Bolivien: Warum die Ex-Übergangspräsidentin Jeanine Añez jetzt verhaftet wurde

Ende 2019 hat Bolivien die Schlagzeilen beherrscht, als es um angeblichen Wahlbetrug ging und Präsident Morales schließlich aus dem Amt geputscht wurde. Nun wurde mit der Übergangspräsidentin eine der Anführerinnen des Putsches verhaftet.

Im November 2019 hat Bolivien die Schlagzeilen beherrscht. Dem Präsidenten Morales wurde Wahlfälschung vorgeworfen und angeblich hat eine Mehrheit des Volkes seine Absetzung gefordert. Die „Qualitätsmedien“ haben uns nie erzählt, worum es dabei in Wahrheit ging. Also schauen wir uns die Ereignisse noch einmal an, um zu verstehen, warum die pro-westliche Übergangspräsidentin jetzt verhaftet worden ist.

Wenn die Medien uns etwas über eine Demokratiebewegung in fernen Ländern erzählen, muss man kein Hellseher sein, um zu wissen, dass es um etwas völlig anderes geht. So war es auch in Bolivien. Dort ging es nicht um Demokratie, sondern um Lithium, das die Industrie für die Herstellung von Batterien, vor allem für die allseits propagierten Elektroautos, braucht. Bolivien hat die größten Lithium-Vorkommen der Welt. Präsident Morales hatte die Frechheit besessen, die westlichen Konzerne nicht an dem Lithium verdienen zu lassen. Stattdessen hat er Verträge geschlossen, um die gesamte Wertschöpfungskette vom Abbau des Lithiums bis zur Produktion fertiger Batterien im Land zu lassen.

Das hat die westlichen Konzerne verärgert und daher haben westliche Staaten unter Führung der USA einen Putsch vorbereitet. Schon Wochen vor der Wahl sind mitgeschnittene Gespräche aufgetaucht, in denen westliche Diplomaten mit Oppositionellen geplant haben, eine Medienkampagne wegen angeblicher Wahlfälschung loszutreten und Morales aus dem Amt zu putschen. Und genau nach diesem Drehbuch ist der Putsch dann auch abgelaufen. Die Details dazu finden Sie hier.

Besonders dreist war danach übrigens Elon Musk, der als Tesla-Chef ein besonders großes Interesse an den Batterien und dem bolivianischen Lithium hat. Er hat sich im Sommer 2020 nach Kritik auf Twitter an dem Putsch zu einem Tweet hinreißen lassen, den er später wieder gelöscht hat. Er hat den Kritikern auf Twitter geantwortet:

„Wir putschen jeden weg, den wir wollen! Komm damit klar.“

Der Tweet ist gelöscht, aber den Screenshot habe ich noch.

Auch die Medien wussten natürlich von Anfang an, worum es in Bolivien ging. Aber sie haben das Spiel brav mitgespielt und die Legende von einer „Volksbewegung“ verbreitet, die gegen Morales protestiert. Ein Jahr nach dem Putsch war die Legende nicht mehr zu halten, denn die Partei von Morales hat die Neuwahlen gewonnen und die Putschisten haben krachend verloren.

Besonders entlarvend war damals ein Spiegel-Artikel des Mittelamerika-Korrespondenten Jens Glüsing. Er hat den Spiegel-Lesern 2019 erklärt, dass es kein Putsch ist, wenn die Armee den Präsidenten vertreibt, weil das Volk ja hinter der Armee steht. Als im Herbst 2020, ein Jahr später, nach der Wahl klar war, dass das Volk ganz und gar nicht für den Putsch gewesen ist, hat Glüsing plötzlich davon gesprochen, dass es sich doch um einen Putsch gehandelt hat, bei dem „rechte Kreise zusammen mit der Polizei und dem Militär Präsident Morales zum Rücktritt gezwungen“ hatten. Es war faszinierend zu beobachten, wie ein und derselbe Korrespondent völlig unterschiedlich über ein und dasselbe Ereignis berichtet hat, die Details finden Sie hier.

Nach dem Putsch gab es Unruhen in Bolivien, die bolivianische Polizei und die Armee haben dabei scharf geschossen und es sind mindestens 37 Demonstranten erschossen und 800 verletzt worden. Wenig überraschend hat die Putsch-Regierung die Aufklärung verhindert, aber nach den Wahlen hat die neue Regierung Ermittlungen aufnehmen lassen. Schon im Januar 2021 wurden die ersten Verantwortlichen verhaftet.

Besonders bemerkenswert ist dabei: Als ich für diesen Artikel die Zahl der Opfer der Unruhen gesucht habe, fand ich auf Wikipedia weder auf Deutsch, noch auf Englisch oder Russisch auch nur Informationen darüber, dass es nach dem Putsch überhaupt zu Unruhen in Bolivien gekommen ist, bei denen sich ganze Städte gegen die Putschisten erhoben hatten. Die Unruhen, die Polizeigewalt, den Einsatz der Armee gegen Demonstranten und die vielen Toten und Verletzten hat es laut Wikipedia anscheinend nie gegeben.

Dass Wikipedia ein politisches Propaganda-Instrument ist, ist mir schon lange bekannt. Dort werden Dinge gerne falsch, dafür aber im Sinne der Transatlantiker und der Großkonzerne dargestellt. Aber dass ein wochenlanger Protest mit vielen Toten und Verletzten komplett unsichtbar gemacht wird, das ist eine Dreistigkeit, die selbst bei Wikipedia nicht alltäglich ist. Über Wikipedia habe ich vor einiger Zeit eine fünfteilige Sonderreihe geschrieben, den ersten Teil finden Sie hier.

In Bolivien wurde nun auch die Übergangspräsidentin der Putschisten, Jeanine Añez, verhaftet. Ihr wird der Putsch, Hochverrat und Terrorismus zur Last gelegt. Darauf hat sie in einem Tweet mit den Worten reagiert:

„Ich berichte Bolivien und der Welt, dass die MAS-Regierung mich in einem Akt des Missbrauchs und der politischen Verfolgung verhaftet hat. Sie wirft mir vor, an einem Putsch beteiligt gewesen zu sein, den es nie gegeben hat. Ich bete für Bolivien und für alle Bolvianer.“

Auch die Medien wussten natürlich von Anfang an, worum es in Bolivien ging. Aber sie haben das Spiel brav mitgespielt und die Legende von einer „Volksbewegung“ verbreitet, die gegen Morales protestiert. Ein Jahr nach dem Putsch war die Legende nicht mehr zu halten, denn die Partei von Morales hat die Neuwahlen gewonnen und die Putschisten haben krachend verloren.

Besonders entlarvend war damals ein Spiegel-Artikel des Mittelamerika-Korrespondenten Jens Glüsing. Er hat den Spiegel-Lesern 2019 erklärt, dass es kein Putsch ist, wenn die Armee den Präsidenten vertreibt, weil das Volk ja hinter der Armee steht. Als im Herbst 2020, ein Jahr später, nach der Wahl klar war, dass das Volk ganz und gar nicht für den Putsch gewesen ist, hat Glüsing plötzlich davon gesprochen, dass es sich doch um einen Putsch gehandelt hat, bei dem „rechte Kreise zusammen mit der Polizei und dem Militär Präsident Morales zum Rücktritt gezwungen“ hatten. Es war faszinierend zu beobachten, wie ein und derselbe Korrespondent völlig unterschiedlich über ein und dasselbe Ereignis berichtet hat, die Details finden Sie hier.

Nach dem Putsch gab es Unruhen in Bolivien, die bolivianische Polizei und die Armee haben dabei scharf geschossen und es sind mindestens 37 Demonstranten erschossen und 800 verletzt worden. Wenig überraschend hat die Putsch-Regierung die Aufklärung verhindert, aber nach den Wahlen hat die neue Regierung Ermittlungen aufnehmen lassen. Schon im Januar 2021 wurden die ersten Verantwortlichen verhaftet.

Besonders bemerkenswert ist dabei: Als ich für diesen Artikel die Zahl der Opfer der Unruhen gesucht habe, fand ich auf Wikipedia weder auf Deutsch, noch auf Englisch oder Russisch auch nur Informationen darüber, dass es nach dem Putsch überhaupt zu Unruhen in Bolivien gekommen ist, bei denen sich ganze Städte gegen die Putschisten erhoben hatten. Die Unruhen, die Polizeigewalt, den Einsatz der Armee gegen Demonstranten und die vielen Toten und Verletzten hat es laut Wikipedia anscheinend nie gegeben.

Dass Wikipedia ein politisches Propaganda-Instrument ist, ist mir schon lange bekannt. Dort werden Dinge gerne falsch, dafür aber im Sinne der Transatlantiker und der Großkonzerne dargestellt. Aber dass ein wochenlanger Protest mit vielen Toten und Verletzten komplett unsichtbar gemacht wird, das ist eine Dreistigkeit, die selbst bei Wikipedia nicht alltäglich ist. Über Wikipedia habe ich vor einiger Zeit eine fünfteilige Sonderreihe geschrieben, den ersten Teil finden Sie hier.

In Bolivien wurde nun auch die Übergangspräsidentin der Putschisten, Jeanine Añez, verhaftet. Ihr wird der Putsch, Hochverrat und Terrorismus zur Last gelegt. Darauf hat sie in einem Tweet mit den Worten reagiert:

„Ich berichte Bolivien und der Welt, dass die MAS-Regierung mich in einem Akt des Missbrauchs und der politischen Verfolgung verhaftet hat. Sie wirft mir vor, an einem Putsch beteiligt gewesen zu sein, den es nie gegeben hat. Ich bete für Bolivien und für alle Bolvianer.“

Jeanine Añez Chavez@JeanineAnezDenuncio ante Bolivia y el mundo, que en un acto de abuso y persecución política el gobierno del MAS me ha mandado arrestar. Me acusa de haber participado en un golpe de estado que nunca ocurrió. Mis oraciones por Bolivia y por todos los bolvianos.6:48 vorm. · 13. März 2021

Deutsche Medien verschweigen die Verhaftung von Añez bisher (Stand 13. März 14.00 Uhr). Auf den Themenseiten zu Bolivien der FAZ und der „Zeit“ sind die letzte Artikel über Bolivien vom Herbst 2020, als Morales nach dem Wahlsieg seiner Partei in das Land zurückgekehrt ist. Auf der Themenseite „Bolivien“ bei der Tagesschau ist der letzte Artikel zu Bolivien zwar erst einige Tage alt, aber er handelt von bolivianischen Frauen, die Skateboard fahren. Lediglich auf der Themenseite „Bolivien“ bei T-Online habe ich Meldungen über die Verhaftung von Añez gefunden.

Seit der Wahl im Herbst 2020 ist es in den westlichen Medien ruhig geworden um Bolivien. Aber das dürfte nicht von Dauer sein, denn das Lithium ist immer noch da und die neu gewählte Regierung will den Kurs von Morales, die Wertschöpfungskette im Land zu belassen, fortsetzen. Es dürfte also nur eine Frage der Zeit sein, bis Elon Musk und andere Konzernchefs mit Hilfe der US-Geheimdienste den nächsten Putschversuch unternehmen.

Und dann können Korrespondenten wie Jens Glüsing vom Spiegel wieder die Lügengeschichten von einer „Volksbewegung“ verbreiten, die einen gewählten Präsidenten mit Hilfe des Militärs wegputscht, was dann natürlich wieder kein Putsch ist. Sagt Jens Glüsing, und der muss es wissen.


Wenn Sie sich für mehr Beispiele für freche Verfälschungen der Wahrheit in den „Qualitätsmedien“ interessieren, sollten Sie Beschreibung meines neuen „Spiegleins“ lesen. Das Buch ist eine Sammlung der dreistesten „Ausrutscher“ der „Qualitätsmedien“ im Jahre 2020 und zeigt in komprimierter Form, wie und mit welchen Mitteln die Medien die Öffentlichkeit in Deutschland beeinflussen wollen. Von „Berichterstattung“ kann man da nur schwer sprechen. Über den Link kommen Sie zur Buchbeschreibung.

Quelle

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