Notbremser gesucht. Die CDU in Amoktrance.

Von Wolfgang Herles

Merkel hat, falls sie je etwas geschafft hat, Europa geschafft, Deutschland geschafft und zu guter Letzt auch die Organisation, die ihren beispiellosen Aufstieg erlaubt hat, und ihr bis zuletzt unterwürfig gefolgt ist, die CDU. Nun lässt die Hypnose nach.

Was die CDU gegen sich selbst unternimmt, kommt einem vor wie ein Amoklauf. Es ist natürlich keiner. Doch auch wenn niemand Gewalt anwendet, wird rasend und wahllos alles zerstört, was sich in dieser Partei noch geregt hat. Die Wortschöpfung Amoktrance trifft es besser. So hat es das noch nicht gegeben. Aber auch so etwas wie Merkel ist ja noch nie vorgekommen. Marx behauptete zwar, Geschichte wiederhole sich einmal als Tragödie und einmal als Farce – doch Merkel schafft es, sich selbst mehrfach zu wiederholen und dabei beides zu verbinden: Tragödie und Farce.

I.

Machen wir uns ruhig lustig! Die Inzidenzzahl der Inkompetenz in der CDU steigt exponentiell. Drosten würde sagen: Es wird brenzlig. Der neue Vorsitzende Laschet lockert seine Maßnahmen, noch ehe er sie versprochen hat. Das Virus, das die Unionsparteien seit mehr als zwanzig Jahren mit sich herum schleppen, kennt mittlerweile viele Mutanten: die bayerische, die sächsische, die baden-württembergische, die nordrhein-westfälische usw. Dagegen gibt es keinen Impfstoff. Und von Herdenimmunität kann keine Rede sein, nur von Herdentrieb. Also hilft nur AHA. Abstand, Hygiene, Atemschutz. Merkel darf nicht mehr berührt werden. Regelmäßiges Desinfizieren, auch nach ihren Videokonferenzen und Fernsehauftritten. Quarantäne für Präsidium und Vorstand.

II.

Das Virus schweigt, aber schläft nie. Auch Merkel schweigt zu allen Krisen, in die sie ihr Land regiert hat: Integrationselend, Atomausstiegswahn, Coronachaos. Sie hat, falls sie jemals etwas geschafft hat, Europa geschafft, Deutschland geschafft und zu guter Letzt auch die Organisation, die ihren beispiellosen Aufstieg erlaubt hat, und ihr bis zuletzt unterwürfig gefolgt ist, die CDU. Nun lässt die Hypnose nach. Der Prozess, der in Kürze beginnt, wird wider Erwarten alles sein, bloß nicht der Heiligsprechungsprozess, auf den man sich so sehr gefreut hat.

III.

Die Ursache für Merkels Ruhm lässt sich mit dem Slogan zusammenfassen, mit dem einmal eine große Bank geworben hat: Leben Sie, wir kümmern uns um den Rest. Das war ihr Image und ihre Methode. Entpolitisierung der Gesellschaft, asymmetrische Demobilisierung, Anästhesie der Debatten: Mutti sitzt am Steuer und fährt auf Sicht. Zwar gegen die Wand. Aber kaum jemand in der CDU wollte etwas gespürt haben. Nun ist das Erschrecken gleich doppelt: Die Chauffeuse war weder in der Lage, das Fahrzeug zu bedienen, noch wusste sie, wohin sie wollte. Man muss kein Mitleid mit der CDU haben, deren Funktionäre aus der verbeulten Schrottkarre klettern, und sich wundern, dass sie es überhaupt überlebt haben. Noch stehen sie unter Schock.

IV.

Der größte Fehler der C-Parteien (abgesehen davon, sich überhaupt auf Merkel eingelassen zu haben,) ist es gewesen, in den Bundestagswahlkampf zu ziehen, ohne sie rechtzeitig losgeworden zu sein. Manche sagen, Glück gehabt, wenigstens hat kein anderer in der Corona-Krise versagt. Aber es hat ja nicht einmal dazu gereicht, dieses Panoptikum des Grauens aus unfähigen Vasallen, das sich Kabinett schimpft, rechtzeitig aufzufrischen. Es wäre wenigstens ein Lebenszeichen gewesen. Man hat zu spät erkannt, dass Merkels Personalpolitik eine infame Methode nicht nur zur Sicherung der eigenen Macht ist, sondern auch ein probates Mittel zu dem Zweck, größtmöglichen Schaden in der CDU anzurichten. Unter Merkels Gewicht wuchs auch in den Ländern kein Gras.

V.

Früher war wenigstens die CSU eine unbequeme Begleiterin. Doch sie rollt nur brav hinterher. Seehofer am Abschleppseil. Söder als Parkwächter: „Merkel-Stimmen gibt es nur mit Merkel-Politik.“ An diesem Satz wird er noch ersticken. Und Laschet könnte profitieren, wenn, ja, wenn er die Notbremse fände.

VI.

Die CDU als Partei ist Täter und Opfer zugleich. Im gegenwärtigen Zustand bleibt ihr zu wünschen, dass sie das Kanzleramt verliert, um sich neu zu sammeln. So wie die Dinge liegen, wäre es kaum ein Unterschied, ob ein CDU-Mann mit Habock auf dem Beifahrersitz einen grünen Kurs fährt, oder Baerbeck die Ampel selbst stellt. Von der kleinen FDP in einer Ampel-Koalition ist wenigstens zu hoffen, dass die Ampel keine vier Jahre durchhält, wenn die Klimamaßnahmenkrise der Kollateralschadenkrise auf dem Fuß folgt. Es sind noch sechs Monate bis zur Wahl. Die CDU weiß noch immer nicht mit wem wohin. Nur mit Merkel ins Nirwana: das gilt offenbar noch immer.

Quelle

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