In Düsseldorfs Verweilverbotszone: „Die machen sich komplett lächerlich“

Von Ferdinand Knauss

In Düsseldorfs Altstadt verlieren die Vertreter der Staatsmacht gerade die Achtung der Bürger. Ein kleiner Spaziergang in einer Stadt, die glaubt, den Menschen das „Verweilen“ verbieten zu müssen und zu können.

picture alliance/dpa | Roberto Pfeil

An diesem sonnigen Vorfrühlingssonntagnachmittag spaziere ich vom Landtag kommend am Rheinufer entlang Richtung Burgplatz. Wo die Verweilverbotszone in Düsseldorf beginnt, ist nicht zu übersehen. Direkt hinter der Rheinkniebrücke steht das erste rote Schild: „Verweilverbotszone – Bitte gehen Sie weiter!“ Dazu das Piktogramm eines gehenden, nicht stehenden Menschen. Und man wird alle etwa fünfzig Meter durch das gleiche Schild wieder daran erinnert. „Mehr als 300 Schilder“ wurden angebracht, hat die Stadt Düsseldorf in einer Pressemitteilung bekannt gegeben

Und doch sind – wie könnte es auch anders sein – die Parkbänke besetzt mit verweilenden Menschen, manche mit, aber viele auch ohne Mund-Nasen-Schutz. Auf dem Spielgerät auf der Wiese vor dem geschlossenen KIT-Café spielt jauchzend ein Kind – und seine Mutter verweilt entzückt neben ihm. Auch das ist hier natürlich verboten.

Ein paar Meter weiter sehe ich schon zwei Kolleginnen der Bild-Zeitung, die zwei junge Männer auf einer Parkbank befragen, was sie von dem Verbot halten. „Übertrieben“ finden sie es. Masken tragen sie nicht. An der Mauer zwischen beiden Ebenen der Rheinpromenda lehnen – wie immer – Menschen und blicken auf den Rheinstrom und ins gegenüber liegende Oberkassel. Auch sie verweilen natürlich illegalerweise.

Viele der Menschen auf den Bänken sprechen hörbar nicht deutsch. Auch viele der Grüppchen junger Männer, die maskenlos beieinander verweilen, sprechen nicht deutsch. Womöglich können sie die ausschließlich in deutsch verfasste Aufforderung auf den roten Schildern nicht verstehen, vielleicht ignorieren sie sie. So etwas wie eine „Verweilverbotszone“ mitten in der Stadt ist vermutlich sogar für Menschen, die aus autoritär regierten Ländern kommen, schwer begreiflich. 

Ein paar Hundert Meter weiter am Burgplatz, dem historischen Zentrum der Residenz der Grafen von Berg, von deren Schloss nur noch der Turm übrig ist, sehe ich den ersten Dienstwagen des Ordnungsamtes. Aber die Beamten sind nicht zu sehen. Direkt hinter dem Wagen sitzen zwei junge Männer auf einer Bank und unterhalten sich maskenlos. „Ihr sitzt direkt vor dem Wagen des Ordnungsamts. Wurdet ihr noch nicht verwarnt?“– Die Jungs lachen. „Nee, die machen sich doch hier komplett lächerlich!“, sagt einer der beiden. 

Nochmal rund hundert Meter weiter liegt die Freitreppe, die den Burgplatz mit der tieferliegenden Rheinpromenade verbindet und nach dem Vorbild in Rom auch „Spanische Treppe“ genannt wird. Sie ist ein sehr beliebter Treffpunkt. Bei schönem Wetter wimmelt es hier sonst von jungen Leuten. Jetzt ist sie mit Eisengittern abgesperrt. 

Und dann, noch ein paar Meter weiter auf der Promenade vor der Josephskapelle sehe ich endlich die Mitarbeiter des Ordnungsdienstes im Einsatz.

Ein paar Meter entfernt umringt eine Gruppe von drei Mitarbeitern des Ordnungsdienstes und zwei Polizeibeamten gerade eine Frau und ihren Begleiter. „Filmen Sie das mal“, ruft die Frau. Als ich mein Handy zücke, geht ein Polizist energisch auf mich zu, drängt mich ab und sagt, ich dürfe hier nicht filmen, weil man gerade die Daten der Frau aufnehme. Sie ist sichtlich empört: „Das kommt dabei heraus, wenn man der Polizei zu viel Macht gibt.“ Auch ihr Begleiter soll seinen Namen nennen. „Ich heiße Adnan El-O…“, sagt er wohl absichtlich so laut, dass es alle Umstehenden hören können. 

Die Beamten sprechen auch andere Passanten an, die offenbar keine Maske tragen oder zu lange stehengeblieben sind – wobei sie bei dieser Verwarnarbeit natürlich selbst auch verweilen. „Da wo ich gerade herkomme, haben hunderte Menschen gegen das Verbot verstoßen“, rufe ich einem der Beamten zu. „Wir können eben auch nicht überall gleichzeitig sein. Wir tun, was wir können“, antwortet er diensteifrig und ergänzt: „Alles zum Wohle der Bürger.“ Er sagt das ohne jede erkennbare Ironie. 

Quelle

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