Immunologen schlagen bei AstraZeneca eine dritte Impfung vor

Vorbehalte gegen das AstraZeneca-Mittel

Aufgrund der Skepsis mancher Menschen gegenüber der Wirksamkeit des Impfstoffes von AstraZeneca schlagen Immunologen vor, für dieses Vakzin eine Nachimpfung mit einem anderen Wirkstoff zu garantieren. Immunologisch sei das kein Problem.

„Man kann die Immunität, die man mit dem AstraZeneca Impfstoff ausgelöst hat, ohne Probleme mit einem mRNA-Impfstoff später noch einmal verstärken“, sagte der Generalsekretär der Deutsche Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl der „Augsburger Allgemeinen“ vom Donnerstag.

Es wäre ein Leichtes für die Bundesregierung eine neuerliche Impfung mit einem mRNA-Impfstoff zu garantieren, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen, dass die Menschen dadurch besser geschützt wären“, führte der Dortmunder Medizinprofessor aus. „Immunologisch ist das kein Problem, weil bisher alle zugelassenen Impfstoffe bei dem sogenannten Spike-Protein des Coronavirus ansetzen.“

Watzl: AstraZeneca-Impfstoff „ein sehr guter Impfstoff“

Watzl wies zugleich Skepsis gegenüber dem AstraZeneca-Produkt zurück. „Zu sagen, der AstraZeneca Impfstoff, wäre zweitklassig, ist sowohl wissenschaftlich als auch von der öffentlichen Wirkung völlig daneben.“ Das Mittel sei „ein sehr guter Impfstoff, auch wenn die anderen noch ein bisschen besser sind“. Auch die Nebenwirkungen unterschieden sich nur geringfügig.

„AstraZeneca bietet einen deutlichen Schutz vor einer Corona-Erkrankung, der um ein Vielfaches besser ist, als wenn man nicht geimpft ist“, unterstrich Watzl. „Das heißt, wenn man vor die Wahl gestellt wird, jetzt AstraZeneca oder in ein paar Monaten mit einem anderen Impfstoff, sollte man auf jeden Fall jetzt bei AstraZeneca zugreifen.“

Nebenwirkungen von AstraZeneca-Impfstoff

Nach Klagen von Klinik-Angestellten über Nebenwirkungen waren in Niedersachsen Impfungen mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca an zwei Orten vorübergehend gestoppt worden. Auch die britische Regierung veröffentlichte eine Studie zu Nebenwirkungen, die Besorgnis auslöst.

Über die Hälfte des medizinischen Personals, dass im Saarland am 13. Februar geimpft werden sollte, nahm seinen Impftermin nicht wahr.

Gesundheitsministerin Monika Bachmann kritisierte das Verhalten des medizinischen Personals auf der Plenarsitzung des saarländischen Landtages am Montag als „höchst unsolidarisch“. Ein Teil der Absagen sei sogar ohne Begründung gewesen, so die Ministerin.

In einem Statement des Ministeriums heißt es: „Wir nehmen bundesweit ein Akzeptanzproblem für den Impfstoff des britisch-schwedischen Pharmakonzerns AstraZeneca wahr, hauptsächlich aus dem medizinischen Bereich“.

Ohne AstraZeneca-Impfstoff verschiebt sich Impfzeitplan

Das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (ZI) äußerte Besorgnis, dass breite Vorbehalte gegen das AstraZeneca-Mittel den Impfzeitplan der Bundesregierung um mehrere Wochen zurückwerfen könnten

Das Institut hatte errechnet, dass bis Mitte September unter bestimmten Voraussetzungen allen Bürgern ein Impfangebot gemacht werden könnte. Ohne den Impfstoff von AstraZeneca könne es „bis zu zwei Monate länger dauern, bis dieses Ziel erreicht ist“, sagt ZI-Chef Dominik von Stillfried dem „Handelsblatt“.

Politikerinnen der Opposition warfen der Bundesregierung Fehler in der Kommunikation rund um den AstraZeneca-Impfstoff vor. Die Grünen-Gesundheitspolitikerin Kordula Schulz-Asche sagte der „Welt“ vom Donnerstag, „die Skepsis der Bürgerinnen und Bürger – die sich derzeit sogar auch unter Gesundheits- und Pflegefachpersonal ausbreitet – ist auf eine wirklich fatale Kommunikation zurückzuführen“. Es werde zu wenig erklärt und über die Wirksamkeit des Impfstoffes würden „Schauergeschichten“ erzählt.

„Die Kommunikationsstrategie der Bundesregierung muss bezüglich eventueller Nebenwirkungen oder Impfreaktionen besser werden“, sagte auch die FDP-Gesundheitspolitikerin Christine Aschenberg-Dugnus. „Hier muss die Regierung unverzüglich liefern, denn es darf zu keinem Vertrauensverlust kommen.“

FDP-Fraktionsvize fordert Impfung für Merkel und Steinmeier

FDP-Fraktionsvize Michael Theurer hat eine baldige Impfung von Bundespräsident und Kanzlerin vorgeschlagen, um das Vertrauen der Bürger in die Corona-Schutzimpfungen zu stärken.

„Es wäre sicherlich ein sehr positives Signal, wenn sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeitnah öffentlich impfen lassen würden. Das wirkt vertrauensbildend“, sagte Theurer der „Bild“-Zeitung.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn war am Mittwoch Zweifeln am Impfstoff von AstraZeneca entgegengetreten. „Ein sicherer und wirksamer zugelassener Impfstoff schützt“, sagte der CDU-Politiker am Mittwoch in Berlin.

Das gelte für alle drei bisher in der Europäischen Union zugelassenen Präparate. Der AstraZeneca-Impfstoff hat eine geringere Wirksamkeit als die Mittel von Biontech/Pfizer und Moderna – bezogen darauf, wie viele Geimpfte in Studien im Vergleich zu Nicht-Geimpften erkranken. (afp)


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