Chronik des Irrsinns: der Februar

Kanzlerin Merkel, die ihrem Gesundheitsminister die Impfstoffbeschaffung aus der Hand nahm und der noch unfähigeren EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen übertrug, was zur Bestellung von zu wenigen Impfdosen führte, verkündet nach dem „Impfgipfel“: „Solange es nach wie vor so ist, dass nur ein kleiner Teil der Menschen geimpft ist, wird es keine neuen Freiheiten geben.“ Nur zur Erklärung für die etwas Jüngeren: Mit den „neuen Freiheiten“ sind Grundrechte gemeint.

***

Laut Tagesspiegel müssen in Berlin nun auch Insassen eines Autos Masken tragen. Der Regierende Bürgermeister Müller: „Der Fahrer ist nicht ausgenommen, selbstverständlich ist der Fahrer nicht ausgenommen.“ Seine Sprecherin stellt dann aber klar, dass laut Beschluss der Fahrer tatsächlich keine Maske tragen muss.

***

Merkel gibt eine 15-minütige Audienz im Ersten. Das Impfdesaster fasst sie in den Worten zusammen: „Im Großen und Ganzen ist nichts schiefgelaufen.“ Man stelle sich vor, das hätte der Direktor der White Star Line nach dem Untergang der Titanic 1912 in goldenen Lettern über das Portal des Reederei-Hauptgebäudes meißeln lassen.

***

Der Ex-„BILD“-Journalist Fritz Esser sollte neuer Medien- und Kommunikationschef des 1. FC Köln werden. Weil er aber – wie ihm nicht wohlgesinnte Ultras beim Herumschnüffeln in sozialen Netzwerken auf der Suche nach belastbarem Material herausgefunden haben – vor Jahren in einem Tweet der Kritik des AfD-Abgeordneten Baumann am Bundestag (der wiederum seinerzeit die Wahl eines AfD-Mannes zum Alterspräsidenten trickreich verhindert hatte) beipflichtete, kommt es nun doch nicht dazu, auch wenn der „Effzeh“-Präsident und der Geschäftsführer Esser als „integren Menschen mit demokratischem Wertegerüst kennengelernt“ haben. Tja.

***

Nochmal Merkel: „Ich glaube, wenn wir später sehr vielen Menschen ein Angebot gemacht haben… können zum Impfen, und dann sagen manche Menschen, wir machen ja keine Impfpflicht, dann sagen manche Menschen, jetzt möchte ich nicht geimpft werden, dann muss man vielleicht schon solche Unterschiede machen und sagen okay, wer das nicht möchte, der kann vielleicht auch bestimmte Dinge nicht machen.“

Disney wirft bei seinem Streamingdienst Klassiker wie „Dumbo“, „Susi und Strolch“, „Peter Pan“, „Das Dschungelbuch“ und „Aristocats“ aus der Kinderabteilung. Sie laufen jetzt bei den Erwachsenen, nicht ohne den Warnhinweis, dass diese Filme „negative Darstellungen und/oder eine nicht korrekte Behandlung von Menschen oder Kulturen“ enthalte. Peter Pan etwa trage den Kopfschmuck der Indianer / amerikanischen Ureinwohner (kulturelle Aneignung!), die auch noch als „Rothäute“ (!) bezeichnet würden und der Affentanz von King Lui sei eine Verspottung afroamerikanischer Menschen.

***

In München wollen SPD und Grüne Lichtzeichenanlagen auf „weibliche Bedürfnisse“ anpassen und eigene Ampelphasen für Frauen schaffen. Der Verkehr sei zu sehr auf „Männer im Dienstwagen“ ausgerichtet.

***

„Dicker-Pulli-Tag“! „Um Energie zu sparen, drehen wir die Heizung ein paar Grad herunter und ziehen dafür einen etwas dickeren Pulli an“, jubiliert die Evangelische Kirche im Rheinland. Für denselben Vorschlag hatte 2008 der damalige Finanzsenator in Berlin Prügel auf breiter Front einstecken müssen. Wie hieß der nochmal? Ach ja: Thilo Sarrazin.

***

Bengt Rüstemeier, Mitglied im erweiterten Berliner Landesvorstand der Jusos, phantasiert öffentlich darüber, „Vermieterschweine“ und Junge Liberale zu erschießen und teilt mit, er käme „nicht umhin, eine klammheimliche Freude zu verspüren“, sollte Amazon-Gründer Jeff Bezos „eines Tages unerwartet den Folgen einer Sprengstoffverletzung erliegen“. Der 21-jährige Jurastudent und überzeugte Kommunist tritt nach einer Empörungswelle zwar zurück, erhält jedoch auch viel Zuspruch, u.a. von der Berliner Nachwuchsorganisation der Linkspartei und von Juso-Funktionsträgern aus der Hauptstadt.

***

Die FAZ berichtet, der/die/das nichtbinäre Professx Lann Hornscheidt, eine Protagonisx im Feld der Gendertheorie und geschlechtsneutralen Sprache, habe inzwischen die neutrale Endung X verworfen und plädiere nun für die Endung „ens“. Diese Sprachreform verändere sogar auch alle Pronomen. Ein Gespräch über Fahrräder verliefe so (fasten your seatbelt!):

„Wens gehört das Rad?“ – „Es ist ens Rad. – Haben alle solche Räder? – Ja, alle aktivens Radfahrens aus ens WG haben so ein Rad. (Entsprechend: ,Alle Genderprofessens haben ens Rad ab‘, C.C.). Einens ander Mitbewohnens hat sogar zwei Räder.“

Sie meinen, das klingt total verrückt? Ja, und wie!

***

Die klirrende Winterkälte (volkstümlich: „Russen-Peitsche“) hat eine originelle Ursache, wie BILD zu entnehmen ist: Ein Wissenschaftler erklärt, dass die – genau! – globale Erwärmung schuld am „Schnee-Chaos“ ist.

***

Der Lockdown wird wieder einmal verlängert, diesmal bis Mitte März, basta! Die Kanzlerin will es so. Die Friseure dürfen am 1. März öffnen. BILD: „Länder wollten früher, Merkel bleibt hart“. Und dann ist das eben so. Föderalismus wird überschätzt, Demokratie sowieso.

***

Markus Söder schmeißt Christoph Lütge, Wirtschaftsethik-Professor an der TU-München, aus dem Bayerischen Ethikrat. Lütge hatte sich mehrfach kritisch zum Lockdown geäußert. Er hält diesen für völlig unnötig und für nicht verhältnismäßig. Söders Begründung dafür, sich von so einem nicht beraten zu lassen: Lütge vertrete eine „Minderheitenmeinung“.

***

An Weiberfastnacht sprengt das Kölner Ordnungsamt „nach Hinweisen aus der Bevölkerung“ (früher: Denunziation) eine illegale Karnevalsparty. Der Gastgeber öffnet den Beamten im Hasenkostüm die Tür, 80 Menschen erwarten nun erhebliche Bußgelder.

***

In Delmenhorst löst die Polizei ein illegales Grünkohlessen von acht Geschäftsleuten in einem Hotelrestaurant auf. Die Ertappten haben mit Bußgeldern im vier- beziehungsweise fünfstelligen Bereich zu rechnen. Im Gegensatz zu den weit mehr als hundert Teilnehmern einer Beerdigung in Rain am Lech ein paar Tage zuvor, die von der Polizei unbehelligt gelassen wurden und für die der Bürgermeister spontan eine Ausnahmegenehmigung erteilte, um einer Eskalation vorzubeugen. (Zwinker, zwinker.)

***

Allerorten sinkt die Corona-Inzidenz. Zwei Bundesländer liegen bereits unter 50. Wie gut, dass Merkel vorsorglich soeben den Wert auf 35 gesenkt hat, sonst würden im gerade mal vierten Monat des Lockdowns schon wieder Öffnungsdiskussionsorgien losgetreten.

***

Der Duden, oder sagen wir besser: die Dudenden oder Dud*innen gendern jetzt auch. Nunmehr finden sich im Wörterbuch Begriffe wie „Gästin“ und „Menschin“. Gebrauch, wie es heißt: „selten, scherzhaft“. Noch. Ein Anfang ist ja gemacht.

*** 

Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland beim Impfen hoffnungslos hinterher. Während etwa Israel bereits die Hälfte der Bevölkerung geimpft hat, sind es bei uns gerade mal 3,7 %. Da muss Patrick Gensing her, der „Faktenfinder“ vom Tagesschau-Onlineportal, um die Tabelle schönzurechnen und damit die Regierung zu entlasten. Und siehe da: Der ARD-Mann vergleicht uns nicht mit den Top-Performern, sondern knetet sich die Statistik zurecht: Bei den Ländern mit mehr als 60 Millionen Einwohnern liegen wir nämlich auf Platz 3! Hurra!

***

Die Initiative „Berlin autofrei“ hat einen Plan, der per Volksbegehren in die Tat umgesetzt werden soll: „die größte autoreduzierte Innenstadt der Welt“ zu schaffen. Anvisierte Maßnahmen zur Erreichung dieses Ziels: Maximal 12 (in Worten: zwölf) private Autofahrten pro Jahr sollen erlaubt sein (nur für den Transport „schwerer oder sperriger“ Güter oder Urlaubsreisen) und nach zehn Jahren soll die Zahl der genehmigten Fahrten auf sechs halbiert werden. Wohlwollend aufgenommen wird der Plan von Antje Kapek, Chefin der, Sie ahnen es, Grünen-Fraktion.

***

Merkel erklärt Corona-Öffnungspläne: „Gegebenenfalls Einzelhandel mit Terminvergabe“. So wird Shopping doch noch zum persönlichen Erlebnis, wie einst bei Loriot: „Mein Name ist Lohse! Ich kaufe hier ein!“

***

Am Frankfurter Schauspielhaus steht jetzt in riesigen Lettern „DEUTSCH MICH NICHT VOLL“. Eine schöne Aktion, um den Einheimischen zum einen die Vergeblichkeit ihrer Integrationsmaßnahmen zu demonstrieren und zum anderen dem masochistischen Affen in nicht wenigen von ihnen Zucker zu geben.

***

Am Politischen Aschermittwoch behauptet Markus Söder, Schweden schwenke nach einer „totalen Kapitulation“ wie „alle am Ende auf das Konzept ein, das wir seit einem Jahr vertreten“. Allein: Fast alle Schulen, Restaurants und andere Einrichtungen sind in Schweden nach wie vor geöffnet, es gibt keinen Maskenzwang (nur eine Empfehlung für den öffentlichen Nahverkehr in Stoßzeiten) und keine Kontaktverbote.

Ja, liebe Kinder, der Markus hat gelogen.

***

Merkel: „Die Pandemie ist erst besiegt, wenn alle Menschen auf der Welt geimpft sind.“ Wenn sie und von der Leyen das in die Hand nehmen, sind wir in 2000 Jahren durch.

***

Die Grünen fordern ein „Ministerium für Zusammenhalt“. Wahrscheinlich inspiriert von Orwells Roman „1984“, für dessen jüngst erschienene Neuübersetzung wie zum Hohn Robert Habeck das Vorwort geschrieben hat.

***

„Hände auf die Bettdecke! Der stellvertretende Chef der AfD-Jugend fordert, Masturbation solle ,generell eingestellt werden‘, da sie einen der ,männlichen Kraft beraubt‘, meldet die SZ. Nach Jusos („Vermieterschweine erschießen“) und Julis („Abschaffung des Inzest-Verbots“) ein weiterer Hinweis darauf, dass auch der Parteien-Nachwuchs keinerlei Anlass zur Hoffnung gibt. 

***

Bundesweit sinken die Inzidenzen. Hamburg verschärft trotzdem die Corona-Regeln: Fortan ist auch beim Joggen und Flanieren um die Alster oder im Stadtpark Maske zu tragen.

***

Mehr als die Hälfte der erwachsenen Asylsuchenden hat im vergangenen Jahr keine Dokumente vorgelegt, die Herkunft, Namen und Geburtsdatum zweifelsfrei belegen. „Im Jahr 2020 lag der Anteil der Asyl-Erstantragstellenden ab 18 Jahren ohne Identitätspapiere bei 51,8 Prozent“, heißt es in einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine schriftliche Frage der FDP-Innenpolitikerin Linda Teuteberg. Der Wahnsinn geht auch im Schatten der „Pandemie“ weiter, mittlerweile im sechsten Jahr.

***

Gesundheitsminister Jens Spahn verspricht kostenlose Schnelltests, wird jedoch von Merkel zurückgepfiffen. In der Fragestunde des Bundestages heißt es dann, das mit den Kosten müsse noch „abgeklärt“ werden. Derweil liegen 1,2 Millionen AstraZeneca-Impfdosen ungenutzt im Kühlregal. Merkel kündigt an, Geimpfte könnten irgendwann „Sonderrechte“ (früher bekannt als Grundrechte) erhalten. Aktuell sind 4 Prozent der Deutschen geimpft. Es läuft also alles wie am Schnürchen. 

***

In der Düsseldorfer Altstadt gilt jetzt ein „Verweilverbot“. Weil es neulich einige Menschen, des Eingesperrtseins müde, bei gutem Wetter hierher zog, um ein wenig frische Luft zu schnappen, ist das Sitzen und längere Stehen nunmehr verboten.

***

Gesundheitspolitiker Georg Nüßlein (CSU), der im Interview mit der WELT meinte, medizinische Masken müssten bei der Corona-Bekämpfung eine zentrale Rolle spielen, soll einem Maskenhersteller Aufträge verschafft und sich persönlich bereichert haben. Die Rede ist von mehr als 650.000 Euro. Man hätte es wissen können – im erwähnten WELT-Interview hatte Nüßlein u.a. gesagt: „Mir geht es darum, neben der wichtigen gesundheitlichen Seite auch andere Aspekte zu sehen.“

***

Karl Lauterbach bei Twitter: „Die Disziplin sinkt deutlich. Das gute Wetter trägt dazu bei, dass die Leute auch drinnen unvorsichtiger werden. Wenn ich aus meinem Bundestagsbüro jetzt aus dem Fenster schaue sind viele Büros schon wieder recht voll besetzt…“

Wir halten fest: Bei gutem Wetter zieht es die Leute ins Büro. Und: Karl Lauterbach schaut aus seinem Büro und schüttelt den Kopf, weil er Menschen in Büros sieht. Das hat Unterhaltungswert! Kein Wunder, dass der Mann jeden zweiten Abend auf einem Talkshow-Sessel Platz nimmt.

***

Noch ein psychisch kranker Einzeltäter: Das Hamburger Landgericht schickt den Kasachen, der im Oktober 2020 vor der Synagoge einen jüdischen Studenten mit einem Spaten attackiert hatte, in die Psychiatrie. „Es handelt sich bei der Tat um einen gezielten Angriff auf eine Person jüdischen Glaubens“, so die Vorsitzende der Strafkammer. Der Beschuldigte leide an einem religiösen Wahn, der sich gegen das Judentum richte. Die Tat könne als antisemitisch bezeichnet werden. Woher dieser Wahn stamme, habe das Gericht nicht klären können.

Wenige Tage zuvor hatte die AfD in der Bürgerschaft die Ermordung von neun Menschen mit migrantischen Wurzeln in Hanau vor einem Jahr als Tat eines psychisch kranken Einzeltäters bezeichnet, die nun politisch instrumentalisiert werden solle. Unisono berichten die Medien von einem „Eklat“.

Quelle

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

<span>%d</span> Bloggern gefällt das: