjournalismus” in Deutschland.

Das ist Propaganda aus dem Lehrbuch, denn eine der wichtigsten Regeln der politischen Propaganda lautet: “Bewerfe den Gegner nur mit genügend Dreck, irgendwas bleibt schon kleben!” Genau das tut der Spiegel, wenn er solche offensichtlichen und leicht zu entlarvenden Lügen verbreitet, damit beim Leser der Eindruck entsteht, Putin würde Oppositionelle am Fließband vergiften.


Wenn Sie sich für mehr Beispiele für freche Verfälschungen der Wahrheit in den “Qualitätsmedien” interessieren, sollten Sie Beschreibung meines neuen “Spiegleins” lesen. Das Buch ist eine Sammlung der dreistesten “Ausrutscher” der “Qualitätsmedien” im Jahre 2020 und zeigt in komprimierter Form, wie und mit welchen Mitteln die Medien die Öffentlichkeit in Deutschland beeinflussen wollen. Von “Berichterstattung” kann man da nur schwer sprechen. Über den Link kommen Sie zur Buchbeschreibung.

Quelle

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