Wie Lauterbach & Co. 500.000 das Leben retteten – oder es zumindest glauben

Von Elisa David

Karl Lauterbach ist gut drauf. Er führt uns ins „letzte Gefecht“ und will, dass Sie sich eigenverantwortlich an die Zwangsmaßnahmen halten. Ohnehin: Nur noch drei Lockdowns, dann ist Weihnachten. Und 2022 da capo.

Screenshot ZDF: Maybrit Illner

Illner kämpft jedenfalls nicht gerade gegen mögliche Gerüchte an, preist Lauterbach als „mutig“ und hebt immer wieder hervor, was er denn alles schon richtig vorher gesagt habe. Aber nicht nur zwischen den beiden knistert es. Auch im Technikteam scheint jemand schwer verliebt und deshalb mit den Gedanken ganz woanders sein. Das würde zumindest erklären, warum die Sendung mit so starken technischen Problemen zu kämpfen hatte – ich habe das minutenlange Fiepen immer noch wie Tinnitus im Kopf. Die restlichen Gäste schwärmen kopflos für Metaphern und die Impfung, aber alle pochen auf die Vernuft. Es ist ein grauenhaftes Dummgesülze.

Er meinte es wohl wirklich ernst mit der Brautschau. Nicht nur, dass sich Lauterbach mit frischem Haarschnitt ganz besonders schick gemacht hat, auch inhaltlich legt er den Gang um – jedenfalls so halb. Dann hat er wohl noch kürzlich gelernt, dass Frauen es nicht so gerne mögen, wenn Männer zu besitzergreifend sind. Deshalb hat er bei den Phrasen etwas runtergeschraubt, ist jetzt gar nicht mehr so auf Zwang aus wie noch bis vor kurzem. Er will zwar immer noch, dass alle nicht auf die Straße dürfen (vielleicht um Konkurrenz zu minimieren?), aber am liebsten nur noch für zwei Wochen.

Heft 04-2021 Tichys Einblick 04-2021: Wie im Irrenhaus – Politik gegen den gesunden Menschenverstand Außerdem plädiert er dafür, dass die Menschen auch eigenverantwortlich sein können: eigenverantwortlich zu Hause bleiben, eigenverantwortlich Kontakte minimieren, eigenverantwortlich im Lockdown bleiben, aber dieses mal so richtig. Na gut hier muss er vielleicht noch üben.

Jedenfalls habe der Lockdown in Deutschland 500.000 Menschen das Leben gerettet – und wer hat so für den Lockdown gekämpft wie Erzengel Lauterbach? Doch auch martialisch-männlich kann er sein, mit der dritten Welle komme jetzt das „schwere letzte Gefecht“. Er sucht seinen Stil noch.

Nicht auf Brautschau und auch nicht auf der Suche nach der Liebe war Margot Käßmann. Ja, die war auch dabei. Sie erinnern sich vielleicht noch – dass war die Theologin, die letztes Jahr gesagt hat, dass niemand ein Recht auf Weihnachten habe. Maybrit Illner fand es wohl interessant, jetzt ihre Meinung zu Ostern zu hören – wohl in der Hoffnung, ihr einen ähnlich skandalösen Satz zu entlocken. Aber die gute Frau Käßmann war überhaupt nicht gekommen, um uns Zuschauern zu geben, was wir erwarteten. Stattdessen machte sie einen auf verständnisvoll. „Menschen können ohne Hoffnung langfristig nicht leben“ und „Ich brauche nicht so viele Verbotsschilder“ ist jetzt das, was man von ihr zu hören bekommt. Da sind wohl jemandem die Schäfchen davon gelaufen.

Dokumentation Katarina Witt: „Willkommen zurück in der DDR“ Claus Ruhe Madsen, der parteilose Oberbürgermeister von Rostock war auch wieder da. Dieses Mal aber nicht, um den unschuldigen Lockerungsteddybär zu spielen. Er war dieses Mal etwas auf Krawall gebürstet. Zu Beginn haut er direkt raus, dass er bei der Entschuldigung Merkels zu Beginn gedacht habe, dass sie zurücktritt. Dann beschwert er sich, dass auf die große Entschuldigung nichts gefolgt ist. Außerdem kommen von ihm Sprüche wie mein persönlicher Favorit: „Noch drei Lockdowns, dann ist Weihnachten“. Nur mit den Methaphern könnte er sich vielleicht ein bisschen zurückhalten, manchmal kommt man gar nicht mehr hinterher, wenn er von Tankern zu Schnellbooten und dann zum Schaffen von Flüssen wechselt. Das gilt allerdings nicht nur für ihn, sondern auch für Smudo.

Der Rapper und Mitentwickler der Luca-App war nur für einen kurzen Werbeblock zugeschaltet, um seine App zu promoten, aber selbst in den paar Minuten lieferte er mehr Metaphern und Vergleiche ab, als ich zählen konnte. Er hat sich sicher sehr poetisch gefühlt. Aber gut, vielleicht bin ich bei ihm auch nicht so ganz objektiv – nach dem Satz: „Ich bin da ganz bei Karl Lauterbach“ war bei mir Ende. Der Regierende Bürgermeister, der jetzt schon zum zweiten Mal in Folge bei Illner zu Gast war, machte seinem Spitznamen „Wandelnde Büroklammer“ alle Ehre. Stur verteidigte er die Regierung und pflichtete Karl Lauterbach bei. Solange bis Illner entschied, dass auch er keinen Mehrwert mehr für ihre Sendung hat und auch nicht mehr weiter angesprochen werden müsse. Ebenso erging es Düzen Tekkal.

Unterm Strich war die Sendung auf allen Ebenen eine Enttäuschung. Weder Informationsgehalt, noch Unterhaltungswert. Am Ende ist die beste Strategie wohl doch, den Zuschauer zu Tode zu langweilen, damit er verschläft, den Sender zu wechseln, oder gar das Kreuzchen bei einer anderen Partei mal zu erwägen.

Quelle

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