US-Kriegspropaganda pur im Spiegel


Ukraine-Eskalation

von Anti-Spiegel 2. April 2021 20:08 Uhr

Ich habe heute bereits zur besseren Übersicht eine Chronologie der Eskalation in der Ukraine geschrieben, die Sie hier finden. Wenn Sie das noch nicht gelesen haben, empfehle ich Ihnen, die Chronologie zuerst zu lesen, denn zum Verständnis der aktuellen Entwicklungen ist sehr wichtig.

Jetzt wollen wir uns anschauen, wie „Qualitätsmedien“ wie der Spiegel die Kriegspropaganda der USA kritiklos in die Welt tragen, anstatt wahrheitsgemäß über die aktuellen Entwicklungen zu berichten.

Kriegsvorbereitungen in Kiew

Nachdem Kiew sich de facto vom Minsker Abkommen, das es ohnehin nie eingehalten hat, verabschiedet hat und die westlichen Medien die Entwicklungen der letzten drei Monate komplett verschwiegen haben, sollen die Menschen im Westen nun medial auf die kommende Eskalation im Donbass eingeschworen werden. Die Schuld für das, was bald kommen wird, wird bereits im Vorwege Russland in die Schuhe geschoben.

Am 1. April habe ich über die letzten Entwicklungen berichtet, den Artikel finden Sie hier. Die USA haben sich eingeschaltet und es vergeht kaum mehr ein Tag, an dem nicht ein US-Offizieller von der „russischen Aggression“ erzählt.

Dass es tatsächlich wohl bald „losgeht“, kann man daran merken, dass seit dem 2. April auch die deutschen „Qualitätsmedien“ die Ukraine wieder als Thema entdeckt haben. Natürlich erfahren die deutschen Leser nichts von den Entwicklungen sein Jahresbeginn. Stattdessen zitiert der Spiegel kritiklos die Erklärungen der USA. Er nimmt also die US-Propaganda auf und leitet sie wunschgemäß an das deutsche Publikum weiter, das nun offenbar darauf vorbereitet werden soll, dass Russland demnächst einen angeblichen Angriff auf die Ukraine führen wird.

Der Spiegel steigt in die Propaganda-Schlacht ein

Der erste Spiegel-Artikel zu dem Thema erschien am Morgen des 2. April unter der Überschrift „Nach russischer Truppenverlegung – USA verurteilen »aggressives« Vorgehen Moskaus im Ukrainekonflikt“ und begann mit der Einleitung:

„Russland hat seine Truppen entlang der ukrainischen Grenze verstärkt, in Kiew spricht man von einer »bedrohliche Atmosphäre«. Nun mischen sich die USA in den Konflikt ein – mit klaren Worten in Richtung Kreml.“

Ob es die russische Truppenverlegung gibt, weiß kein Mensch. Kiew behauptet das, aber nicht einmal die USA bestätigen das, wie man dann später in dem Artikel sehen kann:

„Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor erklärt, dass Russland seine Truppenpräsenz an der Grenze zur Ukraine verstärkt habe. Moskau wolle dadurch eine »bedrohliche Atmosphäre« schaffen. Der ukrainische Militärgeheimdienst warf der russischen Armee vor, sie wolle ihre Präsenz in den von den Rebellen kontrollierten Regionen Donezk und Luhansk ausweiten.“

Wie ich in meinem Artikel, in dem ich die US-Erklärungen zitiert habe, bereits gezeigt habe, berufen sich die USA auf Angaben aus Kiew. Dabei haben die USA Spionagesatelliten und müssten russische Truppenbewegungen selbst sehen und entsprechend von eigenen Erkenntnissen berichten. In Washington wird aber nicht von eigenen Erkenntnissen gesprochen, man zitiert stattdessen Kiew.

Aber selbst wenn Russland dort Truppen verlegen sollte, es ist sein gutes Recht, in seinem eigenen Land Truppen zu verlegen, oder fragen die USA irgendjemanden um Erlaubnis, wenn sie bei sich zu Hause Truppen verlegen? Hinzu kommt, dass jedes Land Truppen an seine Grenze verlegen würde, wenn auf der anderen Seite der Grenze ein Krieg läuft oder auch nur droht. Ob Russland tatsächlich Truppen verlegt hat, weiß man nicht, aber die Russen hätten aufgrund der Situation im Donbass allen Grund dazu, ihre Grenze stärker zu sichern.

Dass die USA es auf einen Krieg gegen Russland ankommen lassen, ist möglich, wie dieses Zitat aus dem Spiegel-Artikel zeigt:

„US-Verteidigungsminister Lloyd Austin telefonierte nach Angaben Kiews mit seinem ukrainischen Kollegen Andrej Taran. Austin habe versichert, dass Washington die Ukraine »im Falle einer eskalierenden russischen Aggression« nicht alleinlasse, teilte das ukrainische Verteidigungsminister mit.“

Und wie einseitig der Spiegel hier Propaganda macht, zeigt dieser Absatz:

„Moskau und Kiew hatten sich in dieser Woche gegenseitig für die jüngste Zunahme der Gewalt im Ostukrainekonflikt verantwortlich gemacht. Nach ukrainischen Angaben wurden seit Beginn des Jahres bei Angriffen prorussischer Rebellen 20 Soldaten getötet und 57 weitere verletzt.“

Das klingt neutral, beide haben sich für die Eskalation gegenseitig verantwortlich gemacht, schreit der Spiegel. Es ist aber keineswegs neutral, denn der Spiegel erwähnt nur die angeblichen Opfer auf Seiten Kiews und erweckt so den Eindruck, die Rebellen würden einseitig auf die ukrainische Armee schießen.

Dabei verschweigt der Spiegel die Opfer auf Seiten des Donbass, wo die ukrainische Artillerie bereits wieder auf Wohngebiete feuert und es zivile Opfer gibt. Dass die Ukraine schon seit Januar wieder verstärkt mit Artillerie schießt und dass es dabei Opfer unter der Zivilbevölkerung gibt, verschweigt der Spiegel. Es passt nicht ins gewollte Bild.

Genauso hat der Spiegel seinen Lesern konsequent verschwiegen, dass die OSZE im November einen Bericht herausgegeben hat, aus dem hervorgeht, dass 75 Prozent der zivilen Opfer in dem Konflikt im Zeitraum von Januar 2017 bis September 2020 auf das Konto der ukrainischen Streitkräfte gehen. Auch das soll der Spiegel-Leser nicht wissen, denn es würde das gewollte Bild von Russland als Aggressor stören.

Da die „Qualitätsmedien“ darüber nicht berichtet haben, habe ich es seinerzeit getan, den Artikel finden Sie hier.

Der Spiegel legt nochmal nach

Auch der zweite Spiegel-Artikel vom gleichen Tag bleibt der US-Linie treu. Unter der Überschrift „Neue Spannungen in der Ostukraine – Moskau droht mit »Maßnahmen« im Falle westlicher Truppenverlegung“ kann man als Einleitung lesen:

„Russland hat erneut Truppen zur ukrainischen Grenze geschickt, die USA sprechen von einem »aggressiven und provokativen Vorgehen«. Nun antwortet der Kreml – eine weitere Stufe der Eskalation.“

Wieder wird die russische Truppenverlegung, von der niemand weiß, ob es sie gibt, gleich zu Beginn als Tatsache hingestellt. Die Reaktionen der USA sind bekannt, sie reden jeden Tag von den „aggressiven“ Russen. Dass der Kreml auf die pausenlosen Beschuldigungen antwortet, ist für den Spiegel schon „eine weitere Stufe der Eskalation.“

Das ist das Schöne an Propaganda: Wie es der Kreml macht, macht er es falsch. Wenn er auf die Frechheiten aus Washington und Kiew antwortet, ist das für den Spiegel „eine weitere Stufe der Eskalation.“ Würde der Kreml schweigen, könnte der Spiegel schreiben, dass die bösen Russen aggressiv sind und auf Gesprächsangebote nicht reagieren. Man kann alles so darstellen, dass es ins gewollte Bild passt. Genau das macht der Spiegel. Nur hat das noch etwas mit Berichterstattung zu tun, oder ist das Propaganda?

Wird ein großer Krieg riskiert?

Dass der Spiegel seine Leser auf einen neuen Krieg einschwört, zeigt gleich der erste Absatz:

„In den vergangenen Jahren gab es mehrfach militärisch heikle Situationen entlang der russisch-ukrainischen Grenze – doch nun gehen neue Spannungen in der Ostukraine über das übliche Säbelrasseln hinaus. Russland konzentriert mehr Militäreinheiten als bisher entlang der Grenze, die Ukraine bereitet die Einberufung von Reservisten vor. Vor diesem Hintergrund warnten die USA die russische Regierung vor Versuchen, »unseren Partner Ukraine einzuschüchtern oder zu bedrohen«.“

Wieder werden die russischen Truppen, von denen niemand weiß, ob sie dort zusammengezogen werden, als Tatsache hingestellt. Dass die Ukraine ihre Reservisten einberuft, ist jedoch angeordnet worden, als von den angeblichen russischen Truppen noch gar nicht die Rede war. Aber das muss der Spiegel-Leser ja nicht wissen. Und wie gefährlich die Situation ist und dass vielleicht eine Eskalation des Krieges über den Donbass hinaus droht, dass zeigt der letzte Satz.

Der nächste Absatz in dem Spiegel-Artikel ist sehr informativ, wenn man ihn aufmerksam liest:

„Jetzt hat der Kreml auf die Vorwürfe reagiert. »Russland bedroht niemanden und hat nie jemanden bedroht«, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow vor Journalisten. Zu einer möglichen westlichen Truppenverlegung in die Ukraine betonte Peskow, dass »ein solches Szenario zweifellos zu einem weiteren Anstieg der Spannungen in der Nähe der russischen Grenzen führen« würde: »Natürlich würde dies zusätzliche Maßnahmen der russischen Seite erforderlich machen, um die russische Sicherheit zu gewährleisten.«“

Westliche Truppen in die Ukraine?

Was bitte ist eine „westliche Truppenverlegung in die Ukraine“?

Soll man das so verstehen, dass die Nato plant, ihre Truppen in die Ukraine zu schicken? Genau davor wird in Russland gewarnt: Die Ukraine beginnt eine Offensive im Donbass, die wird – wie in den vergangenen sieben Jahren – scheitern, und dann kommt die Nato zur Hilfe? Ist das gewollt?

Der Spiegel geht darauf nicht ein, sondern konzentriert sich darauf, dass der Kremlsprecher sagt, dass Russland auf eine westliche Truppenverlegung in die Ukraine reagieren müsste. Das klingt für den Spiegel-Leser böse, schließlich ist Russland ja für ihn der Aggressor. Aber welches Land würde nicht reagieren, wenn Soldaten eines Bündnisses, das dem Staat offen feindselig gegenübersteht, an seine Grenzen verlegt werden?

Und dann kommt wieder die angebliche russische Truppenpräsenz:

„Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte Russland am Donnerstag vorgeworfen, seine Truppenpräsenz an der Grenze zur Ukraine verstärkt zu haben. Moskau wolle dadurch eine »bedrohliche Atmosphäre« schaffen. Der ukrainische Militärgeheimdienst beschuldigte die russische Armee, ihre Präsenz in den von den prorussischen Rebellen kontrollierten Regionen Donezk und Luhansk ausweiten zu wollen.“

Hier sehen wir es wieder: Die Meldungen über die angebliche russische Truppenpräsenz kommen aus Kiew. Nicht einmal die USA melden, dass sie diese russischen Truppen mit ihren Satelliten gesehen hätten. Der Spiegel glaubt einer Meldung aus Kiew, das in dem Krieg schon so viel gelogen hat, blind. Kritische Fragen vom Spiegel dazu? Fehlanzeige.

Was haben die USA vor?

Wirkliche Sorgen sollte einem diese Aussage machen:

„Nach Angaben aus Kiew sagte US-Verteidigungsminister Lloyd Austin seinem ukrainischen Kollegen Andrej Taran in einem Telefonat zu, die Ukraine »im Falle einer eskalierenden russischen Aggression« nicht alleinzulassen.“

Und ein dritter Spiegel-Artikel am gleichen Tag

Was die USA damit meinen, die würden die Ukraine nicht alleine lassen, konnte man in einem weiteren Spiegel-Artikel vom Abend des gleichen Tages lesen. Unter der Überschrift „Russische Truppenbewegungen – Biden sichert Ukraine »unerschütterliche Unterstützung« zu“ konnte man lesen:

„US-Präsident Joe Biden hat seinem ukrainischen Kollegen Wolodymyr Selenskyj versichert, er könne auf die »unerschütterliche Unterstützung« Amerikas für die Souveränität und Integrität des Landes zählen. Beide Präsidenten führten am Freitag ihr erstes Telefonat seit Bidens Amtsantritt im Januar. Das Weiße Haus warf Russland in einer Mitteilung »anhaltende Aggression« im Donbass und auf der Krim vor.“

Herzlichen Glückwunsch! Bedeutet das, dass die USA oder die Nato im Falle einer Eskalation im Donbass eingreifen wollen? Will man im Westen wirklich mit aller Kraft einen neuen großen Krieg in Europa, der vielleicht sogar als Krieg zwischen Nato und Russland ein nuklearer Krieg wird?

Jedenfalls lässt der Westen Kiew nicht nur freie Hand, der Westen feuert Kiew bei seinen Kriegsvorbereitungen auch noch kräftig an. Und „Qualitätsmedien“ wie der Spiegel unterstützen das, indem sie die Kriegspropaganda aus Washington und Kiew eins zu eins in ihre Artikel übernehmen, ohne auch nur ein kritisches Wort zu finden oder eine der vielen auf der Hand liegenden Fragen stellen.

Und das funktioniert, weil der Spiegel-Leser ja die ganze Vorgeschichte mit Kiews Eskalationsschritten nicht kennt. Es bewahrheitet sich mal wieder:

Spiegel-Leser wissen weniger!


Wenn Sie sich für mehr Beispiele für freche Verfälschungen der Wahrheit in den „Qualitätsmedien“ interessieren, sollten Sie Beschreibung meines neuen „Spiegleins“ lesen. Das Buch ist eine Sammlung der dreistesten „Ausrutscher“ der „Qualitätsmedien“ im Jahre 2020 und zeigt in komprimierter Form, wie und mit welchen Mitteln die Medien die Öffentlichkeit in Deutschland beeinflussen wollen. Von „Berichterstattung“ kann man da nur schwer sprechen. Über den Link kommen Sie zur Buchbeschreibung.

Quelle

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