Ibiza-Video: Hauptverdächtiger wird nach Österreich ausgeliefert – Beim Spiegel ändert sich der Tonfall

Der Privatdetektiv, der Drahtzieher hinter dem Ibiza-Video war, wird nach Österreich ausgeliefert. Dem Spiegel scheint das nicht zu gefallen, wie sein Artikel darüber zeigt.

Das Ibiza-Video war im Grunde eine komplett illegale Aktion. Es verstößt gegen geltendes Recht, wenn man Gespräche ohne Wissen des Gesprächspartners heimlich filmt und aufnimmt. Im Falle des Ibiza-Videos war es sogar eine von langer Hand vorbereitete Falle, bei der der Lockvogel, eine angebliche Tochter eines russischen Oligarchen, eine extra dafür gecastete Schauspielerin war. Ziel der Aktion war es, Heinz-Christian Strache, den damals führenden Politiker der österreichischen FPÖ, zu kompromittierenden Aussagen zu verleiten. Bei dem fast achtstündigen Gespräch wurde reichlich Alkohol gereicht und möglicherweise wurden noch andere Substanzen untergemischt.

Wie im August 2020 veröffentlichte Teile des Gespräches zeigen, haben die Lockvögel dabei nichts unversucht gelassen, Strache auf´s Glatteis zu führen. Darüber habe ich ausführlich berichtet, den Artikel mit den Veröffentlichungen finden Sie hier. Trotzdem hat Strache nichts illegales gesagt oder versprochen.

Der Spiegel hat den Skandal losgetreten, indem er wenige Minuten zusammengeschnittener Fetzen des achtstündigen Videos veröffentlicht hat. In diesen aus dem Zusammenhang gerissenen Fetzen sah es so aus, als könnte Strache bestechlich sein.

Strache hat gefordert, das gesamte Gespräch zu veröffentlichen, damit jeder sehen kann, was er gesagt hat. Der Spiegel hat das verweigert und Strache konnte das auch auf juristischem Wege nicht erzwingen. Was hat der Spiegel zu verbergen?

Einer der Drahtzieher des Videos ist ein deutscher Privatdetektiv. Die österreichischen Behörden haben seine Auslieferung beantragt, denn das Video ist de facto illegal entstanden. Seine Erstellung war eine sehr teure Operation, denn die monatelangen Vorbereitungen, die Ausrüstung, Reisen, Miete der Villa auf Ibiza, Casting und Bezahlung des Lockvogels, all das dürfte zusammen etwa eine Million Euro gekostet haben.

Da stellt sich die Frage, wer hat das bezahlt und warum? Das Video wurde ja auch nicht schnell zu Geld gemacht, es wurde jahrelang im Schrank liegen gelassen und dann – so ein Zufall – vom Spiegel und der Süddeutschen Zeitung eine Woche vor der Europawahl 2019 öffentlich gemacht. Natürlich hat das Video damit die Europawahl beeinflusst und das dürfte das Ziel der Hintermänner gewesen sein.

Bisher sind Spiegel und Süddeutsche mit der Sache durchgekommen. Strache konnte juristisch nichts erreichen, selbst Strafanzeigen in Deutschland haben nichts gebracht. Spiegel und Süddeutsche halten das Video unter Verschluss, schweigen dazu, von wem sie das Video für wie viel Geld bekommen haben und mauern auch bei allen anderen Fragen.

Nun aber könnte sich das ändern, denn wenn der mutmaßliche Drahtzieher in Österreich mit einer Gefängnisstrafe rechnen muss, wächst die Wahrscheinlichkeit, dass er auspackt. Das dürfte dem Spiegel gar nicht gefallen und das sieht man auch an dem aktuellen Spiegel-Artikel über die Auslieferung des Privatdetektivs.

Bisher war beim Spiegel jeder Artikel über das Thema Ibiza-Video sehr lang und der Spiegel hat ausführlich darauf hingewiesen, Strache sei korrupt. Der Spiegel war sichtlich stolz darauf, mit seinen Berichten über das Ibiza-Video den entscheidenden Anstoß zum Sturz der verhassten österreichischen Regierung mit FPÖ-Beteiligung gegeben zu haben.

Von diesem Stolz ist nun nichts mehr zu sehen. Der aktuelle Artikel dürfte der kürzeste Spiegel-Artikel zu dem Ibiza-Video sein, den der Spiegel je veröffentlicht hat. Darin wird ganz sachlich darüber berichtet, dass der Privatdetektiv mit seinem juristischen Widerstand gegen die Auslieferung nach Österreich gescheitert ist und dass er nun ausgeliefert wird. Von dem früheren Stolz des Spiegel über seine Beteiligung an der Verschwörung gegen Strache ist nichts mehr übrig und plötzlich klingen sogar Korruptionsvorwürfe gegen Strache im Spiegel viel gemäßigter:

„Der damalige FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache wirkte auf dem heimlich auf Ibiza aufgenommenen Video anfällig für Korruption.“

Das klang früher beim Spiegel noch ganz anders. Als der Spiegel die Affäre 2019 bekannt gemacht hat, lautete die Überschrift eines der ersten Spiegel-Artikel „FPÖ-Chef Strache – Ist Österreichs Vizekanzler käuflich?“ und der Artikel begann so:

„Verdeckt aufgenommene Videos von 2017 belasten Heinz-Christian Strache: Er stellte einer angeblichen russischen Oligarchen-Nichte für ihre mögliche Hilfe im Wahlkampf öffentliche Aufträge in Aussicht.“

Heute heißt es beim Spiegel nur noch verschämt, Strache „wirkte anfällig für Korruption.“ Sehe nur ich das so, oder versucht der Spiegel gerade ein wenig zurückzurudern?

Hat der Spiegel etwa Angst vor dem, was der Privatdetektiv in Österreich aussagen könnte? Wir wissen es nicht, aber vielleicht erfahren wir es ja bald.

Quelle

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